Robert Merle – Der Tod ist mein Beruf

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Der Tod ist mein Beruf

Curt Noch (Übersetzer). Aufbau Taschenbuch 2000, Taschenbuch, 293 Seiten, € 12,99

Rezension von: Christopher | Rezensionsdatum:

Die Präambel zu Jonathan Littells – Die Wohlgesinnten
Inspiriert von den Tagebuchaufzeichnungen von , dem Lagerkommandanten von Auschwitz vollendete Merle ein einmaliges Zeugnis. Er schildert die Verbrechen des Holocausts aus Sicht der Täter und dazu in einer Nüchternheit und Abgeklärtheit, die der Littells in nichts nachsteht. Doch im Vergleich zu Littell stellt er dem Leser nicht die Frage: was hätten sie getan, sonder er beschränkt sich auf die pure Darstellung. Dies erzeugt eine stete kalte Leseatmosphäre, die dem Leser schwer aufs Gemüt drückt. Somit ist Merles Werk weniger skurril und anklagend als Littells, andererseits erschlagender in seiner Nüchternheit.

Zwischen Fiktion und Wahrheit
Das Buch ist in zwei Abschnitte unterteilt. Der erste behandelt Höß (im Buch Rudolf Lang genannt) Kindheit bis zur Adolenszenz. Dabei stützt sich Merle nicht auf biografisches Material sonder er schafft eine fiktive Geschichte, die sich jedoch hervorragend in die spätere auf Tagebuchaufzeichnung basierenden Erläuterungen stützt. Höß’ Kindheit wird als eine autoritätshörige und von Zwängen unterlegene familiäre Gesellschaft dargestellt, die vorrangig durch den tyrannischen Vater erzeugt wird. Der Vater seinerseits zwanghaft, fromm und herrschsüchtig dominiert das Leben des einzigen Sohnes und bestimmt es zukunftsweisend. Der junge Höß seinerseits ist nicht in der Lage ein eigenes Denken und Handeln zu entwickeln. Erzählungen die seinen Handlungsmustern und Empfindungen zuwider laufen verunsichern den jungen Höß zutiefst und führen ihn in ein Dilemma. Doch seine psychische – man möchte schon sagen Vergewaltigung durch den Vater – befreit ihn von diesen Problemen. Höß wurde also zu einem hörigen nicht rational Denkenden Menschen herangezogen, der nur auf deutsche Tugenden ausgerichtet wurde.

Der getreue Deutsche
Dieses Verantwortungsbewusstsein kanalisiert er im zweiten Teil auf Deutschland und entwickelte es im deutschen Heer des ersten Weltkrieges weiter. Aufgrund seiner Hörigkeit brillierte er schnell und die Kaltblütigkeit gegenüber seinen Feinden stellten Höß als enormen Gewinn für seine Vorgesetzten dar. Dieser Charakterzug sollte sich als äußerst hervorragend erweisen in der Zeit des Nationalsozialismus, der seine kalte Ader, sein Organisationstalent, seine Hörigkeit und sein Fanatismus für Deutschland für die Bewegung förderte. Die Nüchternheit mit welcher Höß den Millionenmord plante erregt beim Leser Ekel und Verwunderung zugleich. Die Verwunderung stellt sich aufgrund der nicht vorhandenen Hinterfragung der ihm erteilten Befehle ein, denn die expliziten Todesbefehle hätten jedem nur halbwegs empfindsamen Menschen in ein seelisches Chaos gestürzt. Nicht so Höß, der nur seine Pflichtbesessenheit vor Augen hat.

Fazit
Eine Bewertung des Buches fällt dem Autor enorm schwer. Auf der einen Seite wiegt die Nüchternheit und die pure Darstellung schwer und wirkt enorm authentisch, doch der fiktive Anfang mildert das Urteil, obwohl es Höß’ Verhalten in vielerlei Hinsicht erklärbar und erschreckender Weise nachvollziehbar macht. Das scheint auch der Grund zu sein, weswegen aus dem Buch zugleich Ekel als auch Unverständnis entspringt.

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