Rezensionen mit ‘Heyne’
Georg Schramm „Lassen sie es mich so sagen: Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit”
Georg Schramm gehört zu dem Allerbesten was deutsches Kabarett im 21 Jahrhundert zu bieten hat. Er ist ein aufgeklärter Kritiker, ein bösartiger Spötter und ein gnadenloser Beobachter. Mit „Lassen sie es mich so sagen…“ bringt er eine Sammlung einiger seiner Reden, Polemiken, Wutausbrüchen und historischen Abhandlungen heraus.
Kabarett und Schauspiel treffen sich
Schramm ist ein Meister der Verkleidung. Er schlüpft so mühelos in seine verschiedenen Rollen und spielt diese so ehrlich und authentisch, das es einen, neben aller politischen Bösartigkeit, tief berühren kann. Wenn der alternde Sozialdemokrat zugibt, das es ein Fehler war den Notarzt zu holen als seine Frau einen Schlaganfall hatte, weil sie nun im Heim vegetiert, dann ist das eben nicht nur eine Kritik am deutschen Gesundheitssystem, sondern auch ein liebevolles Portrait der deutschen Seele. All die Wut, all der Frust und all die gebrochenen Versprechungen der Politiker, all das nimmt Schramm und antizipiert es derart gekonnt das sein Potenzial kein rein kabarettistisches bleibt.
Ein Stück Zeitgeschichte
In der Verschmelzung von ehrlichem Zorn und tiefgründiger Auseinandersetzung liegt der Reiz dieser Sammlung. Sie gibt einen Querschnitt durch das Schaffen eines großen Künstlers. Von seinen Anfängen über die Zeit des „Scheibenwischers“ bis hin zu seiner Arbeit in „Neues aus der Anstalt“. Dieses Buch ist damit auch ein Stück Zeitgeschichte des deutschen Kabarett. Schramm ist neben Hildebrandt die letzte und einzige große Instanz dieser leider viel zu wenig beachteten Kunstform. Dabei wird aber auch klar das Schramm immer unbequem sein wollte, und dies auch immer gewesen ist. Er war nie parteiisch und hat auch mit Spott und Hohn nie vor sich selbst oder Seinesgleichen halt gemacht. Er ist ein Meister der Ironie und treibt diese bis an die Spitze ihrer Belastbarkeit, bis an die Schmerzgrenze.
Der letzte Aufklärer
Seine Themen reichen vom deutschen Gesundheitssystem, über die Kluft zwischen Arm und Reich bis hin zur Revolution von 1848. Eine breite Fülle von Gedanken, die karikiert und erbarmungslos aufdeckt. Georg Schramm ist keiner jener „Kabarettisten”, die sich an Angela Merkels Frisur aufhängen, oder über Guido Westerwelles Englisch schwadronieren, das ist Georg Schramm zu trivial. Er braucht etwas Größeres. Den großen Zusammenhang. Seine Aufrufe sind ernst gemeint. Erhebt Euch! Fordert euer Recht! Lasst euch nicht verdummen! Das sind bei Georg Schramm keine leeren Phrasen sondern ehrliche aufklärerische Imperative.
Leider nichts Neues
Der wohl einzige Wermutstropfen des Buches ist, dass wenn man die Auftritte Schramms verfolgt hat und die Programme kennt relativ wenig Neues dabei ist, sondern Vieles was man eben schon kennt. Ist man aber ein Neuling im schramm’schen Universum, oder kennt eben noch nicht alles, dann bietet dieses Buch einen perfekten Einstieg.
Fazit
„Lassen sie es mich so sagen…“ von Georg Schramm ist neben Wilfried Schmicklers aktuellem Programm „Weiter“ das ,was deutsches Kabarett momentan leisten kann. Ein Pflichtkauf für jeden Kabarettfreund und für Leute, die all der Clowns der Privatsendercomedy überdrüssig sind und auch bei Unterhaltung wert auf Intellektualität legen. Unterhalten werden sie mit dem Buch, aber eben auch vor den Kopf gestoßen und zum Nachdenken animiert. Ein vorläufiges Vermächtnis von einem der ganz großen Kabarettisten.
Rico Keller
Russisches Requiem: Roman von William Rya
Inhalt:
Wer das Makabre liebt, kommt beim “Russischen Requiem” voll auf seine Kosten. Wer einen Einblick in die Stalinzeit in Moskau im Jahr 1936 gewinnen will, ebenso. Der Thriller läßt an Grausamkeiten und Korruption nicht viel aus.
Auf dem Altar einer Kirche wird die übelst zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Alexei Koroljow wird mit der Aufklärung des Falles beauftragt. Er ist Hauptmann der Moskauer Kriminalmiliz. Er findet heraus, daß die junge Frau Amerikanerin ist. Aber seine Ermittlungen kommen nicht so recht voran. Er hat Druck von Oben, den Fall möglichst rasch aufzuklären. Er erhält auch eine Unterstützung durch einen jungen Mann, der ihm zugeteilt wird. Eine zweite Leiche wird gefunden. Es deutet alles darauf hin, daß es sich beide Male um den gleichen Täter handelt, da die Foltermerkmale die gleichen sind.
Die Staatssicherheit schaltet sich ein, was die ganze Sache nicht einfacher macht. Koroljow nimmt zu allen möglichen Personen Kontakt auf, tauscht Erkenntnisse gegen Erkenntnisse aus. Er wird am Ende des Buches fast selbst zum Opfer. Nur knapp entgeht er dem Tod.
Bei dem ganzen Fall geht es um die Staatsikone Russlands, die ins Ausland geschafft werden soll. Keiner weiss, wo sie ist und einige gehen bei der Auffindung der Ikone um Leichen, der zwecks Auskünften zuerst noch gefoltert werden. Die Ikone ist sehr wertvoll und selbst in der Stalinzeit ein Relikt, auf das man nicht verzichten will. Ein Vorgesetzter von Koroljow hat sie aufgespürt und will sie für teures Geld verkaufen und sich dann in den Westen absetzen. Der Plan fliegt auf.
Fazit:
Der Thriller, der gelegentlich etwas langatmig ist, gibt Einblick in das Leben der Stalinzeit. Auf der einen Seite die kleinen Leute, die höchst bescheiden leben und viel arbeiten müssen. Auf der anderen Seite die Oberen, die es sich gut gehen lassen, auf Kosten der breiten Masse.
Bei der Lektüre des Buches fragt man sich manchmal, ob der Kommissar auch ein Privatleben hat. In dem Werk beschränkt es sich auf ein Fußballspiel, zu dem ganz Moskau auf den Beinen ist, und das der Autor sehr ausführlich beschreibt. Für einen Nichtfußballfan fast zu ausführlich.
Die Hauptfigur in dem Roman hat so gut wie kein Privatleben. Zuerst muß er sich mit einem Verwandten das Zimmer teilen. Aufgrund von seiner guten Arbeit bekommt er ein eigenes Zimmer zugeteilt, in einer Wohnung, in der noch eine Frau mit ihrer Tochter wohnt. Auch seine Kleidung ist ziemlich bescheiden. In seinem Wintermantel hausen die Motten. Einen neuen kann er sich von seinem schmalen Salär nicht leisten.
Tödliche Flammen von Nora Roberts
Inhalt
Die Autorin Nora Roberts erzählt die Geschichte von Reena Hale von der Kindheit (1985) bis zur jungen Frau (2005). Ein schrecklicher Brand in der elterlichen Pizzeria weckt bei ihr das Interesse an Brandbekämpfung und -ursachenforschung, und so verfolgt der Leser den Werdegang der jungen, intelligenten und schönen Frau. Auf ihrem Lebensweg und in ihrem Umfeld tauchen immer wieder Brände auf, ohne daß Reena diese mit sich selbst in Verbindung bringt. So stirbt ein Collegefreund anscheinend wegen einer brennenden Zigarette im Bett, ein Arbeitskollege hat einen Autounfall und verbrennt im Auto usw. Obwohl sie noch nicht ahnt, wie sehr diese “Unfälle” mit ihr als Person zu tun haben, zieht Reena jedoch eine Konsequenz aus diesen Schicksalsschlägen: sie möchte sich nicht verlieben oder an einen Mann binden und vertieft sich noch mehr in ihre Arbeit und wird eine sehr erfolgreiche Brandermittlerin. Ihre Familie, eine italienisch-stämmige Mutter mit ihrem amerikanischen Ehemann und ihre Geschwister, stehen voll hinter ihr, auch wenn sie wissen, wie gefährlich die Arbeit von Reena ist.
Parallel erfährt der Leser von Bo Goodnight, der sich schon in der frühesten Jugend Reenas in diese verliebt, ohne sie jedoch je sprechen zu können. Er weiß nicht, wie sie heißt, und jedes Mal, wenn er sie wiedersieht, verhindern andere widrige Umstände, daß er sie ansprechen kann.
Schließlich aber zieht Reena durch Zufall in das Nachbarhaus ein, in dem Bo, mittlerweile sehr erfolgreicher Schreiner, wohnt. Nach einem etwas mißglückten Auftakt kommen sich die beiden näher, aber plötzlich wird Reenas Leben von einem Anrufer bedroht, der ihre gesamte Jugend in ein anderes Licht wirft und ihr aktuelles Leben in akute Gefahr bringt.
Bo läßt sich von Reena nicht ausschließen und hilft ihr, den Verbrecher zu finden, wobei beide in größte Gefahr geraten.
Fazit
Nora Roberts, die in ihren Anfängen eher eine reine Liebesromanautorin war, zeigt in diesem neuen Roman (2005 im englischen Original erschienen) wieder einmal, wie gut ihr die Wandlung zu einer Autorin gelungen ist, die Thriller/Krimi und Romantik verbinden kann. Der 588 Seiten starke Wälzer ist ein spannender Pageturner, die Charaktere sind sehr lebensnah und sympathisch dargestellt, so daß man das Buch kaum aus der Hand legen kann, bevor man es ausgelesen hat.
Die Hartnäckigkeit, die die Autorin der Protagonistin Reena bezüglich ihrer Leidenschaft, der Brandbekämpfung, auf den Weg gibt, wirkt absolut glaubwürdig, ebenso wie die familiären Beziehung Reenas amerikanisch-italienischer Familie, so daß der Leser an jeder Stelle des Buches sich absolut in die Menschen hineinversetzen kann. Die Handlung rund um Brandstiftung und ihre wissenschaftlich-technische Ursachenforschung ist sehr interessant und verständlich beschrieben.
Ein absolut lesenswerter, spannender Roman, nicht nur für Nora Roberts Fans!
Sommerzeit von Mari Jungstedt
Inhalt
Die Bewohner der schwedischen Ferieninsel Faro befinden sich in heller Aufruhr: Ein beliebter Mann, der schon seit Jahren regelmäßig auf dem selben Campingplatz auf Faro gemeinsam mit seiner Familie seinen Jahresurlaub verbringt, wird während seiner morgendlichen Joggingrunde kaltblütig am Strand erschossen. Der Mord gleicht einer Hinrichtung, denn das Opfer wurde mit einem Kopfschuss und sieben Schüssen in den Bauch förmlich niedergestreckt. Die Polizei beginnt, Ermittlungen aufzunehmen, und eine erste Spur führt Karin Jacobsson, die den aus anderen Krimis von Mari Jungstedt bekannten Kommissar Knutas vertritt, nach Götland.
Kaum in Götland angekommen, bekommt es die Polizei mit einem weiteren Mord zu tun – und dieser gleicht dem ersten Mord in fast allen Details: Wieder wurde das Opfer durch einen Kopfschuss getötet, dennoch hat der Täter dem Opfer danach noch siebenmal in den Bauch geschossen. Was steckt hinter den mysteriösen Morden? Wer könnte überhaupt ein Motiv für den Mord an zwei als beliebt geltenden Männern gehabt haben? Karin, Kommissar Knutas und ihr Team müssen lange suchen, um endlich eine Verbindung zwischen den beiden Morden zu finden – und schließlich kommen sie einem schaurigen Verbrechen auf die Spur, welches schon lange zurückliegt und nie ganz aufgeklärt wurde…
Ein solider Schweden-Krimi – spannend, passagenweise fesselnd, aber nicht überragend
Mari Jungstedts Schweden-Krimis haben die Autorin weltberühmt gemacht, und die Kriminalromane von Mari Jungstedt landen regelmäßig auf den europäischen Bestsellerlisten. Die manchmal melancholischen und stets sehr authentischen Schweden-Krimis von Jungstedt kommen bei Lesern und Kritikern offenbar gleichermaßen gut an. Das ZDF hat sich somit bereits vor einigen Jahren die TV-Rechte für die Krimireihe um Anders Knutas und seine Kollegen gesichert und innerhalb der letzten Jahre wurden unter anderem die auf den Romanen basierenden Fernsehfilme „Den du nicht siehst“ und „An einem einsamen Ort“ vom ZDF produziert, ausgestrahlt und später auf DVD veröffentlicht, wobei Walter Sittler die Rolle des Kommissars Anders Knutas übernahm – der Untertitel der Reihe lautet übrigens „Der Kommissar und das Meer“.
„Sommerzeit“ ist der fünfte Kriminalroman aus der Reihe um Anders Knutas, und auch diesmal beweist Mari Jungstedt, dass sie ihr Handwerk versteht. Die eigentliche Geschichte um zwei rätselhafte Morde wird spannend erzählt und gelegentliche „Ausflüge“ in das Privatleben der einzelnen Protagonisten lockern das Ganze auf und vermitteln stellenweise einen interessanten Eindruck vom skandinavischen bzw. vom schwedischen Alltag im Allgemeinen. Das ist mitunter recht packend, oftmals „plätschert“ die Geschichte aber leider nur so vor sich hin, und die scheinbar endlosen „Kämpfchen“ zwischen Karin Jacobsson und ihrer Kollegin Ursula wirken auf Dauer dann doch etwas ermüdend, genau wie beispielsweise die sich häufig wiederholenden Beschreibungen der Essgewohnheiten von Karins Kollegen.
Fazit
„Sommerzeit“ ist ein solider Schweden-Krimi, leider ist dies jedoch auch fast das höchste Lob, was man diesem fünften Teil der Anders Knutas-Reihe aussprechen kann – Jungstedt liefert hier eben souveräne „Krimikost“ ab, die jedoch leider eher dem Bereich der „durchschnittlichen Hausmannskost“ als der Kategorie der gehobenen „Kriminalliteratur von Welt“ zuzuordnen ist. Insgesamt „ganz nett“, mehr leider nicht – für Mari Jungstedt-Fans sicher dennoch zweifelsohne lesenswert.
Mit dir an meiner Seite von Nicholas Sparks
Inhalt
Eigentlich ist Ronnie die Hauptperson in dem Roman „Mit dir an meiner Seite“Aber ihr Vater Steve und ihr späterer Freund Will spielen nicht unerhebliche Rollen in dem Roman. Der Autor schildert das Geschehen immer wieder aus dem Blickwinkel dieser Personen und gibt Einblicke in deren Gedanken und Gefühle. Alles in allem eine interessante Struktur.
Um den Schluss vorwegzunehmen: Steve, Ronnies Vater, hat sich scheiden lassen und lebt allein in einem Haus in seiner Heimat. Er erfährt, dass er Krebs hat und zwar in fortgeschrittenem Stadium. Er wendet sich mit der Bitte an seine Ex-Frau, dass Ronnie und Johna, seine beiden Kinder, den Sommer mit ihm verbringen. Es ist sein letzter im Diesseits. Seine Frau Kim kommt seinem Wunsch nach. Ronnie ist überhaupt nicht begeistert von dem Plan. Sie wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen. Kann sich aber nicht durchsetzen.
Als sie bei ihrem Vater ist, redet sie, wie seit der Trennung der Eheleute, keinen Ton mit ihm. Sie ist den ganzen Tag unterwegs und lernt Blaze kennen, die ihr allerdings noch viel Ärger einbringen wird. Blaze schiebt ihr aus Eifersucht Ware unter, und Ronnie hat eine Anzeige wegen Ladendiebstahls am Hals. Erst in diesem Augenblick wendet sie sich wieder ihrem Vater zu. Dieser hat Verständnis. Er kann aber an der Situation nichts ändern. Sie nähern sich einander an. Ronnie lernt Will kennen und lieben. Er stammt aus reichem Hause, womit sie zunächst nicht richtig klar kommt. Ronnie und Will verbringen den Sommer miteinander und sind unzertrennlich.
Als es ans Abschiednehmen geht, erfährt sie vom Schicksal ihres Vaters. Sie beschließt spontan bei ihm zu bleiben. Sie ist inzwischen volljährig und muss sich nicht mehr dem Willen der Eltern beugen. Sie pflegt den Vater bis zu seinem Tode und bedauert zutiefst, dass sie seit der Trennung der Eltern keinen Ton mehr mit ihm gesprochen hat. Am Ende gibt es für Ronnie und Will ein Happy End. Ronnie wird von Wills Eltern akzeptiert und Will studiert nun in New York, wo seine Freundin eigentlich wohnt. Sie will wieder ihr Musikstudium aufnehmen. Beide haben alle Hürden genommen.
Fazit
Ein Roman fürs Herz und weniger für den Verstand. Der Leser ist auf Seiten Ronnies, auch wenn man sie am Anfang nicht immer versteht. Der Roman ist klar verständlich geschrieben. Dadurch, dass immer wieder aus einer anderen Perspektive erzählt wird, kommt keine Langeweile auf. Wenn Sie das Buch in die Hand nehmen, werden Sie es so schnell nicht wieder weglegen, weil es Sie immer wieder interessiert, wie es weiter geht.
Das Haus der tausend Laternen von Victoria Holt
Inhalt
Der Roman spielt in London und Hongkong um 1886. Jane Lindsay ein junges Mädchen, dessen Vater aus gutem Hause stammt, der jedoch aufgrund seiner Heirat mit einer Frau unter seinem Stand mit seiner Familie gebrochen hatte, steht mit ihrer Mutter völlig mittellos da, als der Vater plötzlich stirbt. Die Mutter, eine im Leben stehende, resolute Frau, findet eine gute Anstellung in London als Hauswirtschafterin bei Mr. Milner auf , einem Mann um die 45 Jahre, der seit Jahren Handel mit China treibt und sich große Teile des Jahres in seinem “Haus der 1000 Laternen” in Hongkong aufhält. Er erlaubt der Mutter, dass die Tochter die Ferien in seinem Haus verbringt. Dort gibt es ein geheimes Zimmer, zu dem niemand Zutritt hat. Eines Tages treibt die Neugier jedoch das junge Mädchen in den Raum, in dem sich lauter chinesische Kostbarkeiten befinden. Prompt läuft sie dabei dem Hausherren, der zufällig gerade angekommen ist, über den Weg. Er sagt nichts, aber sie fürchtet, die Mutter verliere nun den Job. Die Jahre vergehen, und keiner kommt mehr auf den Vorfall zu sprechen. Im Gegenteil, Milner bildet sie parallel zu ihrer Schule im Bereich Antiquitäten aus, da sie großes Interesse und Talent zeigt.
Mr. Milner hat noch 2 Brüder (Magnus und Redmond) sowie 2 Neffen (Adam und Joliffe), die jedoch Konkurrenten im Geschäft sind. Dennoch kommt Joliffe häufig auf seinen Besitz in England zu Besuch. So lernt auch Jane Joliffe, einen charmanten lebenslustigen, aber etwas oberflächlichen jungen Mann kennen und verliebt sich in ihn. Sie heiraten nach kurzer Zeit, aber dann stellt sich heraus, dass Joliffe bereits mit einer Studentenliebe verheiratet ist. Obwohl er beteuert, dass er glaubte, seine Frau sei tot, trennt sich Jane (mit dem mittlerweile geborenen Sohn) von ihm und flieht nach Roland´s Croft. Dort muss sie feststellen, dass ihre Mutter todkrank an Schwindsucht erkrankt ist, daher erzählt sie ihr nichts von ihren Sorgen. Die Mutter stirbt glücklich in der Annahme, ihre Tochter gut versorgt zu wissen. Jane nimmt daher ihre Arbeit bei Milner wieder auf, schließlich heiraten sie sogar.
Milner, mittlerweile gesundheitlich angeschlagen, nimmt sie nun auch erstmals mit nach Hongkong in das Haus der 1000 Laternen, das für Jane sofort ein Geheimnis birgt – denn es sind gar nicht 1.000 Laternen. Sie und ihr Sohn lernen das Leben in China nach und nach kennen, und müssen feststellen, dass nicht alle Menschen ihr wohlgesonnen sind. Milner geht es nun schlechter, er wird immer antriebsloser und schließlich stirbt er. Sofort sind 3 Männer – unter ihnen auch Joliffe – dabei, die wohlhabende Witwe zu umgarnen. Plötzlich geht es auch ihr schlechter und sie weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann. Sie muss das Geheimnis lösen, um nicht auch zu sterben…
Fazit
Was zunächst – vor allem wegen der etwas unpräzisen Zusammenfassung auf dem Buchdeckel – wie ein schmalziger Historienroman anmutet, entpuppt sich als ein sehr historisch sehr interessanter geschriebener Krimi, der sich fast von selbst liest. Die Autorin, Eleanor Alice Burford Hibbert, die unter anderem unter dem Pseudonym Victoria Holt Romane geschrieben hat, ist eine der bekanntesten Autorinnen und bereits 1906 geboren. Dennoch mutet ihre Schreibweise äußerst modern an! Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet, die Schilderungen sowohl über das England als auch Hongkong des 19. Jahrhunderts sehr lebendig, so dass man die Orte richtig vor Augen hat und sich gut vorstellen kann.
Leider haben sich beim Buchdruck Fehler eingeschlichen, die vom Lektor hätten bemerkt werden müssen. So ist ein Absatz doppelt (S. 255), Ortsbezeichnungen werden falsch wiedergegeben und Tippfehler nicht korrigiert. Glücklicherweise behält das Buch dennoch seinen Reiz, so dass es gut zu empfehlen ist.
Die Liste von John Grisham
Inhalt
Siebziger Jahre, Clanton, Mississippi, USA. Willie Traynor, der kürzlich seinen Uniabschluss gemacht hat, weiß nicht, was er mit seiner nun grenzenlosen Freiheit machen soll und kauft sich kurzerhand mit Hilfe seiner Großmutter die örtliche Lokalzeitung The Clanton Times. Es ist ruhig in der Provinz und Willie muss nach Schlagzeilen graben, bis eine Schandtat die kleine Stadt erschüttert. Eine junge Mutter wird in ihrem Haus und vor den Augen ihrer Kinder vergewaltigt und umgebracht. Da hat Willie seine Schlagzeile. Schnell ist der Mörder der Frau, ein gewisser Danny Padgitt gefasst und der größte Mordprozess, den Clanton je gesehen hat, beginnt.
Fazit: Erschreckend belanglos
Die Liste ist nicht mein erster Roman von Großmeister John Grisham – das erste Mal habe ich mit Touchdown (OT: Playing For Pizza) Grisham gelesen und war erstaunt, wie wenig bewegend und amüsiert ich über das Buch war. Diesmal dachte ich, dass ein Buch mit einem juristischen Kern mich mehr beeindrucken würde. Leider war das nicht der Fall.
Zugegeben, ich hatte keine Probleme ins Buch zu finden und bis zu Beginn des Mordprozesses hatte ich den Eindruck, dass es ein mittelmäßiges, aber kein schlechtes Buch werden würde. (Aber definitv eines von Grishams weniger guten, nahm ich an.) Gut, die erste Hälfte des Buches beschrieb den Mord an einer jungen Mutter und den Prozess. Okay. Damit kann ich leben, da dieser Teil auch einigermaßen lesbar war. Danach stellt sich im zweiten und dritten Teil ein schier endloses Palaver ein, von dem ich mich ständig gefragt habe, was es mit dem Rest des Buches zu tun haben soll. Der Mörder, Danny Padgitt, saß am Ende von Teil 1 schon im Gefängnis und kommt bis auf die letzten 50 Seiten nicht frei. Wovon handelten also die 250 Seiten zwischen dem Prozess und dem finalen Showdown?
Um ehrlich zu sein… nichts. Heiße Luft. Eine Schießerei, ein paar Todesfälle, ein paar Kirchenbesuche. Sehr unbefriedigend. Ich quälte mich fast durch 480 Seiten uninteressante Berichterstattung. Am Ende saß ich erleichtert (dass es endlich vorbei war) und verärgert darüber (dass ich tatsächlich Hoffnungen über die eine nichteingetretene Besserung der Qualität hatte) da.
Pro: Leider fällt es mir unglaublich schwer, hier etwas festzuhalten, was ich nicht vertreten kann.
Contra: Zu viele Namen, zu viele irrelevante Details. Schlussendlich drosselt das den Lesefluss des ohnehin sehr lausigen Romans. An welcher Stelle sich dieser Roman Thriller schimpft, weiß ich auch nicht so recht.
Den Titel finde ich auch wenige passend. Wenn ich von derselben “Liste” nun rede, wie das vom Lektorat dieses Romans angestrebt war, dann halte ich den Titel für falsch. Diese Liste spielt meiner Meinung nach nur in den letzten 50 Seiten eine kleine Rolle. Auch vom englischen OT, “The Last Juror”, bin ich wenig begeistert. Auch der umschreibt in keiner Weise, in was es in dem Buch geht. Und erneut muss ich fragen: Ja, um was ging es überhaupt?
Alles in allem: Sehr enttäuschend, Mr. Grisham. Sie haben irgendwie den roten Faden vergessen. So schnell werde ich wohl keinen Roman mehr von ihnen anfassen.
Der Gedankenleser von Jürgen Domian
Inhalt
Arne Stahl ist ein Mittvierziger mit einem guten Job in einer Redaktion, einer lieben Frau (Anna), mit der er seit 13 Jahren verheiratet ist und einem schönen Haus. Eines Tages wacht er im Krankenhaus auf. An einem schwülen Sommertag hatte ihn auf offenem Feld ein Blitzschlag erwischt. Er wundert sich, dass der Arzt teilweise ohne Lippenbewegungen spricht. Nach und nach geht ihm auf, dass er die Gedanken anderer Menschen hören kann, wenn er ihnen nah genug ist. Gefühle seiner Mitmenschen „sieht“ er vor seinem inneren Auge – je nach deren erlebtem Gefühl in einer anderen Farbe.
Diese Gabe, über deren Besitz sich wohl schon mancher Leser Gedanken gemacht hat und sie sich gewünscht hat, desillusioniert Arne jedoch jeden Tag mehr: er erfährt, dass seine Frau ihn nie geliebt, ja nicht einmal begehrt hat, dass seine Kollegen ihn nicht schätzen, er muss die – zum Teil sehr abstoßenden – Gedanken wildfremder Menschen mit anhören und zieht dann daraus drastische Konsequenzen: zunächst trennt er sich von seiner Frau und begibt sich dann auf die Suche (im wahrsten Sinne des Wortes) nach dem Sinn des Lebens.
Hintergrund
Der Autor Jürgen Domian, Jahrgang 1957, ist einer der bekanntesten deutschen Radio-Moderatoren und moderiert mittlerweile seit über einem Jahrzehnt eine eigene nächtliche Talksendung beim öffentlich-rechtlichen Sender Einslive. „Der Gedankenleser“ ist ein eher beobachtender, kritisch-zweifelnder Roman, dabei jedoch nicht unbedingt depressiv. Jürgen Domian gelingt es, die Gedanken des Hauptprotagonisten Arne von der ersten Seite an eindrucksvollen und bewegend zu schildern. Viele der Gedanken, die Arne sich macht, haben sich die Leser indes – abhängig natürlich immer ein wenig vom Alter – sicherlich auch schon gemacht.
Fazit
Der Roman ist wirklich lesens- und empfehlenswert! Die Schilderungen des Autors über die Desillusionierung von Liebe und Beziehung, des Lebens allgemein, der Wahrheit und der Aufrichtigkeit von Menschen sind wunderbar geschrieben und geben zu denken. Sicherlich hat jeder Leser die ein oder andere Erfahrung – auch ohne Gedanken lesen zu können – ebenfalls schon gemacht, aber Jürgen Domian bringt es in dichter Form und schöner Sprache sehr gut auf den Punkt.
Etwas enttäuschend ist die Nachlässigkeit (des Autors bzw. des Lektors) bei der Schilderung, wie der Protagonist seine „Gabe“ analysiert. Er schildert auf Seite 45-47, wie er Stimmen hört, wie nahe er jemandem sein muss, um sie zu hören, dass es eigentlich nur eine Stimme ist, egal ob ein Kind, ein Mann oder eine alte Frau redet, welche Farben welche Stimmungen haben usw. Auf Seite 50 hingegen schreibt er, er wäre bisher “keinem Menschen, außer Anna, … nahegekommen, und nur wenige … gesehen”. Es wäre gar kein Problem gewesen, diesen zeitlichen Widerspruch auszumerzen, aber leider ist dies – wie so oft – im heutigen Verlagsbetrieb untergegangen. Schade.
Alles in allem ist es jedoch ein wirklich tolles Buch, das zum Nachdenken anregt, gleichzeitig aber so “locker und leicht” geschrieben ist, dass man es wunderbar lesen kann, ohne das Gefühl zu haben, wie von einem Dostojewski erdrückt zu werden.
Wenn die Liebe nicht endet von Charlotte Link
Inhalt
Der Roman „Wenn die Liebe nicht endet“ spielt während des 30-jährigen Krieges. Der Autorin gelingt es, auf gut 600 Seiten ein überzeugendes Sittenbild dieser grauenvollen Zeit zu zeichnen. Dabei bindet sie eine Menge an Zeitgeschichte mit ein. Sie vermittelt dem Leser anschaulich, wie der Adel, gespalten durch die beiden Konfessionen katholisch und protestantisch, damals lebte, dachte und fühlte. Aber auch die kleinen Leute werden mit ihren Existenznöten nicht ausgeklammert.
Ein blutjunges Mädchen, Margaretha von Ragnitz, wird in einem Frauenkloster auf ihr zukünftiges Leben an der Seite eines Mannes, den die Eltern für sie aussuchen, vorbereitet. Sie stammt aus Bayern und ist katholisch. Eines Tages lernt sie einen jungen Mann kennen, nämlich Richard von Tscharnini. Sie verlieben sich und treffen sich heimlich. Richard überredet sie, mit ihm in das protestantische Böhmen zu fliehen. Er verspricht ihr die Ehe. In Böhmen angekommen, stellt er seine auserwählte Braut den Eltern vor. Diese drohen ihm mit Enterbung, falls er Margaretha ehelicht.
Richard gibt nach. Auf die elterlichen Güter möchte er nicht verzichten. Margaretha ist verzweifelt. Zu ihren Eltern oder in das Kloster kann sie nicht mehr zurück. Sie zählt gerade 15 Jahre. Zunächst bleibt sie auf dem Schloss der Tscharninis. Später wohnt sie bei adligen Freunden. Sie lernt den Krieg von seiner schrecklichsten Seite kennen. Ihr Freund Richard und weitere böhmische Adlige werden von den Katholiken, die Prag eingenommen haben, zum Tode verurteilt und sollen enthauptet werden. Sie bittet einen katholischen Adligen, Maurice von Lavany, für Richard ein Wort beim katholischen Kaiser einzulegen, damit er begnadigt wird. Maurice tut ihr den Gefallen.
Flucht in die Ehe
Sie besucht Maurice öfters und schließlich hält er um ihre Hand an. Margaretha ergreift diese sich bietende Gelegenheit, obwohl sie für den Grafen kaum Gefühle hat. Richard ist inzwischen standesgemäß verheiratet, aber Margaretha liebt ihn immer noch. Da die Ehe zwischen den Lavanys nicht besonders glücklich ist, geht Maurice immer wieder freiwillig in den Krieg. Die junge Frau nutzt die Gelegenheit und verbringt einen Sommer mit Richard. Sie wird seine Geliebte, nachdem Richards Frau an der Pest gestorben ist.
Als Maurice wieder einmal auf seinem Anwesen ist, bittet sie ihn, mit ihr nach Bayern zu ihren Eltern zu reisen. Trotz Kriegswirren machen sie sich auf den langen Weg. Aber Margaretha hat sich bei ihren Eltern verschätzt. Sie haben ihr die Flucht trotz all der Jahre nicht verziehen. Das Paar wohnt einige Zeit bei der Schwester, die sich mit einem Trunkenbold als Mann nur knapp über Wasser halten kann. Maurice will nicht dableiben und zieht sich alleine auf seine Güter zurück. Erst später söhnen sich die beiden aus. Margaretha empfindet für Maurice endlich Gefühle und Liebe. Sie möchte mit ihm bis zum Ende glücklich sein und viele Kinder haben. Aber das ist ihr nicht vergönnt. Maurice stirbt an Herzversagen. Margaretha zieht sich in ihr früheres Kloster zurück. Sie bleibt dort bis zum Ende des Krieges und kehrt erst dann auf ihre böhmischen Güter zurück.
Fazit
Ein Liebesroman im herkömmlichen Sinne ist es nicht, obwohl der Roman so beginnt. Über lange Strecken hat man das Gefühl, dass sich für Margaretha und Richard alles zum Guten wendet. Aber plötzlich macht Margaretha eine Kehrtwende zu Maurice, den sie schätzen und lieben gelernt hat. Ein Happy End gibt es aber auch mit diesem nicht. Der Roman ist leicht verständlich geschrieben und führt uns das Leben und Denken der adligen Schicht und deren Auseinandersetzung um dem richtigen Glauben sehr hautnah vor Augen. Obwohl viel geschichtlicher Hintergrund miteingearbeitet ist, lässt sich der Roman zügig lesen.
Das Versteck von Dean Koontz
Inhalt
Lindsey und Hatch Harrison sind abends auf dem Rückweg von einem Wochenendausflug, die Fahrbahn ist aufgrund der Dunkelheit und des Schneetreibens nur schlecht zu erkennen. Am Big Bear Lake wollten die beiden wieder einmal Zeit für sich gemeinsam haben, da sie in den letzten Jahren um ihren Sohn, der mit 5 Jahren an Krebs gestorben war, getrauert hatten und sich wenig um die Ehe kümmern konnten. Ein Lastwagenfahrer verliert die Kontrolle über seinen Lkw, und die Eheleute können dem die Straße blockierenden Fahrzeug nicht ausweichen und fallen eine Böschung hinunter, der Wagen der beiden versinkt im Wasser und treibt ab.
Obwohl der LKW-Fahrer getrunken hat, ist er doch so geistesgegenwärtig und alarmiert die Feuerwehr. In dem kalten Wasser haben die beiden jedoch so gut wie keine Chance, dennoch gelingt es Lindsey, sich und ihren Mann mit letzter Kraft aus dem Auto zu befreien, aber an Land schaffen sie es nicht. Als die Feuerwehr kommt, findet sie beide fast leblos. Im Krankenwagen stellen die Sanitäter den Tod von Hatch fest, Lindsey ist stark unterkühlt. Plötzlich stellt sie fest, dass sie in einen Hubschrauber umsteigen, ohne zu wissen, warum der Krankenwagen sie nicht ins nahe Krankenhaus fährt. Sie hört dabei den Satz „Aber die lebt ja noch!“
An dieser Stelle vermutet der Leser sich in einem Thriller um Organhandel oder ähnliches. Aber nein, die beiden werden in eine Klinik geflogen, in dem ein Spezialist für Reanimation, Dr. Jonas Nyebern, darauf wartet, zu versuchen, mit den neuesten Techniken Lindseys in der Tat toten Mann wiederzubeleben. Da dieser nur wegen der Kälte gestorben ist und die Kälte dafür sorgt, dass die wesentlichen Lebensfunktionen möglichst lang erhalten bleiben, besteht somit auch bei längerem klinischen Tod die Möglichkeit der Wiederbelebung. Und in der Tat, nach 80 Minuten holt Nyebern ihn zurück ins Leben!
Glücklicherweise behält Hatch auch keinerlei bleibende Schäden zurück. Beide genießen es sehr, eine zweite Chance zu bekommen und sind glücklicher verheiratet denn je – wenn da nicht die Alpträume wären, die Hatch plötzlich plagen. Dennoch hat der Unfall die beiden in ihrer Entscheidung bestärkt, ein Kind zu adoptieren. Da sie ein behindertes Kind nehmen wollen, klappt dies auch recht schnell. Hatch aber wird immer mehr von den Alpträumen geplagt: Er träumt quasi aus der Perspektive eines Mörders – bis sich herausstellt, dass die Personen, von denen er träumt, wirklich tot sind. Seine „Eingebungen“ steigern sich, er bekommt nach und nach auch tagsüber Eingebungen und Visionen, die immer unheimlicher und brutaler werden. Er fühlt die Dinge des Mörders und muss erst wieder „aufwachen“, um er selbst zu sein.
Parallel erfährt der Leser die andere Seite dieser Visionen: ein junger Mann, der sich Vassago nennt, lebt in einem verlassenen Freizeitpark und mordet immer wieder Menschen, die er dann wie Kunstobjekte – mit abartigen Symbolen – in dem Park ausstellt. Er hasst das Leben und möchte gern zurück in die Hölle, aus der er seiner Meinung nach kommt. Aber dies muss er sich „verdienen“ und daher mordet er. Eines Tages stellt er verwundert fest, dass er Visionen hat – von einer jungen Frau, die Lindsey heißt. Er kann damit nicht viel anfangen, findet es aber interessant und meint nach und nach, dass Lindsey ein toller Abschluss seiner Menschensammlung sei und ihm damit der Weg zurück in die Hölle geebnet werden könnte. Also macht er sich auf die Suche…
Fazit
Dean Koontz ist bekannt dafür, unheimliche Romane zu schreiben, und dieser hier gehört sicherlich auch dazu. Die „falsche Fährte“ am Anfang trägt ebenfalls dazu bei, das Buch fast ohne abzusetzen zu Ende zu lesen. Ebenfalls fragt sich der Leser eine ganze Weile, ob Nyebern nicht doch eine dunkle Rolle in der ganzen Geschichte spielt. Und in der Tat ist er ein wichtiges Bindeglied!
Neben der – für Koontz eigentlich selbstverständlichen – Tatsache, dass sich das Buch sehr spannend liest und bis auf die (hoffentlich) fiktive Prämisse, dass es eine direkte Verbindung mit Visionen zwischen zwei Menschen geben kann, finde ich an dem Buch besonders gelungen, dass Koontz alle Handlungsstränge auch „abschließt“. Zwar fragt sich der Leser eine ganze Weile, warum die Figur des LKW-Fahrers so ausführlich geschildert wird, wenn dann keine Fortsetzung folgt, aber Geduld: auch er taucht wieder auf und ist ebenfalls ein wichtiges Element zwischen Hatch und Vassago!
Interessant ist auch Koontz´ Ansatz, die „Hölle“, die von Vassago als so erstrebenswert beschrieben wird, am Ende doch zu trivialisieren. Er bietet damit dem Leser die Chance, doch an das Gute zu glauben. Regelmäßige Koontz-Leser werden schließlich feststellen, dass Koontz sich wieder einmal eines Akteurs bedient, der an einer sehr starken Lichtempfindlichkeit leidet – hier in Person des bösen Vassago, in seinem Roman „Geschöpfe der Nacht“ ist es der gute Hauptakteur, der unter Lichtempfindlichkeit leidet. Auch die Übersetzung ist gut gelungen, auch wenn leider Feinheiten wie etwa „Trage“ und „Bahre“ verwechselt wurden – insgesamt also ein wirklich lesenswerter Thriller!
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