Romy – Die unveröffentlichten Bilder aus „Inferno“

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Romy - Die unveröffentlichten Bilder aus Inferno

Henri G Clouzot (Fotograf). Schirmer Mosel 2010, Gebundene Ausgabe, 160 Seiten, € 9,80

Rezension von: rakoushan | Rezensionsdatum:

Romy – Die unveröffentlichten Bilder aus „Inferno“ von

Inhalt
Die Dreharbeiten des Films „Inferno/L’Enfer“ schienen unter einem schlechten Stern zu stehen, denn nicht nur der Hauptdarsteller verfiel währenddessen in schwere Depressionen, sondern sogar der Regisseur Henri-Georges Clouzot („Lohn der Angst“ mit Yves Montand, Charles Vanel und Peter van Eyck; „Die Teuflischen“ mit Simone Signoret, Paul Meurisse und Vera Clouzot) selbst wurde vor Fertigstellung des Films von einem Herzinfarkt heimgesucht. Das war 1964 und für lange Zeit verschwanden die Filmrollen – gleichsam ein sagenumwobenes Dokument eines großen Scheiterns – in den Archiven, bis Serge Bromberg die Frau des Verstorbenen im Jahre 2005 aufsuchte und sicherlich nicht als erster die Herausgabe der Filmrollen erbat. Doch Ines Clouzot war auch nach 41 Jahren noch nicht wirklich bereit, die Rollen herauszugeben, bis Serge Bromberg der König Zufall in die Hände spielte. Ines Clouzot und Bromberg blieben nämlich gemeinsam im Fahrstuhl stecken und nach einem zweistündigen Aufenthalt in demselben, bekam er endlich sein „Oui“! Die Bilder des unfertigen Films seien noch phantastischer gewesen, als die Legende, die ihnen vorausgeeilt war, schreibt Bromberg als ersten Eindruck.

Romy Schneider mit 25 in allen Facetten
Die damals erst 25-jährige Schauspielerin wird in vorliegender Publikation facettenreich porträtiert: die „hypnotische“, die „dämonische“ und die „strahlende“ Romy heißen drei der vier Kapitel des vorliegenden Fotobandes, ein weiteres Kapitel ist den Dreharbeiten des Films gewidmet. Die Handlung des Films ist eigentlich ein Eifersuchtsdrama: Die „Hölle“ (Inferno/L’Enfer) entsteht im Kopf eines eifersüchtigen Ehemanns, Serge Reggiani, und Romy Schneider spielt dabei die blutjunge Ehefrau. Henri- Georges Clouzot wollte mit seinem Film die Quintessenz aller seiner bisherigen Filme noch sublimieren, doch fraß ihn die Aufgabe schier auf. Nachts schlief er nie und weckte Mitarbeiter seines Teams abrupt auf, um mit ihnen Einzelheiten des Films zu besprechen.

Serge Reggiani wurde in der Realität nicht von seiner Ehefrau, sondern von seinem Regisseur in den Wahnsinn getrieben, denn bald litt er unter Depressionen und musste die Dreharbeiten aus psychischen Gründen sogar abbrechen. Henri-Georges Clouzot wollte sich ein Denkmal setzen, doch sein schwaches Herz beendete die Verwirklichung seiner großen Vorsätze vorzeitig. Einige der von Romy gezeigten Fotos basieren auf dem von Louis Dufay gegründeten Farbphotographieverfahren „Heliophore“, das ähnliche Effekte erzeugen sollte, wie das irisierende Leuchten von Schmetterlingsflügeln je nach Position des Lichts. Ebenso wie die Standfotos wurde auch der Film mit mathematischer Präzision geplant und auch aufgezeichnet. Die Effekte des Cineheliophore-Verfahrens wurden vor allem für die Wahnvorstellungen des eifersüchtigen Ehemannes verwendet, um die deformierte Wahrnehmung der Welt auch visuell darstellbar zu machen und dem Zuschauer den Perspektivenwechsel zu vermitteln.

Fazit
„Er hat sich in eine für den französischen Film völlig unbekannte Welt von Experimenten begeben, das war das Geheimnis“, schreibt Clouzots Regiekollege Costa-Gavras. Henri-Georges Clouzot bekam von Columbia sogar ein unbegrenztes Budget, um seine eigenen (Wahn-)Vorstellungen zu verwirklichen. An manchen Tagen wurden nur ihre Augen oder ihre Lippen gefilmt, erzählt Romy Schneider von den Dreharbeiten. Keiner der Protagonisten – weder Schauspielerin, Schauspieler noch Regisseur – sollten die Veröffentlichung des Films mehr erleben und nur der Zufall, der Serge Bromberg im Fahrstuhl zu Hilfe kam, sorgte für das Publikwerden dieses außergewöhnlichen Films aus einer seltsamen Zeit, in der das Experimentieren noch auf der Tagesordnung stand.

Ausgezeichnet wurde der Bildband von der Münchner tz mit der „Rose der Woche für hervorragende Leistungen auf dem kulturellen Gebiet“, der vorliegende Bildband ist also eine Publikation, wie man sie aus dem Hause gewohnt ist. Der Film „L’Enfer d`Henri-Georges Clouzot“ von Serge Bromberg wurde im Frühjahr von der „Academie des Arts et Techniques du Cinema“ in Paris mit dem Cesar ausgezeichnet und wird in Kürze auch in Deutschland auf DVD erscheinen.

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