Rezension.org - "Wilddiebe und Kritiker kennen keine Schonzeit"
rezensionen

‘Filme’

WATCHMEN

WATCHMEN der Verfilmung der Mutter aller Graphic Novels

Inhalt

Watchmen spielt in einem alternativen Amerika von 1985, in dem Superhelden verboten sind (abgesehen von denen, die für den Staat arbeiten). Der Film eröffnet mit einer alternativen Variante verschiedener historischer Ereignisse und dem Tod des Comedians, er ist einer der Watchmen.

Dies ruft zunächst einmal Rorschach auf den Plan, er ist der einzige, der nach dem neuen Gesetz um das Superheldenverbot noch illegal als Superheld weiter arbeitet. Er wittert schnell ein Komplott, er fürchtet, dass jemand all die alten Superhelden beseitigen will. Deswegen macht er sich auf den Weg, um die alte “Truppe” zu warnen, doch niemand will ihm so recht glauben.

Als jedoch schließlich noch ein Anschlag auf Ozymandias (einem anderen Mitglied der Watchmen) verübt wird, scheint seine Theorie immer wahrscheinlicher. Als Rorschach verhaftet wird, machen sich ein paar der Watchmen wieder an die Arbeit, um ihn zu befreien und dem Ganzen auf den Grund zu gehen.

Unverfilmbar?

Lange Zeit galt die über 400 seitige Grapic Novel von Alan Moore und Dave Gibbons als unverfilmbar. Genaugenommen ist sie das immer noch. Denn wirklich gerecht wird der Film dem Meisterwerk nicht. Was nicht heißt, dass dieser schlecht ist. Im Gegenteil, vermutlich hat Snyder die bestmögliche Verfilmung abgeliefert (einzige Möglichkeit es besser zu machen wäre wohl den Comic in 2 Teilen zu verfilmen). Das Ergebnis ist visuell atemberaubend, intelligent, gut erzählt (wenn auch lückenhaft) und enthält natürlich auch das Wesentliche aus dem Comic. Allerdings gehen eben sehr viele Details verloren, viel kleine “Randnotizen”, die Watchmen zu dem macht, was es ist. Zu dem begeht Snyder kleinere Fehler, z.B. hat er fast krampfhaft versucht das Wort “Watchmen” in den Film einzubringen, in den Comics heißt die Truppe nämlich Minute Men, den Titel Watchmen gilt es viel eher zu interpretieren (worauf ich jetzt aber nicht weiter eingehen werde). Dagegen fand ich die kleine Änderung am Ende nicht weiter schlimm, sie war zwar nicht wirklich nötig, stört aber auch nicht, wobei ich sogar sagen würde, dass das Filmende besser zum Film passt und das Comicende eben besser zum Comic. Wie gesagt ist der größte Kritikpunkt, dass eben viel aus dem Comic fehlt, wobei hier der Directors Cut bzw. Ultimate Cut Abhilfe schaffen, die sind allerdings fast schon wieder zu lang (wie gesagt, eigentlich ist das Ganze unverfilmbar) und gar nicht in Deutschland erschienen.

FAZIT

Watchmen ist eigentlich ein reiner Fanboy Film, der sich vor allem an die Fans des Comics richtet, was zwar nicht heißt, dass der Film dem Rest grundsätzlich nicht gefallen wird, jedoch werden sie es deutlich schwerer haben, die Tiefe zu fassen.

Let me in

LET ME IN das Remake des hoch gelobten schwedischen Films “So finster die Nacht”

Inhalt:

(evtl. mit Spoilern)

Owen ist 12 und wird in der Schule aufs übelste gemobbt und geschlagen. Er vertraut sich weder seinen Eltern noch einem Lehrer an. Er fühlt sich allein, verloren, aber auch wütend. Einen Ausweg sieht er nicht. Eines nachts zieht neben ihm ein kleines Mädchen und ein alter Mann ein. Viel haben die beiden nicht dabei, nur eine große Kiste, noch merkwürdiger ist nur, dass die Kleine keine Schuhe trägt und das mitten im Winter. Als Owen wie jeden Abend auf dem Spielplatz vor dem Haus spielt, begegnet er dem kleinen Mädchen und auch wenn sie zunächst sagt, dass die beiden keine Freunde werden können, freunden sie sich doch nach einigen Tagen an. Sie heißt Abby und ist 12, zumindest behauptet sie das. Im Laufe der Geschichte schweißen die Beiden immer mehr zusammen, so hilft sie ihm bei seinen Problemen und er zeigt ihr seine Welt. Zum ersten mal haben die Beiden so etwas wie einen Freund.

Unterdessen geschehen in der näheren Umgebung mehrere Morde, ein Polizeidetektiv ist dem auf der Spur.  Der Täter ist der alte Mann, der mit Abby eingezogen ist. Er fängt das Blut der Opfer in einem Gefäß auf und bringt es mit, für Abby. Denn sie ist ein Vampir. Als der “Täter” gefasst ist, fehlt für Abby jede Lebensgrundlage. Von nun an wird die Freundschaft zwischen ihr und Owen auf die Probe gestellt. 

Schlechte Amerikanisierung?

Da ich das Original nicht kenne, kann ich das Remake nur begrenzt mit diesem vergleichen, aber vielleicht ist das auch besser so. Nach meinem Wissenstand handelt es sich jedenfalls um ein 1 zu 1 Remake, das nur an einigen Stellen ein paar Ausbesserungen erfahren hat. Das Ergebnis ist jedenfalls fabelhaft. Optisch unterscheiden sich Original und Remake jedoch schon. Das Remake ist in vor allem dunkle, graubraun gehüllte Hochglanzbilder getaucht was großartig zur Schneekulisse passt. Im Gegensatz dazu ist das Original um einiges heller und deutlich grobkörniger (wie bereits gesagt, habe ich das Original nicht gesehen, was aber nicht heißt, dass ich nicht bereits Ausschnitte davon gesehen habe). Optisch bevorzuge ich klar das Original, da die Optik die Traurigkeit des Films unterstreicht. ”Let me in” ist eine traurig schöne und auch blutige Geschichte um Mut, Zusammenhalt und Akzeptanz. Schauspielerisch können vor allem die Jungdarsteller überzeugen (vor allem Chloe Moretz, die den meisten aus Kick-Ass bekannt sein dürfte). Ansonsten gibt es eigentlich keine großen Kritikpunkte an dem Film, höchstens das die Charakterzeichnung der Jugendlichen, die Owen quälen, doch etwas plump ausgefallen ist.

FAZIT

Ich kann den Film nur wärmsten empfehlen, ob ihr das Original nun gesehen habt oder nicht. “Let me in” ist allerdings (bisher) nicht offiziell in Deutschland erschienen, Import ist mal wieder die einzige Möglichkeit. Deswegen sind wieder Englisch Kenntnisse von Nöten, ansonsten kann man aber auch zum Original greifen, das es ja schon länger in Deutschland gibt.

Iron Man

IRON MAN eine MARVEL Comic Verfilmung

Tony Stark ist Kotzbrocken, Playboy  und führt erfolgreich das Multimilliarden Rüstungsunternehmen seines Vaters. Skrupel hat er dabei keine. Als er eines Tages in Afghanistan sein neues Projekt, die Jericho, präsentiert wird er jedoch von Terroristen entführt. Diese sind mit seinen Waffen ausgerüstet, hier muss er Leid und Schmerz am eigenen Leib erfahren. Mit einem anderen Gefangenen entwickelt er einen tollkühnen Ausbruchsplan und baut einen Anzug aus Metall, sein Gehilfe überlebt nicht, doch Tony schafft es zu entkommen. Dem Tod noch einmal gerade so von der Schippe gesprungen, vollzieht sich in dem Mann eine Wandlung. Er erkennt seine Fehler und stellt die gesamte Waffenproduktion seiner Firma ein. Er will diese von nun an anders nutzen. Fast schon beiläufig entsteht dabei seine genialste Erfindung. Ein schwer gepanzerter Anzug, mit dem er fliegen kann. Ein neuer Superheld ist geboren IRON MAN! Stark will nun Gutes tun, um seine Fehler wieder gut zu machen. Doch nicht jeder, der auf seiner Seite zu sein scheint, ist dies wirklich.

NOCH EINE COMICVERFILMUNG?

Iron Man gehört sicher nicht zu dem Intelligentesten welches das moderne Kino zu bieten hat, was nicht heißt, das er nicht gut sein kann. Ganz im Gegenteil, Iron Man ist erfrischend anders.  Zunächst sei natürlich Robert Downey jr. mit seiner, wie immer souveränen Darstellerleistung, hervorzuheben, aber auch die anderen Rollen sind gut besetzt. Tony Stark ist eben genau das, was man von einem Helden nicht erwartet, er fröhnt den Weibern und dem Suff, ist selbstverliebt und manchmal total unausstehlich  und manchmal auch Charmant. Zu dem hat es der Film gar nicht nötig, irgendetwas durch einen übertriebenen Actionwust auszugleichen. Er weiß, was ihn stark macht. Seine Figuren, Darsteller, sein Witz und seine Botschaft. Im Gegensatz zu den meisten anderen Comicverfilmungen hat Iron Man tatsächlich aktuelle Bezüge. Zudem weiß der Film eben genau mit den Erwartungshaltungen zu spielen, die wir an einen solchen ”Superhelden Film” haben und unterhält, indem er gerade diese nicht erfüllt und wie schon gesagt, einfach anders ist.

FAZIT

Ich persönlich bin nicht so belesen was die Iron Man Comics angeht, halte das Ganze jedoch für eine tolle Verfilmung, die eben nicht die üblichen Schwächen aufweist. Wer unterhalten werden will, aber non stop Action lieber meidet und dafür lieber ein bisschen Anspruch dabei hat, kann hier bedenkenlos zugreifen. Allen anderen rate ich dann doch zu  reinen Unterhaltungsfilmen.

Die Blu Ray hat eine fabelhafte Bild und Ton Qualität.

Extras sind:

Trailer, Deleted Scenes, Making of und vieles mehr

The Tracey Fragments

The Tracey Fragments mit Ellen Page

Inhalt:

Das Leben der 15 Jährige Tracey Berkowitz ist eine Katastrophe. In der Schule wird sie gemobbt, sie hat mit ihren Eltern Probleme und wird von ihnen zum Psychiater geschickt, auch mit ihrem kleinen Bruder hat sie es nicht leicht, geschweige denn, dass sie irgendwelche Freunde hat. Sie fühlt sich allein gelassen und lebt zum Großteil in ihrer Traumwelt. Als sie eines Tages die Aufsicht über ihren Bruder vernachlässigt, um mit einem Jungen zusammen zu sein, der sie dann auch noch ziemlich miserabel behandelt,  ist dieser verschwunden. Von den Eltern bekommt Tracey die Schuld dafür, schließlich reißt sie von zuhause aus, um nach ihrem Bruder zu suchen. Eine Tour de force. Unterwegs begegnet sie Menschen unterschiedlicher Sorte.

Zu künstlerisch?

The Tracey Fragments ist Zweifels ohne ein Kunstfilm, um das zu wissen, muss man keine 2 Minuten des Films gesehen haben. Man könnte sogar so weit gehen, ihn als experimentellen Kunstfilm  bezeichnen, denn der Titel ist wörtlich zu verstehen. Tracey erzählt ihre Geschichte in einem Bus frei aus ihrer Erinnerung heraus, in einer nicht chronologischen Reihenfolge. Dabei ist der ganze Film wie ein Mosaik aus Einzelbildern, ein permanenter Splitscreen aus 5 oder mehr Bildern gleichzeitig, die meist die gleiche Szene aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen. Es liegt natürlich nah die Verbindung zu Comics herzustellen, aber die Bilder repräsentieren viel eher die bereits genannten Erinnerungsfetzen von Tracey. In seiner Gesamtheit vermittelt der Film einen sehr intensiven Eindruck. Das hängt zugegeben etwas davon ab, wie sehr man sich mit der Hauptfigur identifizieren kann, wer sich aber erstmal darauf einlässt, erlebt etwas Einzigartiges. Was mitunter auch an der, wie immer großartigen, Schauspielleistung von Ellen Page liegt. Die anderen Darsteller sind ebenfalls solide, Problem ist nur, dass andere Figuren meist nur geringe Screen Time haben und deshalb stellenweise etwas zu kurz kommen. Handlung und Charactere sind insgesamt gut, wenn auch nicht der Überflieger, aber der Fokus des Films liegt auch nicht darauf.

Fazit

Als zu künstlerisch haben viele Kritiker den Film bezeichnet, etwas das ich nicht ganz nachvollziehen kann, gerade durch seine Andersartigkeit wird der Film zu etwas besonderem. Natürlich ist es kein Film der fürs Massenpublikum gemacht ist, sondern für Menschen die Filme (auch) als Kunst betrachten. The Tracey Fragments ist ein stark unterschätztes kleines Arthaus Meisterwerk, das ich jedem empfehlen kann, der Film sowohl als Kunst als auch persönliches Erlebnis betrachtet, in dem man etwas über sich selbst lernen kann. Allen anderen rate ich die Finger davon zu lassen. Ein Geheimtipp für Kenner eben.

Hard Candy

 HARD CANDY mit ELLEN PAGE und

Hayley Stark ist 14 und chattet seit ein paar Wochen mit dem 32 jährigen Fotografen Jeff Kohlver übers Internet. Er scheint nett zu sein, deswegen treffen sich die beiden eines Tages in einem Café. Sie sind sich auch im richtigen Leben auf Anhieb sympathisch. Schließlich überredet Hayley Jeff dazu, sie mit nach Hause zu nehmen. Dort unterhalten sich die Beiden über dies und das, trinken etwas, doch plötzlich kippt Jeff einfach um. Als nächstes findet er sich an einen Stuhl gefesselt wieder. Sie hat etwas in sein Getränk gekippt, um ihn zu betäuben. Es beginnt ein perfides Katz und Maus Spiel, in dem sie herausfinden will, ob er pädophil ist und er um sein Leben bangt.  

Hitchcock wäre stolz

Hard Candy ist wohl einer dieser Filme, die knapp an einem Meisterwerk vorbei sind. Nichts desto trotz ist Hard Candy ein beeindruckendes Werk, in dem das Täter- Opfer-Verhältnis total verschoben ist und der Zuschauer dadurch in einer Achterbahnfahrt der Identifikation gerät. Oft genug wird er sich dabei erwischen, sich selbst zu fragen, auf welcher Seite er eigentlich steht. Das liegt vor allem daran, dass die Figuren gar nicht so leicht zu durchschauen sind (genau genommen klappt das auch am Ende des Films nicht ganz, einer der kleinen Schwächen dieses Werks). Durch den gesamten Film ist eine nervenzerrende Spannung gezogen, die sich nur in gelegentlich eingestreuten Erholungsphasen kurz legt, um den Zuschauer in der nächsten Szene nur umso mehr zu schockieren.

Im gesamten Film gibt es eigentlich nur 2 richtige Figuren, zudem spielt der Film größtenteils nur an einem Ort, was ihn umso beeindruckender macht. Schauspielerisch sticht wie immer eigentlich Ellen Page hervor, die bereits in so jungen Jahren eine so beeindruckende Leistung abliefert, das sie ihren Kollegen (Patrick Wilson, bekannt als Nite Owl aus Watchmen) alt aussehen lässt. Der liefert zwar grundsätzlich auch eine sehr gute Leistung ab, kann im Vergleich aber nicht mithalten. Mann könnte dem Film zwar eine gewiss Distanz und Kritiklosigkeit vorwerfen, der Film ist dies aber aus bestimmten Gründen. Distanzlos ist er nur, um überhaupt funktionieren zu können und kritiklos nur soweit, dass er den Zuschauer selbst zu einem Urteil drängt. Das Ende des Films vermag zwar nicht restlos zu überzeugen, effektiv ist es aber allemal, die Bilder sind intensiv und brennen sich ein.

FAZIT

Wie bereits gesagt, ist Hard Candy, trotz kleinerer Schwächen, ein toller Film. Insgesamt eine klarer Empfehlung, wenn man auf Psychothriller steht oder sich selbst zum denkenden Publikum zählt, aber Achtung, leichte Kost ist das Ganze nicht.

Hard Candy ist übrigens Slang und steht für ein sexuell aufreizendes minderjähriges Mädchen.

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD mit Brad Pitt und

Inhalt:

Es ist 1881 und Jesse James ist mit seiner Bande zu dem berühmt berüchtigsten Outlaw Amerikas geworden und das mit gerade einmal 34 Jahren. Sie rauben Banken, Eisenbahnen und Kutschen aus. Bei ihrem neuesten Überfall, der zumindest laut Jesses älterem Bruder Frank, der letzte der James Bande sein soll, ist auch der junge Robert Ford dabei. Ford hegt große Bewunderung für den legendären Jesse James und kann sein Glück dabei zu sein, gar nicht glauben, doch er hat weiter Pläne, am liebsten würde er als “Partner” weiter mit den James Raubüberfälle begehen. Er schafft es im Laufe des Abends tatsächlich zumindest zu Jesse eine Verbindung aufzubauen. 

 Während Frank nach dem Überfall tatsächlich aufhört, um Schuhe zu verkaufen und ein rechtschaffenes Leben zu führen, plant Jesse weitere Überfälle mit Ford an seiner Seite. Während sich zwischen Jesse und Bob Ford langsam ein Vertrauensverhältnis entwickelt, versuchen die Pinkerton Detektive immer mehr den Outlaw zu fassen.

Jesse wird zunehmend missmutig, misstrauisch, gereizt. Aus der Bewunderung Fords, die zu einer Freundschaft wurde, entwickelte sich langsam eine Feindschaft. Eifersucht, Angst, ein Wunsch nach Aufmerksamkeit, Ruhm und Ehre, sowie das Kopfgeld führen schließlich zu der Ermordung des Jesse James, und zeichnen Ford für ewig als den Feigling, der Jesse James hinterrücks erschossen hat.

In grandios melancholischen Bildern erzählt

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford ist kein klassischer Western, Schießereien gibt es kaum und wenn es doch mal zu einer kommt, sind sie sehr kurz. Viel mehr handelt es sich um das Psychogramm zweier Männer, die zu Feinden werden, die sich immer wieder umkreisen bis zum Schluss. Die Hintergründe die zu der Ermordung des Outlaws führten, werden genau erläutert, warum, welche Figur wie gehandelt hat, wird auf faszinierende Weise erzählt. Der Erzählstil ist zwar sehr langsam, jedoch mit so toll gefilmten melancholischen Bilder unterlegt, die dem Film eine besondere Atmosphäre geben. Die Ermordung des Jesse James ist bisher der einzige halbwegs authentische Spielfilm über den Gesetzlosen. Positiv zu vermerken ist auch der tolle Cast, die eine wirklich tolle Leistung abliefern, einziges Problem, Pitt und Affleck sind beide so gut, dass sie sich gegenseitig behindern, keiner kann die Leinwand dominieren, nur in der letzten halben Stunde des Films, in der Jesse bereits tot ist, kann Affleck zeigen, was er wirklich kann.

FAZIT

Wer einen klassischen Western erwartet, wird von dem Film wohl eher enttäuscht sein, wer aber ein detailliertes Drama bzw. Psychogramm sehen will, das von großer Filmkunst zeugt, ist hier genau richtig. Alles in allem ist “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford” ein kleines und vor allem unterschätztes Meisterwerk.

Sucker Punch

SUCKER PUNCH von

INHALT:

Die junge Babydoll wird nach dem Tod ihrer Mutter und ihrer Schwester von ihrem bösen Stiefvater in eine Nervenheilanstalt eingewiesen um dort ein paar Tage später lobotomiert zu werden. Babydoll will sich jedoch nicht so einfach mit ihrem Schicksal zufrieden geben und freundet sich mit den anderen Insassinnen an (Sweet Pea, Rocket, Blondie, Amber) und entwickelt mit ihnen einen Fluchtplan. Dabei spielt der Großteil des Films in einer Phantasiewelt voller Drachen, Soldaten, Zombies und Orks, die metaphorisch für das eigentliche Geschehen steht.

ALICE IM WUNDERLAND MIT MASCHINENGEWEHREN

Sucker Punch ist weder so richtig Fleisch noch Fisch (weder Arthaus noch Mainstream), sondern ganz was anderes, ein Film der sich dem Rausch der Bilder hin gibt, aber eins nach dem anderen. Das einzige was man Snyder wirklich vorwerfen kann ist, dass er die Optik seines Films vor dessen Dramaturgie stellt. Vor allem deswegen ist das Geschehen zwischen den (genialen) Action Szenen so uninteressant für den Zuschauer. Zuvor hat Snyder bewiesen, dass er übertragen und inszenieren kann, da er hier aber zum ersten Mal nicht so etwas wie eine Vorlage hat (und das Drehbuch auch noch von ihm stammt), ist er ganz allein auf sich gestellt und genau das ist der größte Fehler. Visualisieren kann er, keine Frage, ein begnadeter Geschichtenerzähler ist er jedoch nicht. Dementsprechend holprig ist Sucker Punch auch erzählt.
Nichts desto trotz (bzw. gerade deswegen) trägt der Film Snyders unverkennbare Unterschrift, genau genommen hätte er sie gar nicht deutlicher unter den Film setzen können, mit seinem obligatorischen Slow Mo’s und dem ausgeprägten visuellen Stil mit den dunklen Bildern, selbst die Kameraeinstellungen sind sehr typisch für ihn, aber eben genau damit punktet er auch.
Beeindruckend ist auch, dass er beinahe den gesamten Prolog seines Films ohne Worte erzählt. Die Actionszenen sind (durch die hohe Visualität) wirklich atemberaubend und das ist bei diesem Film das mitunter Entscheidende.

FAZIT

Sucker Punch ist ein reiner Konzeptfilm, der sich auf die Flut der Bilder verlässt und damit eben unterhalten will, sozusagen Kino pur. Und das tut er in vollen Umfang, ein kreativer Mischmasch aus allem, was die Popkultur zu bieten hat. Der Soundtrack sitzt, Handlung und Figuren sind natürlich nur weckmäßig, aber das ist bei den meisten Actionfilm der Fall. Ein bisschen mehr Blut und nackte Haut hätten dem Film aber sicher trotzdem gut getan. Die werden aber hoffentlich wie versprochen mit dem (18 Minuten längeren !!!) Extended Cut nachgereicht. Einen gewissen Kultfaktor kann man dem Film übrigens nicht absprechen, da das gesamt Ergebnis aber nicht 100% rund wirkt, wird daraus wohl nichts.

PIRANHA 3D

 PIRANHA 3D von

Inhalt:

Jedes Jahr zum Springbreak kommen jede Menge Studenten zum Lake Victoria, um dort ausgelassen zu feiern. Doch dieses Jahr scheint der Spaß getrübt, nach dem jede Menge zerfetzter Leichen auftauchen. Sheriff Julie Forester (Elisabeth Shue) ist besorgt und geht dem ganzen auf den Grund. Ein Seebeben hat  einen großen Spalt in den Grund des Lake Victoria gerissen und damit einen Unterwassersee freigesetzt, aus dem nun zahlreiche prähistorische Piranhas entweichen und sich schnurstracks auf den Weg zu den fröhlichen Studenten machen.

TRASH hoch 10

Bei Piranha 3D handelt es sich eigentlich um das Remake des Piranha Films von Joe Dante aus dem Jahr 1978. Tatsächlich versteht sich Piranha 3D aber viel mehr als Hommage an das Tier-Horror-Trash Genre, als Remake gesehen weiß es dem Original jedenfalls nichts hinzuzufügen. Gesehen als Hommage ist Piranha 3D dagegen fast wertvoll. Im Grunde schafft es der Film, die wesentliche Essenz dieser Filme einzufangen und nimmt sich selbst dabei kein Stück ernst. Selten gab es einen Film, der mit so viel ironischem Schmackes inszeniert wurde, trotz des recht hohen Gewalt Grades. Handlung, Dialoge und Figuren sind dem Genre entsprechend simple gehalten und erwartungsgemäß gibt es viel nackte Haut zu sehen. Hinzu kommen Anlehnungen an Filme wie “Der Weiße Hai” (siehe Richard Dreyfuss) und Gastauftritte von Stars wie . Insgesamt ist der Film allerdings ziemlich vorhersehbar, was aber gar nicht so schlimm ist, nein, eigentlich ist es sogar nötig, weil es eine der Eigenschaften ist, die schon immer sehr typisch für Tierhorror war und dementsprechend auch in einer Hommage verarbeitet werden muss, zudem ist dem Film dies stets bewusst, er spielt damit, genauso wie er mit seiner Banalität spielt. Ein kleiner Seitenhieb auf die US Spaßkultur ist das ganze übrigens auch.

Für konvertiertes 3D ist der Effekt solide und unterstreicht den Film gut, auch wenn an einigen Stellen wohl etwas nachgebessert werden müsste. Die Animationen der Piranhas sind nicht immer Top, aber das stört bei so einem Film nicht wirklich.

FAZIT

Piranha 3D ist sicher kein Film für jederman, schon allein wegen seines hohen Gore Faktors, wer allerdings damit leben kann, dass die wesentlichen Elemente des Films Gewalt und nackte Haut sind und sich am besten auch noch etwas mit dem Tierhorror Genre auskennt, wird einen Heidenspaß mit dem Film haben.

Die Blu Ray bietet eine gute Bild und Ton Qualität, der 3D Effekt dürft allerdings auf LCD 3D- TVs für reichlich Doppelkonturen sorgen. Auf einem Plasma ist das Ergebnis passabel.

Bonusmaterial sind: entfernte Szenen, Trailer, Audiokommentar, hinter den Kulissen Material etc.

Mouth To Mouth

 Mouth To Mouth mit

Inhalt:

Die Sechzehnjährige Sherry Green lebt aufgrund des schlechten Verhältnisses zu ihrer Mutter auf der Straße. Drogen und Alkohol sind Teil ihres Lebens. Eines Tages wird sie von der Organisation SPARK aufgegriffen. Die Organisation holt junge Menschen von der Straße, gewährt ihnen Obdach und Arbeit auf einer Weinplantage. Hier sollen sie von Drogen und der gleichen runter kommen und zum Leben zurückfinden. Doch das Paradies hat seinen Preis, jeder muss auf radikale Weise seine Zugehörigkeit beweisen. Einzelindividuen gibt es nicht mehr,  nur noch die Gruppe. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird vom Kollektiv bestraft. Sherry merkt schnell, dass der Anführer von SPARK nicht der Messias ist, für den sie ihn gehalten hat. Viel mehr ist er ein “Soul Sucker”.

CLOSE YOUR EYES AND PICTURE THE PERFECT WORLD

Bei der Handlung von Mouth to Mouth ist es eigentlich wichtiger, zwischen den Zeilen lesen zu können. Es geht um Freiheit, Zugehörigkeit und Zusammenhalt, Selbstfindung und Menschlichkeit und darum mit seinen Problemen fertig zu werden. Die Darsteller sind wirklich überragend, allen voran die wie immer fabelhafte Ellen Page, aber auch der Rest des Casts weiß zu beeindrucken. Darunter auch der deutsche Schauspieler August Diehl, der spätestens nach Inglourious Basterds einem größeren Publikum bekannt sein dürfte. Eigentlich gibt es keinen im Cast an den man auch nur eine Minute zweifeln kann. Noch beeindruckender sind nur die Bilder, die sind vor allem dann wunderschön, wenn gerade nicht geredet wird, wenn nur die Emotionen sprechen. Wenn nur geweint, getrauert oder gelacht wird, wenn herumgealbert wird, wenn die Figuren durch die Gegend tanzen, weil sie ihr Glück nicht fassen können, wenn sie total zerstört am Boden liegen, das sind die Bilder, die einem nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

FAZIT

Mouth to Mouth ist ein harter, ehrlicher und radikaler Film, nicht nach Konventionen oder gar für den Mainstream gemacht, nein, ein Film über das Leben. Ein Film, der für Verständnis sorgen will. Ein Film, der Leid und Trauer, aber auch Glück und Freude in so unglaublichen Bildern einfängt, das einem die Tränen in die Augen schießen. Ein weiterer Beweis dafür, dass es die kleinen Filme sind, die wirklich Seele haben. Gute Englisch Kenntnisse muss man allerdings mitbringen, den Mouth to Mouth ist nie offiziell in Deutschland erschienen, man kann lediglich einen Import bestellen. Schade, so bleibt vielen dieser tolle Film wohl verwehrt, insbesondere wenn man bedenkt, dass es sich um eine deutsch/kanadische Co-Produktion handelt.

Regisseurin war übrigens selbst Straßenkind, wohl ein Grund weshalb der Film so authentisch ist.

Der Wolf und die 7 Geißlein

DVD – Der Wolf und die 7 Geißlein

Technische Details:

Sprache: Deutsch

Bildformat: 4:3 – 1.33:1

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Spieldauer: 45 Minuten

Art der Darstellung: Realfilm-Video

DVD-Inhalte:

  • der Gebrüder Grimm: “Der Wolf und die 7 Geißlein” (13:30 Minuten)
  • Märchen der Gebrüder Grimm: “Der Mond” (ca. 6 Minuten) (vorgelesen von Elmar Gunsch)
  • Interview mit dem Regisseur über die Unterschiede zwischen der Umsetzung einer Geschichte in einer Theateraufführung und als Film sowie einige Szenen, wie die Kinder als Schauspieler den Film gedreht haben (ca. 5 Minuten)
  • sowie ein Interview mit Dr. Lauer von der Brüder Grimm Gesellschaft e.V. Kassel (ca. 30 Minuten)
  • Außerdem wird bspw. das Haus, in dem einer der Grimms als Amtmann gearbeitet hat, gezeigt.
  • Musikvideo (animiert, über den “Froschkönig”) (4 Minuten)

Beschreibung und Bewertung

“Der Wolf und die 7 Geißlein”: Eine Ziegenmutter muß in den Wald gehen, um Futter für ihre Kinder, die 7 Geißlein, zu besorgen. Sie schärft beim Weggehen den Kindern ein, keinem Unbekannten, v.a. nicht dem Wolf, die Tür zu öffnen. Sie könnten ihn an der rauen Stimme und dem dunklen Fell erkennen. Kaum ist die Mutter weg, kommt der Wolf, wird aber immer wieder von den Kindern genau wegen der rauen Stimme und des dunklen Fells weggeschickt. Nach und nach beseitigt der Wolf diese verräterischen Merkmale, indem er zum einen Kreide frißt und zum anderen seine Pfote mit Mehl heller färbt, so daß die Geißlein schließlich darauf hineinfallen und dem Wolf die Tür öffnen. Obwohl die Geißlein sich schnell verstecken, frißt der Wolf alle bis auf das jüngste auf und legt sich im Garten schlafen. Als die Mutter nach Hause kommt, befreit es das kleinste Junge und entdeckt den schlafenden Wolf. Da sie sieht, daß der Bauch sich bewegt, hegt sie die Hoffnung, daß die Kinder noch leben und schneidet dem Wolf den Bauch auf, befreit die Jungen und näht den Bauch wieder zu, nachdem sie Wackersteine stattdessen hineingelegt haben. Nach dem Aufwachen hat der Wolf Durst und fällt in den Brunnen, von dem er Wasser trinken will, und ertrinkt.

“Der Mond”: In einem Land, in dem es keinen Mond gibt, leben 4 Brüder, die auf einer Reise in einem anderen Land ein rundes Licht entdecken und erfahren, daß dies der Mond sei, den der Bürgermeister aufgehängt habe und gegen eine Gebühr nachts zum Leuchten bringt. Die jungen Männer stehlen den Mond und tun dasselbe in ihrem Land. Als ihre Zeit zum Sterben gekommen ist, beschließen sie, daß jeder von ihnen ein Viertel des Mondes bei ihrem Tode erhalten soll. Auf diese Weise kommt der Mond in die Hölle und durch das ungewohnt helle Licht dort feiern die Toten bald eine große Party. Dadurch wird Petrus darauf aufmerksam, nimmt den Mond mit zu sich und hängt ihn an den Himmel.

Bei der hier vorliegenden DVD handelt es sich um ein sogenanntes “Realfilm-Video”, was auch auf dem mit Zeichentrickfiguren designten Cover aufgedruckt ist, genauso wie der Hinweis, daß das Märchen von Elmar Gunsch, einem deutsch-österrischen Moderator und Autor, “präsentiert” werde. Aufgrund des Zeichentrickcovers ist daher zunächst die Enttäuschung groß, daß es sich nicht um das o.g. Märchen im Zeichentrickstil handelt, sondern um eine Art Theateraufführung von als Ziegen und Wolf verkleideten Menschen (v.a.) Kindern, die das Märchen nachspielen, und zwar abwechselnd zu dem vorlesenden Elmar Gunsch, der dann auch jeweils eingeblendet wird. Auch die Tatsache, daß die Gesichter der Ziegen unverkleidet sind und die Menschen dahinter damit erkennbar sind, ist zunächst einmal irritierend (der Wolf hingegen hat auch eine Maske über dem gesamten Kopf). Dennoch scheint genau diese Darstellung bei den Kindern gut anzukommen, was ja das Wichtigste ist, da diese die Hauptzielgruppe sind.

Fazit

Aufgrund der recht vielen verschiedenen Inhalte der DVD – inklusive eines kleinen Musikvideos – ist die DVD in Summe doch recht interessant und schön, auch wenn die “Realfilm-Darstellung” etwas gewöhnungsbedürftig ist. Nachteilig ist jedoch, daß auf einzelne – oben in der Aufzählung dargestellten vollständigen - Inhalte zwar allgemein auf dem DVD-Cover hinten hingewiesen wird, aber eine genaue Liste fehlt (die Geschichte “Der Mond” bspw. wird überhaupt nicht erwähnt) und auch die Länge der einzelnen Beiträge nicht genannt wird.

Da es in der technischen Umsetzung keine einzelnen Kapitel auf der DVD gibt (lediglich das Musik-Video ist ein eigener Menüpunkt sowie Werbetrailer), ist es somit sehr schwierig, die einzelnen Beiträge anzusteuern. Darüber hinaus findet man die Beiträge auch nicht, wenn man nicht die gesamte DVD einmal anschaut und sich die Zeiten notiert, da es bei Filmstart so aussieht, als wäre nur das Märchen “Der Wolf…” auf der DVD enthalten.

Als etwas andere Darstellung und durch die interessante Mischung der Inhalte dennoch ein lohnenswerter Kauf!

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