‘Februar 2010’
Zivilcourage
Inhalt
An Orten, wo Welten aufeinander prallen, entstehen Konflikte. Die fiktive Hausmannstraße im Berliner Kiez ist so ein Ort: Deutsche, Türken, Italiener, Serben, Bosnier…Menschen mit unterschiedlichstem kulturellen Hintergrund leben auf engem Raum nebeneinander, manchmal miteinander, aber auch zunehmend gegeneinander. Rauer werdende Sitten, Schmutz und Gewalt bestimmen den Alltag, das soziale Milieu kippt, viele Familien, die es sich leisten können, ziehen in andere Stadtviertel. Oft bleiben nur Langzeitarbeitslose zurück, die sich längst aufgegeben haben.
Peter Jordan, die Hauptfigur des Films, bleibt aus anderen Gründen: Er gehört zur Generation der 68er, die, wenn schon nicht die Welt, so doch das Leben in der Bundesrepublik verändern wollten. Wegziehen hieße für ihn Verrat an eigenen Idealen, das Eingeständnis, im gutbürgerlichen spießigen Leben angekommen zu sein, gegen das man vor Jahrzehnten noch aufbegehrt hat. Jordan (glänzend besetzt mit Götz George) ist Buchhändler und lebt in einer Art literarischen Elfenbeinturm seines Antiquariats zwar mitten im Kiez, aber doch durch Gitter vor Türen und Fenstern von der bitteren Realität abgeschottet. Zwei Ereignisse konfrontieren Jordan kurz hintereinander mit der Wirklichkeit in seinem Viertel.
Zum einen beginnt Jessica ein nicht ganz freiwilliges Praktikum in seinem Laden, um einem drohenden Schulverweis zu entgehen. Sie ist ein typisches Opfer verfehlter Bildungspolitik: Sie wirkt einerseits intelligent und schlagfertig, andererseits macht sie jedoch einen völlig ungebildeten Eindruck. Jordan muss feststellen, dass seine Praktikantin nach den vielen Schuljahren gerade mal die Lesefertigkeit einer Erstklässlerin besitzt. Mit ihrer schnoddrigen Art und ihrem Gossenjargon bietet sie ihm mehrfach einen Grund für den Rausschmiss, doch Jordan hat irgendwie an ihr einen Narren gefressen und will ihr zunächst helfen, das Praktikum durchzuziehen, damit sie wenigstens die Chance auf einen Schulabschluss behält.
Dann wird Jordan auch noch Zeuge, wie Kollaczek, ein im Viertel lebender Penner, von einem Jugendlichen brutal zusammengeschlagen wird. Der 15-jährige rastet völlig aus und tritt immer weiter auf sein Opfer ein, obwohl dieses schon völlig blutüberströmt am Boden liegt und sich kaum noch rührt. Jordan beobachtet geschockt die nächtliche Szene, zögert zunächst, beweist dann jedoch Zivilcourage und rettet durch sein Eingreifen Kollaczek das Leben. Erst einmal hat das mutige Handeln keine negativen Konsequenzen für den Buchhändler. Doch bei seiner Vernehmung als Zeuge erkennt er den Täter wieder: Dem mehrfach vorbestraften Afrim Lima droht durch Jordans Angaben eine Gefängnisstrafe. Afrims großer Bruder Dalmat, der seit dem Tod der im Bürgerkrieg umgekommenen Eltern das Sorgerecht für Afrim besitzt, versucht das zu verhindern. Mit Drohungen und Gewalt will er Jordan dazu bringen, seine Aussage zurückzuziehen.
Beide Handlungsstränge kreuzen sich, denn Jessica ist die Freundin des Schlägers Afrim und außerdem ebenfalls Zeugin der Tat. Zunächst ergreift sie Partei für ihren Freund und deckt ihn bei der Polizei. Nicht zuletzt durch Jordans beharrliches Verhalten verändert sich ihre Haltung jedoch und letztendlich ist sie es, die Afrim hinter Gitter bringt. Dem Regisseur gelingt das Kunststück, Gesellschaftskritik mit einer äußerst spannenden Handlung zu koppeln, die den Zuschauer bis zum Schluss vor dem Fernsehgerät fesselt. Der Film liefert keine fertigen oder platten Wahrheiten, das Handeln der Protagonisten ist plausibel und nachvollziehbar. Man kann Verständnis für das Handeln aller Figuren entwickeln, ihre Motive werden nacherlebbar. Somit wird es dem Zuschauer nicht unbedingt leicht gemacht, Partei zu ergreifen.
Zivilcourage ist ein Film, der bewegt und tiefe Empfindungen wie Wut, Bestürzung, Angst, Mitgefühl oder Empörung erzeugt. Ein Grund hierfür ist die völlig realistische Handlung, die in vielerlei Hinsicht an Alltagserfahrungen des Zuschauers anknüpft und existenzielle Fragen aufwirft. Man kommt nicht umhin sich zu fragen: Wie würde ich in dieser Situation handeln? Mit dem Film wird unserer Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten, dessen Bild nicht sehr schmeichelhaft ist: Die sehr angespannte soziale Situation großer Bevölkerungsteile, Sozialneid, Überforderung von Justiz und Polizei bei der Strafverfolgung, Migration und mangelhafte Integration und nicht zuletzt der Bildungs(not)stand vieler Jugendlicher.
Fazit
Die WDR-Produktion ist auf keinen Fall solchen Zuschauern zu empfehlen, die auf eine Heile-Welt-Berieselung a la Rosamunde Pilcher hoffen, die ihr Gehirn mit dem Einschalten des Fernsehgerätes automatisch ausschalten oder die das Verhalten der 3 Affen: „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ zur ihrer Devise gemacht haben. Freunden anspruchsvoller Unterhaltung (im doppelten Sinne) wird die Produktion jedoch ein Genuss sein, der zur Diskussion anregt.
An Großvaters Hand von Chen Jianghong
Inhalt
„Meine Kindheit in China“ lautet der Untertitel dieses Bilderbuchs, welches eher an ein Graphic Novel als an ein „klassisches Kinderbuch“ erinnert. So erklärt der Untertitel zwar, worum es geht, lässt den Leser aber weiterhin im Unklaren darüber, ob er jetzt ein Bilderbuch in den Händen hält oder doch eher ein Graphic Novel für Erwachsene. Um diese Frage vorab zu beantworten: Sowohl Kinder als auch Erwachsene können dieses Buch lesen, es wird zweifelsohne jeder Altersgruppe gerecht.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1966 im Norden Chinas. Die Familie des Autors, Vater, Mutter, zwei Schwestern, der Erzähler und die Großeltern, leben in ärmlichen Verhältnissen. Die Eltern arbeiten, die drei Kinder werden von den Großeltern betreut. Trotz der Armut (fast nie reicht es für neue Kleidung oder für neue Schuhe für den kleinen Jungen) lässt sich das Leben der Familie fast als idyllisch bezeichnen. Der Zusammenhalt innerhalb der Familie ist eng, die Kinder lieben ihre fürsorglichen Großeltern und diese kümmern sich aufopferungsvoll um die Familie.
Die Großmutter zieht Küken auf, um das Familieneinkommen zu verbessern und schafft es auch immer wieder, aus fast nichts ein schmackhaftes Essen zu kochen. Besonders gern geht der kleine Junge mit seinem Großvater in den Park, wo sich die alten Männer treffen. Die ältere Schwester geht schon zur Schule, da sie taub ist, besucht sie eine Gehörlosenschule. Von ihr lernt der Junge die Gebärdensprache. Am liebsten aber zeichnet er.
Da sich die Familie keine Zeichenmaterialien leisten kann, zeichnet der kleine Junge meist auf dem Fußboden. Gefährdet wird die Idylle dann aber durch den Beginn der Kulturrevolution. Freunde werden öffentlich gedemütigt, manche verschwinden ganz, Angst greift um sich und für die kleine Familie kommt es besonders schlimm, als der Vater zur Umerziehung aufs Land verschickt wird. Der Junge kommt zur Schule, was ihm zuerst gut gefällt, zumal er als Rotgardist „Chefredakteur“ der Wandzeitung wird und endlich wieder zeichnen kann.
Dann stirbt der über alles geliebte Großvater und die Großmutter versinkt in Trauer. 1976, im Jahr als Mao stirbt, kehrt auch der zwangsverschickte Vater zurück, erschöpft und gealtert. Dass der Junge zur Oberschule kommt, bildende Kunst studiert und letztendlich ins Ausland geht, wird nur noch kurz auf den letzten beiden Seiten abgehandelt – die Kindheit ist vorbei.
Fazit
Chen Jianghong hat bereits eine ganze Reihe Bilderbücher gezeichnet und geschrieben. Wer ihn auf einer Lesung oder bei einem Workshop erleben durfte, weiß um sein ganz außergewöhnliches Zeichentalent, welches klassische chinesische Zeichenkunst – einige Bilder sind auf Reispapier getuscht – und moderne Bildersprache miteinander verbindet. Bücher signiert er nicht, er zeichnet mit flinkem Pinsel ein Bild hinein. In „An Großvaters Hand“ erzählt er zum ersten Mal von seiner eigenen Geschichte. Seine Kindheit und Jugend ist so ganz anders als all das, was wir kennen.
Besonders die Zeit der Kulturrevolution ist oft das Thema einer Reihe von Büchern chinesischer Autoren. Chen Jianghong lässt keinen Zweifel an der Grausamkeit der Kommunisten in dieser Zeit, aber er klagt weder an, noch jammert er. Er stellt nur dar, beschreibt eine Kindheit voll materieller Not, aber menschlichem Reichtum. Auch wenn niemand gerne kleiner revolutionärer Rotgardist sein möchte, so einen Großvater und so eine Großmutter hätte sicher jeder gern gehabt. Die Beschreibung dieser chinesischen Kindheit in wenigen Sätzen, aber aussagekräftigen, großformatigen Bildern ist ein Augenschmaus für Erwachsene und eine liebevoll erzählte Geschichte für Kinder. Etwas ganz Besonderes – und auch schon mehrfach ausgezeichnet.
Schwarz, weiß, tot von Deon Meyer
Inhalt
Sechs Erzählungen des renommierten südafrikanischen Thrillerautors Deon Meyer sind in diesem Band vereint. „Schwarz, weiß, tot“ enthält darüber hinaus einen Anhang, bestehend aus einem Glossar der Afrikaans-Ausdrücke, der Entstehungsgeschichte der Erzählungen und einer Leseprobe des bald erscheinenden Romans „13 Stunden“.
In den ersten beiden Geschichten in „Schwarz, weiß, tot“ trifft man zwei Helden aus Meyers Romanen wieder. Lemmer, freiberuflicher Bodyguard und Held aus „Weißer Schatten“ muss in der ersten Geschichte in dunkler Wüstennacht einige mörderische Zeitgenossen jagen. Das kostet ihn sein nagelneues Bakkie, mit dem er noch keine 2000 Kilometer gefahren ist – jeder Farmer in der kargen Gegend versteht, dass Lemmer die Jagd nun bis zum bitteren Ende fortsetzen muss – und zwar nicht nur wegen des schönen neuen Autos…
In der zweiten Geschichte hat Bennie Griessel aus „Atem des Jägers“ noch immer Alkoholprobleme, doch momentan ist er ausnahmsweise mal wieder trocken. In dieser Erzählung muss er erkennen, dass nichts so mörderisch ist wie die Beziehung zweier Eheleute zueinander. Zwei hinterlassene Briefe deuten auf den perfekten Mord des Mannes an seiner Frau hin, oder hat vielleicht doch die Frau ihren Mann umgebracht? Oder ist der Eine womöglich immer noch hinter dem Anderem her?
In einer weiteren Geschichte wird ein allzu ehrgeiziger Inspektor in eine Falle gelockt, wodurch er sich erpressbar macht und seine Karriere aufs Spiel setzt – doch dann gelingt ihm der überraschende Befreiungsschlag und er kann den Spieß noch einmal umdrehen. Seine sehr biestige Partnerin ist ihm dabei jedoch stets gefährlich nah auf den Fersen…
„Auszeit“, eine weitere Geschichte in „Schwarz, weiß, tot“, ist indes fast schon ein Kurzroman. Deon Meyer spielt hier mit Zeit, ihren Dimensionen und Möglichkeiten und zum ersten Mal bringt der Autor ein Science-Fiction-Element in einer seiner Geschichten unter.
Hintergrund des Autors
Deon Meyer, ein „Bulle von Mann“, eben das typische „Klischeebild“ eines südafrikanischen Buren, ist Rugby- und Motorradfan, hat weite Strecken seines Heimatlandes mit seiner Enduro bereist, liebt aber auch Mozart und ist derzeit Südafrikas erfolgreichster Krimiautor. „Schwarz, weiß, tot“ sollte man deshalb gelesen haben – nicht nur aufgrund der in Kürze beginnenden ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden.
Fazit
Alle Geschichten in „Schwarz, weiß, tot“ sind hochspannend, typisch südafrikanisch (bis auf eine, die in Italien in der Welt der Schuhdesigner spielt) und genau beobachtet. Neben ihrer Thriller-Qualität zeichnen sie sich nicht nur durch ihre genaue Beobachtung der Situation im Land am Kap aus, sondern auch durch ihre menschliche Wärme. Deon Meyer mag seine Figuren ganz offensichtlich und auch wir Leser akzeptieren sie umgehend als beinahe echte Menschen mit vielen Ecken und Kanten.
Mörderische Küsse von Linda Howard
Inhalt
Lily Parks, Tochter aus gutem Elternhaus, wurde noch als Teenagerin von der CIA als Spezialagentin angeworben, da sie einem Jagdverein ohne große Übung und Vorkenntnisse schnell durch ihre exzellente Treffsicherheit beim Schießen aufgefallen war. Seitdem erledigt sie für die USA offiziell Tötungsaufträge. Daher versteht sie sich nicht als Mörderin, sondern ihrer Auffassung nach steht sie im Dienst ihres Vaterlands. Mittlerweile ist sie jedoch sehr ausgebrannt; seit Jahren hat sie aufgrund ihres Berufes keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern und ihre kleine Adoptivtochter, die – ebenfalls wegen ihres Berufs – bei ihren besten Freunden aufwuchs, wurde von dem Mafiaboss Salvatore Nervi umgebracht.
Nun möchte Lily die Mörder ihrer kleinen Tochter auf eigene Faust rächen. Mit Hilfe eines bereits in geringer Dosis tödlichen Gifts im Wein gelingt es ihr, Nervi zu töten, sie muss aber, um die Tarnung aufrechtzuerhalten, ebenfalls einen winzigen Tropfen des Gifts trinken, so dass sie selbst sterbenskrank wird. Die CIA erhält Nachricht, dass der Mafiaboss ermordet wurde und da Lilys Chef bereits gemerkt hat, dass die Top-Agentin psychisch angeschlagen ist, wird Lily zum potenziellen Sicherheitsrisiko. Lilys Boss schickt deshalb den Spezialagenten Lucas Swain, um Lily „aus dem Verkehr zu ziehen“.
Lily findet derweil heraus, dass zwei ihrer Freunde ermordet wurden, weil sie herausgefunden hatten, dass die Mafiagruppe an einem eigentlich guten Impfstoff gegen die Vogelgrippe arbeitet – gleichzeitig stellt die Mafiagruppe aber auch den Erreger für die Krankheit her. Deshalb sucht nun auch die Familie des getöteten Mafiabosses nach Lily, und es beginnt ein tödliches Katz- und Maus-Spiel. Lily gelingt es mit einem großartigen Trick, sich auf einem Flughafen „in Luft aufzulösen“, trotzdem gelingt es Lucas, sie aufzuspüren und ihr Vertrauen zu gewinnen. Ungeplant findet er sein Opfer sympathisch und hilft ihr sogar bei dem Versuch, die Geschäfte der Mafiafamilie zu durchkreuzen, behält seinen Auftrag dabei aber immer im Hinterkopf. Eine für alle Seiten sehr gefährliche Situation!
Hintergrund
Über die Autorin Linda Howard (bürgerlich: Linda Howington) ist nicht sehr viel bekannt, außer dass die Amerikanerin 1950 geboren ist und ca. seit dem Jahr 1980 Romane schreibt. Zunächst schrieb sie reine Liebesromane, später dann jedoch auch verstärkt Krimis und Thriller mit einer Liebesgeschichte. Damit ist sie bis heute sehr erfolgreich. „Mörderische Küsse“ ist eines ihrer neueren Werke (2004 als amerikanische Originalausgabe unter dem Titel „Kiss Me While I Sleep“ erschienen).
Fazit
Das Buch ist sehr spannend geschrieben und Leser, die nicht nur eine – ewig gleich aufgebaute – platte Liebesgeschichte suchen, sondern auch eine durchaus interessante Handlung zu schätzen wissen, kommen hier voll auf ihre Kosten. Trotz der geschilderten Handlung brauchen sich aber auch Freunde von Liebesgeschichten keine Sorgen zu machen, denn natürlich gibt es in „Mörderische Küsse“ ein Happy End.
Einige der Handlungsmotive in „Mörderische Küsse“ sind sicherlich recht weit hergeholt (so wird die Scharfschützin Lily sehr sympathisch und lebensnah und in ihrer Denkweise fast „bürgerlich“ dargestellt) – darüber wird der geneigte Leser allerdings wohl hinwegsehen können, schließlich ist eine solche Zeichnung der Charaktere im Bereich der Kriminalliteratur durchaus üblich. Etwas merkwürdig jedoch ist, dass in der Übersetzung einige Dinge komplett anders als im Original sind – allen voran der Nachname der Protagonistin Lily, die im amerikanischen Original Mansfield und in der deutschen Übersetzung Parks heißt, wofür es keinen ersichtlichen Grund gibt.
Auch die Beschreibung der Mietwagen, die sich Lucas im Laufe der Verfolungsjagd bei verschiedenen Mietwagenfirmen ausleiht, ist leider etwas oberflächlich und „typisch amerikanisch“ geraten – ein wenig Recherche hätte schnell gezeigt, dass man bei „normalen Mietwagenfirmen“ nicht einfach so einen Jaguar ausleihen kann…Sehr interessant ist indes die Darstellung der Ereignisse, die es Lily ermöglichen, sich auf einem mit zahlreichen Kameras gespickten Flughafen „unsichtbar zu machen“ und zu fliehen – dass genau diese Schilderung gar nicht so wirklichkeitsfern ist, haben die jüngsten Vorfälle vom Januar 2010 am Münchener Flughafen gezeigt. „Mörderische Küsse“ ist ein herrliches Lesevergnügen, denn das Buch bietet Spannung und die Garantie, dass letztlich doch noch alles gut ausgehen wird.
Im Jahr des Honigkuckucks von Linzi Glass
Inhalt
Die 12-jährige Emily, die Ich-Erzählerin der Geschichte, lebt mit ihrer älteren Schwester Sarah und ihren Eltern in einem großen Haus mit Garten in Johannesburg. Der Vater arbeitet in einer Schokoladenfabrik, es gibt eine Hausangestellte und einen alten Wächter am Tor, die Mutter ist gut aussehend, man hat Freunde, Geld und Status. Es könnte alles ganz wundervoll sein – ist es aber nicht. Die Streitereien der Eltern tönen durch das ganze Haus, die Auseinandersetzungen hören niemals auf und bissige Bemerkungen sowie verletzende Beschimpfungen gehören zum normalen Umgangston. Emily leidet sehr darunter, oft kann sie nachts nicht schlafen und flüchtet sich deshalb in das Bett ihrer älteren Schwester. Diese ist die ruhigere und ausgeglichenere der beiden, weshalb sie auch von der launischen Mutter der beiden Geschwister bevorzugt wird.
Die Situation entspannt sich immer erst dann, wenn Gäste im Haus sind, dann müssen sich die Streithähne zusammen nehmen. Und gern laden sie Gäste zu sich ein. Eines Tages schleppt der Vater der Familie eine Zigeunerfamilie an – nicht romantische Gäste mit bunten Tüchern und dunklem Haar, eher gescheiterte Vagabunden. Jock, der Vater, ist Tierfotograf und hält seine Familie mehr schlecht als recht mit gelegentlichen Aufträgen über Wasser, die Mutter hat mal als menschliche Fackel im Zirkus gearbeitet und läuft auch jetzt noch meist mit einer Python um den Hals herum. Die beiden haben zwei gemeinsame Söhne, die noch nie eine Schule von innen gesehen haben und völlig verwahrlost sind.
Streak, der jüngere Sohn, freundet sich mit Emily an, die die ihr entgegengebrachte Aufmerksamkeit sehr genießt. Emilys ältere Schwester Sarah nimmt sich fürsorglich des debilen Otis an. Otis ist kräftig, fast erwachsen, aber mental auf der Stufe eines Kleinkindes stehengeblieben, weshalb es nicht leicht ist, richtig mit ihm umzugehen – während Otis Vater es mit Prügeln versucht, bedient Sarah sich lieber sanfterer Methoden und versucht, Otis mit Freundlichkeit zu begegnen
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Eines späten Abends kommt Emily dazu, als Otis etwas Furchtbares tut, von der sich Emilys Familie nie mehr erholen wird. Am nächsten Morgen reisen „die Zigeuner“ zwar ab, den Zusammenbruch der Familie kann das aber nicht mehr verhindern. Emily übersteht die Katastrophe, weil sie im alten Zulu-Wächter Buza einen verständnisvollen Freund hat, der mit Erzählungen aus dem Schatz der Zulu Emily immer wieder Hilfe und eine Zuflucht bietet. Emily wird Buza seine Hilfe und Anteilnahme nie vergessen.
Fazit
Die Geschichte erinnert an „Von Mäusen und Menschen“ von John Steinbeck. Der bärenstarke, aber zurückgebliebene Otis zerstört zwei Familien. Neben der dramatischen Geschichte spielt aber auch die besondere Situation während der Zeit der Apartheid in Südafrika eine wichtige Rolle. Der Leser erfährt nebenbei einiges über die Auswirkungen der „Rassengesetze“ und die Brutalität des täglichen Lebens für Nicht-Weiße. Ein weiteres Thema ist die Vernachlässigung Jugendlicher durch Eltern, die ausschließlich mit sich statt mit ihren Kindern beschäftigt sind. „Im Jahr des Honigkuckucks“ erzählt somit eine spannende, äußerst facettenreiche und sehr ergreifende Geschichte.
Airport von Arthur Hailey
Inhalt
Die Geschichte spielt sich innerhalb von nur 6 Stunden auf dem (fiktiven) Flughafen Lincoln International in Illinois, USA ab. Der Flughafen ist zu diesem Zeitpunkt – wie auch der größte restliche Teil des Landes – in tiefem Schneechaos versackt, was natürlich Konsequenzen hat. Angefangen bei verspäteten Flügen über blockierte Landebahnen bis hin zu überarbeiteten Mitarbeitern – kurzum: An diesem Tag herrscht der Ausnahmezustand. Hauptdarsteller des Thrillers ist Mel Bakersfeld, der Generaldirektor des Flughafens, der sich wegen seiner privaten Eheprobleme lieber auf dem Flughafen als zu Hause aufhält, ansonsten jedoch ein sehr intelligenter, gradliniger und diplomatischer Mensch ist.
Mel erlebt zusammen mit Tanya, der Kundenbetreuerin von „Trans America“, Keith, einem Fluglotsen (der zufällig sein depressiver und überarbeiteter Bruder ist), Joe Patroni, einem Techniker sowie seinem Schwager Vernon Demerest, Pilot bei Trans America, einen Abend am Flughafen, an dem die Lage schon allein aufgrund des Wetters ernst genug ist. Die Lage spitzt sich zu, als der Leser erfährt, dass ein Passagier, der finanziell am Ende ist und keinen Ausweg mehr sieht, auf Kredit einen – damals sehr seltenen – Direktflug (mit Vernon als Pilot) nach Rom bucht, um über dem Wasser eine Bombe zu zünden, damit seine Familie dank einer zuvor abgeschlossenen Reiseversicherung versorgt ist.
Gleichzeitig spitzt sich die Situation aufgrund einer blockierten Lande- und Abflugbahn weiter zu. Die blockierte Lande- und Abflugbahn sorgt dafür, dass eine naheliegende Gemeinde, die sowieso schon über den Fluglärm erbost ist, mehr als sonst von Fluglärm betroffen ist und ausgerechnet an diesem Tag am Flughafen demonstriert. Da der Leser außerdem noch die persönlichen Probleme aller beteiligten Personen erfährt, spitzt sich die Situation mehr und mehr zu, zumal die Bombe tatsächlich gezündet wird und die Piloten an Bord darum kämpfen, die Maschine trotz der großen Schäden am Flugzeug noch sicher zu landen…
Hintergrund
Arthur Hailey, geboren 1920 in England und selbst ehemaliger Royal Air Force Pilot und späterer Mitarbeiter des britischen Luftfahrt-Ministeriums, hat diesen bekannten Roman bereits 1968 geschrieben. „Airport“ ist eine Mischung aus Krimi, Thriller und dezent eingefügten Fakten über die Luftfahrt, ihre Hintergründe und die Probleme im Luftverkehr. Trotz seines Alters ist der Roman auch heute noch sehr spannend und bietet einen sehr interessanten Einblick in die Luftfahrt von vor mittlerweile fast 40 Jahren. Der Leser wird entführt in eine Welt, in der es noch keine Computer gab, in der Sicherheit zwar ein Aspekt auf dem Flughafen war, aber – insbesondere in den USA als Spielort der Handlung – noch nicht ansatzweise im heutigen Sinne berücksichtigt wurde.
So konnten damals auch Nicht-Reisende noch ins Flugzeug steigen und sich etwa von Verwandten verabschieden, es gab noch keine Röntgenkontrollen und auch sonst wurde auf Flugsicherheit bzw. auf Terrorismusprävention kein gesteigerter Wert gelegt. Fast alle Probleme des Romans sind jedoch auch heute noch hochaktuell: So geht es in „Airport“ beispielsweise um Lärmschutzbestimmungen, Sicherheitskontrollen und Attentate. Das Sich-Hineinversetzen in die Verkehrsluftfahrt von vor 40 Jahren bietet dabei auch einen Einblick in längst vergessene Zeiten, in denen zweistellige Flugnummern und das manuelle Verschieben von Plastik-Flugzeugnummern auf den Radarschirmen noch selbstverständlich waren.
Fazit
Das Buch ist auch nach mehr als 40 Jahren noch sehr interessant und lesenswert, wenn man nicht unbedingt einen atemberaubenden rasanten Thriller a la Dan Brown oder John Grisham erwartet. Hailey verwendet noch einen Schreibstil der alten Schule, in der viel Wert auf die Beschreibung der Charaktere und die Genauigkeit der Beschreibung gelegt wird, während die einzelnen Handlungsstränge rund um die Katastrophen an und um den Flughafen auf der einen Seite und die Einzelschicksale der Protagonisten auf der anderen Seite unaufhörlich vorangetrieben werden. „Airport“ ist also auf seine eigene Art und Weise ein echter Page-Turner.
Auch für Technik-Laien sind die dezent eingearbeiteten Hintergrundinformationen über den Ablauf in einem Flughafen und den Arbeitsablauf bei den Fluglotsen und Piloten leicht zu lesen und nachzuvollziehen. Die vorliegende Übersetzung von Wilm W. Elwenspoek ist ebenfalls fast 40 Jahre alt und weist leider einige Mängel auf. So übersetzt er amerikanische Längenmaße (Meilen, Fuß) leider nur, anstatt sie in die für Deutsche einfacheren Maße wie Kilometer zu übertragen.
Darüber hinaus sind einige der verwendeten Fachbegriffe leider veraltet, und auch der damals noch gebräuchliche Begriff „Neger“ hätte in den neueren Auflagen geändert werden können, ein paar ärgerliche Rechtschreibfehler hätten in der Neuauflage von 1999 ebenfalls korrigiert werden können. Nichtsdestotrotz ist das Buch aufgrund seiner spannend geschriebenen Geschichte sowie der beunruhigend aktuellen Thematik äußerst empfehlenswert!
Illuminati von Dan Brown
Hintergrund
Dan Brown hat sich auf das Schreiben von Romanen auf Basis von Verschwörungstheorien mit kirchlichem Hintergrund und dem Knacken schwieriger Codes spezialisiert. Sein Vater ist ein bekannter Mathematiker, seine Mutter ist Kirchenmusikerin; er selbst hat Englisch und Spanisch studiert. Vor diesem sozialen Hintergrund ist der oben genannte Schwerpunkt seiner Bücher fast automatisch nachvollziehbar. „Illuminati“ ist der zweite Roman von Dan Brown (nach „Diabolus“).
Inhalt
Robert Langdon, ein bekannter „Symbologe“ und Professor an der berühmten Harvard Universität, wird mitten in der Nacht vom Direktor des Kernforschungsinstituts CERN in der Schweiz gebeten, den Mord an einem der führenden Antimaterie-Wissenschaftler, auf dessen Brust ein Symbol (das Wort „Illuminati“ als Ambigramm) eingebrannt wurde, mit aufzuklären. Nachdem er das zunächst ablehnt, wird er mittels eines Faxes, auf dem das eingebrannte Symbol “Illuminato” zu sehen ist, gelockt, da er u.a. zu diesem Thema gerade forscht.
Er wird also von einem Piloten eines Superflugzeugs abgeholt, welches ihn in rund einer Stunde von den USA in die Schweiz zum CERN fliegt. Dort zeigt ihm der Direktor Maximilian Kohler den Toten, und er trifft auf die schöne adoptierte Tochter des toten Wissenschaftlers, Vittoria Vetra, die als Physikerin eng mit dem Vater zusammengearbeitet hat. Es stellt sich heraus, dass der Mörder einen kleinen Teil Antimaterie, das die beiden erfolgreich hergestellt hatten, gestohlen hat und damit nun die Welt und vor allem die katholische Kirche bedroht.
Die Illuminati seien nämlich eine Gruppe von hochintelligenten Menschen und Wissenschaftlern, die Jahrhunderte im Untergrund gewartet haben, um schließlich die Weltherrschaft zu übernehmen. Schnell stellt sich heraus, dass die Antimaterie, die, sobald sie freigesetzt wird, ein Vielfaches der Zerstörungskraft einer Atombombe hat, im Gebiet des Vatikan versteckt ist. Vittoria und Langdon machen sich also auf den Weg in den Vatikan, wo bezeichnenderweise gerade die nächste Papstwahl stattfindet…
Es sind also genug katholische Würdenträger an einem Ort, so dass eine Explosion nicht nur die Gebäude, sondern auch die wichtigsten Menschen der Kirche mit einem Schlag vernichten würde. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, in dem Vittoria und Langdon ihre jeweiligen Kenntnisse einsetzen können. Dennoch werden weitere Menschen ermordet – die vier aussichtsreichsten Kandidaten auf den Posten als neuer Papst sind entführt worden und werden kurz darauf – mit anderen Brandsymbolen „markiert“ – ebenfalls dramatisch ermordet.
Der persönliche Assistent des Papstes - der sogenannte Camerlengo - Carlo Ventresca, unterstützt Tom und Vittoria bei ihrer Suche. Er trauert noch um den letzten Papst, dessen Assistent er war und der, wie es sich im Laufe der Zeit herausstellt, ebenfalls ermordet wurde. Im Laufe ihrer verzweifelten Suche nach der Antimaterie müssen Langdon und Vittoria feststellen, dass nichts so ist, wie es scheint…
Fazit
Wie auch in seinem ersten Roman beschreibt Brown die Umgebung und hierbei vor allem die religiösen Gebäude (Gruften, Kirchen usw.) der Städte, in denen sein Roman handelt, sehr detailliert und korrekt. Dies führt leicht dazu, dass man als Leser geneigt ist, auch die anderen dargestellten Sachverhalte für Tatsachen zu halten, vor allem, da Brown zu Beginn des Romans betont, dass bestimmte Dinge (Antimaterie, CERN, Illuminati usw.), die im Roman geschildert werden, auf Tatsachen beruhen.
Nichtsdestotrotz handelt es sich keineswegs um einen Historienroman, sondern einen in der Moderne stattfindenden, mit historischen Tatsachen, Mythen und Phantasien ausgestalteten Thriller, in dem der Autor sein Recht auf Fiktion deutlich nutzt. Wenn man dies weiß und es einen nicht stört, dann ist es einfach nur ein sehr spannend geschriebener Roman, dessen Charaktere menschlich und sympathisch sind, und der Lust auf eine Fortsetzung macht!
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