Schachnovelle

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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

: Schachnovelle

Spiel des Lebens

Auch wenn man nur Jude aus Zufall (O-Ton) gewesen ist und zudem der vielleicht talentierteste Schriftsteller seiner Generation, hatte man dadurch keinen Freifahrtschein im Nationalsozialismus. Ganz im Gegenteil: Als überzeugter Pazifist wurden auch die Werke des Österreichers Stefan Zweigs auf den Haufen der zu verbrennenden Bücher geworfen und sein Autor in die psychologische Isolation ins Exil getrieben. Genau aus diesem Grund nahm er sich dort, im Exil in Brasilien, mitsamt seiner Lebensgefährtin 1942 das Leben.

Und genau aus diesem Grund ist auch einer der Protagonisten seiner wohl bekanntesten Novelle, der Schachnovelle, psychologisch labil, geradezu manisch getrieben: zum Schachspiel, zum Gewinnen und zum Gegenangriff auf das vermeintlich bösartige, kalte und mechanische Regime. Stefan Zweigs persönliche Erlebnisse im Rahmen des zweiten Weltkrieges spielen in diesem Werk eine bedeutende Rolle, ebenso seine Erfahrungen mit der Freudschen Psychologie.

Dr. B, der in der Isolationshaft die Feinheiten des Schachspiels erwarb und sein Gegenspieler Mirko Czentovic, das Schachwunderkind, der arrogant und habgierig dargestellt wird, symbolisieren die beiden Pole jenes Zeitalters – als Konfrontation auf einem Dampfer von New York in Richtung Buenos Aires. Wie Dr. B, der im Verlauf der Geschichte – nachdem er die Niederlagen gegen das kaltblütige Genie sich nicht eingestehen mag – ein verrücktes Spiel mit und gegen sich selbst aufführt, ist es wohl jedem schon mal ergangen. Der innere Dialog und das intime Wettstreiten mit sich und seinen persönlichen Idealen, an denen man zugrunde gehen kann. Es nimmt nicht Wunder, dass die Schachnovelle posthum erschien. Zweig hatte sie nämlich als letztes seiner großen Werke kurz vor seinem Suizid zu Ende geschrieben. Vielleicht sogar mit einem deutlichen Fingerzeig auf sein persönliches Schicksal.

Das Buch ist wie viele andere Werke Zweigs ein absoluter Klassiker der Weltliteratur, das zunächst vor allen Dingen international mit Lorbeeren überhäuft worden ist. Wie bei vielen ähnlichen Schicksalen dauerte es in Deutschland geraume Zeit ehe der braune Sumpf und dessen Folgen so weit versickert waren, bis man auch hier wieder verstand, was das eigentlich für ein Schatz war und ist. Die Filmpremiere mit Curd Jürgens und Mario Adorf sowie die 1974 erstmals aufgelegte Taschenbuchausgabe trugen ihren Teil dazu bei.

Wie groß das Können Zweigs gewesen ist, zeigt nicht nur sein literarisches Oeuvre, sondern auch seine gekonnten Übersetzungen zahlreicher Klassiker (u.a. Verlaine, Baudelaire), seine Freundschaften mit Gorki und Rilke oder seine für damalige Zeiten vielfältigen Erdkundschaften fremder Kulturen (u.a. Indien, Russland, Nord- und Südamerika)

Das Buch selbst, nun neu aufgelegt im -Verlag, ist nicht einmal 100 Seiten stark und dessen Buchstaben sind auch noch recht groß geschrieben. Was brauch ich Masse, wenn ich Klasse habe.

Fazit:

Der Schreibstil Stefan Zweigs ist vielleicht der brillanteste und gekonnteste, den man – zumindest im 20. Jahrhundert – in deutscher finden konnte. So fesselnd, so stilsicher und so pointiert gelingt jeder Satz, jede Interpunktion und jede Wortwahl. Da mögen die Manns und Hesses und wie sie alle heißen noch so viel inhaltliche Grandezza aufweisen, das handwerkliche Können Stefan Zweigs bleibt unerreicht und jedem, der sich für die Kunst der deutschen interessiert allerwärmstens ans Herz gelegt – speziell in diesem Drama, in dem es viel weniger um das Schachspiel als um die Irrungen menschlicher Vernunft geht.

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