Rezension.org - "Wilddiebe und Kritiker kennen keine Schonzeit"
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‘Science Fiction’

Ruf der Tiefe

Ruf der Tiefe von

Inhalt

Wer das Wasser mag wird dieses Buch lieben, schon nach wenigen Seiten taucht man ein in die wunderbare Welt von Leon, einem jungen Taucher, der durch eine Spezialausrüstung am rätselhaftesten und geheimnisvollsten Ort der Erde, zusammen mit den anderen Tauchern der Station, lebt. Gemeinsam mit seinem Krakenweibchen Lucy, mit welchem er auf telepathische Weise verbunden ist, durchkämmt er die Untiefen des Pazifiks in der Gegend um Hawaii. Für den Konzern ARAC sucht er nach Rohstoffen, dies ist jedoch nur durch seine Oxyskin möglich, eine Art Taucheranzug, die es ihm ermöglicht unter Wasser zu atmen. Das alles ist eine harte Prozedur und wird von den jungen Tauchern nicht das ganze Leben praktiziert werden können. Als Leon bei einem seiner Tauchgänge „Todeszonen“ entdeckt und auf der Oberfläche das Meer verrück zu spielen scheint, gerät Leon in große Schwierigkeiten, denn durch die Todeszonen kann seine Oxyskin keinen Sauerstoff mehr aus dem Meer filtern…

Ausbruch

Als er dann noch erfährt, dass sein Krakenweibchen Lucy in Gefahr ist, kann Leon nicht mehr bei ARAC bleiben. Eine junge Touristin, die mit ihrer Mutter zur Besichtigung der Tauchstation kam hilft ihm schließlich bei seinen Plänen. Durch die Unterstützung von Lucy und Carima kommt Leon dem Konzern ARAC, der auf der Suche nach Manganfeldern ist, und seinen Machenschaften auf die Spur. Zusammen mit Carima versucht Leon den Konzern, zu stoppen und gerät dabei selbst ins Visier. Eine spannende Jagd durch den pazifischen Ozean, zwischen Leon und dem ARAC Konzern beginnt, immer im Hinterkopf, dass eine Todeszone jederzeit auftauchen kann, was Leons Ende bedeuten würde.

Fazit

Ein spannender Sciencefiction Roman, der im Jahre 2018 spielen soll. Eine gewagte Vorstellung, dass es uns durch einen Taucheranzug wie den Oxyskins in ferner Zukunft möglich sein könnte den Sauerstoff aus dem Meerwasser herauszufiltern und zu verbrauchen, ohne eine schwere Ausrüstung zum Tauchen benutzen zu müssen. Im Moment jedoch ist es noch nicht vorstellbar, dass ein Mensch auf Dauer in diesen Tiefen überleben könnte. Das Buch ist in einem wunderbaren Schreibstil geschrieben, sodass man ständig das Gefühl hat Teil der Unterwasserwelt Leons zu sein. Ein wenig unrealistisch wird es meiner Meinung nach bei den telepathischen und kommunikativen Fähigkeiten von Leons Krake Lucy, mit welcher er sich auf geheimnisvolle Art und Weise zu verständigen scheint. Für den Verlauf des Buches ist diese Art von Verbindung jedoch sehr wichtig, da sie für Ausbildung der Mensch-Tier-Partnerschaften beim Konzern ARAC von Bedeutung ist. Für Taucher und Sciencefiction –  und Tiefseeliebhaber ein tolles und geeignetes Buch.

Planet des Ungehorsams

Planet des Ungehorsams von

Irgendwann in der Zukunft:

Raumschiffe fliegen mit “Blieder”-Antrieb, der Geschwindigkeiten von über 50.000 Stundenkilometern – das Weltall ist eine einzige Autobahn mit Raumschiffen auf der Suche nach neuen Planeten, die besiedelt und beherrscht werden können. Ein Botschafter von der Erde soll nun mit der Mannschaft unter Kapitän Grayder einen weiteren Planeten erobern und gegebenfalls umstrukturieren. Der Planet, der angesteuert wird, ist ein bewohnbarer Planet unter vielen, auf dem in der Vergangenheit 200.000 Menschen ausgewandert waren, um der Überbevölkerung auf der Erde zu entkommen. Schon viele Jahrhunderte wurde der Planet nicht mehr angeflogen, die Menschen haben sich daher vermutlich stark vermehrt und – in eine ihnen unbekannte Richtung – weiterentwickelt.

Kurz nachdem das große, 1.500 Meter lange Raumschiff gelandet ist, steigen die Soldaten, Bürokraten und Besatzungsmitglieder aus und wenden sich an den ersten Menschen, einen Bauern, den siehen, um zu erfahren, wer der Herrscher bzw. Bürgermeister des Planeten bzw. der nächstgelegenen Stadt ist. Der Bauer versteht und spricht auch ihre Sprache, ist aber wenig hilfreich. Er nimmt nicht nur alles wörtlich, was der Abgesandte ihn fragt bzw. ihm sagt, sondern weigert sich auch, mit dem Botschafter zu sprechen, obwohl der Abgesandte betont, wie wichtig dieser sei. Auf die Frage des Bauern, ob sich der Planet, von dem der Botschafter komme, weiterdrehe, wenn dieser stürbe, erfährt er, daß dies der Fall sei. Demnach, so der Bauer, könne der Botschafter gar nicht so wichtig sein.

So geht es der Besatzung auch mit allen weiteren Personen, auf die sie treffen und die sie – mal mehr, mal weniger höflich – um eine Unterredung und Auskünfte bitten.

Der freie Wille ist die stärkste Waffe

Ein Techniker, der über so etwas Verrücktes wie ein Fahrrad verfügt, wird schließlich ausgesandt, um mehr in Erfahrung zu bringen, und landet mit den gleichen Fragen nach der wichtigsten bzw. besonderen Person schließlich in einer Kneipe, wo er eine junge Frau und den Wirt kennenlernt. Er erfährt, daß das Wirtschaftsprinzip nicht auf Geld beruht, sondern auf Gefälligkeiten (sogenannten “Obs” von Obligationen), die man eintauscht. Außerdem ist das oberste Führungsprinzip der freie Wille eines jeden Einzelnen, daher brauche man auch keine Führungsriege, Bürgermeister oder ähnliches.

Als der Botschafter und der Kapitän die Brisanz dieses auf den ersten Blick so simplen Prinzips verstehen, ist es fast schon zu spät…

Fazit:

Ein witzig geschriebener , der weniger mit technischem Schnickschnack beeindrucken will, sondern mit Wortwitz und genauem Auslegen von Ausdrücken punktet und damit noch mehr zum Nachdenken anregt als es eine Gesellschaftskritik sonst könnte. Schade jedoch, daß der Verlag nicht mehr Sorgfalt bei der Rechtschreibung an den Tag gelegt hat – Fehler auf fast jeder einzelnen der 88 Seiten sind sehr ärgerlich und störend beim Lesevergnügen.

Berlin am 13. August 1996

Berlin am 13. August 1996 von O.W. Rot

 

Vorbemerkung – oder Utopie?

Der Roman handelt von einem Berlin im Jahre 1996, der Autor entwickelt ein Szenario, was an dem fiktiven Tag 13. August 1996 passiert. Der 13. August wurde höchstwahrscheinlich bewußt gewählt, da an diesem Tag auch – exakt 35 Jahre zuvor – die Berliner Mauer geschlossen und damit der freie Reiseverkehr zwischen Ost- und West-Berlin unmöglich gemacht worden war.

Dieser Roman ist schwierig einzuordnen, und das macht einige Vorbemerkungen notwendig: Die Jahreszahl “1996″ im Titel ist wichtig für das Verständnis, denn der Roman wurde 1985, also 11 Jahre vor der Jahreszahl im Titel veröffentlicht, so daß es sich also um einen Science Fiction-Roman handelt, der ex-post, nämlich 2011 rezensiert wird. Damit ist der Roman auch vor dem Fall der Mauer, 1989, geschrieben und erschienen.

Der Autor selbst ordnet seinen Roman in seinem Nachwort als “Utopie” ein, wobei der vorliegende Roman jedoch durchaus eine Handlung aufweist und in weiten Zügen nicht optimistisch ist. Auch bleibt historisch gesehen zu hoffen, daß der Autor mit der Einordnung als “Utopie” nicht andeuten möchte, daß er mit Hilfe seines Romans versucht, für ihn positive politische und philosophische Ideen im Sinne einer anderen Entwicklung Berlins vorzustellen. Bei dem Autorennamen, O.W. Rot, handelt es sich um ein Pseudonym, von dem auch heute noch nicht herauszufinden ist, welche Person dahinter steckt, es wird lediglich auf dem rückseitigen Cover erwähnt, daß er ein ehemaliger DDR-Autor und Journalist sei.

 

Inhalt

Berlin, am 13. August 1961:  Die Zeitungsfrau Erna Pagel erfährt nachts, als sie die Zeitungen zum Austragen vom Verlag abholen will, daß (West)-Berlin durch die ostdeutschen Streitkräfte “befreit” worden sei und alle politischen und wirtschaftlich wichtigen Schaltstellen (z.B. eben auch die Presse) von ostdeutschen und damit sozialistischen Funktionären eingenommen seien. Auch ihre Zeitung wurde bereits umgestellt und erscheint nun als sozialistisch-kommunistisches Propagandawerkzeug. Dabei argumentieren die neuen Machtinhaber, das West-Berliner Volk habe um Unterstützung und Befreiung gebeten. Im weiteren Verlauf des Buches werden in einzelnen Kapiteln verschiedene Personen und Lebensbereiche und die Auswirkungen dieser neuen Situation auf diese geschildert. So beschreibt Rot auch die Reaktionen des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, der den Bundeskanzler und Parteifreunde anruft und versucht, sich mit diesen abzustimmen, wie man nun reagieren solle. Der Leser erfährt nach und nach, daß die DDR diesen Coup d´Etat seit langem vorbereitet und Maulwürfe im gegnerischen System etabliert hat. Es werden Pressekonferenzen und Politbürotagungen geschildert und auch die Reaktionen anderer Länder: wie verhält sich in diesem Fall wohl die USA, wie China, angesichts dieser neuen Situation?

Das Bild, das Rot hier zeichnet – unwissend der tatsächlichen, für ihn im Jahr 1989 in der Zukunft liegenden, Ereignisse – ein pessimistisches, unheimliches Bild einer Entwicklung Berlins, die durchaus gar nicht so abwegig gewesen ist. Er benutzt dabei historisch durchaus existierende Personen, die er teilweise jedoch namentlich verfremdet, jedoch wiedererkennbar (Beispiel: so heißt ein ehemaliger Bundeskanzler “Wirsing”, in Anspielung auf Helmut Kohl).

 

Fazit

Der Roman enthält keine sich in der Spannung stark aufbauende Handlung wie beispielsweise der sehr ähnlich gelagerte weltberühmte Roman “Vaterland” von Robert Harris, der ebenfalls in Berlin spielt, jedoch im Jahr 1992 von Harris geschrieben wurde und in einem Berlin des Jahres 1964 spielt. Dennoch ist er auf seine Art genauso faszinierend geschrieben. (Beiden Romanen gemein ist, daß die Autoren aufgrund der den Romaninhalten innewohnenden politischen Problematik zunächst keinen – deutschen – Verlag fanden, der ihre Bücher publizieren wollte.)

Gerade weil die hier geschilderte Entwicklung Berlins durchaus möglich gewesen wäre, geht der Roman sehr nahe, vor allem für Leser, die sich an die historische Entwicklung Berlins noch persönlich erinnern können oder für Berliner, denen die Geschichte Berlins – egal, ob sie jung oder alt sind – noch sehr nahe liegt. Der Sprachstil ist sehr neutral gehalten – der Autor bedient sich in weiten Zügen der militaristisch-politisch gefärbten Ausdrucksweise der ehemaligen DDR, was dadurch sehr realistisch wirkt. Die geschilderten Reaktionen der diversen Figuren und Staaten sind durchaus vorstellbar, was dem Buch eine sehr unheimliche Komponenten gibt.

In jeder Hinsicht ein empfehlenswertes Buch, das fasziniert und zum Nachdenken anregt!

Bitterholz- Die Herrschaft der Drachen

Bitterholz- Die Herrschaft der von

1070 D.Z. (Drachen-Zeitalter), die Menschheit ist nach einem gigantischem Krieg zurück ins Mittelalter und unter die Herrschaft ihrer eigenen gen-technischen Spielereien geraten: Drachen. Doch das gehört zu den bestgehütetsten Geheimnissen der Drachen, die nun schon über tausend Jahre über die Menschheit herrschen und sie ausbeuten, und das wollen sie natürlich nicht aufs Spiel setzten. Nichtsdestotrotz gibt es einige wenige, die sich gegen die Herrschaft der Drachen auflehnen- einer davon ist Bant Bitterholz, der aus Rache für den Tod seiner Familie die komplette Drachenschaft mit seinem geschwindem Bogen  auslöschen will. Dabei sieht und erlebt er Dinge, die der größte Teil der Menschheit seit Hunderten von Jahren nicht mehr erlebt hat.

Eingeleitet wird der Roman von James Maxey durch einen Ausschnitt aus Bitterholz’ Kindheit; Es ist die Nacht des Rituals des Säens, das zum Dank für die Ernte und vor allem zur Huldigung der Göttin Ashera stattfindet. Es ist eine gewaltige Orgie, bei der sich jede Frau des Dorfes jedem Manne des Dorfes öffnen soll. Der fünfzehnjährige Bant rennt durch die Dunkelheit, nur eines im Sinn- zu seiner geliebten Recanna zu gelangen, um gemeinsam das Ritual zu des Säens zu begehen. Plötzlich ein Licht im Dorf, ein Frevel in dieser heiligen Nacht. Es ist der sich selbst als Propheten bezeichnende Hezekiah, der in einer wilden Schlacht mit den Männern des Dorf fast alle aus Bewohner auslöscht; nur Bant kämpft nicht gegen ihn, sondern lernt später von ihm. Einige Jahre später, Bant hat eine Familie mit Recanna gegründet, ist er mit Hezekiah unterwergs, als ein Trupp Erddrachen sein Haus mitsamt seiner Frau und ( vermeintlich) seinen Kindern niederbrennen. Als Bitterholz das herausfindet, entwickelt er einen krankhaften Hass auf die Drachen und ihre Herrschaft. Im Laufe des Buches taucht Bitterholz dann immer weniger auf, die Handlung wird einige Jahre später auf dem Hofe des Drachenkönigs Albekizan; eine schreckliche Zeremonie beginnt, die klären soll, welcher seiner beiden Söhne den Thron nach ihm besteigen wird- Die Jagd auf menschliche Sklaven. Die Jagd ist in vollem Gange und beide Drachen sind im Wald als plötzlich der von den Drachen als Dämonen gefürchtete Bant Bitterholz aus dem Unterholz auftaucht und den jüngsten Sohn des Königs mit seinem Bogen niederstreckt. Der König tobt. Als Bitterholz seinen Jägern schließlich entwischt, beginnt er einen irren Plan zu entwickeln, dem die ganze Menschheit zum Opfer fallen soll. Dieser beginnt direkt am Hofe des Königs, indem Albekizan alle seine Sklaven zusammentreiben und hinrichten lässt. Das wird auch mit Grausen vom schlauen “Hofzauberer” Vendevorex beobachtet, dessen Magie sich auf vergessenen Nano-Technologien der Menschen gründet, und sein menschlicher, weiblicher und hübscher Lehrling Jandra, die daraufhin vom Hofe flüchten, und versuchen andere Drachenfürsten gegen Albezikan zu gewinnen… Indes ist Bitterholz weiter unterwegs auf seinem Egotrip, um seinen Rachefeldzug gegen die Drachen fortzuführen um Vergeltung für den Tod seiner Familie zu erlangen.

FAZIT

Bitterholz- Die Herrschaft der Drachen ist ein actiongeladener, spannender und skurriler Fantasyroman, den man so bisher sicher noch nicht gelesen hat. Das ganze Buch über ist man immer wieder Parallelen zu unserer Zivilisation zu entdecken, zum Beispiel wenn man von den merkwürdigen schwarzen Linien hört, die sich durch den Wald ziehen, oder wenn man von kreisrunden Öffnungen in den Sagen der Drachen liest, welche in ein Labyrinth aus wassergefüllten Gängen und Kammern führen. Das sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehende Auftauchen des “Dämonen” und “Schatten, der tötet” Bitterholz erzeugt eine mystische, spannungsgeladene Atmosphäre sodass man das Buch am liebsten gar nicht mehr aus den Händen legen möchte.

Jeder -und Drachenfan wird hier voll auf seine Kosten kommen, aber auch -Liebhaber, die offen für neues sind, werden hier, vor allem in den Fortsetzungen genauso viel Spaß mit dem tiefgründigen Charakter Bant Bittholzs haben.

1Q84

″ von Haruki

Inhalt:

Japan im Jahr 1984: Die junge Aomame ist nicht nur gefragte Fitnesstrainerin, sie ist auch als Auftragsmörderin äußerst erfolgreich. Als Opfer dienen ihr hierbei ausschließlich Männer, die gewalttätig gegen Frauen wurden. Auf einer Taxifahrt zu einem solchen Termin gerät sie in einen Verkehrsstau, verlässt aus Zeitmangel zu Fuß die Autobahn – und marschiert geradewegs hinein in die seltsame Parallelwelt „1Q84“.

Zur selben Zeit hilft der Mathematiklehrer und angehende Schriftsteller Tengo, das vielversprechende Manuskript der 17jährigen Fukaeri fertigzustellen – und sieht sich auf einmal konfrontiert mit einer Welt, die nicht mehr die ist, in der er zu leben glaubte. Wohin ist seine Geliebte verschwunden? Was hat es mit seinem Vater auf sich? Und woher kommen die zwei Monde, die Nacht für Nacht am Himmel stehen? Immer stärker reift in Tengo der Verdacht, selbst Teil des ominösen Manuskriptes zu werden…

Obwohl sich Aomame und Tengo in der ganzen Erzählung nicht persönlich begegnen, sind ihre Geschichten schicksalshaft miteinander verwoben: Unfähig zu tiefer gehenden emotionalen Bindungen, bewältigen sie ihren jeweiligen Alltag allein. Die Leere in ihrem Leben kompensieren sie mit Arbeit und unpersönlichem Sex. Und doch erinnern sich beide über die Einsamkeit hinweg an den einen Moment ihrer gemeinsamen Schulzeit, als sie sich für an den Händen hielten – nur, um sich danach für immer aus den Augen zu verlieren.

Haruki Murakami erzählt die Geschichte von Aomame und Tengo in parallelen, sich nicht berührenden Handlungssträngen. Über 1000 Seiten lang verfolgt der Leser in abwechselnden Kapiteln die Suche der beiden nacheinander und gerät dabei in eine wahrhaft abgründige Welt, in der sexuelle Abhängigkeiten, Missbrauch, familiäre Vernachlässigungen und religiöser Wahn den Alltag bestimmen.

Entweder mit der Welt stimmt etwas nicht oder mit mir, dachte sie. (…) Liegt es am Topf oder am Deckel?“


„1Q84 – so werde ich die neue Welt nennen, entschied Aomame. Q für question mark – Fragezeichen.“

Dieser Satz von Murakami beschreibt sehr treffend den Zustand, in dem sich auch der Leser zunehmend befindet. Gab es im Orwellschen Kosmos „1984“ noch den „Big Brother“, der sein totalitäres Auge auf die Menschen richtete, ruft Murakami kontrastierend die „Little People“ auf den Plan. Diese mysteriösen Wesen, deren Absichten bis zum Ende des Buches nicht eindeutig klar werden, nutzen verschiedene Durchgänge, um in die Welt zu gelangen. Dass dies schon einmal das Maul einer toten Ziege sein kann, führt den Leser nur noch tiefer in die abgründige Welt des Haruki Murakami.

Fazit:

Trotz aller Mysterien, trotz aller Konstruktionen und schwer zugänglichen Welterklärungen, ist „1Q84“ ein poetisch und ruhig erzähltes Werk, welches von der ersten Seite an zu fesseln weiß. Die Identifikationsmöglichkeiten mit den handelnden Figuren sind mitunter gering und auch die Lesersympathien müssen sie sich erarbeiten. Und dennoch wartet und hofft man zusammen mit diesem einsamen Pärchen darauf, dass die Rätsel der Welt sich lösen lassen und die wahre Liebe ihren Weg findet.

Murakami erweist sich einmal mehr als Meister des Doppelbödigen und Tiefgründigen, an dem auch ein David Lynch seine helle Freude haben würde. Der oftmals ratlose Leser wiederum weiß sich in guter Gesellschaft, schließlich kommen auch Aomame und Tengo im Verlauf der Handlung immer wieder an die Grenzen ihres Verstandes. Der Roman verlangt dem Leser einiges ab, nicht zuletzt die Fähigkeit, Unklarheiten auszuhalten. Wer sich jedoch einlässt auf Murakamis mysteriöses „1Q84“, wird reich belohnt mit einem Text voller zurückhaltender Sprachschönheit und Momenten intensiver Seelenschau.

Schwierig wird es allerdings, den Roman einem Genre zuzuordnen. Es lässt sich von allem etwas finden: Die Liebesgeschichte wird kontrastiert durch verbrecherische Machtausübung, Familiendramen haben ebenso ihre Berechtigung wie fantastische Elemente. Dennoch ist der Roman nie willkürlich, alles hat seinen Platz, geht in einem stimmigen Rhythmus nebeneinander oder miteinander einher.

Einziges Manko: Das vorliegende Buch besteht aus zwei Teilen, der dritte und letzte Teil erscheint erst gegen Ende des Jahres. Um dann erneut in die Geschichte einzusteigen, bedarf es entweder einer wiederholten Lektüre oder eines immensen Gedächtnisses.

Am Ende des Romans angelangt, taucht man selbst nur mühsam aus den verschobenen Welten auf, und wagt vielleicht einen heimlichen Blick hinauf zum Himmel, um sich zu vergewissern, dass es nicht doch so sein könnte: „Am Himmel standen zwei Monde. Ein großer und ein kleiner. Nebeneinander.“

Timeline

Timeline von

Eine Reise in die Mitte der Zeit
Eine Gruppe junger amerikanischer Forscher arbeitet an der Restauration einer Burg namens La Roque am Fluss Dordogne im Süden Frankreichs. Nachdem ihr Professor, Edward Johnston, von einer Geschäftsreise zum Sponsor des Projekts, ITC, nicht zurückkehrt, machen seine Doktoren einen mysteriösen Fund in der Ausgrabungsstätte: Sie finden ein über 600 Jahre altes Dokument, auf dem (in der Handschrift des Professors) geschrieben steht: “HELFT MIR. 7.4.1357″

Bald darauf werden die vier Doktoren – André Marek, Kate Erickson, Chris Hughes und David Stern – zu ITC nach Black Rock, New Mexiko, USA, geholt, wo ihnen dann erklärt wird, dass der Professor mit Hilfe der von ITC entwickelten Quantentechnologie ins Mittelalter gereist ist und jetzt dort festsitz. Die Forscher sollen nun selbst die Zeit des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich, betreten, um Johnston zurückzuholen. Als sie die Zeitreise antreten, ahnen sie nicht, wie gefährlich La Roque 1357 wirklich ist…

Fazit: Exzellent recherchiert, rasant und geistreich
Mein erster Roman vom Erfolgsautor (u.a. Airframe, Nippon Connection aka Die Wiege der Sonne, Jurassic Park, Emergency Room Drehbuch) Michael Crichton. Ich bin mittelschwer beeindruckt. Aber kommen wir zum Buch selbst:

Ich muss selbst von mir zugeben, dass ich kein großer Fan von Sci-Fi bin und auch von Physik, Quantenphysik um genau zu sein, nicht viel verstehe. Doch ich mag Geschichte und Historisches, von daher sprach mich die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken schon an. Was mich allerdings überraschte, ist die Geschwindigkeit, mit der ich dieses ja doch mittelstarke Buch ausgelesen habe.

Crichton hat einen Schreibstil, der den Leser in Bann zieht. Einmal das Buch in die Hand genommen, schon trägt man es überall mit sich herum und liest wann immer man die Möglichkeit dazu hat. Timeline ist ein intelligentes Geflecht aus tatsächlichen Personen, Begebenheiten und Orten und purer Fiktion. Es ist unglaublich, was dieser (sehr gebildetete) Mann an Recherchearbeit geleistet haben muss, um der Welt diesen Roman zu präsentieren. Es fühlt sich alles, was er in kurzen und prägnanten Sätzen beschreibt, sehr wirklich und authentisch an. Seine Dialogführung ist lebhaft. Was vor allem sehr auflockernd wird, ist die Tatsache, dass er seine Figuren sprechen lässt. Ein Kapitel wird aus der Perspektive des einen Doktors, der nächste Absatz aus der Sicht des anderen geschildet. Real kommt dies also einem Wechsel von Vortragenden gleich, so dass es dem Leser beinahe verboten wird, sich zu langweilen.

Pro: Viele Absätze und kurze Kapitel sorgen für besseren Lesefluss und sehr gutes Erzähltempo. Die Charaktere sind gut durchdacht. Die geschichtlichen Umstände sind hervorragend eingearbeitet. Die Dialoge sind lebendig. Der Plot ist für 1999 innovativ und wahnsinnig spannend erzählt.

Contra: Interessant sind bei Crichtons Roman auch die netten Abbildungen hier und da, die dem Vorstellungsvermögen ein bisschen auf die Reihe helfen. Ich fand die Idee an sich sehr geistreich, doch hätte ich lieber auf meine eigene Fantasie gebaut. Hier und da wäre der eine oder andere Witz nicht fehl am Platz gewesen.

Ich hatte Probleme, Punkte für “contra” zu finden, denn schließlich habe ich dieses Buch sehr genossen. Warum ich trotzdem keine 5/5 vergebe? Es ist Crichton nicht ganz gelungen, mich am Ende zu “überraschen” (Wollte ich das?), was eine der Figuren betrifft. Am Ende des Buches bin ich zufrieden zurückgesunken, dass es (leider) so ausgangen ist, wie ich seit der Mitte des Buches vermutet habe. Aber das ist ja kein Nachteil.

Wer physikalische Abhandlungen sucht, wird möglicherweise enttäuscht, da diese nicht den Großteil des Romans einnehmen. Wer sich also ein wenig für Geschichte und ein spannendes Abenteuer interessiert, wird dieses Buch lieben. Einfach erstklassige Unterhaltungsliteratur, die das Herz höher schlagen lässt! Offenbar gibt es auch eine Filmversion, die ein wenig auf dem Roman beruht. Ich werde sehen, ob ich nicht meine Finger daran bekommen kann. Timeline wird auf keinen Fall mein letzter Roman von Crichton sein.

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