‘Februar 2012’
Gewinner des Rezensionswettbewerbs im Februar 2012
Die Gewinner des Rezensionswettbewerbs im Februar 2012 stehen fest und bevor wir die Nominierungen bekannt geben, möchten wir uns nochmal kurz bei allen Teilnehmern für die rege Beteiligung bedanken!
Dieses Jahr hat sich die weibliche Konkurrenz durchgesetzt und die vorderen Plätze belegt. Erneut konnte sich die Autorin Katrin Achinger unter die Besten mischen und räumt den Hauptgewinn ab. Aber auch Evi und lilo05 lieferten tolle Rezensionen ab und belegten die Ränge zwei und drei. Die Entscheidung fiel uns wie immer schwer, da wir sehr viele hochwertige Beiträge erhalten haben und die Rezension Heizstrahler EWT-462-Strato hätte von uns den Humorpreis erhalten, wenn es denn einen solchen gäbe.
An dieser Stelle auch unser Dank an die einzelnen Juroren!
Hier nun die Gewinner:

Den 1. Platz hat die Autorin Katrin Achinger mit ihrer Rezension „Beruhigt euch!” gemacht.

Der zweite Platz geht an die Autorin Evi mit „Vom Winde verweht“

Den 3. Platz hat die Autorin lilo05 mit Ihrer Rezension „Endloses Bewusstsein” belegt.
Wie immer freuen wir uns über viele neue und schöne Rezensionen und der nächste Rezensionswettbewerb kommt bestimmt!
Die Gewinner werden von uns alsbald mit Ihren Gewinnen angeschrieben, deswegen bitte die Adressen im System aktuell halten! Ebenso die übrigen Teilnehmer, da wir, wie jedes Jahr, Trostpreise verschicken!
Rezension.org
Die Gruppen überwunden, nun geht es ins Finale!
Zwischenstand: Vorrunde ausgewertet, 10 Rezensionen sind in der Endrunde!
Um die Vielzahl der eingereichten Rezensionen zu bewältigen, haben wir eine Vorausscheidung in Gruppen unternommen, damit jede Rezension auch wirklich die volle Aufmerksamkeit seiner Juroren bekommt.
Die Jury um Buecher-Forum.com, Eselsohren.at, Literatur-Community.de, Filmrezension.de und Rezension.org hat jetzt zehn Rezensionen in die Finalrunde geschickt. Aus diesen werden nun von allen Juroren die Gewinner ermittelt.
Nachfolgende Rezensionen haben die Vorrunde überstanden und stehen in der Endrunde des Rezensionswettbewerbs 2011 auf Rezension.org.
Rezensionen in der Endausscheidung:
http://www.rezension.org/heizstrahler-ewt-462-strato/
http://www.rezension.org/vom-winde-verweht-2/
http://www.rezension.org/endloses-bewusstsein-neue-medizinische-fakten-zur-nahtoderfahrung-2/
http://www.rezension.org/baustilkunde/
http://www.rezension.org/jules-verne-die-reise-zum-mittelpunkt-der-erde/
http://www.rezension.org/die-bienenhuterin/
http://www.rezension.org/das-funfte-kind/
http://www.rezension.org/the-exile/
http://www.rezension.org/meat-loaf-bat-out-of-hell-iii-the-monster-is-loose/
http://www.rezension.org/silke-burmester-beruhigt-euch/
Hiermit bedanken wir uns schon einmal für die zahlreiche Teilnahme von 34 Beiträgen und wünschen den Endrundenteilnehmern viel Erfolg!
Hier gibt es die allgemeinen Infos zum Wettbewerb: Rezensionswettbewerb
Flüstern in der Nacht von Dean Koontz
Inhalt
Hilary Thomas stammt aus einfachen, schwierigen Verhältnissen; ihre Eltern haben sie oft mißhandelt. Heute ist sie erfolgreiche Drehbuchautorin in Los Angeles, die gerade wieder mit ihrem Agenten einen neuen Verkaufserfolg feiert.
Als sie nach Hause kommt, wird sie in ihrem Haus überfallen – es ist Bruno Frye, ein Weingutbesitzer aus Napa Valley, den sie vor einigen Wochen erst interviewt hat. Sie kann sich wehren, aber er flieht.
Die Polizisten Frank und Tony kommen auf ihren Notruf; Tony fühlt sich von Hilary angezogen und glaubt ihr auch die Geschichte, während Frank, der gerade eine schmutzige Scheidung hinter sich hat, vermutet, daß Hilary sich die Geschichte nur ausdenkt.
Als sie dann das Alibi von Bruno überprüfen, teilt die lokale Polizei ihnen mit, daß dieser gemütlich zu Hause sitze. Daher können die beiden nicht viel für sie tun, auch nicht als sie bittet, ihr wegen der zerstörten Schlösser und Türen einen Schutz dazulassen.
Sie verbarrikaridiert sich im Gästezimmer, und als sie am Morgen wieder rauskommt, überfällt Frye sie wieder. Sie schafft es, sich mit einem Messer abermals zu wehren und fügt ihm zwei Stichwunden bei.
Er flieht wiederum, stirbt aber an den Stichwunden. Als seine Leiche gefunden wird, glaubt ihr endlich auch Frank. Nach gelöstem Fall freunden Hilary und Tony, der in seiner Freizeit gern malt, miteinander an; sie verstehen sich, als würden sie sich schon lange kennen.
Frank und Tony, die sich gegenseitig schätzen aber sehr unterschiedlich in der Vorgehensweise sind, so daß sie sich nicht hundertprozentig trauen, sprechen sich aus; Frank merkt, daß er aufgrund seiner schlechten Erfahrungen mit Frauen Fehler bei der Polizeiarbeit gemacht hat. Mit Tonys Hilfe trifft er sich nun sogar wieder mit Frauen. Aber als sie eines Tages einen Serienverbrecher jagen, dem sie schon länger auf der Spur sind, wird Frank von diesem angeschossen und getötet.
Als Hilary weiter bedroht wird und vermutet, daß Frye gar nicht wirklich tot ist, hat Tony zunächst Schwierigkeiten, ihr zu glauben, und Hilary fühlt sich verraten. Aber diese Krise vergeht und schweißt die beiden nur noch fester zusammen. Sie machen sich auf den Weg ins Napa Valley, um herauszufinden, ob Frye wirklich noch lebt oder ob er einen täuschend echten Doppelgänger hat.
Koontz läßt den Leser jedoch nach und nach an des Rätsels Lösung teilhaben, die seine Protagonisten jedoch nicht ansatzweise ahnen, obwohl sie nach und nach einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommen, das sie in tödliche Gefahr bringt…
Fazit
Das Buch hat leider einige Schwächen, die schwer erklärbar sind:
a) zum einen ist die Übersetzung des Titels schlecht gewählt – die originalgetreue Übersetzung “Wispern”, die auch im Text bei der Erklärung des Phänomens verwendet wird, wäre wesentlich treffender gewesen.
b) Auf Seite 284, als Tony und Frank den Verbrecher Bobby in seiner Wohnung versuchen zu stellen, finden sich einige Passagen, die wie von fremder Hand stammen, fast kindlich erzählt. Sie passen überhaupt nicht zum Stil Koontz
c) Auf Seite 329, als Hilary von dem tot geglaubten Frye nochmals überfallen wird und Tony durch Zufall sofort zur Stelle ist, scheint Tony Frye in den Garten verfolgt zu haben und zurückzukehren, denn Hilary fragt ihn “Und du hast überall nachgesehen”. Allerdings scheint hier ein kompletter Absatz (zumindest in der deutschen Übersetzung) zu fehlen, denn einen Satz vorher – und ohne Absatz- oder Unterkapiteltrennung – kam Tony gerade zu ihrer Rettung in das Haus hinein.
Trotz dieser doch großen Patzer liest sich der über 600 Seiten starke Roman sehr flüssig, ist sehr gut aufgebaut und wirklich spannend.
Teilweise wird sogar der böse Frye dem Leser – und am Ende fast auch den Protagonisten – sympathisch, da letztendlich auch er ein Opfer ist. Koontz zeichnet sehr geschickt die Stärken und Schwächen seiner Charaktere, die dem Leser sehr an Herz gehen.
Empfehlenswert!
Astrid Dehe – Achim Engstler
Kafkas Komische Seiten
Eines Morgens, nach einer langen Zugfahrt über Nacht, waren Max Brod und Franz Kafka in Paris angekommen. Der kulturhungrige Brod drängte darauf, sich doch gleich ins Zentrum der Seinemetropole zu stürzen, doch Kafka bevorzugte es, sich zumindest noch „ein wenig zu waschen“.
Brod stand also nach einer angemessenen Frist wieder vor Kafkas Türe, der sich aber immer noch am Waschen war. Der aufgrund der Zeitersparnis ungewaschene Brod musste sich auf das Bett Kafkas setzen und weitere ungenützte Momente auf ihn warten, während draußen Paris aufwachte.
Kafkas selbstvergessene Körperpflege und die „Freuden des Badezimmers“ waren nur ein paar Marotten, des wohl größten Schriftstellers seiner Zeit. Allein mit der Pflege seiner Haare, hätte er ganze Nachmittage verbringen können, so Max Brod.
Sein Bestehen auf vegetarischer Kost, seine chronische Unpünktlichkeit, die er damit begründete, dass er „die Schmerzen des Wartens“ nicht fühle sind weitere Zeugnisse dafür, dass sich auch ein Kafka „im Urlaub befinden“ konnte.
Komisch oder kom-isch?
Es bestehe kein Zweifel, dass Kafka auch andere zum Lachen bringen wollte, schreiben die beiden Herausgeber im Geleitwort, aber das obige „Pariser Missverständnis“ zwischen Brod und Kafka – letzterer hatte das Waschen lokal aber nicht zeitlich begrenzt – war wohl weniger lustig, sondern eher komisch.
Das Wort „komisch“ ist in seiner Bedeutung im Titel dieser Publikation aber nicht unbedingt im Sinne des im 15. Jahrhundert von lateinisch comicus, dem Französischen comique oder dem dem Lateinischen vorausgehenden griechischen Wort κωμικός (kōmikós) - „zur Komödie gehörig“ – definiert. Die Ableitung von Komik mit dem Derivat oder Ableitungsmorphem -isch weist aber etymologisch auf die Komödie hin.
Komisch bedeutet im Deutschen aber vor allem auch seltsam und kann im Falle Kafkas sicherlich auch als tragisch interpretiert und verstanden werden, kafkaesk eben, wie hier ein paar Beispiele illustrieren sollen.
Kafka, Sportler und Vegetarier
Mit 24 Jahren hatte Kafka 61 kg und eine Größe von 182 Zentimetern, also was man gemeinhin als eine leptosome Statur bezeichnet. Körperlich für eine Sportlerkarriere nicht unbedingt prädestiniert, betätigte sich Kafka aber – entgegen aller Erwartungen – sehr wohl sportlich, denn er schwamm, ritt und ruderte, zumindest im Rahmen eines selbst verordneten Sommersportprogramms, was ihn bald zu der Aussage bringen sollte: „Jemand hat einmal gesagt, dass ich wie ein Schwan schwimme“.
Aber das sei kein Kompliment gewesen, teilt er seiner Geliebten Milena Jesenska mit. Bald reduzierte er sein „Sportprogramm“ aber wieder auf ausgedehnte Spaziergänge, die er „unter Hochdruck“ absolviert hätte, wie er selbst in einem Brief an eine andere Geliebte, Felice Bauer, 1912 schrieb. Da Franz Kafka bei der Arbeiter-Unfallversicherung (AUVA) nur von 8-14 Uhr zu arbeiten hatte, nahm er alle seine Mahlzeiten mit seinen Eltern ein, doch weigerte er sich, die tschechische Hausmannskost aus Fleisch und anderem Deftigen zu sich zu nehmen.
Kafka war aber kein ideologischer Vegetarier, er hatte den Vegetarianismus für sich selbst eher durch Probieren und Experimentieren entdeckt. Wenn auch nicht ideologisch, so konnte er dennoch radikal darin sein, andere Menschen für ihre Eßgewohnheiten zu kritisieren: „Wie können Sie nur das ganze Fett hinunterschlingen, das beste Nahrungsmittel ist eine Zitrone“, soll er einmal zu einem AUVA-Kollegen gesagt haben, als dieser dabei war ein Butterbrot zu essen.
Fazit: „Jede Zeit hat ihren Kafka“
Der berühmte Schriftsteller wird in vorliegender Publikation in allen seinen Facetten gezeigt, zumindest aber in 36 Kapiteln, die in sich abgeschlossen sind und deswegen auch kreuz und quer gelesen werden können. Die „komischen“ Seiten Kafkas sind aber sehr oft eher seltsam, also komödienhaft, wie auch seine Ansichten über das Heiraten gut veranschaulichen.
Was ihn daran am meisten stört, ist, dass nur das Junggesellendasein es ihm ermöglicht, seine ungeliebte Arbeit jederzeit kündigen zu können. In einem Brief vom 14.4.1914 an Felice Bauer schreibt er: „Alles Recht, das mir die Sitte aus der Tatsache des Verlobtseins gibt, ist für mich widerlich und völlig unbrauchbar. (…) Möglichst asketisch leben, asketischer als ein Junggeselle, das ist die einzige Möglichkeit für mich, die Ehe zu ertragen.“
Die Ehe sei ein „Kontrakt zur Preisgabe des Körpers, zur Öffnung der Grenzen nach dem Muster eines `gewaltsamen Stromschlusses´“, so Kafka in einem Brief an Max Brod. Nach drei Entlobungen und der gescheiterten Beziehung zu Milena Jesenska lautet sein eigenes Fazit: „Eine Frau lieben und unangefochten von Angst sein oder wenigstens der Angst gewachsen und überdies diese Frau als Ehefrau zu haben, ist ein mir derart unmögliches Glück, dass ich es – klassenkämpferisch – hasse.“
Elsa Osorio, Die Capitana
Elsa Osorio erzählt aus dem Leben der Micaela Etchebéhère, eine gebürtige Argentinierin, die im spanischen Bürgerkrieg kämpfte und dabei als einzige Frau jemals eine Einheit führte, Capitana war. Befreundet mit fast allen revolutionären Gestalten des 20. Jahrhunderts, aktiv in vielen Kämpfen und bis zu ihrem Tod mit über 90 Jahren politisch interessiert und aktiv, ist diese wichtige Zeitzeugin heute nahezu vergessen. Osorios Roman will das ändern.
Inhalt
Micaela, kurz Mika genannt, wurde in Moises Ville in Argentinien als Tochter einer Familie jüdische-russischer Einwanderer geboren. Sie trotzt ihrer Familie die Erlaubnis ab, in Buenos Aires Zahnmedizin studieren zu dürfen. Mit nicht einmal 18 Jahren taucht sie ein in die Welt der politisch interessierten, revolutionär gesinnten Studenten, der jungen Weltverbesserer ein, wird selbst Anarchistin, steht in ihren Anschauungen Trotzki nahe.
In diesem Kreis lernt sie den Franzosen Hipólito Etchebéhère kennen, heiratet ihre große Liebe. Ihre Ziel, aktiv an den Kämpfen des sich stark verändernden jungen Jahrhunderts teilzunehmen, werden von Hippos Krankheit überschattet. Er leidet an Tuberkulose. Aus der Kommunistischen Partei werden beide wegen ihrer Nähe zu Trotzki bald wieder ausgeschlossen. In ihrer Gesinnung sind sie jedoch unerschütterlich.
Nach dem Abschluss ihrer Studien reist das Paar durch Patagonien, den rückständigen Süden Argentiniens. Mika arbeitet als Ärztin, eigentliches Ziel ist jedoch die Dokumentation eines blutig von der Reaktion niedergeschlagenen Aufstandes der Schafhirten. 1931 zieht es beide nach Europa, 1932 sind sie in Deutschland und erleben den Aufstieg der Nationalsozialisten mit, 1933 leben sie in Frankreich, 1936 in Spanien.
Beide werden Mitglied in der POUM und greifen aktiv in den Kampf gegen die Diktator Franco ein. Im bewaffneten Kampf ist Mika zuerst in der üblichen Rolle der Frau als Melderin, in der Küche und bei der Wäsche. Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt sie trotz ihrer großen Trauer nach und nach dessen Aufgaben als Befehlshaber. Sie wird zur Capitana.
Nach dem Sieg der Faschisten flieht sie zuerst nach Frankreich und von dort zurück nach Argentinien. Nach dem Krieg wird Frankreich ihre Heimat und noch einmal sieht man die nun ältere Dame auf den Straßen, auch im Mai 1968 kann sie nicht von den Barrikaden lassen. Mit über 90 Jahren stirbt Mika in Frankreich, ohne ihrer Gesinnung und ihrem Glauben an eine bessere und gerechtere Welt jemals untreu geworden zu sein.
Fazit
Eine Zeitzeugin des an Umbrüchen und Kriegen so reichen 20sten Jahrhunderts, eine Kommunistin, eine emanzipierte Frau, eine mutige Kämpferin, Schriftstellerin, Journalistin, Freundin so vieler großer Männer und Frauen – und doch nahezu vergessen.
Elsa Osorio erzählt – nicht chronologisch – Begebenheiten aus dem Leben dieser Frau, lässt sie selbst zu Wort kommen, zeichnet ihr Porträt aus vielen Begebenheiten und vermittelt uns so ganz nebenbei auch die geschichtlichen Fakten, die wir eigentlich wissen müssten. Kein Krimi, kein Blockbuster, nur mäßig spannend – aber durchaus ein lesenswerter biographischer Roman.
Allgemeines/Grundthese
Hochglanzsoftcover, blätterbraun. Dank Internetansicht erwartete ich ohnehin kein Märchen-Kitschbunt.
Mein erster äußerer Eindruck: natürlich, herbstlich, vielleicht mit verborgenen Waldwesen, Kobolde, dachte ich. Die Kinderaugen, die zwischen dem Laub hervorblitzen, weckten meine Neugier. Über 400 Seiten Fantasy, ein Abenteuerroman wird angekündigt, der anders sein soll. Nun ja. Ich ließ mich gerne überraschen.
Nach Kapitelansicht gibt es eine Menge Begegnungen, Merkwürdigkeiten, auch die für Fantasy typischen Kriege. Vor dem Lesen spiele ich mit jedem Buch Daumenkino. Dabei fielen mir etliche Schwarz-Weiß-Grafiken (keine Kunstdrucke) auf, die jedoch nicht bei jedem Kapitel dabei waren. Jede wirkte handgezeichnet, manche für meinen Geschmack zu düster.
Ganz himmlisch finde ich halt Papieroberfläche. Auch dem rauen Strukturgefühl bei diesem Roman kann ein eBook nicht Paroli bieten.
Struktur
Wie erwartet spielt das Abenteuer in einer eigenen Welt. Den Zeitenwechsel würde ich nicht als außergewöhnlich bezeichnen. Doch was mich wirklich überraschte: Die Schauplätze bleiben, trotz einiger wundersamer Veränderungen, detailliert an das Einführungskapitel des Romans angelehnt.
Mit guter Akribi werden Figuren entworfen, charakterlich durch das Geschehen geführt und bis zum Schluss im Zusammenspiel stringent erhalten. Statt eines roten Fadens finde ich mehrere davon. Die Szenen wechseln zum Teil abrupt von festlich zu still, dann wieder zu lärmend bis kriegerisch.
Sehr plastisch werden Figuren und Schauplätze gezeichnet, Handwerke und Völker beschrieben. Bekannte Wesen (Elben, Oger, Zwerge, Menschen, Drachen) werden hier grundsätzlich aufgegriffen, doch mit einem anderen Charakter als dem bisher bekannten ausgestattet. Die eben beschriebene Abwechslung schafft für mich eine sehr vielschichtige, doch überschaubare Romanstruktur.
Rückblenden finden nur sparsam statt, wörtliche Rede beschreibt nicht nur Pläne und Entscheidungen, sondern gehört zur Zeitzeichnung von Mysterien, Handwerken und Charakteren. Aktion und Reaktion der Handelnden und Redenden sind manchmal scheinbar willkürlich gewählt, entpuppen sich zum Schluss des Romans jedoch als beabsichtigt.
Schade fand ich, dass sinnliche Szenen keinen erinnerungsträchtigen Platz im Buch einnehmen.
Besonders hilfreich empfand ich eine Landkarte vor den Kapiteln, die Landschaft und Länder zeigt. Später brauchte ich ernsthaft diese Hilfe, weil im Buch auch viel gereist wird.
Sprache/Duktus
Die Sprache ist mittelalterlich gewählt, jeder Charakter erkennbar gezeichnet. Die Charakterzeichnung bestimmt die Wortwahl des Sprechenden.
Manko einiger Kapitel: Zu viel wörtliche Rede, zu lange Ansagen, zu wenig Bewegung zwischen den Sprecherwechseln. Auch schwierig zu verarbeiten sind einige kolossale Satzlängen. Der Duktus schwankt zwischen kindlich-naiv, ehrwürdig-geheimnisvoll und theatralisch-kriegerisch.
Begeistert bin ich von einigen Wesen, die trotz Charakterzeichnung geheimnisvoll bleiben. Schade, dass es bis zum Buchende bei der Andeutung bleibt!
Besonders »lecker« finde ich dies: Jeder Kampf- oder Schreckszene folgen Szenen im Kapitel oder der Beginn eines Folgekapitels voller Schlemmereien, Spiele, Musik und Tanz, Liebe und Humor.
Zusammenfassung
Ich hatte eine schlichtere Handlung erwartet, die Abenteuer einer Hauptperson, Begegnungen mit Fantasy- und Gefahrenelementen und das typische Happy End. Entweder kennt der Autor das Märchenprinzip nicht, oder er hat es bewusst gebrochen.
Dies alles – wie eben beschrieben – ist im Buch, aber vollkommen anders und außerdem vieles mehr, als ich es von meinem bisherigen Fantasy-»Verschleiß« kannte. Der Szeneaufbau bleibt dennoch übersichtlich, so dass man sich drei Kapitel später auch gut an Begegnungen von vorher erinnert.
Zuweilen forderten Geschehnisse mich emotional, andere amüsierten mich auf leichte Weise.
Fazit
Absolut lesenswert. Wer bereit ist, sich auf Überraschungen einzulassen und eine »farbige« Sprache sucht, kommt hier satt auf seine Kosten.
Silke Burmester: Beruhigt euch!
„Danke, Silke Burmester!“ – Laut und um Tonnen herzerleichtert möchte ich ihr das zurufen. Sie hat ja so recht, die Kriegsreporterin von der taz, die mit diesem dünnen Pamphlet ein dickes Fragezeichen in das allgegenwärtige Sicherheitsdenken, in unser aller zentimeterdicke Speckschicht aus Besorgnis und Zweifel bohrt. Ein lustiges, erstaunliches, geistreich-freches Büchlein ist es, das da mit dem Titel „Beruhigt euch“ bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist und das als verlegerischer Abgucker ins Horn der Ullstein-Reihe bläst, an deren Anfang der französische Schriftsteller und Ex-Résistance-Kämpfers Stéphane Hessel sein „Empört euch!“ in die Gesellschaft schleuderte.
In Silke Burmesters Buch geht es zweiunddreißig Seiten lang um Banales. Genau gesagt: Es geht um Eigentlich-Banales, „Keime, Viren, Bankencrash“. Das medial jedoch derart hochgekocht, eingefärbt und hingebogen wird, dass es das Überleben jedes Einzelnen jeden Tag aufs Spiel setzt: „Nichts ist abstrakt oder fern genug, als dass es sich nicht eignen würde, um das Gefühl zu schüren: Das Unheil ist ganz nah. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Dann ist es da. Dann packt es dich. Dann ist alles aus.“
Es macht Spaß, Silke Burmesters Gedanken und Beschreibungen zu folgen und festzustellen: Die Frau hat recht. So, wie sie es beschreibt, so ist es. Nur nehmen wir es gemeinhin nicht so wahr, weil wir den medial oder politisch vorgekauten Schnellfraß, den wir vorgesetzt bekommen, ohne weiteres Nachdenken herunterschlucken.
So bricht etwa ein Vulkan aus, und sofort bricht gefühlt die Welt zusammen: BILD betreibt „Aschemonster“-Berichterstattung, die ARD ändert ihr Programm und sendet endlose Brennpunkte. Dabei wäre die Lösung, wie mit der Naturgewalt Vulkan umzugehen ist, mit dem Burmesterschen Pragmatismus doch so einfach: „Man muss hinnehmen, dass er ab und zu aktiv ist. Hinnehmen heißt abwarten.“ Stimmt. Wär gut. Kann aber keiner mehr. Und bei aktiver Panikmache oder Endlos-Grübeln hat man einfach das gute Gefühl, etwas getan zu haben.
Oder die Hochzeit. DIE Hochzeit. Als das britische Thronfolgerpaar William und Kate im April 2011 vor den Altar trat, waren die Menschen 1000 Kilometer weiter östlich im Kollektivrausch. Aber nicht nur dort, in Deutschland. Silke Burmester hält fest: „Andere Sender hatten gleichfalls Menschen nach London geschickt, die, nachdem sie die eine oder andere Schraube gelockert hatten, in die Mikrofone kreischten, was sich in den Windungen ihres Hirns Bahn brach, auf dass bitte alle begreifen: Eine Eheschließung ist so unglaublich, da wird der Ausfall des Hirns zum Teil der kollektiven Happenings.“
Sie analysiert messerscharf, die letztjährige „Journalistin des Jahres im Bereich Kultur“, und sie analysiert witzig. Schließlich ist sie im laufenden Jahr auch „Journalistin des Jahres im Bereich Unterhaltung“, gekürt kurz vor Erscheinen ihres Beruhigungs-Büchleins. Mitglied der Grimme-Preis-Jury ist sie auch noch – was ihr eine gewisse inhaltliche Sattelfestigkeit verleiht. Stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob man sich ihren Analysen anschließen oder ob man nicht doch lieber auf die so beruhigend beunruhigende Berichterstattung vertrauen möchte.
Für mich ist ersteres die bessere Lösung; Nachrichten hören – aber sich nicht hineinziehen lassen „in den Sog, den die Journalisten vor der Etablierung der neuen Medien täglich, seither mitunter im Minutentakt verstärken: neue Zahlen, neue Fakten, neue unglaubliche Ereignisse“. Und dann irgendwann ausmachen, „sich entspannt zurücklehnen und in aller Ruhe eine schöne Tasse Tee genießen. Und zwar wirklich genießen. Denn, wer weiß, vielleicht ist es die letzte.“
Und selbst wenn es meine letzte Tasse Tee sein sollte – ich werde eines tun. Ein dankbares Prost in Richtung taz-Kriegsreporterin schicken. Danke, Silke Burmester!
FAZIT:
Unser Alltagsleben – einmal aus einer anderen Perspektive erzählt. Aus der, die in den klassischen Medien und in der von ihnen geprägten öffentlichen Wahrnehmung meist untergeht: humorvoll, aber mit Anspruch, dazu ohne erigierten Zeigefinger oder sonstige übliche Drohgebärden - und daher wahrscheinlich umso treffender. Genau das macht das Buch so wertvoll.
Deshalb: Kaufen. Lesen. Beruhigen. Und Beherzigen, statt der Glotze oder des Rechners doch öfter mal wieder das eigene Hirn einzuschalten.
Menura: Prächtiger Vogel Leierschwanz – von Ambrose H. G. Pratt
Es kommt nicht oft vor, dass es ein Buch vermag einen Sog zu erzeugen, noch bevor der Leser auch nur eine einzige Zeile seines Inhalts gelesen hat. Doch manchmal gibt es diese seltenen Kostbarkeiten, an denen vorüberzugehen unmöglich und die nicht zu lieben sehr schwer ist.
MENURA – Prächtiger Vogel Leierschwanz ist ein solches Buch und in seiner Seltsamkeit ein Wunder.
Der Leierschwanz, ein Fabel(-haftes) Tier
Ambrose Pratt nimmt uns in diesem schmalen Band mit in die Welt des prächtigen Leierschwanzes, einem Vogel der in seinen Fähigkeiten einem Fabeltier gleicht, den es aber tatsächlich gibt.
Er lebt in einem schmalen Streifen Australiens und stirbt an jedem anderen Ort der Welt, insbesondere in Gefangenschaft. Viele Ornithologen stellten ihm erfolglos nach, denn er ist scheu und verfügt über eine seltene Gabe: er kann alles was er hört perfekt imitieren.
Niemand kann sagen was ihn motiviert das Brummen einer Motorsäge, den Signalton einer Alarmanlage oder auch nur den Gesang anderer Vogelarten nachzuahmen. Er kombiniert all dies jedoch zu eigenwilligen Melodien und tanzt dazu seine eigenen Choreographien.
Das Pratt dies berichten kann ist allein einem Zufall geschuldet. Ein Leierschwanz Männchen schloss in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts aus unbekannten Gründen eine Farmerwitwe, Mrs. Edith Wilkinson, in sein Herz und besuchte sie fast täglich.
Mrs. Wilkinson taufte ihn auf den Namen James und die Schilderung der Beziehung dieses ungleichen Paares ist von derart anrührender Art, dass es unmöglich scheint, davon nicht berührt zu werden. Die beiden kamen sich so nahe, wie wohl kein anderes Exemplar dieses Vogels jemals einem anderen Menschen. Ihre Beziehung, so eng sie auch war, blieb jedoch stets eine, die auf Respekt und Unabhängigkeit gründete.
So gab der Leierschwanz herbeigeeilten Forschern einerseits zwar er eine Kostprobe seines Singens und Tanzens und als ihn Mrs. Wilkinson darum bat auch noch eine weitere Zugabe, als sie ihn jedoch mit seinen Lieblingskörner zu zähmen suchte, tobte er und blieb tagelang verschwunden.
Für dieses Buch, das zwischen poetischer Prosa und Sachbuch changiert muss man kein Ornithologe sein, ja sich nicht einmal besonders für Vögel interessieren und doch schlägt einen diese Geschichte in seinen Bann.
Pratts etwas altmodische, behutsam übersetzte, Sprache, aus der in jeder Zeile Verehrung für den Vogel (und gleichsam Mrs. Wilkinson) mitschwingt, schafft nicht mehr und nicht weniger als eine gänzlich unkitschige Darstellung von Freundschaft und der Kostbarkeit der Wunder der Natur.
Ein Buch das es eigentlich nicht geben dürfte
Einen nicht unerheblichen Reiz dieses Buches macht seine Edition aus. Allein Einband, Druck und Papierauswahl verraten eine Liebe zum Detail, das der Massenware Buch heute leider vielfach abhanden gekommen ist.
Hilfreich und entzückend ist zudem die beigelegte CD, mit der man den Gesang des Leierschwanzes ins Haus und Herz holen kann. Erschienen ist es in der „Friedenauer Presse“, einem dieser kleinen Verlage in denen (vermutlich) mit größerer Hingabe zu Büchern, als ökonomischem Sachverstand gearbeitet wird, so dass jede Veröffentlichung an sich schon an ein Wunder grenzt.
In diesem Fall kommen jedoch noch einige Seltsamkeiten hinzu: Dem Verlag war es beispielsweise nicht möglich die Rechte an Pratts Text zu erwerben, weil deren Inhaber unbekannt ist.
Das dieser 1933 geschriebene Text überhaupt wieder auftauchte, ist Elias Canetti zu verdanken. Dieser bemerkte einmal nebenbei, das er damit eine enge Freundin über den Tod eines Freundes hinwegtrösten und ihr sogar das Lachen wieder schenken konnte.
Und schließlich ist die Vita des Autors herrlich verworren und ambivalent. Vom Rechtsanwalt über das Schreiben von Räuberpistolen hin zum Generalkonsul und Kämpfer für die Rechte der Schwarzen nahm Ambrose Pratts Leben einige überraschende Wendungen.
Das nun schließlich sein Bekenntnis zum Leierschwanz die Zeit überdauert ist dabei nicht die schlechteste Pointe.
Fazit
Dieses Buch ist im wahrsten Sinne für jene, die einen Vogel haben: die sich wie Geier auf seltene bibliophile Objekte stürzen müssen, deren Meise darin besteht zwischen zwei Buchdeckeln ganze Welten entdecken und erträumen zu können, die wie Aschenputtels Tauben in der Flut der Buchveröffentlichungen „die Guten ins Köpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen“ verbringen und die gleich dem prächtigen Vogel Leierschwanz fremde Worte und Klänge zu einem eigenen Tanz zu verdichten in der Lage sind. <<Empfehlenswert>>
Heizstrahler EWT-462-Strato
Gewöhnlich wird man über einen Alltagsgebrauchsgegenstand wie einen Heizstrahler nur wenige Worte verlieren, doch manchmal schafft es so ein kleines Gerät nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben und den eigenen Erfahrungsschatz massiv zu bereichern.
Der EWT-462-Strato Heizstrahler ist ein solches Wunderwerk der Technik und seine Geschichte ist die eines doppelten Missverständnisses – doch dazu später mehr.
Große Versprechen – große Erwartungen
Die Kaufentscheidung für ein solch wärmespendendes Gerät hängt meist von drei Faktoren ab: Qualität, Funktionalität und Preis.
Der EWT-462-Strato punktet mit einem Preis im mittleren Segment. Er verfügt über 2 Heiz- und 3 Schaltstufen und seine tropfwassergeschützten Heizstäbe wandeln 600 oder 1200 Watt in Wärme um.
Dank seiner stufenlosen Schwenkbarkeit bei Wandmontage kann zudem der ideale Abstrahlwinkel der erzeugten Hitze gefunden werden. Auch in punkto Qualität macht er zunächst einen guten Eindruck, denn auf Plastik wurde weitgehend verzichtet.
Statt dessen ziert den Heizstrahler ein etwas klobiges, jedoch Ehrfurcht gebietendes metallisches Außengehäuse. Kurz; dieses Gerät muss sich nur noch im Praxistest bewähren, um uneingeschränkt ins Herz geschlossen werden zu können.
Er strahlt – in viele Lebensbereiche
Und hier kommen die erwähnten Missverständnisse ins Spiel. Die Herstellerfirma EWT scheint anzunehmen, dass in Deutschland, mit seiner unvergleichlichen Baumarktdichte, ein überragendes Bedürfnis der Kunden nach Do-It-Yourself Projekten besteht.
Die Konsumenten weigern sich jedoch hartnäckig anzunehmen, dass ein nagelneues Gerät nicht einfach eingeschaltet und gebraucht werden kann. Fatal ist dies, wenn sich, wie hier, die beiden Erwartungen kreuzen.
Eine große Überraschung erlebt der Käufer nämlich, wenn er den Karton des Heizstrahlers öffnet und feststellt, dass dieser weder über Kabel, noch Stecker verfügt, und somit seine Stromversorgung in den Bereich der Theorie fällt.
Ein Blick in die Bedienungsanleitung bestätigt dies – jedoch erst nach dem Suchen einer Lupe oder dem Gang zum Augenarzt.
So gelingt es dem EWT-Heizstrahler gleichsam nebenbei einen Beitrag zur Augengesundheit zu leisten, denn häufig sind Männer Vorsorgeuntersuchungsmuffel und lassen sich erst durch eine Bedienungsanleitung in Schriftgröße 5 zur Überprüfung ihrer Sehkraft motivieren.
Nun hat der geneigte Konsument zwei Möglichkeiten seinen sicher schon liebgewonnenen Heizstrahler doch noch mit Leben zu erfüllen.
Entweder engagiert er einen Elektriker – was der Hersteller zwingend empfiehlt, oder er wird selbst zum Bändiger der elektrischen Ströme.
Entscheidet er sich für Variante eins, unterstützt er die heimische Wirtschaft, sichert Arbeitsplätze, erweitert seine sozialen und verbalen Kompetenzen beim Fachsimpeln mit dem Elektriker und trägt so insgesamt zum sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft bei – ein weiterer positiver Nebeneffekt seines Heizstrahlerkaufes.
Wählt er Variante zwei, wird sein praktisches Wissen vergrößert und sein Selbstbewusstsein nach getaner Bastelarbeit sicher enorm gesteigert. Im Falle eines fehlerhaften Ergebnisses seiner Bemühungen ist zudem nicht ausgeschlossen, dass er Bekanntschaft mit dem Personal des örtlichen Krankenhauses oder den Kameraden der Feuerwehr machen kann.
Doch egal wofür man sich entscheidet, der EWT-Heizstrahler birgt noch weitere Finessen. Beginnt man nämlich mit der Wandmontage, so kann man endlich einmal wirklich jedes verfügbare Werkzeug einsetzen.
Keine Schraube ist wie die andere, selbst Schraubenschlüssel werden gebraucht und die mitgelieferten Dübel laden zu Heiterkeitsausbrüchen ein.
Ist es schließlich doch vollbracht, so staunt man über das exakte Einhalten des Herstellerversprechens einer stufenlosen Schwenkbarkeit des Strahlers. Ja er schwenkt, ganz langsam und stufenlos von oben nach unten.
In der gewünschten, ja erträumten Position angehalten und fixiert kann er zwar konstruktionsbedingt nicht werden, aber dies widerspräche wohl auch der Stufenlosigkeit.
Wärme – die nicht nur von Herzen kommt
Kommt dann der erste Moment der Inbetriebnahme, muss man tadelloses Funktionieren bescheinigen, der Strahler wärmt.
Jedenfalls bis zum ca. fünfzigsten Schaltvorgang, dann reißt die Schaltschnur, was aber für den versierten Hobbyhandwerker lediglich freudiger Anlass zu einem neuen Reparaturprojekt ist.
Dabei kann er sich z.B. Gedanken machen, ob er nicht liebevoller und sachter mit ihm Anvertrautem umgehen sollte – was sicher mancher (Paar-)Beziehung wohltäte.
Und sicher bemerkt er auch, dass die Bezeichnung „Made in PRC“ nicht für „Profi-Reconstruction-Chemnitz“, sondern Peoples-Republic-of-China steht, was einen hochwertigeren Eindruck hinterlässt als das vielgeschmähte Made-in-China.
Fazit
Der EWT-462-Strato glänzt mit vielen unerwarteten Features. Jedem, der seinen handwerklichen Horizont erweitern möchte, dem sonst keine Beschäftigungen einfallen, mit denen er seinen Tag füllen könnte und allen, die gern einen den Kaufpreis um ein vielfaches übersteigenden Betrag für Zusatzkomponenten investieren möchten, sei er wärmstens empfohlen.
Alle anderen Konsumenten, die sich nicht jede Frechheit der Industrie gefallen lassen möchten, seien ausdrücklich vor diesem Gerät gewarnt.
Vom Winde verweht von Margaret Mitchell
Inhalt
Georgia, 1861: Auf der Baumwollplantage Tara wächst Scarlett O’Hara zu einer begehrten Südstaatenschönheit heran. Schon mit sechzehn Jahren weiß die temperamentvolle und eigenwillige Scarlett nur zu gut, wie sie Männer um den Finger wickelt. Ernsthaft interessiert ist sie aber nur an einem – an Ashley Wilkes von der Nachbarplantage Twelve Oakes. Sie hofft ihn zu heiraten und ist entsetzt, als er sich mit seiner scheuen und in Scarletts Augen furchtbar langweiligen Cousine Melanie Hamilton verlobt. Am gleichen Tag lernt Scarlett auch den charmanten Abenteurer Rhett Butler kennen, der von ihren Charakter angetan und amüsiert zugleich ist.
Kurz darauf bricht über die Frage nach der Sklaverei der Bürgerkrieg aus, auch Ashley zieht an die Front. Die Südstaatler sind überzeugt, dass sie den Krieg gegen die Yankees schnell gewinnen werden. Um Ashley eifersüchtig zu machen, heiratet Scarlett spontan Charles Hamilton, Melanies schüchternen Bruder. Charles stirbt schon bald und hinterlässt Scarlett einen Sohn. Melanie lädt die angeblich trauernde Witwe nach Atlanta ein und Scarlett sagt zu – hofft sie doch darauf, dadurch bald Ashley wieder zu sehen.
Der Krieg entwickelt sich aber anders als gedacht. Immer deutlicher wird es, dass die Südstaaten verlieren werden – und dass die Herrlichkeit der reichen Baumwollplantagen für immer zu Ende sein wird. Ashley überlebt den Krieg, aber er widersteht Scarletts Avancen. Diese wiederum trifft Rhett Butler wieder, der sie umwirbt. Scarlett heiratet aber aus Geldgier einen anderen und hofft immer noch auf eine Zukunft mit Ashley …
Denn schließlich ist morgen auch noch ein Tag
Hollywood wäre ohne die wunderbare Verfilmung mit Clark Gable und Vivien Leigh um einiges ärmer – das gilt aber auch für jedes Bücherregal, in dem “Vom Winde verweht” fehlt. Das monumentale Werk, an dem die viel zu früh verstorbene Autorin Margaret Mitchell zehn Jahre lang arbeitete, hat zurecht den Pulitzerpreis gewonnen und zählt zu den großen Romanen der amerikanischen Literatur. Es ist ein Epos über den Krieg in all seinen grausamen Details, es ist ein Werk über die Liebe, es ist ein Buch über eine ganze Epoche, die einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte markierte.
Mittelpunkt der Handlung ist das Leben von Scarlett O’Hara, die nicht gerade dem typischen Bild einer Romanheldin entspricht: Eitel, überheblich, berechnend und launisch sind nur einige ihrer Charakterzüge. Dass die dennoch das Herz des Lesers gewinnt, liegt daran, dass er Scarlett sofort als verwöhntes, unreifes Mädchen erkennt, das durchaus das Potential hat, über die Jahre zu reifen. Scarletts Verhalten ist teilweise schon fast satirisch überzogen und daher eher amüsant als ärgerlich.
Rhett Butler ist für sie der ideale Gegenspieler: Charmant und wortgewandt, ein Abenteuer und Draufgänger, keiner der typischen Südstaaten-Gentleman, wie Scarlett vorwurfsvoll feststellt, was für ihn jedoch nur ein Kompliment ist. So sehr Rhett auch Scarlett liebt und ihre Schönheit bewundert, im Gegenzug zu anderen Männern durchschaut er ihre Tricks und liebt sie gerade für das, was sie zu verbergen versucht – für ihre Wildheit, ihre Kompromisslosigkeit, ihre Unangepasstheit, die sie von den feinen Damen der Gesellschaft unterscheidet. Die zahlreichen wunderbaren Wortgefechte zwischen den beiden sorgen dafür, dass der Roman trotz der Liebesthematik niemals zu einer Schnulze verkommt.
Andere unvergessliche Charaktere sind der sensible poetische Ashley, der Scarletts unbändige Lebenslust zwar bewundert, sich aber in Melanie verstanden fühlt, die engelgleiche Melanie, die in jedem das Gute zu sehen versucht und somit ausgerechnet in Scarlett eine Schwester und Freundin sieht, die energische Mammy, die für Scarlett immer mehr eine zweite Mutter als eine Sklavin war und die Bordellbesitzerin Belle Watling mit dem guten Herz hinter der verruchten Fassade.
“Vom Winde verweht” funktioniert auch prächtig als Historienroman, der über die Hintergründe des Sezessionskrieges aufklärt. Margaret Mitchell spart nicht an grausamen Details bei den Schilderungen der Schlachtfelder und der Lazarette. Der Leser hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, das Blut zu riechen und die Schreie der Verwundeten zu hören. Der Roman ist ein eindrucksvolles Plädoyer gegen den Krieg und zeigt sehr schön, wie sich die anfängliche Euphorie der jungen, naiven Männer nach und nach in Schrecken und Verzweiflung wandelt. Der Bruderkrieg, bei dem Amerikaner gegen Amerikaner kämpfen, hinterlässt in jeder Familie Lücken und verändert das Land für immer.
Fazit:
Ein epischer Roman über die Zeit des Sezessionskrieges mit faszinierenden Charakteren und einer unvergesslichen Liebesgeschichte.
|
Zufällige Rezension
Rezensionen
Suche
Bewertungen
Autorenwertungen
Besucherwertungen
Sonstiges
Verwandte Seiten


|