‘Thriller’
Komm, dunkle Nacht von Iris Johansen
Hintergrund
Dieses Buch ist ein Roman aus der Reihe um Eve Duncan, einer bekannten Gesichtsrekonstrukteurin, die ihre Tochter verloren hat, als diese 7 Jahre alt war. Seitdem hat sie sich aus einer schwierigen Vergangenheit mit einer cracksüchtigen Mutter und einem schlechtem sozialen Umfeld hochgearbeitet und versucht, mit Hilfe ihrer Tätigkeit, anderen Eltern ihre Kinder „zurückzugeben“ (indem sie bei unbekannten Leichen die Gesichter rekonstruiert). Gleichzeitig versucht sie, ihre ebenfalls noch immer vermisste Tochter wiederzufinden. Der hier vorliegende Roman ist der dritte aus der Reihe um Eve Duncan. Jede Folge ist, dank Rückblenden und geschickt eingebauter Erläuterungen aber immer auch für sich einzeln problemlos zu verstehen, so dass man kein Problem hat, in die jeweils in sich abgeschlossenen Handlungen einzutauchen.
Die Hauptakteure entwickeln sich weiter und tauchen immer wieder auf, und auch der rote Faden um Eve Duncans tote Tochter Bonnie, mit der sie noch immer Zwiesprache hält und die Suche nach ihrer Leiche, bleibt bestehen. Auch Joe Quinn und Logan, ersterer mittlerweile Eves Lebensgefährte und letzterer ein guter Freund und hilfreicher Unternehmer-Millionär, sind stets mit von der Partie. Obwohl der Klappentext des Buches nur von Sarah Patrick, einer Hundeführerin, mit ihrem Suchhund „Monty“ spricht, ist es ein Eve-Duncan-Roman, auch wenn weite Teile der Geschichte von Sarah und ihrem Hund handeln.
Inhalt
Logan macht in einem seiner geheimen Forschungslabors in Santo Camaro die Entdeckung, dass sein Erzfeind Rudzak (dieser hat unter anderem Logans erste Frau Chen Li getötet) dieses gesprengt und viele seiner Mitarbeiter getötet oder verletzt hat. Logans Mitarbeiter Bassett wurde entführt, und diesen möchte er wiederfinden, bevor Rudzak bei weiteren seiner Einrichtungen noch mehr Schaden anrichten kann. Da er stets nur die besten Spezialisten eines Faches auswählt (so hat er auch damals Eve kennengelernt), fällt seine Wahl auf Sarah Patrick und ihren Hund Monty – er muss sie nur noch überzeugen.
Beide sind gerade erst von einem Einsatz in der Türkei zurück, wo Monty nach vermissten Menschen nach einem Erdbeben gesucht hatte. Der Golden Retriever Monty hat eine besonders feine Nase und ist daher stets sehr erfolgreich, auch wenn es ihn stark mitnimmt, wenn er Leichen findet. Zunächst jedoch treffen sich alle Akteure bei der Beerdigung von Bonnie, da diese anhand der DNA-Analyse, die Joe Quinn von der Leiche des letzten Abenteuers hat machen lassen, identifiziert wurde. Eve kann nun beruhigt endlich ihre Tochter gehen lassen und sich auf ihre Adoptivtochter Jane besser konzentrieren, die sie diese aus einem schwierigen sozialen Milieu mit verschiedenen Pflegeeltern geholt hat.
Nachdem Logan Sarah „überzeugt“ hat (eher mithilfe von Erpressung), fliegen die beiden in den Dschungel, um Basset zu suchen. Rudzak hat jedoch einen Maulwurf in Logans Team eingeschleust, und so müssen die beiden und der Hund zahlreiche Fallen überstehen, eine davon ist sogar ein Erdrutsch in Taiwan, bei dem Monty ebenfalls eingesetzt wird.
Fazit
Der Roman ist wiederum sehr spannend geschrieben (auch wenn natürlich, wie bei solchen Thrillern üblich, viele Ereignisse deutlich dem Reich der Fantasie entspringen) und es ist eine sehr schöne Abwechslung bzw. Erweiterung der Serie, diesmal Sarah Patrick und Logan die Haupthandlungen zu überlassen. Der Hund Monty und seine wirklich liebenswerten Interaktionen mit seinem Frauchen werden sicherlich viele Leserherzen erweichen können. Jeder, der Hunde hat, wird mit Monty sich freuen und mitleiden und mitfiebern bei der Suche nach vermißten Menschen, die eventuell noch zu retten sind.
Die verschiedenen Plätze der Handlung sind geschickt miteinander verwoben, auch die Geschichte um Eve und ihre Adoptivtochter entwickelt sich weiter und natürlich gibt es am Ende ein Happy End, wenn auch nicht für alle Personen… Erfrischend ist, daß es sich nicht um einen klassischen Detektiv- oder Ermittlerroman handelt, auch wenn Joe Quinn als ehemaliger SEAL natürlich Polizeiarbeit einfließen läßt, sondern eben verschiedene “normale” Personen in gefährliche Situationen geraten und sich diesen stellen. Alles in allem kann man das Buch sehr empfehlen – als Teil der Reihe um Eve Duncan, aber auch sehr gut allein.
The Cold Moon von Jeffery Deaver
Hintergrund
Dieses Buch ist der siebte Roman in der 1997 begonnenen Lincoln-Rhyme-Reihe um einen querschnittsgelähmten ehemaligen Ex-Detective der New Yorker Polizei, der auf forensische Kriminalistik spezialisiert ist. Während seiner aktiven Zeit hatte er unter anderem verschiedene Sandproben gesammelt und katalogisiert, um diese quasi wie eine Datenbank bei neuen Fällen zu Rate ziehen zu können. Dank seines genialen Verstandes wird er von seinen Ex-Kollegen immer wieder um Hilfe gebeten.
Zur Seite steht ihm dabei Amalia Sachs, eine aktive Polizistin, eine intelligente junge Frau, die seine Arbeitsweise seit dem ersten Roman kennengelernt hat und ihn vor Ort bei den Tatorten unterstützt, jedoch nach und nach mehr Verantwortung übertragen bekommt. Amalia und Lincoln sind auch privat miteinander verbunden. Der englische Originaltitel „The Cold Moon“ spielt auf den Mondkalender an und bezeichnet den Todesmonat, während die deutsche Übersetzung des Titels „Der gehetzte Uhrmacher“ zwar bereits andeutet, dass der Mörder sich sehr gut mit Uhren auskennt, jedoch ist der Mörder keinesfalls „gehetzt“ – im Gegenteil, er ist so gut vorbereitet, dass er Lincoln und seinem Team immer einen Schritt voraus ist.
Inhalt
Wieder einmal hält ein grausamer Mörder New York in Atem. An einem Pier werden blutige Abdrücke gefunden, die Leiche wurde offenbar durch Wind und Wetter in den Fluss gespült. Daneben findet sich – wie auch beim zweiten Tatort direkt danach, bei dem ein Mann durch einen großen Eisenquader in einer Seitenstraße zu Tode gequetscht wird – eine Standuhr, die die letzten Minuten bis zum Tod laut hörbar für die Opfer runtertickt. Amalia ist eigentlich mit ihrem ersten eigenen Fall als leitende Ermittlungsbeamtin beschäftigt, hilft jedoch natürlich Lincoln auch bei diesem verzwickten Fall.
Lincoln Rhyme zieht wie immer geniale Schlüsse aus den noch so kleinsten Hinweisen am Tatort, muss jedoch feststellen, dass die hinzugezogene Kathryn Dance, eine Verhörspezialistin für Körpersprache aus Kalifornien, in ihrem Fachgebiet wertvolle Hinweise liefert, so dass nicht nur eine Disziplin bei der Verbrechersuche ausschlaggebend ist. Lincoln und sein Team hetzen mit Hilfe der Hinweise, die der „Uhrmacher“ hinterlässt und scheinen einmal sogar einen Mord vereiteln zu können – aber auch hier ist es nur eine weitere geniale Finte des Verbrechers.
Fazit
Es ist wieder ein absolut spannender Roman von Jeffery Deaver, ein Pageturner, den man nicht aus der Hand legen kann. Als Leser ist man stets sowohl fasziniert wie auch frustriert, dass Deaver zwar Hinweise auf den Mörder gibt, diese aber dann doch wieder nur ins Leere laufen, so dass man bis zum Schluss nicht weiß, was eigentlich dahinter steckt. Interessant bei diesem Roman ist auch, dass teilweise die Geschichte aus der Perspektive des Mörders erzählt wird. Durch die Einführung einer neuen Figur, Kathryn Dance (die seit 2005 eine eigene Reihe von Deaver erhalten hat), gibt es – nicht nur für Rhyme – interessante neue Aspekte bei der Verbrecherverfolgung. Die Daten und Fakten erscheinen wie immer sorgfältig von Deaver recherchiert, so dass sich der Leser nicht mit oberflächlichen oder falschen Beschreibungen herumärgern muss. Ein absolutes Muss im Bücherregal eines jeden Thrillerfans!
Der Mädchensammler von Iris Johansen
Hintergrund
Dieses Buch ist der fünfte Roman um die Gesichtsrekonstrukteurin Eve Duncan, die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Joe Quinn und ihrem Freund und Unternehmermillionär Logan sowie ihrer mittlerweile fast erwachsenen Adoptivtochter Jane gefährliche Abenteuer besteht.
Inhalt
In diesem Buch ist Jane, die mittlerweile 17-jährige Adoptivtochter von Eve, Hauptgegenstand der Handlung. Ein geistesgestörter, aber dennoch sehr intelligenter Mann namens Aldo tötet Frauen und zieht ihnen mit einem Skalpell das Gesicht ab. Sein Vater war Archäologe und besonders von der antiken „Cira“ so besessen, dass er darüber seinen Sohn vernachlässigte. Daher ermordet Aldo nun Frauen, die dieser „Cira“ ähnlich sind (daher der Titel „Der Mädchensammler“), um die Welt von „Cira“ zu befreien. Unglücklicherweise sieht Jane am meisten nach Cira aus und hat zudem eine starke Aura, strahlt Selbstbewusstsein aus und soll daher das „Meisterstück“ von Aldo werden.
Der attraktive Lebemann Trevor, der Aldo von früher kennt und diesen vernichten will, macht sich daher mit der Familie bekannt, um Aldo zu stellen. Jane bekommt bereits seit einiger Zeit Alpträume um einen dunklen Tunnel und einen Vulkanausbruch, und es stellt sich heraus, dass sie auf irgendeine Weise mit „Cira“ verbunden ist. Sie will sich von Aldo nicht einschüchtern lassen, sondern überlegt sich zusammen mit Eve, Joe und Trevor, wie sie ihm eine Falle stellen kann (hier kommt Eves Spezialgebiet, die Gesichtsrekonstruktion, ins Spiel). Trevor, der von Jane sehr fasziniert ist, aber versucht, ein rücksichtsloses und geldgieriges Bild von sich selbst zu präsentieren, reist daher nach Italien in die Gegend des Vesuvs, wo „Cira“ vor 2000 Jahren gelebt hat, und bereitet die Falle vor. Aldo weiß jedoch so viel von Jane und ihrer Familie und ist stets aktuell über deren Schritte informiert, dass es sehr gefährlich für alle wird.
Fazit
Wiederum ein sehr gelungener Roman um Eve Duncan. Was an den Romanen um Eve Duncan immer wieder gefällt, ist, dass es nicht jedes Mal nur Geschichten um Eve sind, sondern dass Eve jeweils zwar eine wichtige Rolle spielt, die Handlung aber nach und nach auf andere Hauptakteure ausgeweitet wird. So kommt stets ein anderer Aspekt mit in die Bücher, die sowohl in Serie gelesen als auch jedes für sich interessant und problemlos verständlich sind.
Etwas schade und ärgerlich ist, dass es jeweils andere Übersetzer in der Reihe sind, so dass am Anfang des Buches der Eindruck entsteht, dass der Übersetzer die Folgen vorher nicht kennt, da auf dem Klappentext die Rede davon ist, dass Eves tote Tochter, die im Band „Komm, dunkle Nacht“ beerdigt wurde, noch immer vermisst sei. Erst nach zahlreichen Seiten klärt sich auf, dass Joe damals, als das Skelett gefunden wurde, die Beweismittel bzw. die Analyse, die bestätigten, dass es sich um Bonnie handelte, manipuliert hat, um Eve endlich die Ruhe zu geben, ihre Tochter gefunden zu haben und beerdigen zu können. Dies hätte man deutlich besser am Anfang darstellen können, um dem Leser unnötige Verärgerung zu ersparen. Ansonsten ist „Der Mädchensammler“ wieder ein absolut lohnender Thriller von Iris Johansen.
Das war ich nicht von Kristof Magnusson
Inhalt
Der deutsche Banker Jasper Lüdemann steht auf der Schwelle zu einer großen Karriere: Aus dem „Back Office“ einer amerikanischen Großbank gerade in den Händlersaal versetzt und nach einer Schulung in London mit allen Fakten des internationalen Wertpapierhandels vertraut, sieht Jasper sich schon bald als Investmentbanker, der weiß, wie man Geld vermehrt. Die Literaturübersetzerin Meike Urbanski hingegen steht der soziale Abstieg bevor: Der international gefeierte Bestsellerautor, dessen Werke sie ins Deutsche übersetzt, scheint spurlos verschwunden zu sein, und seinen groß angekündigten neuen Roman hat er nicht rechtzeitig beim Verlag eingereicht.
Henry LaMarck, der gefeierte Bestsellerautor hat hingegen ganz andere Sorgen: Ihn plagt die Angst vor dem Alter, und schon seit geraumer Zeit leidet er unter einer Schreibblockade. In „Das war ich nicht“ kreuzen sich die Wege dieser drei unterschiedlichen Menschen, und schon bald befinden sich alle drei Protagonisten auf einem abenteuerlichen Weg, der sie in eine Abhängigkeit führt, aus der sie nur schwer wieder ausbrechen können.
Ein fesselnder Roman über Loyalität, die Folgen von falschen Entscheidungen und die Verstrickungen des globalen Kapitalismus
Kristof Magnusson erzählt in „Das war ich nicht“ eine Geschichte vor dem Hintergrund der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise. Jasper Lüdemann ist dabei derjenige, der mit seinen Entscheidungen mehr oder weniger direkt zur Entstehung dieser Krise beiträgt. Als er versucht, den Fehler eines Kollegen auszugleichen, gerät er binnen kürzester Zeit in einen Strudel von folgenschweren Ereignissen hinein, die nicht nur seine Karriere, sondern auch sein gesamtes sonstiges Leben bedrohen.
Jaspers Verluste, die er für seinen Arbeitgeber „einfährt“, steigen ins Unermessliche, doch Jaspers Vorgesetzte bekommen von den immensen Verlustgeschäften Jaspers nichts mit – im Gegenteil, sie verbuchen die Geschäfte als Gewinne, und auch wenn Jasper die Geschäfte ohne Berechtigung getätigt hat, soll er schon bald erneut befördert werden.
Immer tiefer gerät Jasper in einen Teufelskreis aus Vertuschung, Verzweiflung und einem latenten Gefühl der Überlegenheit. Meike Urbanski begegnet Jasper eines Tages rein zufällig und hält ihn für einen durchschnittlichen, arroganten und absolut langweiligen Banker – natürlich ahnt sie nichts von seinen heimlichen Risikogeschäften, die die Existenz von Jaspers Arbeitgeber bedrohen. Sowohl Jasper als auch Meike begegnen bald Henry LaMarck, ahnen jedoch zunächst noch nichts davon, dass das jeweilige Gegenüber ebenfalls in Kontakt mit Henry LaMarck steht.
Magnusson verbindet die drei Einzelschicksale der Protagonisten in „Das war ich nicht“ gekonnt zu einem großen Ganzen und wirft damit immer wieder die Frage auf, inwiefern man sein Leben selbst in der Hand hat, und wie schnell eine einzelne, vermeintlich unbedeutende Entscheidung dafür sorgen kann, dass das gesamte Lebenskonzept aus den Fugen gerät.
„Das war ich nicht“ ist in gewisser Weise auch ein Roman über die Finanzkrise, es wäre jedoch vermessen, zu behaupten, dass Magnussons kurzweiliger Roman, der zwar mitunter erschreckend realitätsnah wirkt, ein gesellschaftskritisches Werk sei. Dafür steht die Zeichnung der Charaktere und die Fortentwicklung der Story zu sehr im Vordergrund des Geschehens. Doch „Das war ich nicht“ ist keineswegs nur erschreckend, vielmehr glänzt der Roman gerade auch durch seine zahlreichen schier unfassbar komischen und skurrilen Momente, und der Autor tut gut daran, dem Leser selbst die Einordnung und Beurteilung der geschilderten Ereignisse zu überlassen.
Fazit
„Das war ich nicht“ ist ein Roman, der auf der einen Seite hochaktuell ist, dennoch gelingt es Kristof Magnusson, die Entwicklungen, die zu einer Finanzkrise führen, so klar darzustellen und sie darüber hinaus eher „dezent“ in den Handlungsverlauf einzuweben, dass der Roman eine allgemeine Gültigkeit und einen zeitlosen Unterhaltungswert besitzt.
Der Roman bewegt sich dabei zwischen dem Feld der kompromisslosen Spannungsliteratur und dem Bereich der klugen, und anspruchsvollen, aber dennoch nicht „zu schweren“ Unterhaltungsliteratur. Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt über „Das war ich nicht“ gar: „So spannend wie ein amerikanischer Thriller“. Dies trifft zweifelsohne zu, allerdings wird „Das war ich nicht“ nicht nur Liebhabern von Kriminalromanen und Thriller-Romanen außerordentlich gut gefallen. „Das war ich nicht“ ist somit sicher einer der erfreulichsten Romane des frühen Jahres 2010 – bedingungslos zu empfehlen!
Boston Run von Frank Lauenroth
Inhalt
„Boston Run“ erzählt die Geschichte von Brian Harding, einem Läufer, der alles daran setzt, den Boston Marathon zu gewinnen. Doch Brian Harding war noch nie ein außergewöhnlich guter Sportler – deshalb vertraut er während des Laufs auch nicht auf seine körperliche Leistungsfähigkeit, sondern verlässt sich stattdessen lieber auf ein neuartiges Dopingmittel, welches die Leistungsfähigkeit seines Körpers um ein Vielfaches steigern soll. Brian ist nicht daran interessiert, anderen oder sich selbst etwas zu beweisen, schließlich weiß er bereits im Voraus, dass er den Boston Marathon gewinnen wird – ihm geht es einzig und allein um die Siegprämie von 150.000 Dollar.
Das Besondere an Brians Dopingmittel: Es baut sich während des Laufs im Körper ab, und nach etwa 2 Stunden wird die verbotene Substanz nicht mehr nachzuweisen sein – Brian hat also den scheinbar perfekten Plan. Doch Brian hat noch einen weiten Weg bis zur Siegprämie vor sich: Denn die NSA ist auf der Jagd nach der Formel des Dopingmittels und hängt sich an Brians Fersen. Und Brian muss erkennen, dass der NSA jedes Mittel recht ist, um an die Substanz in Brians Körper zu gelangen. Doch ist es wirklich nur Brian, der durch den Einsatz der Substanz triumphieren will?
Ein spannender Sport-Thriller mit überraschenden Wendungen
„Boston Run“ ist ein eher ungewöhnlicher Thriller. Die Intention des Autors Frank Lauenroth war es, einen Spannungsroman über ein Thema zu schreiben, welches so nur selten in der Literatur „beackert“ wird. Zu diesem Zweck schuf er den fiktiven Läufer Brian Harding, der gewillt ist, die Siegprämie des Boston Marathon einzustreichen und dabei auch nicht vor dem Einsatz eines Dopingmittels zurückschreckt.
Doch Brian Harding begibt sich nicht allein auf seine „Mission“: Im Hintergrund zieht ein hochintelligenter, aber jähzorniger ehemaliger NSA-Agent die Fäden. Dieser hat auch das Dopingmittel erfunden und verfolgt noch ein ganz anderes Ziel als Brian. Er will sich an seinen ehemaligen Kollegen bei der NSA rächen und seine Überlegenheit demonstrieren. Die Siegprämie ist für ihn zweitrangig, schließlich rechnet er mit geradezu gigantischen Einnahmen durch den Verkauf der Formel für das Dopingmittel.
Doch während des Laufs müssen Brian und sein „Mann im Hintergrund“ höllisch aufpassen. Brian immer wieder einzureden, dass er seine Kräfte einteilen muss, und möglichst unscheinbar auftreten soll, ist dabei noch eine der leichtesten Aufgaben für Chris, den Erfinder der Formel, der nun gemeinsam mit Brian den „Coup“ ausheckt. Chris hat deutlich mehr Probleme damit, sich selbst unter Kontrolle zu haben und die NSA immer wieder aufs Neue hinters Licht zu führen. Schließlich geschieht etwas völlig unerwartetes, und der Sieg beim Boston Marathon rückt für Brian Harding plötzlich in weite Ferne.
Fazit
Frank Lauenroth, der mit seinem Erstlingswerk „Simon befiehlt“ den Roman-Wettbewerb „Deutschland schreibt“ gewann, legt mit „Boston Run“ einen spannenden Thriller vor, der letztlich vor allem durch seine raffinierten und unerwarteten Wendungen überzeugt. An der einen oder anderen Stelle gleitet die Handlung etwas zu sehr in „klassische (amerikanische) Thriller-Klischees“ ab, was angesichts der mitreißenden Erzählweise und dem äußerst fesselnden Handlungsverlauf jedoch noch verzeihlich ist. Ein empfehlenswerter Thriller, der allen Liebhabern von kompromissloser Spannungsliteratur gefallen wird!
Kind 44 von Tom Rob Smith
Inhalt
Das Setting von „Kind 44“ ist überaus düster und ist in einer Ära angesiedelt, die in der Literatur nur selten beschrieben und behandelt wird: Die Sowjetunion der Stalin-Zeit. 1953 wird in Moskau ein Junge übel zugerichtet auf einem Bahngleis gefunden. Für die Behörden scheint der Fall klar: Im Russland der Stalin-Zeit gibt es offiziell keine Verbrechen, denn im Kommunismus hat ja angeblich niemand mehr einen Grund, Verbrechen zu begehen. Der Staat kümmert sich um jeden einzelnen Bürger und alle Menschen sind gleich. Verbrechen sind gemäß der kommunistischen Staatsdoktrin nur Ausdruck der Fehlentwicklungen in einer kapitalistischen Gesellschaft. Und so wird der Mord an dem kleinen Jungen kurzerhand zum Unfall erklärt.
Der MGB-Offizier Leo Demidow versucht sich selbst einzureden, dass es wirklich ein Unfall war, und auch wenn es ihm gelingt, die Angehörigen des Opfers davon zu überzeugen, dass es sich bei der Sache um einen Unfall und nicht um einen Mord handelt, versagt er bei dem Versuch, sein eigenes Gewissen zum Schweigen zu bringen. Doch seine Position erlaubt es Leo nicht, allzu kritisch zu sein. Aber Leo kommt einfach nicht zur Ruhe: Er stellt heimlich eigene Nachforschungen an, und macht sich damit selbst zum Staatsfeind. Langsam erkennt Leo, dass ein Serienkiller am Werk ist, und dass der kleine Junge Arkadi, der immerhin auch ein Sohn von einem Kollegen Leos war, nicht das einzige Opfer des Killers ist. Leo verfolgt die Spur des Serienkillers und bringt damit nicht nur sich selbst in Lebensgefahr…
Eine Reise in die dunkelste Episode der russischen Geschichte – absolut packend und alles andere als gewöhnlich
Der Debütroman von Tom Rob Smith avancierte in Deutschland binnen kürzester Zeit zum gefeierten Bestseller, der Thriller belegte unmittelbar nach seiner Veröffentlichung wochenlang Spitzenplätze in sämtlichen deutschen Bestsellerlisten. Dabei ist „Kind 44“ ein sehr ungewöhnlicher Thriller: Tom Rob Smith verzichtet komplett auf eine Identifikationsfigur, denn der Hauptprotagonist in Smiths Erstlingswerk, Leo Demidow, legt zwar im Verlauf der Handlung alte Verhaltensmuster ab und der Leser erlebt, wie sich ein regimetreuer, loyaler und unkritischer MGB-Offizier zu einem eigenständig denkenden Menschen entwickelt, der sich nur noch der Gerechtigkeit verpflichtet fühlt, doch Smith versteht es, den Hauptcharakter des Thrillers nicht durch eine übertriebene Persönlichkeitswandlung zu glorifizieren.
Dabei hat Smith überaus gründlich recherchiert: Die Geschichte in „Kind 44“ wirkt erschreckend glaubwürdig, und der Autor legt Wert darauf, die Charaktere so zu zeichnen, dass sie unglaublich lebensecht wirken. Doch nicht nur die Charaktere wirken absolut authentisch, auch der Handlungsverlauf wurde von Smith so beeindruckend realitätsnah angelegt, dass dem Leser das eine oder andere Mal der Atem stockt. Smith seziert die Gesellschaftsstrukturen in der stalinistischen Sowjetunion und zeigt, wie Menschen aus Angst um das eigene Leben vor nichts mehr zurückschrecken und innerlich mit allem abschließen.
Smith schreibt glasklar, fesselnd und schnörkellos, und seine Erzählweise wirkt dabei niemals platt oder voyeuristisch. Er lässt den Leser mit all seinen Erwartungen und Gefühlen allein und vermeidet es, den moralischen Zeigefinger zu erheben oder die Geschichte mit einer eigenen Meinung zu verwässern. Dass es Smith darüber hinaus gelingt, einen relativ klassischen Krimiplot in eine Umgebung zu transportieren, die in der Literatur meist zu kurz kommt, ist wohl ein weiterer Grund für den großen Erfolg von „Kind 44“.
Fazit
„Kind 44“ ist zweifellos einer der erfreulichsten Krimis der letzten Jahre. Der Thriller bietet mehr als nur eine willkommene Abwechslung zu den oftmals klischee-überladenen und standardisierten Werken des Thriller-Genres. Smith schuf mit „Kind 44“ einen Thriller, der es schafft, den Leser über 500 Seiten zu fesseln, ohne dass Smith dabei auch nur einen einzigen wirklichen Nebenschauplatz oder gar einen „Helden“ benötigt – ein wahrlich meisterhaftes Stück Literatur!
Mörderische Küsse von Linda Howard
Inhalt
Lily Parks, Tochter aus gutem Elternhaus, wurde noch als Teenagerin von der CIA als Spezialagentin angeworben, da sie einem Jagdverein ohne große Übung und Vorkenntnisse schnell durch ihre exzellente Treffsicherheit beim Schießen aufgefallen war. Seitdem erledigt sie für die USA offiziell Tötungsaufträge. Daher versteht sie sich nicht als Mörderin, sondern ihrer Auffassung nach steht sie im Dienst ihres Vaterlands. Mittlerweile ist sie jedoch sehr ausgebrannt; seit Jahren hat sie aufgrund ihres Berufes keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern und ihre kleine Adoptivtochter, die – ebenfalls wegen ihres Berufs – bei ihren besten Freunden aufwuchs, wurde von dem Mafiaboss Salvatore Nervi umgebracht.
Nun möchte Lily die Mörder ihrer kleinen Tochter auf eigene Faust rächen. Mit Hilfe eines bereits in geringer Dosis tödlichen Gifts im Wein gelingt es ihr, Nervi zu töten, sie muss aber, um die Tarnung aufrechtzuerhalten, ebenfalls einen winzigen Tropfen des Gifts trinken, so dass sie selbst sterbenskrank wird. Die CIA erhält Nachricht, dass der Mafiaboss ermordet wurde und da Lilys Chef bereits gemerkt hat, dass die Top-Agentin psychisch angeschlagen ist, wird Lily zum potenziellen Sicherheitsrisiko. Lilys Boss schickt deshalb den Spezialagenten Lucas Swain, um Lily „aus dem Verkehr zu ziehen“.
Lily findet derweil heraus, dass zwei ihrer Freunde ermordet wurden, weil sie herausgefunden hatten, dass die Mafiagruppe an einem eigentlich guten Impfstoff gegen die Vogelgrippe arbeitet – gleichzeitig stellt die Mafiagruppe aber auch den Erreger für die Krankheit her. Deshalb sucht nun auch die Familie des getöteten Mafiabosses nach Lily, und es beginnt ein tödliches Katz- und Maus-Spiel. Lily gelingt es mit einem großartigen Trick, sich auf einem Flughafen „in Luft aufzulösen“, trotzdem gelingt es Lucas, sie aufzuspüren und ihr Vertrauen zu gewinnen. Ungeplant findet er sein Opfer sympathisch und hilft ihr sogar bei dem Versuch, die Geschäfte der Mafiafamilie zu durchkreuzen, behält seinen Auftrag dabei aber immer im Hinterkopf. Eine für alle Seiten sehr gefährliche Situation!
Hintergrund
Über die Autorin Linda Howard (bürgerlich: Linda Howington) ist nicht sehr viel bekannt, außer dass die Amerikanerin 1950 geboren ist und ca. seit dem Jahr 1980 Romane schreibt. Zunächst schrieb sie reine Liebesromane, später dann jedoch auch verstärkt Krimis und Thriller mit einer Liebesgeschichte. Damit ist sie bis heute sehr erfolgreich. „Mörderische Küsse“ ist eines ihrer neueren Werke (2004 als amerikanische Originalausgabe unter dem Titel „Kiss Me While I Sleep“ erschienen).
Fazit
Das Buch ist sehr spannend geschrieben und Leser, die nicht nur eine – ewig gleich aufgebaute – platte Liebesgeschichte suchen, sondern auch eine durchaus interessante Handlung zu schätzen wissen, kommen hier voll auf ihre Kosten. Trotz der geschilderten Handlung brauchen sich aber auch Freunde von Liebesgeschichten keine Sorgen zu machen, denn natürlich gibt es in „Mörderische Küsse“ ein Happy End.
Einige der Handlungsmotive in „Mörderische Küsse“ sind sicherlich recht weit hergeholt (so wird die Scharfschützin Lily sehr sympathisch und lebensnah und in ihrer Denkweise fast „bürgerlich“ dargestellt) – darüber wird der geneigte Leser allerdings wohl hinwegsehen können, schließlich ist eine solche Zeichnung der Charaktere im Bereich der Kriminalliteratur durchaus üblich. Etwas merkwürdig jedoch ist, dass in der Übersetzung einige Dinge komplett anders als im Original sind – allen voran der Nachname der Protagonistin Lily, die im amerikanischen Original Mansfield und in der deutschen Übersetzung Parks heißt, wofür es keinen ersichtlichen Grund gibt.
Auch die Beschreibung der Mietwagen, die sich Lucas im Laufe der Verfolungsjagd bei verschiedenen Mietwagenfirmen ausleiht, ist leider etwas oberflächlich und „typisch amerikanisch“ geraten – ein wenig Recherche hätte schnell gezeigt, dass man bei „normalen Mietwagenfirmen“ nicht einfach so einen Jaguar ausleihen kann…Sehr interessant ist indes die Darstellung der Ereignisse, die es Lily ermöglichen, sich auf einem mit zahlreichen Kameras gespickten Flughafen „unsichtbar zu machen“ und zu fliehen – dass genau diese Schilderung gar nicht so wirklichkeitsfern ist, haben die jüngsten Vorfälle vom Januar 2010 am Münchener Flughafen gezeigt. „Mörderische Küsse“ ist ein herrliches Lesevergnügen, denn das Buch bietet Spannung und die Garantie, dass letztlich doch noch alles gut ausgehen wird.
Airport von Arthur Hailey
Inhalt
Die Geschichte spielt sich innerhalb von nur 6 Stunden auf dem (fiktiven) Flughafen Lincoln International in Illinois, USA ab. Der Flughafen ist zu diesem Zeitpunkt – wie auch der größte restliche Teil des Landes – in tiefem Schneechaos versackt, was natürlich Konsequenzen hat. Angefangen bei verspäteten Flügen über blockierte Landebahnen bis hin zu überarbeiteten Mitarbeitern – kurzum: An diesem Tag herrscht der Ausnahmezustand. Hauptdarsteller des Thrillers ist Mel Bakersfeld, der Generaldirektor des Flughafens, der sich wegen seiner privaten Eheprobleme lieber auf dem Flughafen als zu Hause aufhält, ansonsten jedoch ein sehr intelligenter, gradliniger und diplomatischer Mensch ist.
Mel erlebt zusammen mit Tanya, der Kundenbetreuerin von „Trans America“, Keith, einem Fluglotsen (der zufällig sein depressiver und überarbeiteter Bruder ist), Joe Patroni, einem Techniker sowie seinem Schwager Vernon Demerest, Pilot bei Trans America, einen Abend am Flughafen, an dem die Lage schon allein aufgrund des Wetters ernst genug ist. Die Lage spitzt sich zu, als der Leser erfährt, dass ein Passagier, der finanziell am Ende ist und keinen Ausweg mehr sieht, auf Kredit einen – damals sehr seltenen – Direktflug (mit Vernon als Pilot) nach Rom bucht, um über dem Wasser eine Bombe zu zünden, damit seine Familie dank einer zuvor abgeschlossenen Reiseversicherung versorgt ist.
Gleichzeitig spitzt sich die Situation aufgrund einer blockierten Lande- und Abflugbahn weiter zu. Die blockierte Lande- und Abflugbahn sorgt dafür, dass eine naheliegende Gemeinde, die sowieso schon über den Fluglärm erbost ist, mehr als sonst von Fluglärm betroffen ist und ausgerechnet an diesem Tag am Flughafen demonstriert. Da der Leser außerdem noch die persönlichen Probleme aller beteiligten Personen erfährt, spitzt sich die Situation mehr und mehr zu, zumal die Bombe tatsächlich gezündet wird und die Piloten an Bord darum kämpfen, die Maschine trotz der großen Schäden am Flugzeug noch sicher zu landen…
Hintergrund
Arthur Hailey, geboren 1920 in England und selbst ehemaliger Royal Air Force Pilot und späterer Mitarbeiter des britischen Luftfahrt-Ministeriums, hat diesen bekannten Roman bereits 1968 geschrieben. „Airport“ ist eine Mischung aus Krimi, Thriller und dezent eingefügten Fakten über die Luftfahrt, ihre Hintergründe und die Probleme im Luftverkehr. Trotz seines Alters ist der Roman auch heute noch sehr spannend und bietet einen sehr interessanten Einblick in die Luftfahrt von vor mittlerweile fast 40 Jahren. Der Leser wird entführt in eine Welt, in der es noch keine Computer gab, in der Sicherheit zwar ein Aspekt auf dem Flughafen war, aber – insbesondere in den USA als Spielort der Handlung – noch nicht ansatzweise im heutigen Sinne berücksichtigt wurde.
So konnten damals auch Nicht-Reisende noch ins Flugzeug steigen und sich etwa von Verwandten verabschieden, es gab noch keine Röntgenkontrollen und auch sonst wurde auf Flugsicherheit bzw. auf Terrorismusprävention kein gesteigerter Wert gelegt. Fast alle Probleme des Romans sind jedoch auch heute noch hochaktuell: So geht es in „Airport“ beispielsweise um Lärmschutzbestimmungen, Sicherheitskontrollen und Attentate. Das Sich-Hineinversetzen in die Verkehrsluftfahrt von vor 40 Jahren bietet dabei auch einen Einblick in längst vergessene Zeiten, in denen zweistellige Flugnummern und das manuelle Verschieben von Plastik-Flugzeugnummern auf den Radarschirmen noch selbstverständlich waren.
Fazit
Das Buch ist auch nach mehr als 40 Jahren noch sehr interessant und lesenswert, wenn man nicht unbedingt einen atemberaubenden rasanten Thriller a la Dan Brown oder John Grisham erwartet. Hailey verwendet noch einen Schreibstil der alten Schule, in der viel Wert auf die Beschreibung der Charaktere und die Genauigkeit der Beschreibung gelegt wird, während die einzelnen Handlungsstränge rund um die Katastrophen an und um den Flughafen auf der einen Seite und die Einzelschicksale der Protagonisten auf der anderen Seite unaufhörlich vorangetrieben werden. „Airport“ ist also auf seine eigene Art und Weise ein echter Page-Turner.
Auch für Technik-Laien sind die dezent eingearbeiteten Hintergrundinformationen über den Ablauf in einem Flughafen und den Arbeitsablauf bei den Fluglotsen und Piloten leicht zu lesen und nachzuvollziehen. Die vorliegende Übersetzung von Wilm W. Elwenspoek ist ebenfalls fast 40 Jahre alt und weist leider einige Mängel auf. So übersetzt er amerikanische Längenmaße (Meilen, Fuß) leider nur, anstatt sie in die für Deutsche einfacheren Maße wie Kilometer zu übertragen.
Darüber hinaus sind einige der verwendeten Fachbegriffe leider veraltet, und auch der damals noch gebräuchliche Begriff „Neger“ hätte in den neueren Auflagen geändert werden können, ein paar ärgerliche Rechtschreibfehler hätten in der Neuauflage von 1999 ebenfalls korrigiert werden können. Nichtsdestotrotz ist das Buch aufgrund seiner spannend geschriebenen Geschichte sowie der beunruhigend aktuellen Thematik äußerst empfehlenswert!
Illuminati von Dan Brown
Hintergrund
Dan Brown hat sich auf das Schreiben von Romanen auf Basis von Verschwörungstheorien mit kirchlichem Hintergrund und dem Knacken schwieriger Codes spezialisiert. Sein Vater ist ein bekannter Mathematiker, seine Mutter ist Kirchenmusikerin; er selbst hat Englisch und Spanisch studiert. Vor diesem sozialen Hintergrund ist der oben genannte Schwerpunkt seiner Bücher fast automatisch nachvollziehbar. „Illuminati“ ist der zweite Roman von Dan Brown (nach „Diabolus“).
Inhalt
Robert Langdon, ein bekannter „Symbologe“ und Professor an der berühmten Harvard Universität, wird mitten in der Nacht vom Direktor des Kernforschungsinstituts CERN in der Schweiz gebeten, den Mord an einem der führenden Antimaterie-Wissenschaftler, auf dessen Brust ein Symbol (das Wort „Illuminati“ als Ambigramm) eingebrannt wurde, mit aufzuklären. Nachdem er das zunächst ablehnt, wird er mittels eines Faxes, auf dem das eingebrannte Symbol “Illuminato” zu sehen ist, gelockt, da er u.a. zu diesem Thema gerade forscht.
Er wird also von einem Piloten eines Superflugzeugs abgeholt, welches ihn in rund einer Stunde von den USA in die Schweiz zum CERN fliegt. Dort zeigt ihm der Direktor Maximilian Kohler den Toten, und er trifft auf die schöne adoptierte Tochter des toten Wissenschaftlers, Vittoria Vetra, die als Physikerin eng mit dem Vater zusammengearbeitet hat. Es stellt sich heraus, dass der Mörder einen kleinen Teil Antimaterie, das die beiden erfolgreich hergestellt hatten, gestohlen hat und damit nun die Welt und vor allem die katholische Kirche bedroht.
Die Illuminati seien nämlich eine Gruppe von hochintelligenten Menschen und Wissenschaftlern, die Jahrhunderte im Untergrund gewartet haben, um schließlich die Weltherrschaft zu übernehmen. Schnell stellt sich heraus, dass die Antimaterie, die, sobald sie freigesetzt wird, ein Vielfaches der Zerstörungskraft einer Atombombe hat, im Gebiet des Vatikan versteckt ist. Vittoria und Langdon machen sich also auf den Weg in den Vatikan, wo bezeichnenderweise gerade die nächste Papstwahl stattfindet…
Es sind also genug katholische Würdenträger an einem Ort, so dass eine Explosion nicht nur die Gebäude, sondern auch die wichtigsten Menschen der Kirche mit einem Schlag vernichten würde. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, in dem Vittoria und Langdon ihre jeweiligen Kenntnisse einsetzen können. Dennoch werden weitere Menschen ermordet – die vier aussichtsreichsten Kandidaten auf den Posten als neuer Papst sind entführt worden und werden kurz darauf – mit anderen Brandsymbolen „markiert“ – ebenfalls dramatisch ermordet.
Der persönliche Assistent des Papstes - der sogenannte Camerlengo - Carlo Ventresca, unterstützt Tom und Vittoria bei ihrer Suche. Er trauert noch um den letzten Papst, dessen Assistent er war und der, wie es sich im Laufe der Zeit herausstellt, ebenfalls ermordet wurde. Im Laufe ihrer verzweifelten Suche nach der Antimaterie müssen Langdon und Vittoria feststellen, dass nichts so ist, wie es scheint…
Fazit
Wie auch in seinem ersten Roman beschreibt Brown die Umgebung und hierbei vor allem die religiösen Gebäude (Gruften, Kirchen usw.) der Städte, in denen sein Roman handelt, sehr detailliert und korrekt. Dies führt leicht dazu, dass man als Leser geneigt ist, auch die anderen dargestellten Sachverhalte für Tatsachen zu halten, vor allem, da Brown zu Beginn des Romans betont, dass bestimmte Dinge (Antimaterie, CERN, Illuminati usw.), die im Roman geschildert werden, auf Tatsachen beruhen.
Nichtsdestotrotz handelt es sich keineswegs um einen Historienroman, sondern einen in der Moderne stattfindenden, mit historischen Tatsachen, Mythen und Phantasien ausgestalteten Thriller, in dem der Autor sein Recht auf Fiktion deutlich nutzt. Wenn man dies weiß und es einen nicht stört, dann ist es einfach nur ein sehr spannend geschriebener Roman, dessen Charaktere menschlich und sympathisch sind, und der Lust auf eine Fortsetzung macht!
Limit von Mark T. Sullivan
Inhalt
Im exklusiven Jefferson Club in Montana machen die sieben reichsten Männer der Welt gemeinsam Urlaub. Die Anlage ist mit jeglichem Komfort ausgestattet, den man sich für Geld kaufen kann und wird von einem firmeneigenen Securityteam, bestehend aus Ex-Elitesoldaten, gesichert. Für 6,5 Millionen Dollar können sich die Superreichen im Jefferson Club ein Chalet kaufen und gemeinsam viel Spaß haben. Eine schnelle Internetanbindung sichert die ständige Börsenpräsenz, und auch an gegenseitigen Tipps für profitable und schmutzige Geschäfte mangelt es nicht.
An Silvester machen die Multi-Milliardäre allerdings die Erfahrung, dass man mit Geld eben doch nicht alles kaufen kann. Denn die „Dritte Front“, eine militante Organisation von Globalisierungsgegnern, will Gerechtigkeit für alle Menschen. Sie haben unter Führung eines mysteriösen Generals den Club überfallen und dabei sämtliche Gäste als Geiseln genommen. Die Reichen sollen nun für ihre Habgier büßen.
Für Mickey Hennessy, den stellvertretenden Sicherheitschef des Clubs, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn auch seine drei Kinder befinden sich in der Gewalt der Globalisierungsgegner. Zumindest geht Mickey davon aus, nachdem er sich nach einem Schusswechsel mit einigen Terroristen außerhalb der Anlage in Sicherheit gebracht hat. Im schnell errichteten Hauptquartier des FBI-Krisenteams weiß jedoch niemand, dass sich Hennessys Kinder in dem Durcheinander absetzen konnten. Sie haben sich in die Wohnung ihres Vaters flüchten können…
Börsenexpertin wittert Unregelmäßigkeiten
Cheyenne O’Neill ist Expertin für Wirtschaftskriminalität beim FBI und beobachtet nervös die Kursrallye zum Jahresende. Sie hat das Gefühl, dass mit den Börsenkursen irgendetwas nicht stimmt. Da erfährt sie, dass die sieben reichsten Männer der Welt in den Bergen Montanas gemeinsam Urlaub machen. Kurzentschlossen reist sie auf eigene Faust in die verschneite Bergregion. Doch sie kommt zu spät. Während ihrer Anreise wurde der Club bereits überfallen. Die Kämpfer der „Dritten Front“ wollen Schauprozesse gegen die Geschäftsleute veranstalten, die auch im Internet übertragen werden. Frauen, Kinder und Bedienstete haben die Terroristen zuvor freigelassen.
Kinder greifen ein
In der Einsatzzentrale beobachten Mickey und Cheyenne zusammen mit den anderen Sicherheitsleuten die Live-Prozesse. Die Abstimmungen, die von der „Dritten Front“ im Internet veranstaltet werden, gehen gegen die Superreichen aus. Sie werden wegen verschiedener Verbrechen verurteilt, und schnell wird deutlich, dass die „Dritte Front“ keine Späße macht – es kommt zu ersten Hinrichtungen. Als ein Mann auf dem Eis des Pools verbrannt werden soll, greifen die drei Kinder ein und schießen mit den Waffen ihres Vaters auf die Terroristen. Jetzt beginnt auch in der Anlage eine neue Hatz, die Mickey Hennessy als Zuschauer am Bildschirm den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Mit viel Action und Gewalt geht es weiter, bis zum grandiosen Finale. Und wer nach zwei Dritteln von „Limit“ denkt, die Story sei bereits am Ende angelangt, wird kurz darauf eines Besseren belehrt!
Fazit
Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise dürfte sich wohl so mancher Hörer nachdenklich die Ohren reiben – hat man nicht schon oft von den Luxusressorts der Superreichen gehört oder gelesen? Die miesen Tricks und Geschäfte am Rande der Legalität, mit denen die meisten Romanfiguren ihren Reichtum zusammen gerafft haben, erscheinen da durchaus glaubwürdig und nachvollziehbar. Mark T. Sullivan legt mit „Limit“ aber einen Thriller vor, der zweifelsohne als „reißerisch“ beschrieben werden kann, denn an Tempo, Action und Schießereien herrscht in „Limit“ wahrlich kein Mangel. Aber Sullivan baut auch die üblen Zockereien der Geschäftsleute, um die es in den Schauprozessen geht, mit in seinen Thriller ein – ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Milieus.
Zwar verallgemeinert der Autor die vermeintlichen Globalisierungsgegner etwas polemisch, trotzdem kommt die Botschaft an. Der wendungsreiche Verlauf der Geschichte sorgt (leider) dafür, dass man nicht allzu lange nachdenkt. Sullivan gelingt es sogar, auf glaubwürdige und sympathische Art und Weise ein wenig Herzschmerz einzubauen, denn – man ahnt es fast – am Ende werden Mickey und Cheyenne eine Paar. Der stolze Vater, seine drei ebenso mutigen wie schießwütigen Kinder, die scharfsinnige FBI-Analystin, nun vereint in „trauter Zweisamkeit“ – ein wenig dick aufgetragen ist das schon. Dem einen oder anderen mag „Limit“ deshalb wohl auch zu klischeehaft erscheinen. Insgesamt ist die Story jedoch glaubhaft konstruiert, und die drei mutigen Teenager sorgen als kleine Nebengeschichte dafür, dass die Sympathien der Hörer klar verteilt sind. Insgesamt ein gelungenes (Hör-)Buch, welches an keiner Stelle langweilig wird.
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