Springfield

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Springfield

Silke Kleemann (Übersetzer). Suhrkamp Verlag 2010, Taschenbuch, 254 Seiten, € 4,50

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Springfield von Sergio Olguin

Inhalt
Die drei Freunde aus Olguins Fußballroman „Die Traummannschaft“ sind zurück: Ariel, Pablo und Ezequiel aus Buenos Aires, inzwischen 15 geworden. Ariels geschäftstüchtiger Onkel Roberto will sich die Englischkenntnisse der drei zu Nutze machen, sie sollen die Fangesänge ihrer fußballverrückten Nation ins Englische übertragen. Die Ergebnisse sind jedoch alles andere als befriedigend. Um das zu ändern und weil es ja ohne gute Englischkenntnisse sowieso nicht geht, wird Ariel samt seinen zwei Freunden zum Schüleraustausch in die USA verschickt. Dummerweise landen sie in Springfield, Illinois. Für die drei ist klar: Das ist das Springfield der „Simpsons“ und ihr Gastvater, das ist Flanders – genauso moralisch, strikt christlich und eingebildet.

Eine lehrreiche Zeit an der Highschool war geplant, aber die drei Argentinier lernen das hässliche Amerika kennen, für die drei aber ganz folgerichtig, denn was kann man schon von einem Land erwarten, dass Fußball für eine Sportart für Frauen und andere Memmen hält. Hier wird Baseball gespielt, Cheerleaderinnen sind beliebt und Ausländern, besonders wenn sie nicht weiß sind, traut man alles zu, nur nichts Gutes. So steht für die meisten in der Schule auch sofort fest, wer den Chemielehrer umgebracht hat. Die Mörder hatten sich passenderweise als Crusty der Clown verkleidet. Die Geschichte nimmt jetzt Fahrt auf: Es geht um eine verschwundene Festplatte, um die Rechte der indianischen Bevölkerung, um die legendäre Route 66 und um die geheime Rezeptur von Coca Cola.

Auf der Route 66 machen sich die drei Argentinier auf den Weg ins Indianerreservat „Windows Rock“ und stolpern dabei von einer aberwitzigen Begebenheit in die nächste, verfolgt von der Polizei, die hier keineswegs als Freund und Helfer auftritt. Ariel beschreibt alles, was ihnen zustößt, lässig und cool, als wäre all dies normal. Gefühle behält er für sich, wahrscheinlich könnte man diese aus den Fotografien entschlüsseln, denn Ariel fotografiert unentwegt. Seine Nikon ist immer dabei. Nach nur zwei Monaten müssen die drei Freunde das Land vorzeitig verlassen, ein Polizist achtet darauf, dass sie dies auch wirklich tun. Aber Ariel, Pablo und Ezequiel wollen gar nicht bleiben in diesem korrupten, unfreundlichen und rassistischen Land, das eben doch viel Ähnlichkeit mit der Heimat der Simpsons hat, sie freuen sich auf das gute heimische Essen und auf Fußball natürlich.

Fazit
„Springfield“ ist eine Mischung aus Roadmovie und Satire. Die Geschichte ist geradlinig und flott geschrieben, ein Ereignis jagt das nächste. Dabei kommt die Darstellung der Charaktere leider zu kurz. Über Hintergründe und Emotionen erfährt man kaum etwas, alles bleibt recht eindimensional und flach. Die Skurrilität der Ereignisse steht im Vordergrund, der Witz, der auch darin liegt, dass die Argentinier alles für möglich halten in Amerika, korrupte Polizisten, rassistische Feinseligkeiten, kleinkriminelle Betrügereien – nichts wird hinterfragt, alles als normal akzeptiert. Dazu kommt noch ein bisschen Liebe, aber auch hier wird man als Leser nicht wirklich warm mit der schönen Schwarzen Edwige oder der tapferen Indianerin Lou. „Springfield“ gelingt es nicht, an den Charme der Traummannschaft anzuknüpfen, die Geschichte um die drei Freunde in Amerika bleibt seltsam kühl. Aber als Lesefutter ist Olguín immer gut und einiges ist wirklich witzig, auch die Idee, bei den Nachbarn der „Simpsons“ leben zu müssen.

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