Schuld

Autorenwertung
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  • Gesamt
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Schuld

Ferdinand von Schirach. Piper 2010, Gebundene Ausgabe, 208 Seiten, € 0,50

Rezension von: Joe | Rezensionsdatum:

von

Inhalt
Mit seinem 2009 erschienenen Erzählband „Verbrechen“ hat der Rechtsanwalt Ferdinand von Schirach ein beachtliches und von den Medien gefeiertes Debut vorgelegt. Nun folgt die Fortsetzung „Schuld“, in der ebenfalls von verschiedenen Verbrechen und vor allem von den Schicksalen und Menschen und deren Beweggründe erzählt wird.

Fazit
Unter den 16 Stories sind ausnahmslos alle erwähnenswert, jedoch möchte ich hier beispielhaft nur zwei kurz anreißen.

Wahn und Folter im Internat
Ein schüchterner Junge wird im Alter von 12 von seinen Eltern im Internat abgeliefert, wo er aber das bleibt, was er schon sein ganzes Leben über war: ein Mitläufer. Als ihn eines Tages ein Kamerad beim Klauen von Geld aus den Taschen seiner Mitschüler erwischt,  gelangt er in eine verhängnisvolle Abhängigkeitssituation. Dies führt dazu, dass 3 Kameraden ihn zunehmend ausnutzen und schließlich beginnen, ihn systematisch zu schikanieren. Die Drei sind schon länger Anhänger von Verschwörungstheorien und glauben an die Existenz der Illuminaten, ein Geheimbund, in dessen Namen sie sich berufen fühlen. Eines Abends an einem Wochenende kommt es schließlich zu einem gräßlichen Höhepunkt…

Verurteilung wegen sexuellem Missbrauchs
Ein Mann lebt glücklich mit seiner Frau zusammen. Beide sind überaus angesehene Mitglieder der kleinstädtischen Gesellschaft. Bis eines Tages zwei Mädchen auftauchen und behaupten, der Mann habe sich an ihnen vergangen. Der Richter verurteilt ihn zu einer mehrjährigen Haftstrafe, die Frau lässt sich von ihm scheiden. Jahre später trifft der Mann das Mädchen zufällig wieder, und es ergibt sich eine überraschende Wende.

Es wäre reichlich unfair, zu viel vom Inhalt dieses Buches wiederzugeben, denn einige Geschichten halten teilweise verblüffende Pointen und Aufklösungen bereit. Schirach gelingt es, mit einem teilweise minimalistischen Sprachstil eine solche Spannung aufzubauen, dass man das Buch nur ungern aus der Hand nimmt. Das liegt vor allem daran, dass er die vorkommenden Menschen und ihre Eigenheiten in aller Kürze, aber sehr präzise erfasst. Der Anwalt Schirach ist ein bemerkenswerter Beobachter, und das macht sich deutlich bemerkbar in seinen Ausführungen. Sein Erzählband „Schuld“ ist authentisch und realistisch, denn man merkt, dass er seine jahrenlange Erfahrung in Strafprozessen und in Mandaten in die Waagschale wirft. Dadurch lernt man auch einiges über juristische Dilemmata, wie sie beispielsweise in der ersten Geschichte geschildert werden. Auch wenn man hier die Täter kennt und Ihnen eine harte Bestrafung wünscht, weil sie sie verdient hätten, kommt es zu keiner Verurteilung (warum und wieso lesen Sie am besten selbst, ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen).

Die Kurzweiligkeit der Erzählungen in diesem Band ist verblüffend. Das einzig Negative: Man ist irgendwann fertig und muss das Buch doch aus der Hand legen.

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