‘Psychothriller’
Insomnia – Todesschlaf
Inhalt
Der schwedische Kommissar Engström soll gemeinsam mit seinem Kollegen Vik einen Mord im äußersten Norden Norwegens aufklären. Engström eilt derweil ein Ruf voraus: Er gilt als „harter Hund“, der nicht lange fackelt, und der, wenn es sein muss, auch zu unpopulären Ermittlungsmethoden greift.
Zunächst scheint es, als wenn Engström und Vik den rätselhaften Mord schnell aufklären würden – bei der Toten handelt es sich um eine 17-jährige Schülerin, und ein Verdächtiger ist schnell gefunden. Als Engström und Vik den Mörder stellen wollen, erschießt Engström im dichten Nebel versehentlich seinen Kollegen Vik. Er vertuscht den Unfall, und so gelingt es ihm, die Tat dem geflüchteten Mörder anzulasten.
Doch fortan wird die tägliche Ermittlungsarbeit für Engström zur Tortur – denn der Mörder weiß von Engströms Tat und setzt ihn unter Druck. Eine Festsetzung des Mörders scheint dadurch in unerreichbare Ferne zu rücken. Zusätzlich zum psychischen Druck hat Engström mit dem norwegischen Mittsommer zu kämpfen – die Zeit des Jahres, in der die Sonne über dem Polarkreis niemals untergeht. Und so trübt Engströms Schlaflosigkeit immer mehr seine Wahrnehmung, und seine Nerven leider gewaltig unter der Doppelbelastung – zumal er mit niemandem offen reden kann.
Ein langsam und beklemmend inszeniertes Psychogramm, welches zu einem Meisterwerk des skandinavischen Films avancierte
„Insomnia – Todesschlaf“ schildert die Entwicklung eines Charakters, der nach einem Fehler, den er nie wiedergutmachen kann, den Weg des scheinbar geringsten Widerstandes geht – aus Angst um seine Karriere und um seinen Ruf. Bei der Figur des nach außen harten und kompromisslosen Polizisten Engström handelt es sich dabei in Wahrheit um einen zerbrechlichen und zutiefst verunsicherten Mann.
Nach einem fatalen Unglück beschließt er, sich in sich selbst zurückzuziehen und sich seiner eigenen Melancholie hinzugeben. Doch die Vertuschung des tragischen Unfalls führt letztlich zu immer mehr Problemen – es gelingt Engström zwar, seinen Kollegen etwas vorzuspielen, doch der wahre Mörder lässt sich von Engströms Täuschungsmanöver nicht hinters Licht führen. Der enorme Druck, unter dem Engström steht, ist dabei förmlich mit Händen zu greifen.
Und genau das ist es, was „Insomnia – Todesschlaf“ zu einem wahren Meisterwerk macht. Es ist ein Film der leisen, aber keinesfalls zarten Töne. Der Regisseur Erik Skjoldbjaerg versteht es, insbesondere das Phänomen des norwegischen Mittsommers als wichtigen Pfeiler der Handlung zu nutzen. Immer wieder kontrastiert das geradezu schreiend grelle Licht der nie untergehenden Sonne die Entwicklung des Charakters der Hauptfigur. Es sind dabei gar keine schnellen Schnitte oder wortreiche Dialoge notwendig, die ruhigen, hellen Landschaftsaufnahmen allein genügen, um immer wieder deutlich zu machen, welch innerer Vulkan in Engström brodelt.
Der Zuschauer verfolgt gebannt die Entwicklung des Charakters, und Skjoldbjaerg gelingt es, die Spannung über den gesamten Verlauf des Films zu halten, ohne auch nur eine unnötige oder zu spektakuläre Wendung in die Handlung „einzubauen“. So endet der Film letztlich auch offen, und der Zuschauer wird mit seinen Fragen allein gelassen – was noch einmal zusätzlich dazu beiträgt, dass dieser skandinavische Kultfilm lange im Gedächtnis haften bleibt.
Fazit
Allein die Tatsache, dass dieser Film eines norwegischen Jungregisseurs mittlerweile als Hollywood-Remake mit Al Pacino und Robin Williams neu aufgelegt wurde zeigt, dass der Film zweifelsohne mehr Beachtung verdient hätte. Der Film erzählt eine vergleichsweise klassische Geschichte, doch die präzise Zeichnung des Charakters der Hauptfigur sowie die beklemmende Atmosphäre machen diesen Film zu einem wahren Meisterwerk. Nicht nur Skandinavien-Fans werden an diesem norwegischen Original von 1997 deshalb viel Freude haben.
Bordertown
Inhalt
Lauren Adrien ist Journalistin und in ihrem Beruf sehr engagiert. Ihr größtes Ziel ist es, als Auslandskorrespondentin zu arbeiten, doch ihr Chef macht es ihr nicht leicht. Dieser schickt sie zunächst nach Juarez, wo sie einen Bericht über rätselhafte Morde an jungen Arbeiterinnen schreiben soll. Lauren ist davon alles andere als begeistert und erledigt den Auftrag nur, um danach endlich als Auslandskorrespondentin arbeiten zu können. Gerade erst angekommen, erfährt sie von Eva, die vergewaltigt wurde und ohne das Wissen und den Willen ihrer Peiniger doch noch mit dem Leben davon gekommen ist.
Lauren sieht in der jungen Frau die Gelegenheit, ihrer Karriere einen Schub zu verpassen. Gemeinsam mit Diaz, ihrem Ex-Freund, der als Chefredakteur für die Tageszeitung „El Sol de Juarez“ arbeitet, möchte Lauren Eva helfen und sie vor ihren Peinigern beschützen und diese letztlich überführen. Diaz hat sich in seiner Zeit als Chefredakteur der Zeitung durch einige unbequeme Nachrichten zur Hassfigur der Reichen und Mächtigen des Ortes gemacht. Lauren gerät langsam immer tiefer in die illegalen Machenschaften mit hinein. Eva ist nun nicht mehr nur ihr „Ticket“ zu einer steilen Karriere, sondern sie erkennt in der Frau auch einen Teil von sich selbst wieder.
Schließlich setzt sie sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel, als sie sich in einem Selbstversuch als Arbeiterin in der Fabrik in der Eva arbeitet ausgibt, um so die Mörder und deren Helfer aufzuspüren. Am Ende kann Lauren den Artikel fertig stellen und ihr Chef ist vom Resultat begeistert. Danach trifft Lauren auf Marco Salamanca. Sie kennt ihn von einer Party, welche seine Eltern gegeben haben. Sehr auffällig stellt sie ihm Fragen über zwei der Gäste. Eva sagt letzten Endes endlich gegen einen Busfahrer aus, der an der ganzen Sache beteiligt ist. Ab diesem Zeitpunkt muss sie, wie auch ihre Mutter, von einer Menschenrechtsorganisation beschützt werden.
Fazit
Der Regisseur Gregory Nava schuf mit „Bordertown“ einen politischen Thriller, an dem Jennifer Lopez nicht nur als Schauspielerin beteiligt ist, sondern bei dem sie auch als Produzentin fungiert. Der Film besitzt zwar einige Schwächen, ist aber dennoch im Hinblick auf das wichtige Thema durchaus sehenswert, denn der Regisseur verzichtete bei der Inszenierung nicht auf kritische Töne.
Für Jennifer Lopez und Gregory Nava ist es die zweite Zusammenarbeit. Zehn Jahre, bevor die Dreharbeiten an „Bordertown“ begannen, inszenierten Lopez und Nava gemeinsam den Film „Selena“. „Bordertown“ beruht auf wahren Ereignissen und Mordfällen, die bis zum heutigen Tage nicht aufgeklärt wurden – der Film ist sicher gut gemeint, wirkt letzten Endes jedoch leider etwas unglaubwürdig und im Handlungsverlauf finden sich darüber hinaus einige Logikfehler.
Der wilde Schlag meines Herzens
Inhalt
Tom arbeitet in Paris in der Immobilienbranche. In dem Metier, in dem Tom arbeitet, geht es nicht immer legal und schon gar nicht gewaltlos zu. Zusammen mit Fabrice und Sami tut Tom so einiges, um den Auszug von unliebsamen Mietern zu beschleunigen. Da setzen sie dann auch schon mal Ratten aus, und wenn es sein muss, schrecken sie auch vor dem Einsatz von Gewalt nicht zurück. Zusätzlich zu diesem Job kümmert sich Tom auch noch um die „Geschäfte“ seines Vaters – was bedeutet, dass Tom für seinen Vater Schulden eintreibt.
Als Tom Mr. Fox, einem Konzertpromoter, begegnet ändert sich sein Leben schlagartig. Mr. Fox arrangierte früher die Konzerte von Toms Mutter, einer begabten Pianistin. Mr. Fox lädt Tom ein, bei ihm vorzuspielen und für Tom scheint nun die Gelegenheit gekommen, endlich aus seinem alten Leben auszubrechen. Er träumt davon, an die Erfolge seiner Mutter anknüpfen zu können – doch der Weg zu einer erfolgreichen Musikkarriere ist steinig.
Tom nimmt bei der Virtuosin Miao Lin Klavierunterricht, doch die Probleme sind vorprogrammiert, denn Miao spricht kein Wort Französisch. So können sich Tom und Miao nur über die Musik verständigen. Doch Tom kann sein altes Leben nicht einfach so hinter sich lassen – seine Freunde sind von seiner neuen Tätigkeit wenig begeistert, und eines Tages wird Toms Vater von einem Schuldner, der nicht zahlen wollte, umgebracht. Tom muss sich entscheiden, was er mit seinem weiteren Leben anfangen will…
Fazit
„Der wilde Schlag meines Herzens“ ist ein französisches Remake des amerikanischen Films „Fingers“. Die Neu-Inszenierung des Werks ist zweifellos gelungen. Der Regisseur Jacques Audiard legt den Schwerpunkt des Films darauf, die Entwicklung des Hauptdarstellers in all ihren Facetten darzustellen, wobei der Anfang des Films durchaus in gewisser Weise auch als eine Milieustudie zu verstehen ist.
Audiard gelang mit seinem Werk eine tolle Mischung aus Krimi, Drama und Psychogramm. Dass er ein Händchen für psychologisch ausgereifte Geschichten hat, bewies Audiard bereits, als er das Drehbuch zum Film „Das Auge“ schrieb. „Der wilde Schlag meines Herzens“ lehnt sich zwar sehr stark an das Original an „Fingers“ an, viele Einstellungen wirken geradezu wie kopiert, dennoch schafft der Regisseur es, durch Detailveränderungen in seinem düster-verwackelten Werk einen stimmigen Film zu erschaffen. Auch die gute schauspielerische Leistung von Romain Duris trägt dazu bei, dass der Film mehr ist als nur eine „Kopie“.
Romain Duris stellt in der Rolle des charmanten, aber aggressiven Tom eindrucksvoll sein gesamtes schauspielerisches Können unter Beweis. Duris beweist dabei als komplexer Charakter, einer ungewöhnlichen Mischung aus einem Schlägertypen und einem Künstler, dass er es versteht, Emotionen glaubwürdig darzustellen. Die anderen Schauspieler agieren dabei meist sehr zurückhaltend, damit Duris Figur genug Raum hat, um sich ganz zu entfalten.
Die Fremde in Dir
Inhalt
Erica Brain ist Radio-Sprecherin der Sendung „Street Walker“ und steht kurz vor der Hochzeit. Eines Abends, während eines Spazierganges durch den Central Park, werden Erica und ihr Verlobter David überfallen. David kommt bei dem Überfall ums Leben und Erica fällt für einige Wochen ins Koma. Erica baut auf die Ermittlungen der Polizei, und vertraut darauf, dass die Verbrecher, die ihren Verlobten getötet haben, zur Rechenschaft gezogen werden. Doch der erhoffte Ermittlungserfolg bleibt aus. Um sich selbst zu schützen, besorgt Erica sich eine Waffe. Eines Tages wird sie Zeugin eines Mordes in einem Supermarkt und erschießt in Notwehr den Killer. Dies hat zur Folge, dass sich die junge Frau von nun an immer wieder mit Absicht in brenzlige Situationen bringt, damit sie ihre Pistole sprechen lassen kann – sie kann Davids Tod einfach nicht verarbeiten.
Mit den Ermittlungen in dieser Sache wird schließlich Detective Mercer beauftragt – dieser merkt schnell, dass mit Erica etwas nicht stimmt. Es beginnt ein intimes Psychoduell zwischen dem Cop und dem Vigilante-Killer. Nach und nach verschwindet in Erica das Gefühl der Angst und ein anderes Gefühl macht sich in ihr breit. Sie arbeitet immer noch beim selben Radiosender und produziert dort eine Radiosendung über den „Racheengel“. Aber nach und nach schwindet die zuvor zurückgewonnene Sicherheit wieder und Erica ist sich nicht sicher, was sie eigentlich wirklich bekämpfen will. Zum Schluss kehrt sie in den Central Park zurück, an den Ort, an dem alles begann – eine innere Stimme gibt ihr alsbald zu verstehen, dass es die Erica von damals nicht mehr gibt und auch nie wieder geben wird…
Fazit
Der Oscar-prämierte irische Regisseur Neil Jordan widmete sich dem Drehbuch von „Die Fremde in Dir“ und inszenierte den raffinierten Psychothriller. Dem Genre des subtilen Psychothrillers bleibt Jordan also auch mit „Die Fremde in Dir“ treu. Er gab seinem Werk eine beunruhigende Atmosphäre und schuf eine stimmige Dramaturgie. Der Film besitzt klare Konturen, hat dabei aber auch Ecken und Kanten, was vor allem den Hauptdarstellern zu verdanken ist. Jodie Foster zeigt eine wahre Meisterleistung und verkörpert die Rolle des Racheengels Erica intensiv und bis ins Letzte konsequent.
Der Film ist ein „Revenge-Movie“. Er ist spannend und brillant, die Produktion des Films übernahm Joel Silver, weiterhin widmeten sich aber auch Susan Downey, Herbert W. Gaines und Bruce Berman der Produktion des Psychothrillers. Als Kameramann konnte der Oscar-prämierte Philippe Rousselot gewonnen werden, selbst die Bühnenbildnerin Kristin Zea wurde bereits für einen Oscar nominiert. Insgesamt ist „Die Fremde in Dir“ also ein sehenswerter Psychothriller, der insbesondere durch die exzellente Besetzung überzeugen kann.
Das Mädchen, das die Seiten umblättert
Inhalt
Mélanie ist 10 Jahre alt und Klavier spielen bedeutet ihr alles. Sie möchte damit aus den bescheidenen Verhältnissen in denen sie groß geworden ist ausbrechen und möchte für sich eine hellere Zukunft aufbauen. Aber ihr Traum zerbricht von einer Minute auf die andere. Ariane Fouchécourts, eine bekannte Pianistin, bringt sie total aus dem Konzept als sie ein Vorspiel hat. Ariane hat den Juryvorsitz übernommen und benimmt sich äußerst taktlos. Mélanie hat dies so tief getroffen, dass sie noch am selben Tag beschließt nie wieder Klavier zu spielen.
Erneute Begegnung nach 10 Jahren
Zehn Jahre später treffen die beiden erneut aufeinander. Ariane erkennt Mélanie nicht wieder. Sie hat eine Stelle als Aushilfs- und Kindermädchen bei den Fouchécourts angenommen. Mittlerweile ist Ariane zerbrochen an dem Erfolsdruck der jahrelang auf ihr gelastet hat. Ihr Leben wird von Ängsten bestimmt. Sie bemerkt wie fantastisch Mélanie Noten lesen kann und macht sie zu ihrer neuen Umblätterin. Die ersten Erfolgserlebnisse stellen sich wieder ein. Doch diese schreibt Ariane nicht sich sondern der Freundschaft mit Mélanie zu. Immer tiefer steigert sie sich in eine Abhängigkeit dieser gegenüber hinein. Mélanie hingegen hat nur eines im Sinn, sie will sich rächen.
Fazit
Die Einstellungen des Films sind allesamt sehr erlesen und schön anzusehen. Der Film ist sehr spannend. Déborah Francois hatte vor diesem Werk erst einen Film gedreht. Ihre Darstellung hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Film in Cannes die Goldene Palme erhielt. Das sie noch wenig Erfahrung hat ist ihr zu keinem Zeitpunkt anzumerken. Ihre Performance der Rache-Lolita spielt sie briliant. Noch lange wirkt die von ihr an den Tag gelegte eiskalte Intensität nach. Catherine Frot ist eine der ganz großen Stars des französischen Kinos. Sie mimt die von Ängsten geplagte Pianistin hervorragend, die ihre ganzen Hoffnungen in ihere Umblätterin steckt. Das Werk ist ein gut inszenierter und super spannender Psycho-Thriller.
Statt mit krachenden Effekten überzeugt der Film mit seinen erlesenen Einstellungen und den grandiosen Schauspielern. Der Regisseur Denis Dercourt siedelt seine Rachegeschichte im muikalischen Umfeld an. Seine Mutter ist selbst Klavierlehrerin. So konnte er so manches scheitern von musikalischen Ambitionen am hautnah miterleben. Nicht nur die Musikalität liegt ihm im Blut sondern hat auch selber eine große Karriere in diesem Bereich hinter sich. Er war Solo Bratschist von 1988 bis 1993 im Orchestre Symphonique Francais.
Unter anderem trat er auch in der New Yorker Carnegie Hall auf. Seit 1993 hat Bratsche am Conservatore National in Strassbourg einen Lehrauftrag.
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