Silke Burmester: Beruhigt euch!

Autorenwertung
  • Satire
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  • Authentizität
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  • Anspruch
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  • Realismus
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  • Unterhaltung
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  • Gesamt
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Rezension von: Katrin Achinger | Rezensionsdatum:

: Beruhigt euch!

„Danke, Silke Burmester!“ – Laut und um Tonnen herzerleichtert möchte ich ihr das zurufen. Sie hat ja so recht, die Kriegsreporterin von der taz, die mit diesem dünnen Pamphlet ein dickes Fragezeichen in das allgegenwärtige Sicherheitsdenken, in unser aller zentimeterdicke Speckschicht aus Besorgnis und Zweifel bohrt. Ein lustiges, erstaunliches, geistreich-freches Büchlein ist es, das da mit dem Titel „Beruhigt euch“ bei erschienen ist und das als verlegerischer Abgucker ins Horn der Ullstein-Reihe bläst, an deren Anfang der französische Schriftsteller und Ex-Résistance-Kämpfers   sein „Empört euch!“ in die Gesellschaft schleuderte.

In Silke Burmesters Buch geht es zweiunddreißig Seiten lang um Banales. Genau gesagt: Es geht um Eigentlich-Banales, „Keime, Viren, Bankencrash“. Das medial jedoch derart hochgekocht, eingefärbt und hingebogen wird, dass es das Überleben jedes Einzelnen jeden Tag aufs Spiel setzt: „Nichts ist abstrakt oder fern genug, als dass es sich nicht eignen würde, um das Gefühl zu schüren: Das Unheil ist ganz nah. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Dann ist es da. Dann packt es dich. Dann ist alles aus.“

Es macht Spaß, Silke Burmesters Gedanken und Beschreibungen zu folgen und festzustellen: Die Frau hat recht. So, wie sie es beschreibt, so ist es. Nur nehmen wir es gemeinhin nicht so wahr, weil wir den medial oder politisch vorgekauten Schnellfraß, den wir vorgesetzt bekommen, ohne weiteres Nachdenken herunterschlucken.

So bricht etwa ein Vulkan aus, und sofort bricht gefühlt die Welt zusammen: BILD betreibt „Aschemonster“-Berichterstattung, die ARD ändert ihr Programm und sendet endlose Brennpunkte. Dabei wäre die Lösung, wie mit der Naturgewalt Vulkan umzugehen ist, mit dem Burmesterschen Pragmatismus doch so einfach: „Man muss hinnehmen, dass er ab und zu aktiv ist. Hinnehmen heißt abwarten.“ Stimmt. Wär gut. Kann aber keiner mehr. Und bei aktiver Panikmache oder Endlos-Grübeln hat man einfach das gute Gefühl, etwas getan zu haben.

Oder die Hochzeit. DIE Hochzeit. Als das britische Thronfolgerpaar William und Kate im April 2011 vor den Altar trat, waren die Menschen 1000 Kilometer weiter östlich im Kollektivrausch. Aber nicht nur dort, in Deutschland. Silke Burmester hält fest: „Andere Sender hatten gleichfalls Menschen nach London geschickt, die, nachdem sie die eine oder andere Schraube gelockert hatten, in die Mikrofone kreischten, was sich in den Windungen ihres Hirns Bahn brach, auf dass bitte alle begreifen: Eine Eheschließung ist so unglaublich, da wird der Ausfall des Hirns zum Teil der kollektiven Happenings.“

Sie analysiert messerscharf, die letztjährige „ im Bereich Kultur“, und sie analysiert witzig. Schließlich ist sie im laufenden Jahr auch „ im Bereich Unterhaltung“, gekürt kurz vor Erscheinen ihres Beruhigungs-Büchleins. Mitglied der Grimme-Preis-Jury ist sie auch noch – was ihr eine gewisse inhaltliche Sattelfestigkeit verleiht. Stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob man sich ihren Analysen anschließen oder ob man nicht doch lieber auf die so beruhigend beunruhigende Berichterstattung vertrauen möchte.

Für mich ist ersteres die bessere Lösung; Nachrichten hören – aber sich nicht hineinziehen lassen „in den Sog, den die Journalisten vor der Etablierung der neuen täglich, seither mitunter im Minutentakt verstärken: neue Zahlen, neue Fakten, neue unglaubliche Ereignisse“. Und dann irgendwann ausmachen, „sich entspannt zurücklehnen und in aller Ruhe eine schöne Tasse Tee genießen. Und zwar wirklich genießen. Denn, wer weiß, vielleicht ist es die letzte.“

Und selbst wenn es meine letzte Tasse Tee sein sollte – ich werde eines tun. Ein dankbares Prost in Richtung taz-Kriegsreporterin schicken. Danke, Silke Burmester!

FAZIT:

Unser Alltagsleben – einmal aus einer anderen Perspektive erzählt. Aus der, die in den klassischen Medien und in der von ihnen geprägten öffentlichen Wahrnehmung meist untergeht: humorvoll, aber mit Anspruch, dazu ohne erigierten Zeigefinger oder sonstige übliche Drohgebärden – und daher wahrscheinlich umso treffender. Genau das macht das Buch so wertvoll.

Deshalb: Kaufen. Lesen. Beruhigen. Und Beherzigen, statt der Glotze oder des Rechners doch öfter mal wieder das eigene Hirn einzuschalten.

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