Rezension.org - "Wilddiebe und Kritiker kennen keine Schonzeit"
rezensionen

‘Freizeit’

Frankreichs Süden mit dem Wohnmobil

Frankreichs Süden mit dem Wohnmobil – Traumtouren von der Cote d’Azur bis zum Atlantik von Markus Ott

Inhalt
Markus Ott gehört zu den Menschen die gerne Abwechslung im Urlauberleben haben und zudem noch ein Hundebesitzer ist, der im Urlaub seine beiden Vierbeiner nicht missen möchte und dadurch auch zum Wohnmobilurlauber wurde. Beruflich tätig laut seiner Vita ist er seit fast 30 Jahren als Journalist für Zeitung, Radio und Fernsehen in den Medien tätig. Mit diesem Buch hat er das für Ihn Angenehme mit dem Nützlichen verbunden und einen kleinen bisweilen feinen Reiseführer geschrieben.

Wie der Titel des Buches bereits aussagt, beschreibt er Touren die alle im Süden Frankreichs liegen. Er hat 5 Routen zusammengestellt, die, je nach eigener Schnelligkeit ca. 6 – 8 Tage dauern. Diejenigen, die möchten können auch alle Routen als Rundreise in einem Stück abfahren, da eine Route an die nächste Route anschließt. Seine Tour fängt am Genfer See an und führt über die Route Napoleon an die Cote d’Azur. Von dort geht es entlang des Mittelmeers zur Cote Vermeille mit Blick auf die Pyrenäen. Eine weitere fängt am Fuß der Pyrenäen an und führt zum Atlantik um von dort über Biarritz schnurgerade parallel zum Atlantik hoch am Cap Ferret vorbei und in Gironde angelangt. Die letzte und längste Tour lässt den Urlauber die französischen Weinanbaugebiete und die Bergwelt der Auvergne durchqueren um an der Loire zu enden.

Im Buch beginnt jede Etappe mit denn Infos über Start und Ziel, sowie Streckennamen, Streckenlänge, beste Jahreszeit und der Gesamtfahrzeit sowie dem entsprechen Kartenausschnitt mit Einzeichnung der Route, auch in einzelnen Abschnitten pro Seite. Eine komplette Route ist auf zwei Seiten am Ende des Buches übersichtlich dargestellt. Besondere kulturelle Information sind auf den entsprechenden Seiten beigefarben eingefärbt.

Fazit
Für uns, die noch nie in Frankreich und noch nie ein Wohnmobil gelenkt haben, hat dieses Buch die Voraussetzungen erfüllt, denn wir haben alles erhalten was wir wollten. Ideal auch die Kombination Hundebesitzer als Autor. Auch wenn Wohnmobilfahrer nicht unbedingt auf Campingplätzen übernachten möchten, so wäre es doch hilfreich gewesen, im Buch zu erfahren, dass viele keinen Hund während der Hauptsaison auf ihrem Gelände wünschen.

Wir hatten Glück und unser Hund durfte sich auf den jeweiligen Campingplätzen frei bewegen. Wir sind zwar Individualisten, aber als Anfangsindividualist einen roten Faden zu haben empfanden wir als sehr hilfreich, besonders in Bezug auf die Stellplatzsituation und teilweise schlechte Beschilderung im Süden Frankreichs. Es ist so etwas wie ein Grundgerüst, Strecke und mögliche Stellplätze und ein bisschen kulturelle Information kann nie schaden. Zum Schluss muss man aber sagen, dass es für Frankreichkenner kein interessantes Buch ist.

Der Verleumdete

Der Verleumdete: Die Geschichte des Landgrafen Albrecht II. von Thüringen von Bernd Kaufmann

Inhalt
Dieses Buch ist die Geschichte des aus dem Hause der Wettiner stammenden Landgrafen Albrecht II. und dessen Verbindung zu Margaretha, der Tochter des letzten „Stauferkaisers“, Friedrich II., die Albrecht II. ehelicht, als er nach unseren heutigen Vorstellungen noch ein Jugendlicher war. Es ist aber auch und vor allem die Geschichte des Landes Thüringen, das lange Zeit von Krieg geplagt, erst unter Albrecht II. eine Phase des Friedens und Wohlstands – nicht nur für die Herrschenden – erlebt.

„Angeführt von Margaretha von Hohenstaufen, blendend schöner Tochter des toten Stauferkaisers, zog die farbenprächtige Hochzeitsabordnung aus dem Königreich Sizilien, dem Regno die Sicilia, in ihrer zuvor nie gesehenen Einzigartigkeit von fulminanter Pracht das am Wegesrand versammelte Volk in staunende Bewunderung versetzend, an der Stadt Eisenach vorbei hinauf zur neu erworbenen prachtvollen Burg der nunmehr wettinischen Landgrafen von Thüringen. (…)Albrecht war überwältigt, als er Margaretha ansichtig wurde. Landgraf Heinrich betrachtete das Verhalten seines Sohnes genau und sah jetzt zum ersten Mal in ihm den Mann. Galant, wie er es dem Junker nicht zugetraut hätte, begrüßte der seine künftige Gemahlin und zog gekonnt auch seinen Vater mit ins Gespräch, als er dessen kluge Entscheidung lobte, ihn schon in sehr jungen Jahren mit der Tochter des von ihm hochverehrten Kaisers verbunden zu haben“.

Schon mit dieser ersten Begegnung entsteht zwischen den beiden „Versprochenen“ eine Beziehung, die ein ständiger Quell wechselseitiger Liebe und Achtung bleibt. Selbst die nach langem Thüringer Winter an Melancholie leidende Sizilianerin vermag Albrecht aufzuheitern, wenn er den ersten Sonnenstrahl im kalten Thüringer Winter für einen Ausritt mit ihr nutzt.

Der Autor
Bernd Kaufmann ist 1953 in Berlin geboren und auch dort aufgewachsen. Er lebt heute als selbständiger Unternehmer in der Pfalz.

Fazit
Die wirkliche Geschichte Albrecht II., des Sprosses des Adelsgeschlechts der Wettiner ist einer der parallelen Leitfäden des Buches. Ein weiterer Leitfaden ist das Leben Margarethas von Hohenstaufen auf dem Hof des Thüringer Landgrafen. Es wäre jedoch verfehlt, hieraus zu schließen, das Buch sei ein Roman der  sich darin erschöpfte, die Geschichte der Liebe eines mittelalterlichen Herscherpaares zu beschreiben.; obwohl man zu allen anderen auch diese Essenz ziehen könnte. Der Autor gibt uns aber vielmehr einen Einblick in das Leben im 13 Jahrhundert, das er atmosphärisch vor unserem Auge entstehen lässt. Sanft zwingt uns Bernd Kaufmann dabei, die Geschichte des Landgrafen Albrecht II., der Jahrhunderte lang – wie die Quellen des Romans belegen – zu Unrecht als „der Entartete“ galt, neu zu überdenken.

Weil Margaretha auf einer Reise, die sie unternimmt, um für Ihre Kinder ihr väterliches Erbe zu sichern, in Frankfurt stirbt, wird Albrecht ohne einen Beleg hierfür ein Jahrhundert später als Gattengiftmörder dargestellt. Diesen Rufmord widerlegt „Der Verleumdete“. Der Roman korrigiert damit einen Fehler in der Thüringischen Geschichtsschreibung und rehabilitiert Albrecht II. Denn tatsächlich war Albrecht nicht nur seiner Frau bis zu deren letztem Tag in inniger Zuneigung verbunden, er war auch der Landgraf, der Thüringen einen langen Frieden und Wohlstand bescherte. Nicht ohne Grund beginnt Bernd Kaufmann seine „Historische Biographie“ mit dem Einzug Margareta von Hohenstaufen, der Tochter des letzten Stauferkaisers Friedrich II.

Bernd Kaufmann ist es auch in diesem historischen Roman wieder gelungen, die weiteren Figuren, die er in die Geschichte einbezieht, so auszuwählen, dass uns auch an Hand deren Schicksale und Lebensweisen der Alltag der Menschen im Mittelalter vor dem geistigen Auge entsteht. Wir erfahren vieles über das kirchliche, klerikale Leben, über das Leben der Bauern auf dem Land und der ersten „Handwerker“ in den Städten. Anekdoten, Situations- und Ortsbeschreibungen erwecken diese vergangene Welt zum Leben, ohne dass ein verzerrtes, auf Auflage schielendes Bild gezeichnet würde. Das ist kein Buch für Leser, die nach verfälschter, verherrlichter Zeit lechzen, denn hier werden alle Graustufen des Hochmittelalters sichtbar. Wer nach dem Lesen des Buches aufmerksam und offen durch Eisenach oder zur Wartburg wandert, dem werden die Wurzeln dieses Buches nicht verborgen bleiben.

Der Robin Hood von San Fernando

Der Robin Hood von San Fernando: Victor Vital und die Slum Kids in Buenos Aires von
Cristian Alarcon

Inhalt
Das Thema Gewalt, besonders Gewalt von Jugendlichen, ist immer noch und immer wieder ein Dauerthema in den Medien. In der lateinamerikanischen Variante des Themas kommt zur Jugendgewalt noch die Gewalttätigkeit, die von einer korrupten Polizei und von den Drogen- und Verbrecherkartellen ausgeht. In Alarcons Buch treffen wir ebenfalls auf diese unheilige Dreieinigkeit: Jugendliche, oft noch Kinder, mit Diebstählen, Beschaffungskriminalität, Drogensucht beschäftigt – wenn sie denn überhaupt etwas tun und nicht nur herumhängen – treffen mit den gefürchteten, äußerst brutalen Sicherheitskräften zusammen, oft und gerade, wenn sie für die Kartelle arbeiten. Die Rolle von Spitzeln übernehmen dabei oft die Dealer. Das Resultat ist im besten Fall Knast, worin einige Jungs auch noch ihren Stolz setzen, und im schlimmsten Falle, wie in dem von El Frente, Mord.

El Frente Vital, den die Leute wegen seiner schönen Stirn so nannten, starb mit 17. Während seines kurzen Lebens inszenierte er sich als eine Art Robin Hood, jedoch nicht als „Rächer der Armen und Entrechteten“, eher als ein etwas launenhafter Verschleuderer, mutig bis zur Tollkühnheit, der noch fast kindlich eigentlich nur geliebt werden will. Aber El Frente, der eigentlich Victor hieß, glaubte auch an Regeln und einen Ehrenkodex und das macht ihn in der Erinnerung der anderen zu einem Idol in einer Zeit, in der die moralischen Hürden, die die süchtigen Youngsters von immer rücksichtsloser Beschaffungskriminalität zurückhalten, zunehmend niedriger werden. Legendär war El Frentes Raub der Ladung eines Kühltransporters. Milchprodukte, sonst viel zu teuer für die Armen in den Slums, ließ die Gang an Kinder im ganzen Viertel verteilen. „El Frente hatte die fixe Idee, dass Kinder Joghurt essen sollen und keine Süßigkeiten“, erzählt seine Mutter. Das Grab des von der Polizei niedergeschossenen Jungen wird zum Wallfahrtsort für die Kids aus dem Slum, hier treffen sie sich auf ein Bier und einen Joint und bitten den Toten um Schutz vor den Kugeln, denen er selbst nicht ausweichen konnte.

Der Journalist Cristian Alarcon, fasziniert von diesem neuen Heiligenkult um einen kleinen Kriminellen, recherchierte zwei Jahre lang in den Armenvierteln von Buenos Aires, beobachtet, redet und schaffte es nach und nach, das Vertrauen der Jungen, der Mädchen und, besonders wichtig, der Mütter zu gewinnen. Nach und nach erfährt er Geschichten, versteht Zusammenhänge und setzt Lebensgeschichten zusammen von jungen Männern, deren Dasein sich zwischen Familie, Erziehungsanstalt und Gefängnis bewegt. Allen gemeinsam ist ihr Hass auf die Polizei, jeder kennt einen, den die Polizei erschossen hatte und bewahrt diesen Schmerz sorgsam auf.

Fazit
Alarcon gelingt es trotz seiner Nähe zu seinen „Studienobjekten“ die Fallen der Idealisierung, der Sentimentalitäten zu vermeiden. Er schreibt meist im Stil eines allwissenden Reporters, subtil, kühl und faktenreich und überlässt es dem Leser, Wertungen vorzunehmen. Facettenreich setzt sich ein Bild der kriminellen Jugendszene zusammen. Für sein Buch, eigentlich eine literarische Reportage, erhielt Alarcon 2005 in den USA den Samuel Chavkin-Preis für integeren Journalismus.

Mission Marathon

Mission Marathon – Oder: Wie ich kein Superläufer wurde von

Inhalt
In Mission Marathon schildert Lothar Koopmann, seines Zeichens Leiter des Duisburger Mercator-Verlags, Vorsitzender einer Kleinkunstbühne und bekennender Marathon-Läufer auf recht amüsante und schonungslos offene Weise seine Erfahrungen auf dem Weg vom gelegentlichen Jogger zum begeisterten Marathon-Läufer. Er unterteilt sein Werk dabei in verschiedene kurze Kapitel, die alle manchmal mehr und manchmal weniger mit dem Laufen an sich zu tun haben.

Er beschreibt die Quälereien, die ein Marathon-Läufer auf sich nimmt, um eines Tages sein großes Ziel zu erreichen und ergänzt dies durch humorvolle Beschreibungen der typischen Probleme und Fragen, die einen Läufer beschäftigen – von kleineren und minder schweren Verletzungen über die richtige Ernährung eines Läufers bis hin zur „Abrechnung“ mit Hundebesitzern, die Läufern im Wald das Leben bzw. das Laufen schwer machen.

Ein Buch mit zahlreichen lustigen Stories über das Laufen, welches insgesamt einige Stunden kurzweiliges Lese-Vergnügen garantiert
Der Autor Lothar Koopmann entstammt einer rheinischen Arbeiterfamilie, und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er in seinem Werk „Mission Marathon – Oder: Wie ich kein Superläufer wurde“ kein Blatt vor den Mund nimmt und seine Erfahrungen großteils im typischen „Ruhrdeutsch-Slang“ zu Papier bringt. Er macht dabei von Anfang an klar, dass seine Motivation, um mit dem Laufen zu beginnen nicht das Ziel war, Bestzeiten zu erreichen, was der Untertitel des Romans noch einmal unterstreicht. Ohne dem Autoren zu Nahe treten zu wollen, dürfte dieser Aspekt aber wohl jedem Leser ohnehin klar sein, welcher sich kurz mit der Biographie des Autoren beschäftigt bzw. beschäftigt hat – denn jemand, der 1952 geboren ist und sich nun im beginnenden 21. Jahrhundert dem Laufen zuwendet, wird es wohl kaum noch zu olympischen Ehren bringen.

Doch dies ist vielleicht gerade auch mit ein Grund dafür, dass „Mission Marathon“ auch von „Fachfremden“ leicht gelesen werden kann, schließlich gibt es genug Leute und Leser, die sich gern sportlich betätigen, der Sportart des Laufens aber so gar nichts abgewinnen können und den Marathon für eine Form der modernen Selbsterniedrigung halten. Nicht selten beschleicht den Leser allerdings der Verdacht, dass auch dem Autoren selbst dieser Gedanke nicht ganz fremd ist, denn besonders die zwischendurch eingestreuten Karikaturen machen immer wieder deutlich, dass die Disziplin des Laufens nun nicht unbedingt in die Kategorie der sogenannten „Fun-Sportarten“ fällt.

„Mission Marathon“ beschreibt somit den Weg eines einst unsportlichen Manns im „fortgeschrittenen“ Alter zum bekennenden Marathon-Läufer, wobei die Beschreibungen der einzelnen Laufstrecken und -arten und die Schilderungen der Vorbereitungen für einen Lauf immer wieder durch kleine Anekdoten aufgelockert werden, in denen etwa der „Marketing-Wahnsinn“ verschiedener Sportartikelhersteller parodiert wird.

Aber auch wenn „Mission Marathon“ insgesamt ein recht amüsantes Werk ist, besitzt das Buch einige Schwächen, die mit Fortschreiten des etwas losen Handlungsverlaufs doch etwas stören und somit ermüdend wirken. Ein Beispiel dafür ist etwa die Formulierung „angetraute Ehefrau“ – der Autor benutzt diese Phrase immer wieder mit scheinbar wachsender Begeisterung, ohne dass hierfür ein wirklicher Grund erkennbar ist – weniger wäre hier mehr gewesen. Auch die angeblich „versehentlich ins Buch hineingeratenen“ Anmerkungen der Redaktion und des Verkaufsleiters des Verlag in Form von Fußnoten, die immer wieder gewissermaßen als „Running Gag“ eingestreut werden, wirken auf Dauer ermüdend, da sie leider meist einen sehr „bemühten“ Eindruck machen.

Fazit
Insgesamt ist „Mission Marathon – Oder: Wie ich kein Superläufer wurde“ ein recht amüsantes Werk, welches sowohl von Läufern als auch von Nicht-Läufern gleichermaßen leicht gelesen werden kann. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei dem Werk um die „nebenbei“ zu Papier gebrachten Erinnerungen und Anekdoten und auch gleichzeitig um das Erstlingswerk eines Hobbyläufers handelt, sind die genannten Schwächen des Buchs auch noch zu verschmerzen. Kein überragendes Werk, als einmalige Lektüre für Marathon-Interessierte, die das Thema selbst nicht allzu ernst nehmen aber zweifelsohne dennoch interessant.

Pflanzen der Kelten

Pflanzen der Kelten: Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender von Wolf-Dieter Storl

Inhalt
Mit „Pflanzen der Kelten: Heilkunde, Pflanzenzauber, Baumkalender“ bietet der bekannte Kulturanthropologe und Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl einen tiefen Einblick in die Pflanzenmythologie eines Volkes, das fast tausend Jahre lang zu den führenden Völkern in großen Teilen Europas gehörte und dessen Wurzeln unbemerkt noch heute in diversen Aspekten unserer Gegenwart verwoben sind. Gerade unter diesem Gesichtspunkt lässt sich das Buch mit großem Gewinn lesen, wobei man behutsam in Bezug auf Sprache, Bräuche und die damalige Organisation der Gesellschaft der Kelten eingeführt wird, so dass das grob umrissene Bild dazu dient die mythische Verarbeitung der Umwelt nachvollziehen und verstehen zu können.

Heilkunde und Pflanzenzauber
Die Kelten trugen noch das Wissen um die diversen Heilkräfte der Kräuter, Bäume und Sträucher, die grundlegend mit ihrem Dasein in Verbindung standen in sich und nutzten diese für die Heilung von Krankheiten, das Abwenden von Unglück und Schaden, sowie um ihren Göttern zu danken und sie weiterhin milde zu stimmen. Jedoch beschränkt sich Storl nicht auf einen einseitigen Blick, sondern er bezieht die Rolle der Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde mit ein. In dieser Einheit des Buches erfährt man viele interessante botanische Fakten, die aus einer kulturanthropologischen Sicht interpretiert werden, außerdem erhält man einen ausführliche und umfassende Einführung in spezielle Rituale, beispielsweise was die Sammelvorschriften, die richtige Zeit oder den spirituellen und praktischen Umgang mit Heilpflanzen anbelangt. In dieser Hinsicht bietet der Autor auch ein einladendes Angebot an Rezepten für diejenigen, die eigene Erfahrungen zu machen suchen.

Der keltische Jahreskreis und Baumkalender
Wolf-Dieter Storls Expedition in diese allumfassende Lebensweise unserer Ahnen vertieft in diesem Kapitel den Bezug der Menschen zum Kosmos, genauer gesagt die zeitliche Einteilung des Jahres anhand von den Gestirnen und der Vegetation. Beginnend mit einer für das Verständnis notwendigen Einleitung in den mythischen Glauben zeichnet der Autor den Verlauf der Zeit von Feiertag zu Feiertag, zieht im Zuge dessen einen Vergleich zu christlichen Feiertagen und erklärt die jeweiligen Rituale und deren Bedeutung. Resultierend aus diesen Ausführungen werden zwei Modelle eines jahreszeitlichen Medizinrades skizziert. Der keltische Baumkalender wird im folgenden beschrieben, zu jeder Baumart werden Erläuterungen im medizinischen, aber vor allem mythologischen Betrachtungsfeld geliefert, so dass jedem Baum die ihm übertragene Gottheit zugeordnet wird.

Kräuter der Heilung
Nicht zuletzt sind es auch die Wildkräuter, die einen wichtigen Faktor im Leben der Kelten darstellen. So werden auch heute unbeachtete Pflanzen wie die Brennnessel, Efeu oder Nieswurz näher beleuchtet und ihre Verarbeitung in Mythen, Märchen und Sagen erklärt, wodurch man eingeladen wird, seine Umwelt mit offenen Augen zu betrachten.

Fazit
Dieses Buch kann man guten Gewissens selbst lesen oder auch verschenken. Es ist nicht nur interessant für alle Botaniker, Ethnologen und Mediziner, sondern es ist nicht zuletzt auch für jeden geeignet, der sich für die Natur, alte Märchen und Sagen und vor allem für seine eigenen Wurzeln begeistern kann. Durch die verständliche Schreibsprache macht Wolf-Dieter Storl dieses Kleinod für jeden zugänglich, der sich dafür öffnen möchte.

Tuareg in Libyen

Tuareg in Libyen – Identitäten zwischen den Grenzen von Ines Kohl

Inhalt
Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit den Tuareg in Libyen, die heute hauptsächlich im Südwesten in der Stadt Ghat und ihrer Umgebung, nahe der algerischen Grenze leben, und den Tuareggruppen, die aus dem Niger und Mali zugewandert sind. Beide Gruppen gemeinsam müssen sich mit dem Regime von Mu’ammar al-Qaddafi arrangieren, was nicht so einfach ist. Wie leben sesshafte Kel Azjer im Großraum Ghat und die ständig reisenden Imajeren oder manchmal als „Ishomar“ (von „chomeur“, französisch für „Arbeitsloser“) bezeichneten Immigranten aus dem Niger mit dem libyschen Staat, mit Mu’ammar al-Qaddafis Ideen der sozialistischen Gleichheit, Gerechtigkeit und der Einbindung von Minderheiten in den libyschen Staat? Dies ist das Thema dieser Feldforschungen, für die Ines Kohl zwischen 2004 und 2006 die Oase Ghat und die Familien der Tuareg besucht hat.

Die Tuareg versuchen sich weitgehend anzupassen, wenn es sein muss. Sie bleiben aber ihren Traditionen treu, wenn dies möglich ist, zum Beispiel im Haus, bei Festen, Hochzeiten und ähnlichen Anlässen. Die alteingesessenen Kel Azjer beäugen die zugewanderten Ishomar mit Misstrauen und verteidigen „ihre“ Bräuche als traditionell, während die Ishomar „modern“ sind. Genauso versuchen die Imajeren (Ishomar) aus dem Niger ihre Traditionen zu bewahren und zu leben. Sie erinnern sich mehr an Sprichwörter, Gedichte und Überlieferungen als die Kel Azjer, die zum Beispiel das Arabische und durch die Schule die libyschen Ansichten lernen. Allerdings sind sie flexibler durch ihre Reisen und passen sich an bzw. entwickeln „neue“ Traditionen.

Durch ihre Lebensweise als Nomaden ist die Gesellschaft der Tuareg (Imuhar in Algerien, Imajeren in Mali, Niger, Libyen) schon immer flexibel und anpassungsfähig gewesen. Ein Umstand, der heute bitter notwendig ist, um in den Saharaländern überleben zu können. Immer wieder leiden sie unter Wassermangel und Hungersnöten und haben es trotz allem geschafft, über Tausende von Jahren ihrer Heimat, der Sahara, zu trotzen. Die Tatsache, dass seit der Teilung der Sahara durch die Kolonialmächte die Tuareggruppen auf fünf Länder „aufgeteilt“ wurden (Algerien, Libyen, Burkina Faso, Mali und Niger), hat die Tuareg überall zu Minderheiten gemacht. Heute leben etwa 1 Million Tuareg auf diese Länder verteilt, in Algerien rund 30.000, die meisten in Niger und Mali.

Für ihre Dissertation am Institut für Kultur und Sozialanthropologie der Universität Wien schrieb Ines Kohl die vorliegende Studie über die Tuareg in Libyen. Dieses Buch ist eine Überarbeitung und Aktualisierung ihrer Forschungen zwischen 2004 und 2006. Ines Kohl hat von klein auf Ihre Eltern auf deren Reisen in die Sahara bzw. nach Libyen begleitet und ist so „zwischen den Zelten“ aufgewachsen. Schon ihr Vater hat Publikationen über Libyen verfasst, die ihn als Libyenkenner ausweisen.

Fazit
Für den fachlich interessierten Leser ein gut recherchiertes Buch über die Tuareggruppen, die in Libyen bzw. in der Oasenstadt Ghat leben – ein wissenschaftlicher Beitrag über 245 Seiten, ergänzt mit 51 Schwarz-Weiß Fotografien sowie 17 Tabellen, Kartenskizzen und Zeichnungen.

Japan – seine Städte und Provinzen

Japan – seine Städte und Provinzen von Yuko Kimura, Wilhelm Blassen, Hartmut Pohling und Kerstin Teicher

Inhalt
Der mehr als 600 Seiten umfassende Bildband „Japan – seine Städte und Provinzen“ gehört zu einer Reihe aus dem , in der unter anderem auch schon Bildbände zu den Ländern Vietnam, Russland und Südafrika erschienen sind. Der vorliegende Bildband zu dem im westlichen Europa doch nach wie vor relativ „unbekannten“ bzw. von weiten Teilen der Bevölkerung eher wenig beachteten Land Japan soll dem Leser und Bildbetrachter die Kultur und die Lebensweise der Japaner näherbringen, wobei sich der Bildband aber nicht nur auf kulturelle Eigenheiten und geographische Besonderheiten beschränkt sondern darüber hinaus auch immer wieder interessante Einblicke in die japanische Wirtschaft und Geschichte bietet.

Die umfangreichen und in die Tiefe gehenden Beschreibungen des Bildbandes werden dabei, wie bei einem Bildband üblich, durch zahlreiche hochauflösende Bilder aufgelockert und veranschaulicht. Dabei unterscheidet sich „Japan – seine Städte und Provinzen“ allerdings an vielen Stellen recht deutlich von anderen Bildbänden. Ein Aspekt, der hierbei besonders hervorsticht, ist die außergewöhnliche Gliederung des Werks. So ist der Bildband nicht etwa in verschiedene Rubriken wie etwa „Geschichte“, „Kultur“ und Wirtschaft unterteilt, sondern in dem Bildband arbeiten die verschiedenen Autoren systematisch die wichtigsten japanischen Städte und Regionen „ab“ und stellen diese vor, so dass man sich während des Lesens immer an der Geographie Japans orientieren muss.

Ein außergewöhnlicher Bildband, für dessen Lektüre man viel Zeit mitbringen sollte
Der vorliegende Bildband ist ein Werk, welches dem Leser nicht nur beeindruckende Bilder bietet, sondern auch immer wieder die Denkleistung des Lesers einfordert. „Japan – seine Städte und Provinzen“ ist also kein Bildband, bei dem ganz besonders viel Wert auf künstlerisch anspruchsvolle Bilder gelegt wird, die dann lediglich mit kurzen Beschreibungen ergänzt und erklärt werden, sondern die Beschreibungen gehen so sehr in die Tiefe, dass man mitunter schon allein mit der Lektüre der Texte viel Zeit verbringen kann, um danach mithilfe der Bilder noch weiter in die japanische Welt „einzutauchen“.

Aber auch wenn „Japan – seine Städte und Provinzen“ ein vergleichsweise textlastiges Werk ist, rechtfertigen schon fast die Bilder allein den Kauf des Bildbands – hier hat man sich also offenbar sehr viel Mühe gegeben, um nicht nur einfach Orte und Sehenswürdigkeiten zu fotografieren und abzubilden, sondern dabei auch immer noch die jeweiligen Stimmungen der Menschen und Orte einzufangen.

So überzeugt der Bildband auch in vielerlei Hinsicht, und das Werk hat nur wenige Schwächen, die das Lesevergnügen geringfügig trüben. So haben sich an der einen oder anderen Stelle noch Rechtschreibfehler eingeschlichen, was bei einem Werk mit mehr als 600 Seiten aber verständlich und auch zu verschmerzen ist. Ein Manko, was leider etwas schwerer wiegt, ist die anfangs sehr gewöhnungsbedürftige Unterteilung des Werks in Städte und Regionen. Hier wäre eine kleine Einführung und Erläuterung am Anfang des Werks wünschenswert gewesen.

Fazit
„Japan – seine Städte und Provinzen“ entführt den Leser anhand von zahlreichen Bildern in die Welt Ostasiens und in die einzelnen Regionen Japans. Dabei bekommt man auf leicht verständliche Weise viele interessante Fakten nähergebracht, die sich so in fast keinem Reiseführer finden. Der Preis von 39,90 Euro ist für ein derart umfangreiches Werk mehr als gerechtfertigt, und wer sich einmal umfassend über Japan informieren möchte, ohne das Land direkt zu besuchen, bekommt mit dem vorliegenden Bildband die Chance dazu.

Ein ungezähmtes Leben

Ein ungezähmtes Leben von

Inhalt
In „Ein ungezähmtes Leben“ erzählt die mit dem Bestseller „Schloss aus Glas“ bekannt gewordene Autorin Jeannette Walls die (Lebens-)Geschichte ihrer Großmutter Lily. Der Leser bekommt es laut Klappentext des biographischen Romans somit mit der Geschichte einer „starken, eigensinnigen Frau“ zu tun, die sich im damals noch Wilden Westen der USA, genauer gesagt in Arizona als Ehefrau, Mutter und „wilde Dame“ bewährt und ihre Familie durchgebracht hat.

Jeannette Walls schreibt dabei aus der Ich-Perspektive ihrer Großmutter Lily und lässt somit nicht nur die außergewöhnliche Geschichte einer Rancherfrau Revue passieren, sondern sie fängt mit „Ein ungezähmtes Leben“ auch ein Stück weit das Lebensgefühl der Menschen im tiefen Westen der USA während des Übergangs vom 19. zum 20. Jahrhundert ein.

Ein wirklich außergewöhnlicher Roman, der auf europäische Leser allerdings mitunter etwas befremdlich wirkt und leider auch einige Schwächen aufweist

Mit ihrem Roman „Schloss aus Glas“ hat sich Jeannette Walls schnell in der Welt der Literatur etablieren können, und ihr zweiter Roman knüpft in gewisser Weise an „Schloss aus Glas“ an. So arbeitet die Autorin auch in „Ein ungezähmtes Leben“ weiter die Geschichte ihrer Familie auf, darüber hinaus lässt sich über „Ein ungezähmtes Leben“ genau wie auch schon über „Schloss aus Glas“ sagen, dass das Buch ein Roman über unangepasste Persönlichkeiten im Amerika des 20. Jahrhunderts ist. Allerdings konzentriert sich Walls nicht so sehr darauf, die Macken der teilweise doch schon etwas schräg wirkenden Protagonisten herauszustreichen, sondern sie erzählt mit einer Selbstverständlichkeit, die den Leser leicht in das Geschehen eintauchen lässt die Geschichte von Lily und ihrer Familie, auch wenn der Leser die Gefühle und Handlungen der Protagonisten dabei sicher nicht immer nachvollziehen kann.

Aber obgleich Walls es versteht, sehr authentisch und lebensecht zu erzählen und zu beschreiben, mag es dem einen oder anderen Leser schwerfallen, sich wirklich in die Protagonisten hineinzuversetzen. Es lässt sich hierfür noch nicht einmal ein genauer und eindeutiger Grund bestimmen, vielmehr sorgen einige inhaltliche Feinheiten dafür, dass der Leser nicht recht mit den Figuren warm wird. Natürlich lässt sich dies nicht unbedingt pauschalisieren, aber beispielsweise enthält der Roman einige seitenlange Passagen über das Reiten und über Pferde im Allgemeinen, und wer hiermit nicht viel anfangen kann, hat mit dem Handlungsverlauf durchaus seine Mühen. Allerdings entschädigen die Passagen, die auf amüsante Art und Weise das Leben im „Wilden Westen“ charakterisieren (und manchmal auch karikieren) dann doch wieder für diese kleinen Schwächen und diese Passagen sind es letztlich auch, die dafür sorgen, dass man den Roman dann doch nicht so schnell wieder aus der Hand legt.

Ein Schwachpunkt, der jedoch leider (zu) häufig ins Auge fällt, ist die fehlende Reflexion der Ereignisse und der einzelnen Handlungen der Personen, so wird etwa die Tatsache, dass die Protagonistin in ihrem zeitweise ausgeübten Beruf als Lehrerin eine Lehrerin war, der gerne mal die Hand „ausgerutscht“ ist nicht nur beschönigt, sondern zwischen den Zeilen wird dieser Aspekt einfach nur als „lustig“ und „nötig“ und keineswegs als verachtenswert dargestellt.

Fazit
„Ein ungezähmtes Leben“ ist ein außergewöhnlicher Roman, der vor allem Lesern mit einem Faible für die Geschichte der USA oder einer Leidenschaft für Pferde gefallen wird. Durchschnittliche deutsche bzw. europäische Leser werden mit diesem Roman allerdings zeitweise ihre Mühe haben. Insgesamt also wahrlich kein schlechter Roman, aber (leider) auch nicht uneingeschränkt empfehlenswert.

Afrika – Die 101 wichtigsten Fragen und Antworten

Afrika – Die 101 wichtigsten Fragen und Antworten von

Was sollte man mindestens über Afrika wissen ? In seinem neuen Buch „Afrika – Die 101 wichtigsten Fragen und Antworten“ gibt der Autor Asfa-Wossen Asserate Einblicke in unseren südlichen Nachbarkontinent.

Afrika so nah und doch so fern
Dieser riesige Kontinent Afrika, der oft so fern, aber eigentlich so nah ist, nur vierzehn Kilometer trennen ihn von Europa, erscheint uns auch deshalb so weit entfernt, weil wir wenig darüber wissen und oft nur Kriege und andere Katastrophen von den Medien übermittelt werden. Gerade deshalb ist ein Buch, das wesentliche Fragen zu Afrika beantworten kann ein wichtiger Beitrag zum besseren Verständnis.

Aktuelles zur Fußball-WM in Südafrika
Die gerade beendete Fußball-WM zeigte ein fröhliches, buntes Bild von Südafrika mit seinen Bewohnern und den zahlreichen ausländischen Gästen, die insgesamt einen positiven Eindruck mit nach Hause nahmen. Der Autor geht auch darauf ein in seiner Frage Nummer 66: Was bedeutet die Fußballweltmeisterschaft 2010 für Südafrika im Besonderen und für Afrika im Allgemeinen ? Das Fernsehen bemühte sich im Vorfeld der Weltmeisterschaft um eine interessante Berichterstattung von verschiedenen Ländern und trug somit zu einem veränderten, neueren Afrikabild bei.

Fragen aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Natur
Auch auf provozierende Fragen wie zum Beispiel bei Fragen aus der Politik (Sind afrikanische Staaten korrupter als europäische Staaten ?, Welchen Einfluß haben die ehemaligen Kolonialmächte heute in Afrika ? Welche Regimes sollte man weder finanziell noch dadurch unterstützen, dass man in den betreffenden Ländern Urlaub macht ?) und Ausblick (Welche Probleme muß Afrika vordringlich lösen ?) gibt der Autor seine Meinung wieder.
Das vorliegende Buch „Afrika – Die 101 wichtigsten Fragen und Antworten“ von Asfa-Wossen Asserate, dem äthiopischen Historiker und Großneffen des letzten Kaisers von Äthiopien ist ein gutes Buch gelungen, das sich mit vielen, auch aktuellen Themen auseinandersetzt.

Nachschlagewerk für den schnellen Überblick
Man kann es als Nachschlagewerk nutzen, um sich einen groben Überblick zu verschaffen, denn auf 192 Seiten kann man nicht wirklich auf alle Themen vertiefend eingehen. Es ist auch schwierig in einer kurzen Zusammenfassung eine Frage für Gesamtafrika zufriedenstellend zu beantworten, denn oft genug haben die Länder Nordafrikas (Tunesien, Algerien, Marokko usw.) einen komplett anderen Ansatz als die Länder südlich der Sahara (Benin, Liberia oder Kenya, Mosambik).
Logischerweise sind die Antworten oft auf Äthiopien bezogen und als Beispiel wird oft Äthiopien angeführt.

Fazit
Der Autor kann geschickt Vorurteile ausräumen und Klischees begegnen und die Fragen bzw. Antworten regen zum weiteren Lesen und vertiefen an.
Sicherlich könnte man noch mehr als 101 Fragen über Afrika beantworten, aber das würde den Rahmen dieses Büchleins wohl sprengen.

Der verschleierte Völkermord

Der verschleierte Völkermord von Tidiane N’Diaye

Die Sklaverei wurde offiziell ab 1807 verboten. Trotzdem gibt es Staaten, wie zum Beispiel Mauretanien und Sudan, in denen es Gang und Gäbe ist, Sklaven zu halten, auch heute noch. In seinem Buch „Der verschleierte Völkermord“ klagt der Anthropologe Tidiane N’Diaye den arabomuslimischen Sklavenhandel in Afrika an.

Inhalt
Es gab mehrere Arten von Sklaverei und Sklavenhandel in Afrika, auf die der Autor näher eingeht. Den meisten Menschen ist der transatlantische Sklavenhandel vom 16. bis Anfang des 19. Jahrhundert bekannt. Von Westafrika, besonders Senegal (Insel Gorée) und das heutige Togo bzw. Benin (Sklavenküste), erlangten hierdurch traurige Berühmtheit, wurden Millionen Menschen nach Amerika, Brasilien und auf die Karibischen Inseln verschifft und dort zur Arbeit auf den Zuckerrohr- und Baumwollfeldern, später als Haussklaven und im Bergbau eingesetzt.

Sklavenhandel in den Orient
Dass es auch einen Sklavenhandel in den Orient gab und noch gibt, ist weniger bekannt.
Auch innerhalb Afrikas gab es eine Form der Sklaverei, die allerdings eher als Dienerschaft oder Knechtschaft betrachtet werden sollte. Denn diese Leute wurden nicht brutal zusammengeschlagen und in Ketten gelegt, im Gegenteil, wer seine Diener schlecht behandelte, war kein guter Herr. Auch hatten die Diener einige Rechte. In West- und Südafrika lebten die Gemeinschaften in sogenannten Krals zusammen mit ihren Sklaven und ihren Tieren. Die Herren sorgten für den Frieden zwischen den Gemeinschaften und ein gutes Ansehen, die Diener für das Vieh und bauten die Felder an. Sie erhielten anständige Kleidung und gute Behandlung. Oft wuchsen ihre Kinder gemeinsam mit denen des Herren auf. Auch erhielten sie einen Teil der Ernte für sich. Wurden sie schlecht behandelt, hatten sie Mittel, den Herren zu wechseln. Aber es wurde kein Handel mit ihnen getrieben !

Wege des Sklavenhandels in Afrika
Dass Sklaven geraubt und weiter verkauft wurden, dieses Phänomen wurde erst mit der Eroberung Afrikas bekannt. Und hier waren die, wie der Autor sie nennt, arabomuslimischen Eroberer ab dem 7. Jahrhundert bereits vor den europäischen Sklavenhändlern massiv unterwegs.
Eine der Hochburgen für diesen Handel war die Insel Sansibar mit der Hauptstadt Stonetown. Von hier wurden die Sklaven in den Orient bzw. in die arabischen Länder von der arabischen Halbinsel bis Syrien und Persien verschifft. Der zweite Weg führte durch den Sudan nach Ägypten. Auch durch die mittlere Sahara und über Mauretanien bis Marokko setzte mit der Eroberung Nordafrikas und Spaniens der arabomuslimische Sklavenhandel ein. Bis zu 17 Millionen Sklaven wurden bis heute aus Afrika mit grausamen Mitteln von ihren angestammten Lebensräumen entführt.
Einerseits wurde der Islam nach Afrika verbreitet. Dass aber Muslime einander nicht töten sollen, wie es im Koran steht, wurde schnell vergessen, denn schwarze Menschen waren von „niedrigerem Rang“.

Fazit
In neun Kapiteln zeigt der Autor Tidiane N’Diaye die „Geschichte des muslimischen Sklavenhandels in Afrika“ auf und bedient sich der Überlieferungen vieler Quellen, seien es Griots, die afrikanischen Übermittler, die die Geschichte mündlich weitergaben, frühe Reisende und Historiker wie Avicenna, Ibn Battuta oder Ibn Chaldun bis zu den Forschern im 19. Jahrhundert wie Henry Morton Stanley, David Livingstone oder Gerhard Rohlfs, der im Buch leider mit einem falschen Datum bedacht wurde. Er lebte von 1831 bis 1896, nicht wie im Buch angegeben von 1892 bis 1986!. Ein wichtiges Buch zur Aufklärung über die Sklaverei und den Sklavenhandel in Afrika.

Autor
Tidiane N’Diaye ist Athropologe und Wirtschaftswissenschaftler aus dem Senegal. Er hat mehrere Bücher zur Geschichte Schwarzafrikas und deren Kulturen geschrieben.

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