‘Bücher’
Kamtschatka von Marcelo Figueras
Inhalt
Der 10jährige Harry wird eines Tages aus dem Unterricht geholt und erlebt zusammen mit seinem kleine Bruder die Flucht der Familie aus Buenos Aires, weil die Eltern als Regimegegner nach dem Putsch 1976 (Jorge Videla kam an die Macht) untertauchen müssen. Mit Hilfe von Freunden finden sie ein Versteck auf dem Land, nach der Beschreibung stelle ich mir ein aufgelassenes Wochenendhaus vor. Die Eltern fahren ab und zu allein in die Stadt zurück, versuchen zu arbeiten, Informationen zu erhalten, noch etwas aus der alten Wohnung zu retten. Diese Fahrten können nicht vorbereitet werden, sondern ergeben sich aus dem Moment heraus. Die beiden Jungen werden in der Dorfschule angemeldet, bleiben dort Fremde. Eines Tages kommt ein junger Mann namens Lucas, der sich ebenfalls verstecken muss, hinzu. Er wird zu einem grossen wichtigen Bruder, mit dem Harry ernsthafte Gespräche führen kann. Schliesslich muss sich die Familie doch trennen. Die Kinder werden zu den Grosseltern gebracht, Lucas verschwindet. Harry überlebt, aber er sieht seine Eltern nie wieder.
Beurteilung
Diese Geschichte wird uns als Erinnerung nahe gebracht, eine Erinnerung an Verfolgungszeiten, an verdrängte Angst und Gefahr. Ich verfolge die Gedanken des Jungen, zum Teil kindlich, wenn er sein Spiel oder seine Autos wieder haben möchte, zum Teil erwachsen, wenn er spürt, dass sich seine Mutter einsam gefühlt haben musste. In die Abfolgen der Tage werden geschickt geschichtliche oder wissenschaftliche Erklärungen eingestreut. Sie werden wie nebenbei erzählt. Harry ist offen für diese Erkenntnisse, nimmt sie auf, denkt über sie nach und gibt sie dann an seinen kleinen ungläubigen Bruder weiter. Auch gibt es Rückblicke, die Hintergründe und das Entstehen dieser Familie beleuchten. Durch die unglaublich runde und bildhafte, auch witzige Sprache entsteht das Leben vor meinen Augen, das vernachlässigte Haus, der Garten, der Tümpel mit den Kröten, die hineinfallen, nicht wieder hinaus klettern könne, sterben und begraben werden müssen.
Die Tage in dem fremden Haus, ohne normale Abläufe, eigentlich in totaler Unordnung und mit Überlebensstrategien gespickt, sind für den Jungen aufregend, fast ein Spiel. Doch er beobachtet die Eltern genau und umsorgt fast wie nebenbei mit viel Liebe seinen kleinen Bruder. Die Liebe der Eltern ist allumfassend. Als Leser sehnt man sich die gleiche Liebe herbei.
Der Titel des Buches bezieht sich auf ein Spiel, das Vater und Sohn mit grosser Hingabe spielen und bei dem der Vater immer gewinnt, den Jungen nicht einmal aus Freundlichkeit gewinnen lässt. Es geht um Landeroberung und Verteidigung. Kamtschatka ist eine Region, in der man unbehelligt leben kann, weil sie so klein und unbedeutend ist. Daher wird der Name zu einem Synonym für ein Leben, das ohne staatliche Verfolgung gelebt werden möchte, ohne Angst vor dem nächsten Klingeln. Auch das Exil des Autors wird so genannt.
Fazit
Auch wenn Harry das Leben auf dem Land nicht als Flucht empfindet wie seine Eltern, bemerkt er doch ihre Angst und Unruhe, die einfach vorhanden und spürbar sind. Er spürt die Schwingungen, ohne sie benennen zu können. Das Leben dieser Tage ist nicht nur ein Versteckspiel, bei dem der Junge sehr gut aufpassen muss, sondern ein Spiel auf Leben und Tod. Auch wenn man die Geschehnisse, die ja im Nachhinein erzählt werden, nur aus dem Blickwinkel des Jungen miterlebt, spürt man doch die Gewalt des Regimes. Es mag nur eine Geschichte sein, vielleicht auch nur eine ausgedachte Geschichte, aber sie ist von ungeheurer Intensität. Ich habe geweint.
Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein
Er schrieb für sich allein
So wie jeder gute Roman mit dem ersten Satz beim Leser direkt gewinnen oder verlieren kann, wie die Kraft sich in der Geburt des Werkes ausdrücken kann, so vermag auch das Hörbuch mit dem Timbre, dem Akzent und der Artikulation des Sprechers den erfolgreichen oder weniger gelungenen Einstieg geben. Die Sensation des vergangenen Jahres, der wiederentdeckte Wahnsinn, den der große Hans Fallada 1946 als letzten Roman positionierte, gibt es bei Osterworld/Hörbuch Hamburg nun als Hörbuch. Und Ulrich Noethen, der gefragte Sprecher – wie der Begleittext etwas ungelenk formuliert – berlinert in bestem Akzent und derart gehaltvoll schon in den ersten Sekunden; im Treppenhaus eines Miethauses, deren Bewohner im dritten Stock in den Mittelpunkt rücken. Ulrich Noethen weiß einzufangen, zu verwandeln, zu begeistern. Nur wenige Augenblicke genügen. Allein das macht die Kraft dieses Hörbuches aus.
So verwundert es nicht, dass die Kombination aus genialem Schriftgut und tollem Sprecher komplett zu überzeugen weiß. Acht CDs in einem schönen Pappschieber mit feinem Booklet (unter anderem Originalfotografien der Gestapo, die das vermeintlich aufrührerische Ehepaar, das Fallada portraitiert, zeigen) überzeugen auch äußerlich; innerlich begeistert oder vielmehr bewegt und erschreckt eine authentische Geschichte, der Fallada nur andere Namen und darüber hinaus sein ganz eigenes Credo hinzugefügt hat. Seine meisterhafte Fähigkeit ist es, den Missständen des nackten Affen, des triebgestörten Tieres Mensch, des sozialdramatischen Wesens homo sapiens, so bedrückend ehrlich auf die Schliche zu kommen, dass man ganz unweigerlich, egal ob beim Lesen oder Zuhören, den Atem anhalten muss vor so viel ungeschminkter Bitterkeit.
Nun hat es mit dem Schriftstück noch eine weitere Besonderheit, denn der 1947 im Aufbau-Verlag in einer leicht gekürzten Version erschienene Roman geriet zumindest im Ausland in Vergessenheit und wurde bis ins Jahr 2009 noch gar nicht ins Englische übersetzt. Doch gerade der angloamerikanische Raum lechzt ja bekanntlich nach den Widerstandsdramen der Nazizeit, egal aus welcher Feder auch immer. So was kommt, auch heute in Hollywood, beständig gut an. Der Hype, der dann entstand, hätte Fallada wahrscheinlich wahnsinnig gemacht; jedenfalls sind die Begeisterungsstürme orkanartig über diesen nun wiederentdeckten Klassiker hereingebrochen und auch in Deutschland erschein nun eine ungekürzte Version, die ebenso für Furore sorgte.
Widerstandsbeschreibungen sind häufig meist Überlebensberichte oder aus dem Glashaus skizzierte Welten, die sich der Realität entziehen. Aber die Quangels, die in Wirklichkeit Hampels hießen, sind so echt, so unverblümt, wie die Verkäuferin auf der Straße, die dir direkt ins Gesicht sagt, dass du heute krank aussiehst und besser zum Arzt gehst. Wie damals, als wir in der Schule den Lateinlehrer mobben wollten und kleine Notizzettel mit perfiden Angriffen entwarfen, so ähnlich hoffnungslos geht es in Falladas Roman zu, ging es in er deutschbraunen Wirklichkeit zu Beginn es zweiten Weltkrieges vor; just an dem Tag, an dem Frankreich kapitulierte, geht der Roman mit dem Tod des Sohnes des Ehepaares los.
Fazit:
Fallada war ein Wahnsinniger, ein Alkoholiker, ein Drogenabhängiger, ein Vielschreiber, der es tatsächlich fertig brachte, trotz seiner Sozialkritik in Deutschland während des dritten Reiches zu leben. Im Gefängnis war er schon früher, auch während der Nazizeit kurz, doch immer wieder stand er auf. Jeder stirbt für sich allein schrieb er in einer Entzugsanstalt in, Achtung!, einem Monat runter: Cold-Turkey-Kreativität, um dennoch oder gerade deshalb drei Monate später an Herzversagen zu sterben. Ein kreativer Irrer, der dem Rausch aus den bürgerlichen Alltagsschrecken entfloh und der zumindest die göttliche Fähigkeit besaß, diese eigene Schwäche wie kein zweiter in die Wirklichkeit seiner Bücher einfließen zu lassen. Ganz stark und das Hörbuch erfüllt darüber hinaus alle Anforderungen. Antibürgerliche und(!) bürgerliche Pflicht!
Paul Celan: Mohn und Gedächtnis Vorstufen Textgenese Endfassung
Eine Einführung
Paul Celan gilt als einer der bedeutendsten Autoren der hermetischen Lyrik. Sein Gedichtband “Mohn und Gedächtnis” erschien 1952 erstmals in der Deutschen Verlags-Anstalt und ist nach Angaben der Sekundärliteratur ein berühmtes Beispiel dieser Literaturgattung.
Über den Autoren
Celan wurde am 23. November 1920 in Czernowitz (damals Rumänien, heute Ukraine) geboren. Sein Geburtsname lautet Antschel, rumänisiert Ancel, woraus das Anagram Celan entstand. Er ist Sohn einer deutschsprachigen jüdischen Familie. Nach seinem Abitur 1938 studierte er zunächst Medizin, dann Romanistik. Im Zweiten Weltkrieg kamen seine Eltern in einem Konzentrationslager in Transnistrien ums Leben, Paul mußte in rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit im südmoldaischen Straßenbau leisten.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Celan zunächst weiter, nur um später dann als Lektor und Übersetzer zu arbeiten. 1947 floh er über Ungarn nach Wien. 1948 kam er nach Paris. Trotz seiner Liebesaffäre mit Ingeborg Bachmann heiratete er 1951 Gisele Lestrange, mit der er 1955 einen Sohn hat. Neben seinem literarischen Werk ist noch die Goll-Affäre, bei der es um Plagiatsvorwürfe. Der 20. April 1970 gilt als der Tag seines Selbstmordes.
Die Todesfuge
Die Todesfuge, Celans berühmtes Gedicht, thematisiert mit lyrischen Mitteln die Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten. Die deutschsprachige Fassung wurde 1948 erstmals veröffentlicht. Ihr mehrstimmiger Aufbau, der an eine musikalische Fuge erinnert sowie Benutzung paradoxer Chiffren, die die historischen Ereignisse andeuten, ohne sie zu benennen, sind Charakteristika des Textes.
Daß die Todesfuge auch heute noch bedeutsam ist, zeigt beispielsweise der Eintrag in der Internetenzyklopädie Wikipedia, wo es mit Stand vom 16. Februar 2012 unter dem Stichwort “Todesfuge” einen sehr umfangreichen Eintrag zu Form, Interpretation, Entstehungsgeschichte, Einflüsse, Adaptionen und Rezeption gibt.
Zum vorliegenden Buch
Die Todesfuge ist nur ein Werk, das in dem vorliegenden Buch enthalten ist. Gedichte wie Corona gelten als an Ingeborg Bachmann gerichtet.
Die hier besprochene Tübinger Ausgabe des Werkes von Paul Celan ist literaturwissenschaftlich orientiert. So bietet sie beispielsweise Informationen zur Entstehung der jeweiligen Gedichte. So wird etwa durch die Gegenüberstellung von Frühformen und Endfassung gezeigt, wie sich ein Gedicht während des literarischen Schaffens verändert. Die Endfassung gibt es dabei immer auf der Seite mit den ungeraden Ziffern.
Im Anhang werden Originalquellen abgedruckt und weitere literaturwissenschaftlich interessante Daten abgedruckt.
Die Intention, die Zielrichtung des Buches ist eindeutig. Hier wird ein wissenschaftlich vorgebildetes und vor allem an wissenschaftliches Arbeiten gewohntes Publikum angesprochen. Welcher Lyrikliebhaber ist schon daran interessiert, wie ein Text entsteht?
Schon beim Überfliegen und Querlesen wird schnell deutlich, daß es sich hier um schwere geistige Kost handelt, die der Interpretation bedarf. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Verständnis aber ohne biographische Angaben zu Celan gelingt. Wer diese Art von Literatur nicht gewöhnt ist, wird auch nur schwer einen Zugang dazu finden. Allein schon Satzbau und Wortwahl weichen zu sehr von der üblichen Lyrik ab, als daß sie eindeutig wäre. Für den Studienanfänger, für den Schüler, für den interessierten Laien fehlen einfach zu viele Informationen (die möglicherweise heute schon im Internet greifbar sind), als daß die Texte aus dem Buch heraus verständlich wären.
Ein Fazit
Das Fazit ist hier schnell geschrieben. Das Buch wendet sich an Celan-Fachleute, die sich gut mit seinem Werk auskennen. Für den normalen Literatur- und Lyrik-Liebhaber ist es einfach zu speziell.
Jean Bodin: Über den Staat
Das Buch wurde im Jahre 1572 als Original unter dem Titel “Sechs Bücher über den Staat” veröffentlicht. Nach Aussage der Inhaltsangabe auf dem hinteren Buchdeckel gehört das (komplette) Buch “zu den klassischen Werken der politischen Wissenschaft. Sie befassen sich mit allen Bereichen des staatlichen Lebens, das ohne souveräne Gewalt nicht denkbar ist”. Das Buch gilt als früher Fürsprecher des Absolutismus. Das Buch gehört zu Reclams Universal-Bibliothek und trägt dort die Nummer 9812.
Das Buch
Wie die Inhaltsangabe richtig bemerkt, legt der Verlag hier eine gekürzte Fassung vor. Überschriften wie “Über die Staatsformen”, “Über die legitime Monarchie”, “Über die tyrannische Monarchie”, “Vom Finanzwesen”, “Über die Aristokratie” und “Über Entstehung, Aufstieg und Blüte sowie Verfall und Zusammenbruch von Staaten” zeigen, daß hier die politisch-staatswissenschaftlichen Gesichtspunkte bevorzugt ausgewählt wurden. Wirft der Leser einen Blick in das Buch, wird er schnell feststellen, daß selbst die ausgewählten Texte noch einmal verkürzt wiedergegeben werden.
Wer den kompletten Bodin`schen Text kennenlernen möchte, sei an die Internetenzyklopädie Wikipedia. Unter der Überschrift “Sechs Bücher über den Staat” wird mit Stand vom 15.2.2012 eine gute, ausführliche, gründliche und dank ihrer populärwissenschaftlichen Herangehensweise auch leicht verständliche Inhaltsangabe abgeliefert.
Die Textauswahl macht den Hauptteil des Buches aus. In einem knapp zweiseitigen Kapitel beschreibt Gottfried Niedhart, der für Auswahl, Übersetzung und Nachwort verantwortlich ist, dann, nach welchen Kriterien das Buch zusammengestellt wurde. Das Nachwort liefert Hintergrundinformationen zu dem Autoren und seinem Werk. Abgerundet wird wird das Nachwort durch eine Einführung in die Bodin`sche Staatslehre.
Über den Autoren
Jean Bodin wurde 1529 / 1530 in Angers geboren. Er stammt aus bürgerlichen Verhältnissen mit bescheidenem Wohlstand. Sein Vater war vermutlich ein Schneidermeister. Nach seiner Schulausbildung wurde er Novize am örtlichen Karmeliterkloster, ging aber 1549 nach Paris, ohne Priester geworden zu sein. In der Hauptstadt studierte er sowohl an der Universität wie auch am humanistisch orientierten College des trois langues. In den 1550er Jahren war er dan an der Universität Toulouse, wo er römisches Recht studierte und unterrichtete. Ab 1561 war er als Anwalt in Paris zugelassen. Seine publizistische-wissenschaftliche Karriere begann er 1566. Insbesondere in den 1570er / 1580er Jahren hatte er immer wieder Kontakt zur Politik. So war er beispielsweise 1576 Delegierter des Dritten Standes auf der Ständeversammlung von Blois. Bodin starb 1596 an der Pest.
Eine Einordnung
Wie dick wäre das Reclam-Heft wohl ausgefallen, wenn Niedhart das gesamte Buch ins Deutsche übersetzt hätte? Ich habe keine genaue Vorstellung davon. Deshalb ist es für mich persönlich auch so schwierig, Bodin und sein Werk einzuordnen. Ist er nur zeitgeschichtlich interessant? Inwieweit kann man seine Gedanken auch auf heutige Verhältnisse übertragen?
Ich bin mir nicht sicher, wie geschickt die Herangehensweise des Verlages ist. Das vorliegende Buch gilt als das wichtigste Werk Bodins, der wiederum als der erste französische Staatstheoretiker von Rang gilt. Da Bodin der Familie einen bedeutenden Rang gibt, wäre es schon sinnvoll, dies Textpassagen beizufügen. In der vorliegenden Form macht da sBuch einen inhaltlich unvollständigen Eindruck. Was irgendwie bedauerlich ist. Wer bedeutend ist, soll auch den ihm gebührenden Rang in der akademischen Welt erhalten.
Ein Fazit
Das Buch ist ein wenig unbefriedigend. In der Welt der Staatstheoretiker, Politikwissenschaftler und Historiker dürften seine literarischen Hinterlassenschaften bedeutsam sein. Da hätte der Verlag schon eine genauere und trotzdem auch für den Laien verständlichere Auseinandersetzung mit Bodin – auc hwas die Textzusammenstellung anbelangt – gut zu Gesicht gestanden.
John Locke: Über die Regierung
Dieses Buch ist 1974 im Philipp Reclam jun. Verlag aus Stuttgart erschienen. Es gehört zu Reclams-Universal-Bibliothek und trägt dort die Nummer 9691.
Das Buch
Das Buch Two Treaties of Government, wie das englischsprachige Original heißt, wurde 1689 anonym von John Locke veröffentlicht. Es ist ein Werk der politischen Philosophie. Der zweite Teil der Abhandlung wird in der Sekundärliteratur als “Manifest für die liberale Demokratie und den Kapitalismus” angesehen.
Gehört der vorliegende Text zu den “Zwei Abhandlungen über die Regierung”? Bekommen wir als Leser hier vielleicht nur die zweite Abhandlung als Einzeltext präsentiert? Die Frage läßt sich nicht so einfach beantworten. Es ist nämlich nicht sofort ersichtlich, ob eventuell ein Teil des Originals weggelassen wurde und warum dies geschah.
Das Buch
Zuerst gibt es den umfangreichen historischen politikwissenschaftlichen Text. Auf 2 Seiten äußert sich dann Dorothee Tidow “Zur Übersetzung”. Hier wird dann ersichtlich, daß es sich beim dem Reclamheft nur um die zweite Abhandlung handelt. Tidow beschreibt nicht, wie eine Übersetzung bewerkstelligt wird, sondern eher, welche unterschiedliche Übersetzungen die beiden Abhandlungen es im deutschen Sprachraum bislang gab.
Peter Cornelius Mayer-Tasch liefert in seinem Nachwort (einschließlich der dazugehörigen Anmerkungen) eine doch sehr umfangreiche Einordnung des Textes. Dies geschieht auf einem politischen, literaturgeschichtlichen, geistesgeschichtlichen und allgemein geschichtswissenschaftlichem Niveau, das schnell verdeutlicht, daß hier Fachleute angesprochen werden. Wer sich nicht mindestens in englischer Nationalgeschichte auskennt, ist sowohl bei dem Nachwort wie auch dem Reclamhef schnell verloren.
Nach Lockes Biographie folgt das Literaturverzeichnis.
Ausgehend von der Einsicht, daß alte Texte – hinsichtlich Wortwahl, Grammatik und Rechtschreibung – doch für heutige Leser ungewohnt und schwierig sind, kann die Übersetzung von Lockes Text durchaus als gelungen bezeichnet werden.
Ein(e) Locke
John Locke wird am 29. August 1632 geboren. Sein Vater ist Gerichtsberater in Wrington (Somerset). John Locke wird 1647 in die Westminster School aufgenommen. Sie steht unter der Leitung eines Royalisten und gilt als eine der angesehensten Schulen ihrer Zeit.
Thomas Hobbes veröffentlicht 1651 den Leviathan, sein politisches Hauptwerk. Ob und inwieweit Locke davon beeinflußt wird, können Literaturwissenschaftler, Historiker und Politikwissenschaftler besser beurteilen als ich. FOlgt man der in diesem Buch enthaltenen Biographie, gibt es diesen Einfluß durchaus.
1652 wechselt Locke an das hochangesehene Christ Church College, wo er 1656 den Baccalaureus Artium als akademischen Grad erwirbt. Studierte er bislang Fäche wie klassische Sprachen, Metaphysik und Logik, wendet er sich nun den Naturwissenschaften, bevorzugt der Medizin, zu.
Im Jahre 1658 erwirbt Locke den akademischen Grad eines Magister Artium. Als “Senior Student” wir er im selben Jahr Mitglied des Lehrkörpers von Christ Church, eine Stellung, die er bis zum Jahre 1684 halten kann; “in Abwesenheit und auf ausdrückliche Anordnung des Königs” wird er 1684 aus seinem Amt entfernt, wie es in der Sekundärliteratur heißt. Seit 1661 tritt Locke, der im folgenden Jahr Dozent für Rhetorik und Philosophie wird, immer wieder mit Veröffentlichungen in Erscheinung. 1666 triff John Locke erstmals Anthony Ashley Cooper, Earl of Shaftesbury, der sein politisches Denken und seine politische Karriere beeinflußt und fördert. So ist es auch kein Wunder, daß Locke 1672 “Secretary of Presentation” und damit in der Regierung für kirchliche Fragen zuständig wird.
Der nächste Karriereschritt folgt dann im folgenden Jahr, also 1673, also Locke Sekretär des Rates für Handelsfragen wird. Auch wenn er auch weiterhin literarisch aktiv ist, nimmt die politische Karriere 1683 ein jähes Ende. Shaftesbury ist in eine Rebellion verwickelt, die Karl II vertreiben und seinen illegitimen Sohn auf den Thron bringen soll; als Shatesbury nach Holland flieht, folgt ihm Locke für kurze Zeit ins Exil. Locke stirbt am 28. Oktober 1704 in Masham.
Natürlich ließe sich noch viel mehr aus dem interessanten Leben erzählen. Diese Informationsflut würde hier aber zu weit führen. Interessant ist hier schon die Erkenntnis, daß sich bei Locke theoretische Grundlagenarbeit und praktische Erfahrung in der täglichen Arbeit miteinander verbinden. Ob es sich ein Politiker von heute erlauben kann, seine Arbeit literarisch zu reflektieren, wenn nicht sogar moralische, philosophische und politikwissenschaftliche Grundsätze aufzustellen?
Eine Beurteilung
Die Zielsetzung des Buches ist eindeutig. Es wendet sich an ein wissenschaftlich interessiertes Publikum, das wissenschaftliches Arbeiten gewohnt ist.
Nur zum Vergleich: Wikipedia heißte eine populärwissenschaftlich orientierte Internerenzyklopädie. Der dortige Beitrag “Zwei Abhandlungen über die Freiheit” würde nur etwa 1 Seite im Reclam-Heft ausmachen und damit formal und inhaltlich nur einen Bruchteil der dortigen Erläuterungen ausmachen. Nimmt man die qualitativen Unterschiede hinzu, ist der Reclam-Text wesentlich anspruchsvoller.
Bei der Biographie sieht es dagegen ganz anders aus. Reclam beschränkt sich auf eine tabellarische Übersicht; der 24seitige Wikipedia-Text führt auch umfangreich in sein Denken ein, wobei hier eine Gesamtschau der Locke`schen Veröffentlichungen erfolgt.
Legt man beide Quellen nebeneinander, ergibt sich ein gutes Bild von Buch und Person.
Ein Fazit
Reclam veröffentlicht hier eine historisch wichtige Quelle auf hohem Niveau.
Alec Cedric Xander – Secret Love
Alecs Roman – Debüt hat mich voll und ganz überzeugt!
Geschichte:
Jason lebt zusammen mit seiner alkoholkranken Mutter und dessen neuen Freund in einem kleinen Haus und verliebt sich in seinen neuen Nachbarn Nick. Nick, der in Jasons Schulklasse kommt, verliebt sich ebenfalls in Jason, doch können beide nicht zusammen sein, da ihr Umfeld es einfach nicht erlaubt. Nicks Vater ist nicht nur homophob, sondern setzt auch Gewalt gegen seinen eigenen Sohn an, und das nicht zu wenig. Außerdem zwingt sein Vater ihn Arbeit anzunehmen, die Nick gar nicht ausführen möchte, da diese sehr verrucht und peinlich ist. Auch der Sportlehrer hat es auf die beiden Verliebten abgesehen und schikaniert sie, wo er nur kann. Jasons beste Freundin Anna hält zwar in jeder Situation zu ihm, doch nachdem sich Jason von ihrem Freund trösten lassen hat, kündigt sie ihm die Freundschaft. In der Schule ist Jason von Beginn an ein Außenseiter, da er sich anders, als die anderen kleidet. Da Nick von seinem Vater geschlagen wird, weil er ja anscheinend homosexuell ist, beginnt er eine Beziehung mit einer Klassenkameradin, die Jason jedoch auf keinen Fall leiden kann …
Häusliche Gewalt, Trauer, Tod, Albträume, eine sehr gelungene Liebesszene, Sarkasmus …
Die Abwechslung, die in diesem Werk vorkommt, ist einfach gigantisch. Sehr schön fand ich die Verschnaufpause, als Nick mit Jason und dessen Oma in den Urlaub fährt. Man merkt richtig, dass die beiden Jugendlichen sich vom Herzen lieben und das was sie dort erleben, ist einfach HERZHAFT schön und bei manchen Szenen, muss man einfach lachen, weil sie so lustig beschrieben sind.
Cover:
Das Cover wirkt sehr freundlich, nachdenklich und passt zum Inhalt des Buches.
Rückenansicht:
Kurz und knapp, dennoch macht es Neugierig!
Fazit
Kurz gesagt: Dieses Buch hat alles, was ein perfektes Drama haben muss. Natürlich will ich nicht zu viel von der Geschichte verraten 
Alecs Schreibstil ist frisch und irgendwie neu. Abgesehen von den wenigen, glaube fünf oder sechs Rechtschreibfehlern, die die Lektorin wohl übersehen hat (kann mich aber auch irren, da sich die Rechtschreibung ja auch ständig ändert, aber mir als Leser geht es vor allem um die Geschichte, und nicht um solche Kleinigkeiten) , lässt sich die Geschichte flüssig und sehr gut lesen. Besonders gut gefallen hat mir, dass am Ende eines jeden Kapitels neue Fragen aufkommen oder etwas passiert und man als Leser einfach wissen möchte, wie es weitergeht. Höhepunkt ist natürlich das Finale, was alles noch einmal auf den Kopf stellt und wie in meinem Fall konfus gemacht hat. Ich saß da und dachte nur : Nein! Das darf doch nicht wahr sein! Ich brauchte echt ein paar Minuten um mich wieder fangen zu können
Schade fand ich allerdings (und finde es immer noch!), dass ich dieses Werk erst bei meinem Buchhändler bestellen musste und es nicht vorrätig war. Liegt wohl an der Thematik, was ich absolut nicht verstehen kann! Ganz Deutschland hat Feuchtgebiete gelesen, ein Werk von einer Frau, die null Talent hat und Autoren die Talent haben, werden wegen der prüdigkeit mancher Leute ignoriert. Hätte mir eine Freundin, die gerne Bücher mit und über Homosexuelle liest, mir nicht von diesem Werk erzählt, wäre ich niemals drauf aufmerksam geworden.
Ich kann das Buch nur weiter empfehlen!
Abenteuer! Maja Nielsen erzählt. Vulkane – Feuer und Asche über Pompeji
von Maja Nielsen (Autor), Claudia Carls (Illustrator)
Autor
Maja Nielsen wurde 1964 in Hamburg geboren. Sie hat keine geradlinige Karriere als Autorin. Sie hat zunächst eine ganz normale Schauspielausbildung gemacht in dem sie Schauspiel und Darstellende Kunst an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg studierte. Somit war sie einst als Schauspielerin auf verschiedenen Theaterbühnen in Hamburg, München, Stuttgart, Tübingen und Kassel zu Hause. Sie sang ebenfalls im Musical. Erst durch Anregung und das Interesse ihrer beiden Söhne begann sie mit dem Erzählen und Schreiben. Sie war auch als Märchenerzählerin in Kindergärten und Schulen tätig. Anfangs schrieb sie hauptsächlich Bilderbücher und mit dem Größerwerden ihrer Jungs wechselte sie ihr Genre hin zum Sachbuch. Sie verfasst hauptsächlich Abenteuergeschichten für Kinder, in denen das Sachbuchwissen integriert ist. Dazu recherchiert sie jeweils tiefgründig, trifft Experten und lässt sich von Kinderfragen leiten. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Preise.
Abenteuer! Maja Nielsen erzählt.
Aus ihren Geschichten ist die Buchreihe “Abenteuer! Maja Nielsen erzählt” des Gerstenberg Verlags entstanden. Sie wurde für Kinder, insbesondere abenteuerhungrige Jungen, ab acht Jahren geschaffen. Es werden Entdecker, Forscher, Wissenschaftler und Eroberer vorgestellt. Es geht ums Fliegen, Schiffsreisende, Indianer und vieles mehr. Selbst Themen wie Dinosaurier, Kosmonauten und Vampire kommen nicht zu kurz. All diese Bücher existieren ebenfalls in der Hörbuchvariante..
Sinnvoll ist, dass die spannenden Geschichten reichlich Hintergrundwissen beinhalten, das den Kindern ganz nebenbei gelehrt wird, ohne dass Sie zu einem wahrhaftigen Sachbuch greifen müssen.
Illustrator
Claudia Carls ist von Beruf Diplom-Designerin. Sie wurde ebenfalls in Hamburg geboren, aber erst 1978. Sie konnte sich zwischen ihren Berufswünschen, Schriftstellerin und Künstlerin, nicht recht entscheiden und fand den idealen Kompromiss dazu, indem sie Buchillustratorin wurde. Claudia Carls studierte Illustration und Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Sie lebt und arbeitet auch heute noch in Hamburg. Ihr Steckepferd ist die Gestaltung von Sach- und Bilderbüchern für Kinder. Sie ist jedoch sehr vielseitig geblieben und ist neben Illustration auch in den Bereichen Malerei und Plastik aktiv.
Aufbau und Inhalt
Nach der Einleitung “Höllenfeuer” folgen sechs Kapitel. Das erste “Steine regnen vom Himmel” ist der Geschichte Pompejis mit Erdbeben und Vulkanausbrüchen gewidmet. Über das Leben von Plinus, der sozusagen als der erste Vulkanforscher der Welt bezeichnet werden kann, wird im zweiten Kapitel berichtet. “Die Todeswolke”, so der Titel des dritten Kapitels beschreibt den Untergang Pompejis. Erst viele Hundert Jahre später wurde Pompeji wiederentdeckt, davon berichtet das vierte Kapitel. Das folgende berichtet davon wie der “Vesuv im Blick” behalten wird und stellt die Arbeit am Vesuvobservatorium vor. Das letzte Kapitel widmet sich der Arbeit der Vulkanologen, ihrer Faszination und ihrem Risiko. Im Anhang befindet sich eine Chronik von vor über 4,5 Milliarden Jahren bis heute, weiterführende Quellen und ein Register, wodurch doch der Sachbuchcharakter unterstrichen wird.
Neben der eigentlichen Abenteuergeschichte gibt es zahlreiche Fotos und Zeichnungen mit interessanten Legenden zur Illustration. Fast auf jeder Seite gibt es Kästen mit Hintergrundwissen zu einzelnen Personen, geschichtlichen Begebenheiten, geografischen Daten oder Definitionen zu wissenschaflichen Termini.
Fazit
Das Buch ist faszinierend, spannend zu lesen und enthält reichlich Geschichtswissen und Ausführungen zu Vulkanen allgemein. Es ist für Kinder ab etwa acht Jahren geeinget, da die Texte ziemlich lang sind und viele Informationen enthalten. Das Buch ist jedoch reich bebildert und hat ein ansprechendes Layout, so dass es Spass macht, darin zu lesen. Ganz nebenbei können Kinder so viel Interessantes über Vulkane, insbesondere den Vesuv und Pompeji erfahren.
Das fünfte Kind von Doris Lessing
Die Zeiten ändern sich. Die Menschen, ihre Mentalität, Denkweise, Empfindlichkeit – all das, was uns zu den intelligentesten Lebewesen macht. Nur eine Sache scheint seit Jahrhunderten unverändert zu sein – die Mutterliebe. Was aber wenn sie fehlt? Diese Frage versucht „Das fünfte Kind“ von Doris Lessing zu beantworten.
Inhalt – Gegen Benimmregeln
Nichts kündigt die herankommende Katastrophe an, es verläuft alles nach Plan. Eine Frau lernt einen Mann kennen, sie haben ähnliche Lebensvorstellungen und Erwartungen, sie heiraten – mit einem Wort: sie setzen ihre Wünsche konsequent durch – oft ohne darauf zu achten, was ihre Nächsten davon halten. Ihre Träume gehen in Erfüllung – sie kaufen ein schönes, großes Haus, (wenn auch auf Kredit), sie laden ihre Verwandten zu Weihnachten ein, und in regelmäßigen Abständen erwarten sie Nachwuchs, obwohl es doch manchmal schwer ist, alles in Einklang zu bringen. Alles scheint perfekt zu sein, bis auf die letzte Schwangerschaft, die alles aus gewohnten Bahnen herausreißt.
Von Anfang an geht alles anders als sonst – schlimmer, übler, nervöser, hektischer … Die Frau ist am Rand ihrer Kräfte, doch niemand will ihr das anmerken: weder der Arzt, noch die Mutter, geschweige denn der Mann. Die Geburt des nächsten etwas „drolligen“ Kindes bedeutet das Ende des bisherigen Familienglücks. Die Idylle wird unterbrochen. Die Mutter ist hin- und hergerissen, zwischen Pflichtgefühl und Widerwillen, von tiefster Hassliebe zu ihrem Sohn gezehrt versucht sie ihn loszuwerden, um gleich danach nach ihm die Hand auszustrecken. Sie kämpft gegen ihn, sich selbst, und das Unverständnis, auf welches sie stößt.
Das Kind scheint die ganze Situation in vollen Zügen zu genießen. Er kann dem Leser einigermaßen bekannt vorkommen: kein schönes Gesicht, durchdringende Augen, extrem wortkarg, durchaus boshaft und aggressiv – er versetzt in Angst nicht nur andere Kinder, sondern auch Erwachsene und Haustiere! Der Junge ähnelt einem unmenschlichen Wesen und seine mörderischen Triebe lassen uns an Grenouille (aus dem Buch „Parfüm“ von Patrick Süßkind) oder an Kevin (im Film: „We Need to Talk About Kevin“) denken.
Fazit – Wer trägt die Schuld?
Das Buch ist nicht neu aber überzeitlich. Die Geschichte kann allen Müttern unzulässig und grässlich vorkommen, doch wenn wir den Blick davon abwenden, bedeutet das noch lange nicht, dass das Thema vom Tisch ist. Hier werden wir mit dem Tabu konfrontiert, das immer noch herumgeistert: die Mutter MUSS ihr Kind lieben. Diejenige, die es abstößt, die sich weigert, es in die Arme zu nehmen, ist nur eins: Rabenmutter. Das Urteil kommt aber vorzeitig vor. Wer trägt die Schuld? Das Kind – das unschuldige nichtsahnende Wesen? Oder vielleicht die Gesellschaft, die uns hoch gesteckte Anforderungen stellt? Wer wagt die Frage zu beantworten?
Kafka am Strand – Haruki Murakami
Kafka am Strand - Die Reise eines Jungen, der sich selbst finden muss, auf dem Weg durch das beinahe undurchdringliche Labyrinth des Lebens, immer im Schatten der ödipalen Prophezeiung eines Vaters, der sich selbst als Johnnie Walker vorstellt und die schlagenden Herzchen von Straßenkatzen verschlingt.
Der 15-jährige Kafka will von Zuhause weg, weg von nichts und niemanden, was ihn hält oder der ihn liebt. Alleine mit seinem Vater, der berühmter Künstler und irgendwie auch Hersteller von Seelenflöten ist, lebte er vor sich hin, verbrachte die meiste Zeit in der Bibliothek oder im Fitnessstudio.
Einst prophezeite sein Vater ihm, dass er ihn töten und sich mit seiner Mutter und seiner Schwester – die Ehemann und Bruder vor langer Zeit verlassen haben – vereinigen wird.
Kafka Tamura flüchtet und landet in Takamatsu. Es zieht ihn in eine geheimnisvolle, alte Bibliothek, in der er den Hermaphroditen Herr Oshima kennen lernt. Und die Verwalterin der Bibliothek, Saeki-san, die er für seine Mutter hält. Und mit der er später viele Male schläft.
Die Suche nach seiner selbst, die durch viele innere Monologe, Gespräche mit dem Jungen namens Krähe (der; Junge, halb Mensch, halb Krähe, nur eingebildet), klassischer Musik und dem Verständnis des Lebens als einzige Metapher führt, verstrickt sich zusehends mit einem autistischen Mann ebenfalls aus Tokyo und dessen Begleiter Hoshino.
Dieser Autist heißt Nakata, ist erst seit seiner Kindheit ein solcher. Alte Militärakten berichten davon, wie eine ganze Schulklasse während des Zweiten Weltkriegs einen Ausflug in den Wald unternahm und sie dabei zusammenbrach.
Alle Kinder wachten beinahe sofort ohne weitere Schädigung wieder auf; alle außer Nakata, der erst Wochen später in einem Krankenhaus erwachte, der seine Fähigkeit zu lesen und zu schreiben verloren hatte und alle Erinnerung an sein früheres Leben.
Er lebt ein geruhsames Leben, und verdient sich ein kleines Taschengeld damit, verloren geglaubte Familienkatzen zu suchen. Seine Fähigkeit, mit Katzen zu sprechen, kommt ihm dabei natürlich zu gute.
Dieses Leben findet sein Ende mit der Ermordung von Johnnie Walker, die Nakata auf dessen eigenen Wunsch hin durchführte. Danach führt das Schicksal Nakata ebenfalls nach Takamatsu; auf seiner Reise per Anhalter schließt sich ihm der junge, kettenrauchende Frauenliebhaber und Fernfahrer Hoshino an, der sich als vortrefflicher Mitstreiter erweist, denn Nakata ist auf einer Mission, die er selbst nicht begreift: Er muss den Eingangsstein finden und den Eingang öffnen.
Unterwegs kann es schon mal vorkommen, dass der alte Autist mal Blutegel vom Himmel regnen lässt. Genauso wie die Reise des jüngeren Protagonisten Kafka muss Nakata das auf den ersten Blick ziemlich simpel gestrickte Konstrukt seines Gemüts durchqueren – eine Reise, die, fesselnd bis zum Schluss, den Leser mit sich reißt.
Fazit
Kafka am Strand, ein Buch, dass den Leser nicht nur mit auf die Reise durch anderer Leute Geister, sondern auch durch den eigenen führt und die ein oder andere (Selbst-)Erkenntnis ans Tageslicht befördert. Und das auch nach der letzten Seite. Unbedingt und absolut empfehlenswert.
“Das spezifische Gewicht der Zeit lastet auf dir wie ein alter, ambivalenter Traum. Unablässig bist du in Bewegung, um der Zeit zu entrinnen. Doch auch wenn du bis an den Rand der Welt läufst, wirst du ihr nicht entkommen. Und dennoch kannst du nicht anders, als bis an den Rand der Welt zu gehen.” – Haruki Murakami
George R.R. Martin – Das Lied von Eis und Feuer Band 1 Die Herren von Winterfell
Machen Sie sich bereit für etwas Großes
Die Saga beginnt in der “Welt der Sieben Königreiche”, in Westeros, deren Entwicklung dem Mittelalter gleicht. Der Norden wird von Eddard Stark und seiner Familie regiert, eines Tages erreicht ihn die Nachricht dass John Arryn, die Hand des Köngis ums Leben gekommen ist. Schenkt man den Heilern glauben, dann starb er am Fiebertod. Doch ranken sich viele Fragen um den wirklichen Grund seines Todes, seine Witwe Lysa glaubt fest daran dass Ihr Mann ermordet wurde.
Der König macht sich mit seinem Gefolge auf den Weg in den kalten Norden, König Robert möchte dass sein alter Freund Eddard Stark seine Hand wird und mit ihm das Land regiert. Gleichzeitig informiert Lysa Ihre Schwester Lady Catelyn Stark von ihrem Verdacht. Catelyn teilt Ihrem Mann Eddard Stark den Verdacht mit und ab diesem Moment jagt ein Verdachtsmoment den nächsten.
Die Familie der Königin, die Lannisters, scheinen etwas zu verbergen. Die Frage ist nur, was plant die Königin und ihr Bruder. Lord Eddard Stark fühlt sich berufen die Arbeit als Hand des Köngis anzunehmen. Denn er war einst das Mündel des verstorbenen Lord Arryn. Eddard möchte den Fall klären und stößt mit seinen Fragen nicht unbedingt auf Verständnis, wie es scheint hat jeder in Westeros das eine oder andere dunkle Geheimnis.
Eddard zieht mit seinen Töchtern und dem König in den Süden – obwohl sein Sohn Bran auf dubiose Art und Weise einen folgeschweren Unfall erlebt hat. Die Familie Stark gerät immer tiefer in einen Strudel aus Verrat und nicht nur Eddard schwebt in Gefahr.
Das Leben der Familie Stark und des gesamten Königreiches wird nie wieder so sein wie vorher.
Fazit:
George R.R. Martin hat mit diesem Buch einen atemberaubenden Auftakt zu einer Sage geschaffen die alles übertreffen wird. Liebe, Hoffnung, Verrat, Tod und alles was wichtig ist wird in diesem Buch thematisiert. Das Buch nimmt ungeahnte Wendungen und wird niemals langweilig.
Der Autor schafft es den Leser in seinen Bann zu ziehen, durch die verschiedenen Blickwinkel wird der Zugang zum Buch enorm erleichtert. Auch die Protagonisten werden schnell ins Herz geschlossen oder verdammt, erzählt werden die Kapitel immer aus der Sicht der verschiedenen Hauptfiguren.
Die Schauplätze sind immer anders und die verschiedenen Blickwinkel sorgen dafür das der Leser das Buch nicht weglegen kann. Die Fantsywelt wirkt so dicht und glaubwürdig wie noch keine andere zuvor.
Als Leser müssen Sie sich voll und ganz auf die Welt der sieben Königreiche einlassen können, da die Handlungsstränge fast unendlich sind und die Schicksale der Hauptfiguren sehr bewegend sind.
Das Lied von Eis und Feuer ist ein regelrechts Fantasy-Feuerwerk das Lust nach mehr macht..denken Sie daran: “Der Winter naht”.
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