‘Romane’
Allgemeines/Grundthese
Hochglanzsoftcover, blätterbraun. Dank Internetansicht erwartete ich ohnehin kein Märchen-Kitschbunt.
Mein erster äußerer Eindruck: natürlich, herbstlich, vielleicht mit verborgenen Waldwesen, Kobolde, dachte ich. Die Kinderaugen, die zwischen dem Laub hervorblitzen, weckten meine Neugier. Über 400 Seiten Fantasy, ein Abenteuerroman wird angekündigt, der anders sein soll. Nun ja. Ich ließ mich gerne überraschen.
Nach Kapitelansicht gibt es eine Menge Begegnungen, Merkwürdigkeiten, auch die für Fantasy typischen Kriege. Vor dem Lesen spiele ich mit jedem Buch Daumenkino. Dabei fielen mir etliche Schwarz-Weiß-Grafiken (keine Kunstdrucke) auf, die jedoch nicht bei jedem Kapitel dabei waren. Jede wirkte handgezeichnet, manche für meinen Geschmack zu düster.
Ganz himmlisch finde ich halt Papieroberfläche. Auch dem rauen Strukturgefühl bei diesem Roman kann ein eBook nicht Paroli bieten.
Struktur
Wie erwartet spielt das Abenteuer in einer eigenen Welt. Den Zeitenwechsel würde ich nicht als außergewöhnlich bezeichnen. Doch was mich wirklich überraschte: Die Schauplätze bleiben, trotz einiger wundersamer Veränderungen, detailliert an das Einführungskapitel des Romans angelehnt.
Mit guter Akribi werden Figuren entworfen, charakterlich durch das Geschehen geführt und bis zum Schluss im Zusammenspiel stringent erhalten. Statt eines roten Fadens finde ich mehrere davon. Die Szenen wechseln zum Teil abrupt von festlich zu still, dann wieder zu lärmend bis kriegerisch.
Sehr plastisch werden Figuren und Schauplätze gezeichnet, Handwerke und Völker beschrieben. Bekannte Wesen (Elben, Oger, Zwerge, Menschen, Drachen) werden hier grundsätzlich aufgegriffen, doch mit einem anderen Charakter als dem bisher bekannten ausgestattet. Die eben beschriebene Abwechslung schafft für mich eine sehr vielschichtige, doch überschaubare Romanstruktur.
Rückblenden finden nur sparsam statt, wörtliche Rede beschreibt nicht nur Pläne und Entscheidungen, sondern gehört zur Zeitzeichnung von Mysterien, Handwerken und Charakteren. Aktion und Reaktion der Handelnden und Redenden sind manchmal scheinbar willkürlich gewählt, entpuppen sich zum Schluss des Romans jedoch als beabsichtigt.
Schade fand ich, dass sinnliche Szenen keinen erinnerungsträchtigen Platz im Buch einnehmen.
Besonders hilfreich empfand ich eine Landkarte vor den Kapiteln, die Landschaft und Länder zeigt. Später brauchte ich ernsthaft diese Hilfe, weil im Buch auch viel gereist wird.
Sprache/Duktus
Die Sprache ist mittelalterlich gewählt, jeder Charakter erkennbar gezeichnet. Die Charakterzeichnung bestimmt die Wortwahl des Sprechenden.
Manko einiger Kapitel: Zu viel wörtliche Rede, zu lange Ansagen, zu wenig Bewegung zwischen den Sprecherwechseln. Auch schwierig zu verarbeiten sind einige kolossale Satzlängen. Der Duktus schwankt zwischen kindlich-naiv, ehrwürdig-geheimnisvoll und theatralisch-kriegerisch.
Begeistert bin ich von einigen Wesen, die trotz Charakterzeichnung geheimnisvoll bleiben. Schade, dass es bis zum Buchende bei der Andeutung bleibt!
Besonders »lecker« finde ich dies: Jeder Kampf- oder Schreckszene folgen Szenen im Kapitel oder der Beginn eines Folgekapitels voller Schlemmereien, Spiele, Musik und Tanz, Liebe und Humor.
Zusammenfassung
Ich hatte eine schlichtere Handlung erwartet, die Abenteuer einer Hauptperson, Begegnungen mit Fantasy- und Gefahrenelementen und das typische Happy End. Entweder kennt der Autor das Märchenprinzip nicht, oder er hat es bewusst gebrochen.
Dies alles – wie eben beschrieben – ist im Buch, aber vollkommen anders und außerdem vieles mehr, als ich es von meinem bisherigen Fantasy-»Verschleiß« kannte. Der Szeneaufbau bleibt dennoch übersichtlich, so dass man sich drei Kapitel später auch gut an Begegnungen von vorher erinnert.
Zuweilen forderten Geschehnisse mich emotional, andere amüsierten mich auf leichte Weise.
Fazit
Absolut lesenswert. Wer bereit ist, sich auf Überraschungen einzulassen und eine »farbige« Sprache sucht, kommt hier satt auf seine Kosten.
Menura: Prächtiger Vogel Leierschwanz – von Ambrose H. G. Pratt
Es kommt nicht oft vor, dass es ein Buch vermag einen Sog zu erzeugen, noch bevor der Leser auch nur eine einzige Zeile seines Inhalts gelesen hat. Doch manchmal gibt es diese seltenen Kostbarkeiten, an denen vorüberzugehen unmöglich und die nicht zu lieben sehr schwer ist.
MENURA – Prächtiger Vogel Leierschwanz ist ein solches Buch und in seiner Seltsamkeit ein Wunder.
Der Leierschwanz, ein Fabel(-haftes) Tier
Ambrose Pratt nimmt uns in diesem schmalen Band mit in die Welt des prächtigen Leierschwanzes, einem Vogel der in seinen Fähigkeiten einem Fabeltier gleicht, den es aber tatsächlich gibt.
Er lebt in einem schmalen Streifen Australiens und stirbt an jedem anderen Ort der Welt, insbesondere in Gefangenschaft. Viele Ornithologen stellten ihm erfolglos nach, denn er ist scheu und verfügt über eine seltene Gabe: er kann alles was er hört perfekt imitieren.
Niemand kann sagen was ihn motiviert das Brummen einer Motorsäge, den Signalton einer Alarmanlage oder auch nur den Gesang anderer Vogelarten nachzuahmen. Er kombiniert all dies jedoch zu eigenwilligen Melodien und tanzt dazu seine eigenen Choreographien.
Das Pratt dies berichten kann ist allein einem Zufall geschuldet. Ein Leierschwanz Männchen schloss in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts aus unbekannten Gründen eine Farmerwitwe, Mrs. Edith Wilkinson, in sein Herz und besuchte sie fast täglich.
Mrs. Wilkinson taufte ihn auf den Namen James und die Schilderung der Beziehung dieses ungleichen Paares ist von derart anrührender Art, dass es unmöglich scheint, davon nicht berührt zu werden. Die beiden kamen sich so nahe, wie wohl kein anderes Exemplar dieses Vogels jemals einem anderen Menschen. Ihre Beziehung, so eng sie auch war, blieb jedoch stets eine, die auf Respekt und Unabhängigkeit gründete.
So gab der Leierschwanz herbeigeeilten Forschern einerseits zwar er eine Kostprobe seines Singens und Tanzens und als ihn Mrs. Wilkinson darum bat auch noch eine weitere Zugabe, als sie ihn jedoch mit seinen Lieblingskörner zu zähmen suchte, tobte er und blieb tagelang verschwunden.
Für dieses Buch, das zwischen poetischer Prosa und Sachbuch changiert muss man kein Ornithologe sein, ja sich nicht einmal besonders für Vögel interessieren und doch schlägt einen diese Geschichte in seinen Bann.
Pratts etwas altmodische, behutsam übersetzte, Sprache, aus der in jeder Zeile Verehrung für den Vogel (und gleichsam Mrs. Wilkinson) mitschwingt, schafft nicht mehr und nicht weniger als eine gänzlich unkitschige Darstellung von Freundschaft und der Kostbarkeit der Wunder der Natur.
Ein Buch das es eigentlich nicht geben dürfte
Einen nicht unerheblichen Reiz dieses Buches macht seine Edition aus. Allein Einband, Druck und Papierauswahl verraten eine Liebe zum Detail, das der Massenware Buch heute leider vielfach abhanden gekommen ist.
Hilfreich und entzückend ist zudem die beigelegte CD, mit der man den Gesang des Leierschwanzes ins Haus und Herz holen kann. Erschienen ist es in der „Friedenauer Presse“, einem dieser kleinen Verlage in denen (vermutlich) mit größerer Hingabe zu Büchern, als ökonomischem Sachverstand gearbeitet wird, so dass jede Veröffentlichung an sich schon an ein Wunder grenzt.
In diesem Fall kommen jedoch noch einige Seltsamkeiten hinzu: Dem Verlag war es beispielsweise nicht möglich die Rechte an Pratts Text zu erwerben, weil deren Inhaber unbekannt ist.
Das dieser 1933 geschriebene Text überhaupt wieder auftauchte, ist Elias Canetti zu verdanken. Dieser bemerkte einmal nebenbei, das er damit eine enge Freundin über den Tod eines Freundes hinwegtrösten und ihr sogar das Lachen wieder schenken konnte.
Und schließlich ist die Vita des Autors herrlich verworren und ambivalent. Vom Rechtsanwalt über das Schreiben von Räuberpistolen hin zum Generalkonsul und Kämpfer für die Rechte der Schwarzen nahm Ambrose Pratts Leben einige überraschende Wendungen.
Das nun schließlich sein Bekenntnis zum Leierschwanz die Zeit überdauert ist dabei nicht die schlechteste Pointe.
Fazit
Dieses Buch ist im wahrsten Sinne für jene, die einen Vogel haben: die sich wie Geier auf seltene bibliophile Objekte stürzen müssen, deren Meise darin besteht zwischen zwei Buchdeckeln ganze Welten entdecken und erträumen zu können, die wie Aschenputtels Tauben in der Flut der Buchveröffentlichungen „die Guten ins Köpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen“ verbringen und die gleich dem prächtigen Vogel Leierschwanz fremde Worte und Klänge zu einem eigenen Tanz zu verdichten in der Lage sind. <<Empfehlenswert>>
Stake that – Mari Mancusi
Inhalt
Rayne ist 16 Jahre alt und wäre so gerne ein Vampir. Wie schon im ersten Teil der Serie hat sich aber leider ihre Zwillingsschwester, Sunny, den Vampir geschnappt, der eigentlich Rayne beißen und von dort an ihr “Blutsfreund” sein sollte. Also ist sie noch kein Vampir – schlimmer noch, sie erfährt, dass sie ab sofort eine Vampirjägerin sein soll. Rayne möchte gar keine Vampirjägerin sein, doch sie hat keine Wahl. Bei ihrer Geburt wurden ihre Nanoviren eingesetzt. Sobald sie einen Auftrag von Slayer Inc. ablehnt, setzt die Organisation die Nanoviren in ihr frei und sie wird innerhalb von kürzester Zeit sterben. Also muss Rayne nun die jagen, von denen sie gerne eine wäre…
Zum Glück ist ihr erster Auftrag herauszufinden, was in der “Blutbar” vor sich geht. Die Blutbar ist eine Bar, die vom bösen Vampir Maverick geleitet wird. Sie liegt in einem düsteren Teil der Stadt und hinein gelassen werden nur Menschen, die sich von Vampiren beißen lassen möchten. Die Angestellten sind Vampire, die “Beißer”. Also schmuggelt sich Rayne mit einem gefälschten Ausweis hinein und beginnt zu recherchieren.
Doch sie ist nicht alleine. Durch einen Zufall trifft sie auf Jareth – er kämpft auf Magnus’s Seite, der mittlerweile das Blood Coven übernommen hat. Er denkt, dass Maverick irgendetwas plant, um Magnus aus dem Weg zu räumen und dann selbst die Herrschaft an sich zu reißen. Das wäre fatal, weil Maverick einen Krieg zwischen Mensch und Vampir anzetteln würde – und die Menschen würden diesen Krieg natürlich niemals gewinnen können. Magnus und seine Gefährten hingegen möchten weiterhin friedlich neben den Menschen her leben.
Jareth und Rayne ermitteln also nun zusammen. Sie finden heraus, dass Maverick seine “Beißer” mit einem Virus infiziert, dass sie all ihre Kräfte verlieren lässt. Die infizierten Vampire übertragen den Virus auf die Menschen und die Menschen wiederum auf die anderen Vampire – Maverick hat sich extra die “donor chicks” von Magnus und seinen treuesten Kriegern ausgesucht. Die Vampire beißen nämlich nicht wahllos, sondern sie haben Verträge mit bestimmten Menschen, die sie regelmäßig beißen.
Nun müssen Rayne und Jareth Maverick irgendwie aufhalten. Doch wie sollen sie das schaffen? Und das Wichtigste: Wird es ein Gegenmittel geben, sodass sie bereits infizierten Vampire gerettet werden können?
Fazit
Der zweite Teil der Blood Coven Serie hat mich schon am Anfang sehr überrascht. Im ersten Buch hat Sunny die Geschichte erzählt, in diesem Teil dreht sich auf einmal alles um Rayne und Sunny und ihre Beziehung zu Magnus wird zur Nebensache, bzw. gar nicht mehr erwähnt – dabei hatte es so spannend aufgehört und ich hatte mich schon darauf gefreut, weiter von Sunny und Magnus zu lesen.
Aber nach den ersten paar Seiten hat man sich an den Wechsel gewöhnt. Eine Liebesgeschichte darf natürlich auch wieder nicht fehlen – Jareth und Rayne haben sich nämlich ineinander verliebt. Doch ob sie zusammen kommen werden???
Das Buch ist mal wieder spannend geschrieben und das Englisch ist einfach zu verstehen. Was mir an diesem Buch jedoch überhaupt nicht gefallen hat, war die Erzählweise.
Es wurde bis über die Hälfte des Buches so geschrieben, als ob Rayne in ihren Blog schreibt. Nach jedem Eintrag gab es Kommentare von anderen Usern – das hat schon etwas genervt. Aber was ich am Schlimmsten fand: In ihrem Blog hat sie sich auch oft mit ihrer Freundin Spider unterhalten – mit der spielt sie auch World of Warcraft.
Und oft hat sie Passagen aus dem WoW-Chat in ihrem Blog gepostet. Also auch Sachen, die überhaupt nicht interessieren, wie z. B. wer wen wie oft verletzt hat oder wer getötet oder wiederbelebt wurde usw. Ich finde, so etwas passt überhaupt nicht und hat nichts im Buch zu suchen. Ob man da nach einem Weg gesucht hat, dem Buch mehr Seiten zu verleihen?
Wenn man die WoW-Sache mal weglässt, ist das Buch aber spannend geschrieben, mit einer tollen Liebesgeschichte und ist und absolut zu empfehlen.
Vom Winde verweht von Margaret Mitchell
Inhalt
Georgia, 1861: Auf der Baumwollplantage Tara wächst Scarlett O’Hara zu einer begehrten Südstaatenschönheit heran. Schon mit sechzehn Jahren weiß die temperamentvolle und eigenwillige Scarlett nur zu gut, wie sie Männer um den Finger wickelt. Ernsthaft interessiert ist sie aber nur an einem – an Ashley Wilkes von der Nachbarplantage Twelve Oakes. Sie hofft ihn zu heiraten und ist entsetzt, als er sich mit seiner scheuen und in Scarletts Augen furchtbar langweiligen Cousine Melanie Hamilton verlobt. Am gleichen Tag lernt Scarlett auch den charmanten Abenteurer Rhett Butler kennen, der von ihren Charakter angetan und amüsiert zugleich ist.
Kurz darauf bricht über die Frage nach der Sklaverei der Bürgerkrieg aus, auch Ashley zieht an die Front. Die Südstaatler sind überzeugt, dass sie den Krieg gegen die Yankees schnell gewinnen werden. Um Ashley eifersüchtig zu machen, heiratet Scarlett spontan Charles Hamilton, Melanies schüchternen Bruder. Charles stirbt schon bald und hinterlässt Scarlett einen Sohn. Melanie lädt die angeblich trauernde Witwe nach Atlanta ein und Scarlett sagt zu – hofft sie doch darauf, dadurch bald Ashley wieder zu sehen.
Der Krieg entwickelt sich aber anders als gedacht. Immer deutlicher wird es, dass die Südstaaten verlieren werden – und dass die Herrlichkeit der reichen Baumwollplantagen für immer zu Ende sein wird. Ashley überlebt den Krieg, aber er widersteht Scarletts Avancen. Diese wiederum trifft Rhett Butler wieder, der sie umwirbt. Scarlett heiratet aber aus Geldgier einen anderen und hofft immer noch auf eine Zukunft mit Ashley …
Denn schließlich ist morgen auch noch ein Tag
Hollywood wäre ohne die wunderbare Verfilmung mit Clark Gable und Vivien Leigh um einiges ärmer – das gilt aber auch für jedes Bücherregal, in dem “Vom Winde verweht” fehlt. Das monumentale Werk, an dem die viel zu früh verstorbene Autorin Margaret Mitchell zehn Jahre lang arbeitete, hat zurecht den Pulitzerpreis gewonnen und zählt zu den großen Romanen der amerikanischen Literatur. Es ist ein Epos über den Krieg in all seinen grausamen Details, es ist ein Werk über die Liebe, es ist ein Buch über eine ganze Epoche, die einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte markierte.
Mittelpunkt der Handlung ist das Leben von Scarlett O’Hara, die nicht gerade dem typischen Bild einer Romanheldin entspricht: Eitel, überheblich, berechnend und launisch sind nur einige ihrer Charakterzüge. Dass die dennoch das Herz des Lesers gewinnt, liegt daran, dass er Scarlett sofort als verwöhntes, unreifes Mädchen erkennt, das durchaus das Potential hat, über die Jahre zu reifen. Scarletts Verhalten ist teilweise schon fast satirisch überzogen und daher eher amüsant als ärgerlich.
Rhett Butler ist für sie der ideale Gegenspieler: Charmant und wortgewandt, ein Abenteuer und Draufgänger, keiner der typischen Südstaaten-Gentleman, wie Scarlett vorwurfsvoll feststellt, was für ihn jedoch nur ein Kompliment ist. So sehr Rhett auch Scarlett liebt und ihre Schönheit bewundert, im Gegenzug zu anderen Männern durchschaut er ihre Tricks und liebt sie gerade für das, was sie zu verbergen versucht – für ihre Wildheit, ihre Kompromisslosigkeit, ihre Unangepasstheit, die sie von den feinen Damen der Gesellschaft unterscheidet. Die zahlreichen wunderbaren Wortgefechte zwischen den beiden sorgen dafür, dass der Roman trotz der Liebesthematik niemals zu einer Schnulze verkommt.
Andere unvergessliche Charaktere sind der sensible poetische Ashley, der Scarletts unbändige Lebenslust zwar bewundert, sich aber in Melanie verstanden fühlt, die engelgleiche Melanie, die in jedem das Gute zu sehen versucht und somit ausgerechnet in Scarlett eine Schwester und Freundin sieht, die energische Mammy, die für Scarlett immer mehr eine zweite Mutter als eine Sklavin war und die Bordellbesitzerin Belle Watling mit dem guten Herz hinter der verruchten Fassade.
“Vom Winde verweht” funktioniert auch prächtig als Historienroman, der über die Hintergründe des Sezessionskrieges aufklärt. Margaret Mitchell spart nicht an grausamen Details bei den Schilderungen der Schlachtfelder und der Lazarette. Der Leser hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, das Blut zu riechen und die Schreie der Verwundeten zu hören. Der Roman ist ein eindrucksvolles Plädoyer gegen den Krieg und zeigt sehr schön, wie sich die anfängliche Euphorie der jungen, naiven Männer nach und nach in Schrecken und Verzweiflung wandelt. Der Bruderkrieg, bei dem Amerikaner gegen Amerikaner kämpfen, hinterlässt in jeder Familie Lücken und verändert das Land für immer.
Fazit:
Ein epischer Roman über die Zeit des Sezessionskrieges mit faszinierenden Charakteren und einer unvergesslichen Liebesgeschichte.
Sanctus von Simon Toyne
Als Bruder Samuel blutüberströmt in die Zelle geworfen wird, ist er sich klar, dass er den nächsten Morgen nicht erleben wird. Er ist entschlossen der Welt unbedingt einen Hinweis zukommen zu lassen und geht den einzigen Weg, der ihm noch bleibt. Während seine Brüder ihn in der Zitadelle suchen, steht er ganz oben unter freiem Himmel und bildet mit seinem Körper ein Tau.
Dies ist das Zeichen seines Glaubens, für das er die letzten acht Jahre in der Zitadelle in Trahpah gelebt hatte. Nach dem gestrigen Ritual stellt er das alles in Frage und ist zutiefst schockiert über das Geheimnis, das die Sancti als Sakrament bezeichnen. Da er die Zitadelle nicht lebend verlassen kann steht er hier oben, wo ihn die Fernsehbilder in die ganze Welt tragen.
Die Prophezeiung
Unerschütterlich harrt Simon stundenlang aus. Es versammeln sich immer mehr Touristen um die Zitadelle und Samuel erscheint auf Bildschirmen in der ganzen Welt. Jetzt muss er nur noch seinen letzten Schritt in Richtung Prophezeiung tun und damit gleichzeitig den ersten Schritt für seine Schwester einleiten. Er stürzt sich von der Zitadelle und segelt mit Hilfe seiner Kutte gerade soweit, dass er den Einflussbereich der Sancti verlässt, schlägt bei den Touristen auf dem Boden auf und stirbt.
Samuels Schwester Liv erfährt, dass ihr totgeglaubter Bruder bis zu seinem Freitod auf der Zitadelle noch 8 Jahre gelebt hatte und sie macht sich sofort auf den Weg um von ihm Abschied zu nehmen. Völlig ahnungslos setzt sie sich in den Flieger nach Trahpah, wodurch die Sancti, die Mala und die Polizei aus unterschiedlichen Motiven aktiv werden.
Der Abt der Sancti möchte sie, gegen den Willen seines Prälaten, in seine Gewalt bekommen, die Mala wollen genau das verhindern und die Polizei will sich nicht während der Ermittlungen mit trauernden Verwandten rumschlagen müssen.
Es beginnt ein rasanter Wettlauf zwischen Aufklärung und Verschleierung, bei dem Liv immer wieder zwischen die Fronten gerät.
Fazit
Dies ist ein sehr rasanter und spannungsgeladener Thriller, der durch seine extrem kurzen Kapitel kaum Zeit zum Luftholen lässt. Ich hatte wirklich das Gefühl mitten im Geschehen zu stehen und an den Ermittlungen Teil zu nehmen.
Obwohl es um einen Glaubensstreit geht, was ja nicht ganz neu ist, hat der Autor eine fesselnde Story entwickelt, die mit wirklich faszinierenden Überraschungen aufwartet.
Das dies eine Trilogie werden soll, hab ich erst nachher erfahren und finde, dass man dieses Buch auch wirklich alleine stehen lassen könnte, da auch das Ende für mich sehr stimmig war. Ich werde die anderen zwei Bücher aber auf jeden Fall lesen.
Bevor ich sterbe von Jenny Downham
Inhalt:
Tessa ist 16 Jahre alt und hat Leukämie. Nach vier Jahren erfolgloser Therapieversuche, machen die Ärzte dem Mädchen nur wenig Hoffnung und Tessa weiß, dass der Tod ihr bevorsteht. Aber Tessa will leben, solange sie noch kann und schreibt zehn Dinge an ihre Zimmerwand, die man im Leben gemacht haben muss. Dinge wie Sex haben, Drogen nehmen, eine Straftat begehen… . Und dann trifft Tessa auf den Nachbarsjungen Adam und Tessa merkt, dass er ihr das gibt, was sie sich schon lange wünscht. Doch immer wieder stellt sich Tessa die Frage, wie man mit dem Tod umgehen soll und ob man sich verlieben darf, wenn man weißt, dass man schon bald stirbt.
Meine Meinung:
Die Thematik dieses Buches ließ mich vorerst in eine ganz andere Richtung schließen. Ich hatte eher an eine tränenreiche Teenagerschnulze gedacht, wie in zahlreichen anderen Büchern über Krebs eben. Ich hatte an bestürzte Angehörige gedacht, die dem krebskranken Mädchen jeden Wunsch von den Lippen ablesen und ich hatte auch gedacht, dass vor allem die Liebesgeschichte zwischen Tessa und Adam im Mittelpunkt steht. Doch alle meine Erwartungen wurden gebrochen, denn in Wirklichkeit ist das Buch völlig unsentimental und ehrlich und das auf eine sehr positive Art.
Die Charaktere gefallen mir besonders gut, alle sind sie sehr authentisch. Als Leser bekommt man sehr oft Tessas egoistische Art zu spüren, die sie eigentlich sehr unsympathisch macht, auf der anderen Seite aber eigentlich nur menschlich ist. Tessa lebt zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Vater und auch dort sind verschiedene Komplikationen zu sehen. Tessas Vater hat seine Arbeit aufgrund der Krankheit seiner Tochter beschränkt und arbeitet nur noch zuhause, um immer erreichbar zu sein. Er muss Tessas Widerwillen gegenüber einer erneuten Therapie akzeptieren, aber auch die zehn Dinge, die Tessa macht und die für einen Vater bestimmt nicht ganz einfach sind muss er akzeptieren und tut dies auch.
Eine weitere Schwierigkeit ist an Tessas jüngerem Bruder Cal erkennbar, der oft Witze über Tessas Tod macht und sich nach mehr Aufmerksamkeit von seinem Vater sehnt, welche bisher nur Tessa galt. Der Bruder scheint anfangs unausstehlich zu sein, doch im späteren Verlauf dieses Buches ist bemerkbar, dass dies einfach seine hilflose Art ist mit dem Tod seiner Schwester umzugehen.
Zum inhaltlichen Aspekt kann ich sagen, dass es nicht wie erwartet um einen Kampf gegen den Krebs ging, sondern um das Leben. Anfangs waren die zehn Dinge von großer Bedeutung, doch nach und nach merkte man, dass es eher um die kleinen, schönen Momente ging. Eher um die Kleinigkeiten, die das Leben lebenswert machen.
Ein weiterer Aspekt des Inhalts wäre die Scheidung von Tessas Eltern und das Fehlen der Mutter. Als die Mutter in der Endphase schließlich zurückkehrt, ist deutlich spürbar, dass es zwischen Mutter und Tochter wenig emotionale Bindung gibt, die Handlungen der Mutter wirken sehr befremdlich und es hat den Anschein, dass sie nicht weiß, wie sie mit ihrer kranken Tochter umgehen soll.
Des Weiteren geht es um den Umgang mit dem Tod, sowohl als Sterbender aber auch als Angehöriger und diese Handlung wurde in „Bevor ich sterbe“ wie schon erwähnt, sehr ehrlich beantwortet. Man bekam die Sicht der Freunde und Familienmitglieder mit, die unter anderem auch eigene Lasten mit sich herum tragen, wie beispielsweise die beste Freundin Zoey, die in ihren jungen Jahren ungewollt schwanger wird und neben dem Tod ihrer besten Freundin auch damit fertig werden muss. Und man bekam auch die weniger schönen Momente im Krankenhaus mit und wurde als Leser mit dem körperlichen Schmerz einer krebskranken Patientin konfrontiert.
Trotz der meist vorhersehbaren Handlung gab es auch einige überraschende Momente, die dem Buch die Langatmigkeit genommen haben und nebenbei für noch mehr Unterhaltung gesorgt haben.
Fazit:
Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass „Bevor ich sterbe“ auf keinen Fall eine typische Lektüre über Leukämie ist und so authentisch und ehrlich ist, dass gerade diese Eigenschaften den Leser zu Tränen rühren.
Trotz des leichten und flüssigen Schreibstil der Autorin würde ich das Buch nicht als leicht einstufen, da es einfach gezwungenermaßen dazu führt, dass man sich als Leser selbst mit seinem Leben beschäftigt und sich die Frage stellt, wie das eigene Leben aussehen würde, wenn man selbst nicht mehr lange zu leben hat.
Ich denke, Tessa und das Buch lehren uns, unser Leben und unsere Gesundheit nicht als selbstverständlich zu nehmen und das Leben zu leben und dankbar zu sein dafür.
Anton Cechov: Erzählung eines Unbekannten
Triumph der Erzählung
Warum Anton Cechov auch heute noch unnachahmlich ist
Mit der Bitte, es nicht als blasphemisch zu betrachten, lasse ich das an einen Apostroph erinnernde Zeichen über dem C weg, was dem russischen Original das empfangende Etwas in Cechows Namen gibt. Wie ein arabischer Halbmond, der nach oben geöffnet in der Schwärze der Nacht liegt, symbolisiert dieser Buchstabenzusatz die große Bereitschaft das Leben in all seiner Gänze aufzunehmen und, so in Cechows Fall, gekonnt und meisterlich wiederzugeben.
Ein Meister des bürgerlichen Realismus abseits der Schwere Dostojewskis und der Langatmigkeit Leo Tolstois (ohne dabei jene beiden Großmeister in ihrer Vortrefflichkeit diskreditiert haben zu wollen).
Und gerade durch diese Schnörkellosigkeit ist es wohl auch zu erklären, dass der gute Anton in nur 23 Jahren – aufgemerkt und bass erstaunt – sechshundert, in Zahlen sieht das so aus: 600, literarische Werke zu Papier und so manch eines davon bis heute auch auf die Weltbühnen des Theaters gebracht hat.
Geboren 1860 in Taganrog lernte Cechow zunächst den Beruf des Arztes, den er später aber nur ehrenamtlich und selten ausübte. Grund für sein akademisches Interesse war unter anderem seine eigene Anfälligkeit für körperliche Beschwerden – zeitlebens plagte ihn die Tuberkulose; und so verwundert es nicht, dass der dafür typische Bluthusten in vielen seiner Stücke Verwendung findet, so auch in der Erzählung des Unbekannten, in der der Held sich mit schmerzhaftem rotem Auswurf auseinandersetzen muss.
Doch nicht nur die physische Malaise steht unserem unbekannten Antihelden schlecht zu Gesicht, auch seine politische Radikalität, seine emotionale Gebrechlichkeit oder seine wandelhafte Natur machen aus dem kleinen Roman, wie Cechows ihn selber nennt, eine große Sozialplastik.
Als Intrigant sich selbst ins Hause des Prinzen geschlichen, erlebt er den Betrug an dessen Frau und die chauvinistische und verantwortungslose Behandlung der ihm untergebenen Personen, Familie inklusive.
Dass die Geschichte ihren Spannungshöhepunkt nun mit einer Flucht des Helden und der Frau des Prinzen nach Venedig auf hollywoodeske Weise erreicht, ist das typische Cechovsche Geschenk der Faszination in der Realität.
Auch er selbst floh ja vor der Unbill russischer Kleinbürgerlichkeit und westasiatischer Klimaherausforderungen ins Markgräfler Land, genauer gesagt nach Badenweiler, wo er bereits 1904 als 44jähriger literarischer Held ein Ende fand, und wo man ihm, avantgardistische Randnotiz des Tages, als erstem Russen überhaupt ein Denkmal außerhalb des Heimatlandes setzte.
Im Diogenes-Hörbuch ist auf vier CDs der meisterhafte Cechows, gelesen von Ralf Boysen, erschienen. Wie bei Diogenes-Audiobooks üblich in meisterhafter Aufmachung.
Schlichtes, aber sehr haltbares und hübsches Pappschächtelchen (ein Accessoire das man sich bei Maxim Gorki, ebenfalls ein Vertrauter Cechows und ebenfalls ein russischer Meisterliterat, vorstellen könnte) mit schmalem Booklet und den vier Silberscheiben, apart in schmackhafte Teile zerlegt, damit man sich auch mal ein Hörpäuschen gönnen kann.
Fazit:
Mit Ralf Boysen als Sprecher ist dem Verlag das gelungen, was Badenweiler mit dem Tod Cechows gelungen ist (wenn man das mal ganz pietätlos so sagen darf). Ein Meister seines Faches hellt das eh schon strahlende Sonnenwerk auf.
Großartig wie der über 80jährige, Meriten behangene Schauspieler deutscher Bühnen den russischen Edelpoeten in Szene setzt, wunderbar, wie die eh schon faszinierende Geschichte, die Historie, russische Gesellschaftsanalyse und anthropologische Wahrheiten prägnant auf den Punkt bringt, das fiktive Element in Form einer Flucht nach Venedig zur Reife gelangen lässt.
Ich sitz schmatzend wie weiland Aristophanes auf meiner Kline und lass mir die literarischen Trauben in den Mund fallen. So wie der Apostroph es auf dem C des Meisters mir zeigen will.
Zauberhafte Disney-Prinzessinnen erschienen im Dorling Kindersley Verlag
Text von Jo Casey, Beth Landis Hester und Cahterine Saunders
Es ist ganz klar ein Buch für kleine Mädchen in der “Prinzessinnen-Phase”. Schon auf der Umschlagseite wurden die neun bekannten Prinzessinnen alle in schönen Kleidern, mit viel Glitzer verziert gezeigt.
Der Titel ist in erhabener Goldglitzerschrift geschrieben. Man kann die Bekanntschaft der beliebtesten Disney-Prinzessinnen machen, von Schneewittchen und Cinderella bis zu Mulan und Tiana. Es gilt zu entdecken, wie es ist, eine Prinzessin zu sein, in Burgen oder Schlössern zu leben.
Man erfährt vieles über ihre Charaktere, ihre Freunde und Feinde. Auch die bösen Stiefmütter werden dargestellt, ferne Länder und zauberhafte Welten.
Das Buch wird für Kinder von vier bis sechs Jahren empfohlen, kann aber durchaus auch schon von jüngeren Kindern erfasst werden und sie begeistern.
Aufbau und Inhalt
Auf den ersten Seiten stellen sich alle Prinzessinnen namentlich vor. Jede hat ein anderes bezauberndes Kleid an. Die Geschichten rund um die Prinzessinnen werden nicht vollständig erzählt. Sie sind vielmehr unterteilt in einzelne sehr kleine Textabschnitte, die die Figuren beschreiben und den Inhalt kurz und bündig wiedergeben.
So fällt auch sehr jungen Kindern das Zuhören nicht schwer. Häufig werden die Märchengestalten steckbriefartig vorgestellt, so dass man erfährt, wo sie zu Hause sind, was sie mögen oder auch nicht mögen, welches ihre Lieblingsfarbe ist usw..
Das Buch ist liebevoll gestaltet mit kleinen und großen Bildern, die in den Hintergrund überfließen und in welche die Texte eingebettet sind. Es gibt viele Details zu entdecken. Die Zeichnungen entsprechen denen in den Disney-Verfilmungen.
Es werden nicht nur die Figuren sondern teilweise auch ganze Filmszenen abgebildet. Am Buchende wird gezeigt, welche Prinzessin mit welchem Prinzen zusammenlebt und wie sie sich kennenlernten. Es gibt ein kleines Suchspiel.
Die Moral der Geschicht’ ist, dass man auf sein Herz hören, sich verzaubern lassen und wagen solle zu träumen. Man müsse vor allem lernen an sich zu glauben. Träume können wahr werden, wenn man nur daran festhalte.
Fazit
Das Buch ist zum Vorlesen für kleine Mädchen, die von Prinzessinnen träumen, bestens geeignet. Selbst wenn die Geschichten oder Filme noch zu langatmig sind, können die ganz Kleinen, die kurzen Texte schon begreifen und so auch die Inhalte der Märchen erfassen.
Die vielen bunten Abbildlungen aus Märchen- und Zauberwelten begeistern die Kinder und wecken ihre Aufmerksamkeit.
Der einzige Nachteil ist, dass das Buch sehr großformatig ist und die dünnen Papierseiten nicht für kleine Kinderhände zum Umblättern geeignet sind.
Christina Bacher & Ulrich Noller: Boller und die Bolzplatzbande Band 5 Die Casting Falle
Das Buch ist im Jahre 2011 im Berlin Verlag erschienen. Es basiert auf der Jugendbuchreihe “Bolle und die Bolzplatzbande”, die die beiden Autoren für den Hessischen Rundfunk entwickelten.
Die Inhaltsangabe
Wie so viele andere Jugendliche träumt Laura von einer Karriere als Pop-Star. Beim Schülerband-Casting an ihrer Schule verfehlt sie aber knapp die zweite Runde. Ihr Freund Kevin, gleichfalls Mitglied der Bolzplatzbande, kommt aber mit seiner Hip-Hop-Nummer eine Runde weiter. Doch dann wird er von einem Auto angefahren und in ein Krankenhaus gebracht. Für Laura eröffnet sich so eine neue Chance. Als sie sieht, daß andere Vorrundengewinner aussteigen, kommt ihr das komisch vor. Als Kevins blutbefleckte Jacke in der Reinigung von Wladis Tante auftaucht, können die Ermittlungen beginnen.
Die Autoren
Christina Bacher wurde am 3. Januar 1973 in Kaiserslautern geboren. Sie studierte Germanistik und Europäische Ethnologie in Marburg, Bonn und Montpellier. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst als Lektorin, PR-Beraterin und Pressesprecherin für Verlage. Daneben ist sie inzwischen die Chefredakteurin der ältesten Straßenzeitung Deutschlands, dem “Draussenseiter”. Heute kümmert sie sich auch um das Schreiben von Jugendkrimis und Kurzgeschichten.
Ulrich Noller ist Journalist, Lektor und Moderator. Auch er lebt und arbeitet in Köln.
Der Verlag
Der Berlin Verlag wurde 1994 von Arnulf Conradi, Veit Heinichen und Elisabeth Ruge gegründet. Die ersten Bücher brachte er dann im März 1995 auf den Markt. Nach einer “strategischen Allianz” und der dementsprechenden Zugehörigkeit zur Verlagsgruppe Bertelsmann ist der Berlin Verlag heute unter dem Dach der britischen Verlagsgruppe Bloomsbury angesiedelt.
Das Verlagsprogramm umfaßt Belletristik und Sachbücher. Das Themenspektrum reicht von Politik und Zeitgeschehen bis zur den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Die internationale Literatur bildet einen Schwerpunkt. Außerdem kümmert sich der Verlag um den deutschsprachigen und internationalen literarischen Nachwuchs.
Bloomsbury Publishing PLC ist in der britischen Hauptstadt London ansässig. Berühmtheit erlangte er durch die Harry-Potter-Romane. Um die zu erwartenden Umsatzeinbußen nach dem Ende der Harry-Potter-Reihe zu mildern, übernahm Bloomsbury im Mai 2006 den Verlag Methuen Drama Ltd.
Eine Beurteilung
Vordergründig bietet das Jugendbuch gute Unterhaltung für die Zielgruppe. Vier Jugendlichen und ihrem erwachsenen Freund gelingt es mit Hilfe der Polizei, einen Betrugsfall aufzuklären. Dies ist sicherlich auch aus anderen Jugendbuchreihen bekannt. Das Buch bietet aber einige Besonderheiten.
Die Handlung spielt in der rheinischen Metropole Köln. Dumm dabei: Dies wird eher angedeutet als ausgearbeitet, beispielsweise durch den Hinweis zur Medien- und Musikbranche. Ortsbeschreibungen gibt es also genausowenig wie örtliche Mundart; auf den Dom wartet der Leser hier vergeblich. Was eigentlich bedauerlich ist. Die Autoren siedeln die Handlung in ihrer Heimatstadt an, ohne die interessanten Orte zu erwähnen. Bei Erwachsenen funktionieren Krimis mit Lokalbezug; warum nicht auch bei Kindern.
Die Geschichte greift eine Entwicklung (die es übrigens auch bei der mädchenbezogenen Detektivserie Die drei Ausrufezeichen zu beobachten gibt) auf, die Jugendliche aus dem Fernsehen kennen, nämlich die Welt der Casting-Shows. Früher war das Theater eine Welt der Intrigen und des Neides. Heute müssen die Talentwettbewerbe aus dem Fernsehen diese Aufgabe erfüllen.
Das Buch ist kein reiner Krimi. Themen wie die erste Liebe, Familienleben, ein wenig Wissensvermittlung und ein gnadenloses Happy-End laufen dem Krimi fast schon den Rang ab. Unter diesem Gesichtspunkt ist das Buch auch ein wenig kitschig. Ob Bücherserien wie die drei Fragezeichen wohl deswegen erfolgreicher sind, weil hier das Profil schärfer ist?
Erwähnenswert sind hier auch einige seitengestalterische Elemente. Birgit Jansen steuert diverse Illustrationen bei. Sie sind ausschließlich in rot, grau und schwarz gehalten. Auch die Seitenzahlen und die Uhrzeiten, mit der die Kapitelüberschriften beginnen, sind in rot geschrieben.
Wie heißt noch mal die Schrift, bei der bei den Schriftzeichen nur der äußere Rand farbig und der mittige Teil weiß ist? Keine Ahnung; Designer werden dies besser wissen als ich. Diese Schrifttype wird bei den Kapitelüberschriften und Seitenzahlen durchgänging angewendet.
Am Ende wird die Geschichte auf zwei Seiten noch einmal bildlich dargestellt. In der vorliegenden Form ist es ungewöhnlich; ich habe es so noch nie gesehen. Beim flüchtigen Draufsehen kann man leicht den Eindruck gewinnen, hier würde das Motiv für ein Brett- und Würfelspiel vorliegen, bei dem es um ein Wettrennen geht.
Ein Fazit
Wie schon gesagt: Das Buch bietet gute Unterhaltung. Der Leser sollte allerdings keine zu hohen Ansprüche hegen.
Unter Feinden von Georg M. Oswalds
Mit Thrillern, die den Anspruch erheben, politisch aktuelle und brisante Themen und Inhalte zu vermitteln, ist es oftmals so eine Sache, merkt man vielen Autoren doch sehr das Bemühen um Authentizität und Sozialkritik an. Ganz anders verhält es sich mit Georg M. Oswalds erstaunlich gelungenem Copthriller “Unter Feinden”.
Eine verpatzte Observierung
Diller und Kessel, beides Kriminalpolizisten, haben den Auftrag, eine Wohnung im Münchner Stadtteil Westend zu beschatten, deren Bewohner im Zusammenhang mit einer Terrorwarnung stehen.
Im Rahmen der bald stattfindenden Sicherheitskonferenz sind die Beamten der Stadt schon seit Wochen damit beschäftigt, jedem auch noch so kleinen Hinweis nachzugehen. Eigentlich läuft alles problemlos, bis Diller ein paar Getränke holen geht.
In diesem Moment wird dem Leser Kessels großes Problem verdeutlicht: Er ist stark drogenabhängig. In seinem Verlangen nach einem Schuss verlässt er das sichere Auto und spricht eine Gruppe “Arabs” in der Hoffnung an, dass sie ihm etwas verkaufen.
Natürlich trauen sie Kessel nicht und bestreiten, mit Drogen etwas zu tun zu haben. Kessel zieht in seinem Wahn die Waffe und will seinem Drogenglück unter Drohung nachhelfen.
Fahrerflucht in Panik
In diesem Moment kommt Diller zurück und erkennt die gefährliche Situation. Er drängt seinen Kollegen zurück ins Auto, atemlos fährt Kessel der wutentbrannten Gang davon, doch mit einem haarsträubenden Manöver erwischen die beiden Polizisten einen jungen Mann frontal, der offensichtlich zur Gang gehörte. Es bleibt nur die Flucht.
Die Situation in der Stadt eskaliert
Daraufhin kommt es zu tumultartigen Szenen und Straßenkämpfen mit den Ordnungshütern, die an die Unruhen in den französischen Banlieus erinnern. Diller und Kessel sind zu diesem Zeitpunkt längst daheim. In Diller erwächst ein Konflikt aus Loyalität und Moral, der ihn in den nächsten Tagen begleiten wird, denn er entschließt sich dazu, seinen Kollegen zu decken, während die Ermittlungen gegen mögliche Terrorverdächtige im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz weitergehen.
Sprichwörtlich unter Feinden
Kommissar Diller muss sich nun auch gegen interne Ermittlungen und eine türkischstämmige Staatswanwältin wehren. Seine Verstrickungen werden immer undurchdringlicher, während der ständig beschaffungskriminelle Kessel zum Sicherheitsrisiko für beide Kollegen wird.
Fazit:
Georg M. Oswald wirft den Leser ohne Umschweife in eine packende Story, in der die Grenzen von Gut und Böse verwischen. Sein sozialkritischer Kriminalroman besticht durch scharfsinnige Aktualität und beschert dem Leser eine atemlose Lektüre.
“Unter Feinden” ist zweifellos einer der gelungensten Thriller des Frühjahrs. Der schreibende Rechtsanwalt Oswald sprengt dabei gekonnt die Konventionen des Genres, denn nichts als Erstaunen über einen solch furiosen Protagonisten kann man empfinden, ohne dabei – auch durch den realistischen Stil des Autors – den Boden unter den Füßen zu verlieren.
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