Schnee im April

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Schnee im April

Aly Cha. Kein & Aber 2011, Gebundene Ausgabe, 432 Seiten, € 0,99

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Schnee im April

In ihrem Debutroman holt die Japanerin Aly Cha weit aus, um anhand von fünf Generationen japanischer Frauen ein Panorama der Tradition und Lebensart in Japan zu erstellen und zu zeigen, wie Not und Leid gewissermaßen „vererbt“ werden können.

Inhalt

Nachdem sie 20 Jahre nicht zu Hause gewesen ist – sie hatte gute Gründe dafür – erscheint Miho plötzlich wieder bei ihrer Mutter, der alten Asako, und übergibt ihr ihre 6jährige Tochter Yuki.

Sie verspricht, das Kind in einigen Monaten wieder abzuholen und verschwindet. Mit Yuki zieht noch einmal das Glück in das Leben der Großmutter ein, sie liebt die Kleine mit ganzem Herzen. Sie meldet Yuki  in der Vorschule an, auch um ihr den Verlust der Mutter überwinden zu helfen. Asako arbeitet als Tofuherstellerin, einer der wenigen, wir schreiben das Jahr 1969, die noch rein handwerklich arbeitet.

Anhand einer kleinen Episode, Asako trifft auf ihrer frühmorgendlichen Auslieferungsrunde den Mochi(gefüllte Reismehlklösschen)-Händler, zeigt Aly Cha die höfliche Förmlichkeit des alten Japans, das Festhalten an alten  Tradition und überkommener Lebensweise.

Ein Zeitsprung zurück ins 19. Jahrhundert lässt die Geschichte anderer Frauen entstehen, erst nach einiger Zeit erfährt der Leser, dass hier Asakos Geschichte und die ihrer Mutter aufgerollt wird. Michiko wächst als Tochter einer Fischerfamilie auf einer kleinen abgelegenen Insel auf. Über alles von ihrem Vater geliebt, verbringt sie eine unbeschwerte Jugend.

Einzig die Eifersucht ihrer Mutter trübt das Bild. Nach dem Tod des Vaters verkauft die Mutter ihre kaum erwachsene Tochter an eine Pensionswirtin in Kioto. Statt als Adoptivkind angenommen zu werden, wie die Vermittlerin der Mutter erzählt hatte, muss Michiko jetzt als Dienstbotin ihrLeben fristen, überarbeitet, schlecht ernährt und eingesperrt im Haus.

Erst als der junge Adlige Kenzaburo Gast in der Pension wird, scheint sich ihr Schicksal zu ändern. Kenzaburo kauft Michiko mit seinem Ersparten frei und flüchtet mit ihr auch vor den Ansprüchen und der Ablehnung seines auf  Traditionen wie absolutem Gehorsam wert legenden Vaters nach Osaka.

Hier wird der junge Mann, der nie zuvor irgend etwas per Hand tun musste,  Hafenarbeiter, erringt die Achtung seiner Kollegen und lebt mit seiner jungen Frau und der gemeinsamen Tochter Asako ein glückliches und genügsames Leben, das aber jäh mit Kenzaburos Ermordung endet.

Wie Michiko überlebt, Asako aufwächst und eine folgenreiche Fehlentscheidung fällt, was das mit Miho und Yuki zu tun hat, warum Miho flüchtet undwie Asakos Leben endet wird spannend und kenntnisreich geschildert und soll hier nicht verraten werden.

Fazit

Schnee im April ist ein breit angelegter Familienroman, der uns ein Japan an der Schwelle zur Moderne zeigt, abseits aller Klischees. Traditionen, die Höflichkeit und zartfühlende Mitmenschlichkeit fördern oder erbarmungslos Normen durchsetzen, Lebensläufe einfacher Menschen, die – als wäre es ihr Karma – immer wieder ins Unglück führen, die Armut und Not aushalten müssen und immer fliehen, ohne dass die Flucht wirklich ihr Leben zum Besseren wendet.

Geradlinig erzählt, ein Stück weit melancholisch, bringt uns Aly Cha japanisches Denken und die japanische Seele nahe.

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