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Autorenwertung
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2666

Christian Hansen (Übersetzer). Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG 2009, Gebundene Ausgabe, 1096 Seiten, € 7,03

Rezension von: Wolfi | Rezensionsdatum:

Ein Buch über Deutschland:
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Seit Jahren werden im nordmexikanischen Santa Teresa an der Grenze zu den USA Frauen vergewaltigt und abgeschlachtet. Diese ununterbrochene und unaufgeklärte Serie ist der Angelpunkt von fünf ineinander verflochtenen Handlungen, die fünf verschieden lange Teile des Buches bilden.

Ein Deutscher in Mexiko

Im ersten „Teil der Kritiker“ befreunden sich in Europa vier Literaturwissenschaftler, die das Werk des deutschen Romanschreibers Benno von Archimboldi erforschen: ein Spanier, ein Franzose, eine Engländerin und ein Italiener, der im Rollstuhls sitzt. Drei von ihnen reisen nach Mexiko, wo sich der ewig unsichtbare Autor befinden soll. Dort treffen sie im zweiten Teil auf einen Kollegen in der Literaturwissenschaft: Amalfitano, der nach der Trennung von seiner Frau aus Spanien auswanderte, nun an der Universität von Santa Teresa lehrt und um das Leben seiner erwachsen werdenden Tochter fürchtet.

Mexiko grenzt an die Vereinigte Staaten

Im dritten Teil reist Oscar Fate, der Reporter einer New Yorker Schwarzenzeitung, nach Santa Teresa, um über einen Boxkampf zu schreiben. Er stößt auf die Mordserie, jedoch interessiert das seine Zeitung nicht. Er selbst war offensichtlich schon irgendjemandem zu neugierig geworden, kann sich aber noch rechtzeitig über die Grenze flüchten. Der vierte Teil spielt hauptsächlich in Santa Teresa selbst – diese fiktive Stadt soll Ciudad Juárez nachempfunden sein. Die Mordserie dort wird Fall für Fall in polizeiberichthafter Trockenheit erzählt. Weiterhin geht es um Drogenbosse, Filz, Prostitution, erfolglose Ermittlungen und einen Deutschen, der als Hauptverdächtiger jahrelang im Gefängnis sitzt, ohne dass man ihn verurteilen würde. Im letzten „Teil von Archimboldi“ lernen wir die Geschichte des legendär-phantomhaften Autors kennen, der im Krieg in Russland und Rumänien war, danach durch die Welt streift und seine Manuskripte beim Verleger Bubis in Hamburg abliefert, wodurch er über die Jahrzehnte langsam bekannt und beachtet wird. Das Werk klingt harmlos mit Pückler-Eis aus.

Lateinamerika und Deutschland

Bolaño erschafft in einer meist schmucklosen und trockenen Sprache eine Welt von ungeheurer epischer Breite, die Lateinamerika besser und greifbarer darstellt als jeder Reiseführer. Da ist das Verhältnis zum Gringo-Nachbarn im Norden, der bewundert und gehasst ist. Da sind die Billiglohnfabriken in der Stadt, die treibende Kraft der Wirtschaft, welche für null Arbeitslosigkeit sorgen, aber gleichzeitig Anziehungspunkt für tausende Arme aus dem Süden sind. Da ist der unbeschreibliche Schlendrian in der Polizei, die Verquickung aller Mächtigen von alteingesessen über neureich bis zu den Drogenhändlern. Da ist die Korruption, stärker als jede öffentliche Hand, die hoch in die Politik und tief hinter die dicksten Gefängnismauern reicht. Dazu kommt das für den Lateinamerikaner faszinierende, weit entfernte, aber durch verschiedene Bezüge bekannte Deutschland, z. B. durch Auswanderer nach dem Krieg oder als Land der Dichter und Denker. Zur Weltliteratur adelt sich das Werk auch durch viele eingestreute Geschichten nicht nur aus dem Leben der handelnden Personen. So entsteht ein ausuferndes Geflecht wie in einem Pynchon-Roman.

Fazit

Bolaños letztes Buch

Dass es das endgültige letzte Werk von Bolaño ist, liegt daran, dass jener kurz vor der Veröffentlichung, kaum fünfzigjährig, an schwerer Krankheit starb. Einigen Ecken des Werks merkt man an leichten sprachlichen Stilbrüchen an, dass die letzte Überarbeitung noch fehlte. Außerdem gruppierte Bolaño das Werk kurz vorm Erscheinen in die erwähnten fünf Teile um, wie er im Vorwort erwähnt.

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