Sabine Ludwigs

Rezension von: Rezension.org | Rezensionsdatum:

Zum heutigen Interview begrüßen wir die Autorin auf Rezension.org

Warum wollten Sie Autor werden?
Das war kein festes Vorhaben! Zwar habe ich bereits als Kind gerne Geschichten erzählt – die Veranlagung war also schon immer da. Aber erst als eine Bekannte mich ermunterte, an einem Schreibwettbewerb für eine Krimi-Anthologie teilzunehmen und mein Kurzkrimi prompt zu den ausgewählten Geschichten gehörte, wurde mir klar, dass Schreiben das ist, was ich wirklich tun möchte. Also bin ich dabei geblieben.

Wie sind Sie dazu gekommen?
Während meiner Schulzeit habe ich sporadisch Tagebuch geführt, mit Eintritt ins Berufs- und Familienleben schlief das jedoch ein. Viel später, 2004, begann ich dann aus Erzähllust – anfangs nicht eben regelmäßig doch sehr erfolgreich – Kurzgeschichten zu verfassen. Vier, fünf Jahre darauf habe ich mit dem ersten Roman angefangen. Heute sitze ich täglich mehre Stunden an meinen Büchern.

War es ein schwerer oder einfacher Weg?
Zumindest ein anstrengender Weg, der Disziplin und Beharrlichkeit erfordert.

Wie sieht Ihre Familie Ihre Lust am Schreiben?
Sie freuen sich natürlich über gutes Gelingen! Aber, und das ist viel wichtiger, sie akzeptieren auch klaglos die Schattenseiten, die das Schreiben mit sich bringt: Mein Missfallen, wenn ich während meiner Schreibzeit unterbrochen werde. Die Tage und Abende, die ich auswärtig verbringe, weil ich auf Lesungen oder verreist bin. Termine, die an unser Privatleben angepasst werden müssen. Schriftverkehr, lange Telefonate oder persönliche Gespräche mit Kollegen, Verlegern, Lektoren und Illustratoren. Die Pflege meiner Homepage, gelegentliche Chauffeurdienste. Da braucht es eine Menge an Toleranz, Verständnis und Unterstützung – all dies bekomme ich!

Welches Genre interessiert Sie am meisten?
Spannungsliteratur und gefühlvolle Romane.

Was war Ihre interessanteste Erfahrung als Autor?
Meine allererste Lesung. Weil ich dabei zum ersten Mal unmittelbar die Reaktionen der Leserschaft vor mir sah.

Worum geht es in Ihrem neuesten Buch?
Der Sommer mit dem Erdbeermädchen – das klingt leicht und unbeschwert nach Sonne, blauem Himmel und glücklichen Stunden. Doch der idyllische Titel trügt. Denn es geschieht Schlimmes: Ein Junge verschwindet. Mitten unter uns. Spurlos. Keiner sieht etwas. Niemand kann einen Hinweis geben. Und Jans vierzehnjährige Zwillingsschwester Lina droht am Verschwinden ihres Bruders zu zerbrechen. Sie spricht nicht mehr, misstraut Erwachsenen, zieht sich vollkommen in sich selbst zurück.

Hier kommt Nick ins Spiel, der Held der Geschichte. Ein ganz normaler Teenager, der sich während der Ferien um Lina kümmert und versucht, das traumatisierte Mädchen wieder einigermaßen ins Gleichgewicht zu bringen – was Kernthema des Buches ist.

Denn Lina ist ein Sekundäropfer, also ein Mensch, der dem eigentlichen Opfer eines Verbrechens nahesteht, geschockt ist, leidet. Immer wieder schaut der Leser daher in kurzen Sequenzen auch in ihren Kopf. In ihren nächtlichen Gedanken gibt Lina Stück für Stück preis, was passiert ist.

Auf diese Weise werden die Geschehnisse aus zwei Perspektiven geschildert. Einerseits durch Linas Gefühle und Rückblicke. Andererseits durch Nicks Ahnungen und Bemühungen, ihr Vertrauen zu erringen und das Schweigen zu brechen.

Schnell spürt er, dass Lina etwas Grauenvolles widerfahren ist, das sie zu verbergen versucht. Etwas, das noch furchtbarer ist als das bloße Verschwinden des Bruders. Nick findet heraus, was es mit Linas düsterem Geheimnis auf sich hat – und danach ist auch in seinem Leben nichts mehr so, wie es einmal war.

Wie waren die ersten Bewertungen durch Freunde und Bekannte?
Für das „Erdbeermädchen“ erhielt ich bisher durchweg anerkennende Resonanzen, auch auf Lesungen und durch die Presse. Die Geschichte wurde als einfühlsam, eindringlich und tiefgründig empfunden. „Ein Roman, der den Leser packt und mitleiden lässt“ – schrieb zum Beispiel die Ruhr Nachrichten. Ich freue mich sehr darüber!

Warum sollte man das Buch unbedingt lesen?
Damit man nicht verdrängt, dass solche Dinge Tag für Tag tatsächlich geschehen und wir uns einmischen können.

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an diesem Buch?
Dass die positiv emotionalen Stimmungen nicht hinter dem traumatischen, kriminellen Sachverhalt zurückstehen.

Was motiviert Sie?
Was mich bewegt.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Ich nehme meine Ideen von nirgendwoher. Die Einfälle kommen von selbst, erwachsen aus Alltagssituationen. Das war von Anfang an so und ich hoffe, es wird dabei bleiben.

Wie geht es weiter?
Ende Oktober 2012 erscheint mein Roman „Meine Seele weiß von dir“, in dem eine Frau ihr Gedächtnis verliert. Einzige unklare Erinnerung ist eine Stimme, die droht, sie umzubringen. Sina-Mareen, so der Name der Frau, versucht zu ergründen, was passierte und wer sie selbst eigentlich ist. Nach und nach findet sie Dinge über eine Fremde – sich selbst – heraus und entdeckt, dass sie diese Frau nicht mag … Sie betrachtet den Verlust ihrer Identität jedoch nicht als Katastrophe, sondern als zweite Chance. Es ist ein spannender Roman in die Vergangenheit einer Frau, die sich neu erfindet und um ihre große Liebe kämpft.

Der nächste Frauenroman ist abgeschlossen und für das Frühjahr 2013 angesetzt, das sechste Buch steckt in der Vorbereitungsphase. – Vorher allerdings, zur Weihnachtszeit, erscheint der erste Band meiner Kinderbuchserie, in der sich alles um sechs Kinder dreht, die mit ihren Familien in der alten „Villa Vogelhaus“ leben: „Advent, Advent im Vogelhaus“ heißt das Buch für Erstleser, ein bisschen Lindgren 2012.

Unerhalten Sie eine eigene Homepage.
Ja, besuchen Sie mich auf www.sabine-ludwigs.de

Was ist das größte Kompliment, das man Ihnen für Ihre Arbeit machen kann?
Ich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen!

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Ein Kommentar to “Sabine Ludwigs”

  1. Linda schreibt:

    Der Schein trügt mehr als einmal in diesem Buch, das mich gefangen genommen hat, obwohl ich die 14 Jahre längst hinter mir gelassen habe. Auch die einfühlsamen und bildhaften Schilderungen haben mir sehr gefallen. – Ich habe übrigens die E-Pub-Ausgabe gelesen.

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