Rezension.org - "Wilddiebe und Kritiker kennen keine Schonzeit"
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Rezensionen mit ‘Rowohlt’

Das Netzwerk

Das Netzwerk von

Inhalt
„Das Netzwerk“ ist ein Thriller, in dem Edward Stone, ein CIA-Agent in gehobener Stellung, eine Hauptrolle im Hintergrund spielt. Er hat die Idee, wirbt dafür Leute an, gibt Instruktionen, beschafft Material und bläst am Ende das Ganze wieder ab. Er hält sich aber, wie gesagt, im Hintergrund auf und zieht einfach nur die Fäden, eine sogenannte graue Eminenz. Der Bestseller, der mehr als 600 Seiten umfasst, spielt in den Jahren 1979/80 und hat verschiedene internationale Schauplätze, etwa Washington, Samarkand, London, Paris, Istanbul oder Eriwan. Zunächst werden die einzelnen Personen, die in dem Werk eine Rolle spielen, eingeführt, ehe die eigentliche Handlung beginnt.

Edward Stone ist nicht gerade glücklich darüber, dass die CIA in der Sowjetunion nicht viel ausrichten kann. Er will die Großmacht aufschrecken, indem er Gerüchte verbreiten lässt, dass in den sowjetischen Staaten Zentralasiens Freiheitsbestrebungen im Gange sind, die der Sowjetunion gefährlich werden könnten. Er wirbt CIA-Agenten für sein Vorhaben an, darunter Anna Barnes und Alan Taylor. Er kann beide für seine Idee begeistern. Die beiden bauen wiederum ein Netz aus Leuten auf, die das Gerücht verstreuen sollen. Stone versorgt sie mit Material, Literatur von Freiheitsbewegungen in Zentralasien gegen die Sowjetmacht. Sie sorgen dafür, dass der russische Geheimdienst, KGB, davon Wind bekommt. Sie arrangieren sogar zwei Attentate, bei denen allerdings kein großer Schaden einsteht.

Das Netz wird enttarnt
Einer ihrer Mitarbeiter plaudert beim KGB aus dem Nähkästchen, und auch die Chefs vom CIA erhalten einen Hinweis, dass da etwas im Gange ist. Da Stone die ganze Sache auf eigene Faust angezettelt hat, ohne Segen von oben, wird gegen eine illegale Aktion von CIA-Agenten ermittelt. Stone erfährt rechtzeitig davon, so dass er alles, was ihn und seine Leute belasten könnte, verschwinden lassen kann. Er pfeift seine Mitarbeiter zurück. Dies gelingt ihm auch. Nur Anna Barnes kann einen von ihr angeworbenen Mann nicht mehr warnen. Da sie sich in ihn verliebt hat, reist sie nach Armenien, um ihn zu warnen. Aber es gelingt ihr nicht. Er wird erschossen und sie kommt in ein sowjetisches Gefängnis. Stone unternimmt nichts, um sie herauszubekommen. Nur einer Verwandten von ihr gelingt dies. Zu dem Thriller mit der spannenden Handlung gesellt sich also auch noch eine Liebesgeschichte, allerdings ohne Happy End.

Fazit
„Das Netzwerk“ überzeugt durch eine spannende Handlung, die sich über das ganze Werk erstreckt. Auch wenn der Autor im Nachwort erklärt, dass es sich um eine von ihm frei erfundene Geschichte handle, die nicht der Realität entspricht, könnte man sich gut vorstellen, dass die Geschichte sich so zugetragen hat. Der Autor beschreibt die einzelnen Personen sehr realitätsgetreu und überzeugend. Er zeigt detailliert die Arbeit des amerikanischen Geheimdienstes auf. Er überrascht immer wieder durch genaue Ortsbeschreibungen und zeigt große Kenntnisse der Örtlichkeiten, an denen der Bestseller spielt. Ein Buch, das Sie, wenn Sie sich eingelesen haben, nicht mehr so schnell aus den Händen geben werden.

Sperm & Egg

Sperm & Egg: Eine Liebesgeschichte von

Inhalt
„Cool“ hatte sie gesagt, die angebetete Kat, in der achten Klasse – und danach war es ihm, Cedar, egal, was die anderen von ihm dachten, was die Biologielehrerin dachte und dass er einen Schulverweis bekam. Etwas Lebendiges sollten sie mitbringen zum Mikroskopieren und Cedar hatte Sperma mitgebracht, sein eigenes, in einer Tupperbox. 20 Jahre und sechs Monate später, in Albany, New York, sagt sie, sie hätte „krank“ gesagt, aber das kann Cedar Rivers, der Junge, der so heißt wie ein Ort (Zedernfluss) nicht glauben.

Kat hat einen Roman geschrieben, eigentlich eine Nacherzählung all der Dinge, die damals, vor 20 Jahren, geschehen sind. Vor der Veröffentlichung will sie sich das „OK“ dazu von Cedar holen. Ihr Rechtsanwalt hatte ihr dazu geraten, um eventuelle Schadenersatzklagen von vornherein auszuschließen, Teile des Buches sind aus Cedars Sicht geschrieben, und so treffen sich die Verliebten von damals noch einmal wieder. „Um ihre Augen war so viel Kajal, dass es aussah, als hätte sie zwei Veilchen.“ Viel hat sich geändert, aber die Anziehungskraft zwischen beiden besteht immer noch. Sollen sie es versuchen? Kat ist Schriftstellerin, Cedar arbeitet für eine Firma, die Medizintechnik herstellt.

In einem Hotelzimmer treffen sie sich, trinken Wein und Cedar liest, was Kat für ihn ausdruckt, einen Stapel nach dem anderen. Draußen tobt der Winter, drinnen ihre unterschiedlichen Erinnerungen. „Unsere juvenile Verbundenheit war verflogen…Dieser Geschmack der Fremdheit, das Empfinden eines Moments von Reifung und des gleichzeitigen Einsetzens von Verfall, war genau der Grund, warum ich auf einmal mit verzweifelter Dringlichkeit meinen Schwanz an jede Stelle stecken wollte, die Kat mir anbot. Nur um zu sehen, wie es wäre, dieser komischen Fremdheit Erotik abzugewinnen.“

Aber dazu kommt es nicht. Er liest und liest stattdessen. Damals, als er Kats Vater aufsuchte, um ihn dazu zu bringen, Kat zu helfen. Denn Kat war schwanger geworden und hatte abgetrieben. Cedar glaubte Kat, dass der neue Freund ihrer Mutter und zukünftige Stiefvater der Schuldige sei. Kats Mutter will einen Kinderschänder heiraten! Das muss Cedar verhindern. Dafür tut er alles – dass Kat ihn angelogen haben könnte, auf die Idee kommt er gar nicht. Kats Worte werden nicht hinterfragt. Stattdessen taucht Jerry auf der Hochzeit von Kats Mutter und dem verhassten George auf, Kats ewig betrunkener Vater. Und der hat eine Waffe…

Fazit
Sperm & Egg ist eine Liebesgeschichte, die Geschichte einer Liebe, die es ernst meint, obwohl Kat und Cedar nie zusammen im Bett landen. Kat hat ihre Geschichte aufgeschrieben und Cedar liest sie – das ist ihr Liebesakt und der Versuch, die Wahrheit wieder lebendig zu machen. Die Geschichte ist trotz aller Brisanz wunderbar komisch und teilweise sogar brillant. Wie Kat beschreibt, was sie an der Uni getan hat und was Creative Writing Kurse in ihren Augen bedeuten, auch ihre Hasstiraden auf Jungs sind einfach göttlich. Manches muss man sich herausschreiben, weil es einfach so wahr ist! Ein Roman mit Tiefgang, jeder Menge Sex, Liebe und Schicksal – zum Schreien komisch!

Die Prinzessin und der Wilderer

Die Prinzessin und der Wilderer: Vier Geschichten von

Inhalt
Bei dem hier vorliegenden Band mit 4 Kurzgeschichten handelt es sich um die wohl letzten von dem 1990 verstorbenen König der Kurzgeschichten geschriebenen Werke, nämlich um zwei märchenähnliche Fabeln „Die Prinzessin und der Wilderer“ und „Prinzessin Busenschön“ (Originaltitel „Two Fables: The Princess and the Poacher – Princess Mammalia“) von 1986 und zwei klassische Kurzgeschichten „Der Antiquar“ (The Bookseller) von 1987 sowie „Der Chirurg“ (The Surgeon) von 1988.

„Die Prinzessin und der Wilderer“ – wie ein Märchen geht es in dieser Geschichte um einen sehr hässlichen und armen jungen Wilderer, dem sein Herzenswunsch – die Möglichkeit, viele junge Mädchen kennenzulernen- vom König erfüllt wird, nachdem er der Prinzessin das Leben rettete. Doch nachdem dieser Wunsch nun nicht mehr verboten ist, verliert er an Reiz für den jungen Mann.

In „Prinzessin Busenschön“ erfährt die – eigentlich sehr liebenswerte, höfliche und bescheidene – über Nacht zur Schönheit gewordene junge Prinzessin Freud und Leid einer schönen Frau und wird langsam aber sicher durch diese neue Macht über die Männer des Landes so verdorben, dass sie sogar plant, den König, ihren Vater, zu ermorden.

„Der Antiquar“ ist ein englischer Buchhändler, der zum Schein in seinem Laden Erstausgaben und andere Raritäten verkauft, sein eigentliches Geld jedoch – gemeinsam mit seiner Assistentin – damit verdient, dass er Todesanzeigen in Zeitungen studiert und den Witwen verstorbener reicher Männer überhöhte Rechnungen von angeblich bestellten Büchern schlüpfrigen Inhalts zustellt. Diese zahlen im Normalfall sofort, um Peinlichkeiten zu vermeiden. Aber er hat nicht mit Mrs. Northcote gerechnet…

„Der Chirurg“ Robert Sandy rettet einem arabischen Prinzen bei einer Operation das Leben und erhält zum Dank von dessen Vater einen sehr wertvollen Diamanten. Das Problem ist nun, den Diamanten über das Wochenende sicher zu Hause zu verstecken – nach langer Diskussion mit seiner Frau haben sie das ideale Versteck: im Eiswürfelbereiter im Tiefkühlfach. Wie es der Zufall so will, gibt es aber genau an diesem Abend – das Ehepaar ist bei einer Einladung außer Haus – einen Einbruch von Vandalen, die sich auch über die Alkoholvorräte hermachen. Der Diamant ist verschwunden…

Fazit
Die vier Kurzgeschichten sind eine sehr nette und kurzweilige Lektüre – nicht so makaber wie viele seiner anderen Geschichten, aber dennoch wie immer sehr respektlos allen Akteuren gegenüber geschrieben, lustig und tiefsinnig zugleich. Die beiden Märchen sind in eingeschränktem Maße auch für etwas ältere Kinder geeignet, für Erwachsene jedoch wirklich eine witzige Reise in die Vergangenheit mit überraschendem Ende. Wer jedoch den beißenden Stil von „Lamb to the Slaughter“ erwartet, wird sicherlich enttäuscht sein.

Das Buch ist dennoch sehr wertvoll, weil es sich eben um die letzten Geschichten dieses herausragenden Schriftstellers handelt – das Buch selbst ist noch sehr knapp zu seinen Lebzeiten (rund 2 Monate) erschienen und in dieser Form auch nur auf Deutsch so zusammengestellt worden. Die Übersetzung ist sehr gut gelungen und das Buch liest sich sehr flüssig. Der Einband ist künstlerisch in einer Art Picasso-Stil sehr interessant gestaltet, der Druck hervorragend. Als kleine Lektüre zwischendurch und als Ergänzung im Buchregal auf alle Fälle sehr empfehlenswert!

Die Dramaturgie des Tötens

Die Dramaturgie des Tötens von

Inhalt
Amy Gallup ist im Grunde ihres Herzens Autorin und hat vor 30 Jahren auch recht erfolgreich einen Roman veröffentlicht, danach jedoch nicht mehr. Deshalb arbeitet sie als Lektorin und gibt Schreibseminare, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In ihrem neuesten Schreibkurs hat sich eine bunte Menge unterschiedlichster Menschen zusammengefunden, die Teilnehmer interessieren sich sehr für die Werke der anderen Teilnehmer. Bald werden Amy und einige ihrer Teilnehmer jedoch von einem Unbekannten bedroht – zunächst verbal und schriftlich, dann aber auch tätlich, und die Vermutung liegt nahe, dass es jemand aus dem Kurs sein muss. Obwohl die Universitätsleitung den Kurs absetzt, sind die Teilnehmer Amy treu und suchen gemeinsam den Täter, zumal auch noch ein Teilnehmer stirbt.

Die Autorin
Über Jincy Willett ist leider nicht viel bekannt, und sie hat bislang auch nur wenig veröffentlicht, meist handelte es sich bei ihren Werken um Kurzgeschichten.

Der auch auf anderen Websites immer wieder zitiertes Kurzportrait ist wenig aussagekräftig, zumal unklar ist, was davon wörtlich zu nehmen bzw. wahr ist (“…manchmal, spätnachts, …, lacht sie unpassend”). Sie scheint jedoch in der Tat eine etwas ältere Autorin und Lektorin zu sein, die – ebenso wie die Hauptfigur im hier vorliegenden Roman – Schreibkurse gibt. Auch die von ihr betriebene Website ist vielen Inhalten im vorliegenden Roman sehr ähnlich und betreibt “Antimarketing”.

Fazit
Das Buch liest sich sehr kurzweilig, auch wenn eine richtige Spannung nicht aufkommt, was aber sicherlich auch nicht der beabsichtigte Zweck der Autorin war, da die Handlung vor allem von witzigen Beschreibungen (so beispielsweise die Einführung der Kursteilnehmer mit ihren Namen, die teils von der Administration falsch aufgenommen wurden, teils schwer auszusprechen sind – Seite 12-19), interessanten Charakterstudien und amüsanten sozialen Interaktionen lebt. Die Autorin scheint sehr viel Autobiographisches eingebaut zu haben, so ist der im Buch von der Hauptfigur Amy beschriebene Literatur-Blog fast 1:1 auch so auf der Homepage der Autorin zu finden. Auch die „Kurzbiographie“ der Hauptfigur entspricht zu 100 Prozent der Autorenbiographie auf dem Klappentext.

Handwerklich gut geschrieben, vermisst man jedoch ein wenig wirklich neue oder ungewöhnliche Wendungen in der Handlung. Trotz der recht auffällig-unauffällig gelegten falschen Spuren, die vom Täter wegführen sollen, ist jedoch schon nach rund 100 Seiten (von 399) klar, wer am Ende die Taten begangen hat.

Ungewöhnlich an dem Buch sind von der Aufmachung her das Format (12,5×21 cm, also weder Taschenbuchformat, noch DIN-A5, sondern eher länglich) sowie die unterschiedlichen benutzen Schriftfonts je nach Art der Beschreibung (Blog/Tagebucheintrag, literarisches Werk/Hausarbeit der Teilnehmer usw.). Für den Geschmack des Rezensenten ist es etwas zu durcheinander auf diese Weise, aber es erleichtert inhaltlich in der Tat die Zuordnung.

Junggesellenabschied

Junggesellenabschied von

Inhalt
William Walker kann sein Glück kaum fassen: Er hat es tatsächlich geschafft, seine Traumfrau Isabel zu heiraten und ist nun der Meinung, dass seinem Glück nichts mehr im Wege steht. Doch er hat sich die Ehe einfacher vorgestellt, als sie ist. Denn nach der glücklichen Hochzeit kommt es für William „ganz schön dicke“, denn die noch junge Ehe bekommt es mit zwei Problemen zu tun, die William und Isabel gewaltig zu schaffen machen.

Das erste Problem: Alex, Isabels „bester Freund“ aus Kindertagen macht William das Leben zur Hölle. Nicht genug, dass er sich erdreistet, Isabel in einer Kutsche mit vier weißen Pferden zum Traualtar zu geleiten, Alex lässt es sich außerdem auch nicht nehmen, auf der Hochzeitsfeier „I will always love you“ zum Besten zu geben. Das zweite Problem: Saskia, Williams hysterische und leicht nymphoman veranlagte Ex-Freundin, die es partout nicht lassen kann, William immer wieder Annoncen zu machen und ihn mit zweideutigen Angeboten „auf die Palme“ zu bringen…

Ein stellenweise durchaus kurzweiliger Roman – „ganz nett“, mehr jedoch leider nicht
Matt Rudd erzählt in „Junggesellenabschied“ eine klassische Geschichte. Ein junges Paar geht den Bund der Ehe ein, und kaum ist die Ehe geschlossen, lassen die Probleme nicht auf sich warten. Noch bei der Hochzeitsfeier glaubt William, dass Alex wirklich nur Isabels „bester Freund“ ist, der bei der Hochzeit lediglich etwas übers Ziel hinausgeschossen ist – doch schon bald muss er erkennen, dass Alex in Isabel mehr sieht als nur seine „beste Freundin“.

Er terrorisiert William, und mit seiner kriecherischen Art sorgt er dafür, dass William bald genug hat von Alex angeblicher „Fürsorge“, seinen freundlich daherkommenden Kontrollanrufen und seiner merkwürdigen Eigenart, Isabel stets mit „Süße“ anzusprechen. Doch nicht nur Alex drängt sich in das Eheleben von William und Isabel, auch Saskia, Williams Ex, die mit ihren Reizen nicht gerade sparsam umgeht, treibt immer wieder einen Keil zwischen das junge Paar.

Und so bleibt es nicht aus, dass William schon bald eine ernüchternde Bilanz zieht – die Ehe verläuft nun so gar nicht gemäß seinen Vorstellungen. Isabel kann nicht nachvollziehen, warum William Alex so verabscheut, und von der einstigen Freiheit in der Beziehung spürt William auch nichts mehr. Seine liebsten Rituale wurden ihm von Isabel ersatzlos gestrichen, und zu allem Überfluss lässt sich Isabel auch nicht von der Idee abbringen, aufs Land zu ziehen.

Im neuen Haus auf dem Land bekommen William und Isabel es dann noch mit einer verschrobenen Nachbarin zu tun, die immer wieder mit mysteriösen Geschenken und dubiosen Verhaltensweisen auf sich aufmerksam macht. „Junggesellenabschied“ schildert somit die typischen Probleme einer Ehe, natürlich verzichtet Matt Rudd dabei nicht auf das Stilmittel der starken Übertreibung. Stellenweise mag man dem Autor zustimmen, und „Junggesellenabschied“ ist auch bei weitem kein „misslungener“ Roman, doch leider verflacht die Handlung mit der Zeit immer mehr.

Fazit
„Junggesellenabschied“ ist ein kurzweiliger Roman, und stellenweise glänzt der Roman wirklich durch äußerst skurrile Situationskomik. Doch viele Pointen nutzen sich im Verlauf der knapp 370 Seiten immer mehr ab, und so wirkt das Ganze dann letztlich doch etwas klischeehaft. Zwar gelingt es dem Autor, am Ende des Romans noch einmal einige unerwartete Wendungen in die Handlung einzubringen, doch die Geschichte ist zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende angelangt.

Viele gelungene Pointen gehen deshalb auch aufgrund der teilweise (zu) langen Passagen, in denen nichts passiert unter. Somit ist „Junggesellenabschied“ ein Roman, der beim einmaligen Lesen sicher für einige „Lacher“ gut ist,  mehr als durchschnittlich „leichte Kost“ bietet „Junggesellenabschied“ aber leider nicht.

Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten!

Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten!: Die Macht der Gedanken von Thorsten Havener und

Inhalt
In dem neuen Buch des Gedankenlesers Thorsten Havener geht es um die Macht der Gedanken über uns, unser Handeln und unser Leben. Havener stellt fest, dass unsere so geliebte Freiheit nur eine schöne Illusion ist. In Wahrheit werden wir vollkommen von unserem teilweise unbewussten Denken kontrolliert. Ein Beispiel: Wir glauben, wir haben uns gerade spontan dazu entschlossen, das Bonbon aus der Schale neben uns zu nehmen? Nein. Tatsache ist, dass unser Gehirn schon 10 Sekunden bevor wir uns dazu entschieden haben, das Bonbon zu nehmen, dass wir dies tun würden. Das haben Hirnforscher durch Experimente und Tests schon vor einiger Zeit herausgefunden.

Wenn wir also nicht frei handeln können, sondern der Gedanke zur Tat lange vorher im Unbewussten feststeht, was können wir dann tun, um das zu ändern, um uns wirklich frei zu machen? In dem Buch wird zuerst aufgedeckt, wie manipulierbar unsere Gedanken sind: „Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten!“ Und? Natürlich haben Sie trotzdem an einen gedacht. Diese Möglichkeit zur Manipulation wird teilweise gnadenlos ausgenutzt, zum Beispiel in der Werbung oder in manchen geschickt geführten Gesprächen. Das bestimmt dann unsere Entscheidungen, unser Handeln und sogar unser Leben.

Dass die Gedanken nicht frei sind zeigt sich auch darin, dass unser Handeln und Denken das Resultat vieler verschiedener Erfahrungen aus der Kindheit, dem Beruf und der Kultur ist. Die Erfahrungen können wir selbst gemacht haben oder sie sind uns durch andere Menschen oder durch die Medien vermittelt worden. Jede Entscheidung und jeder Gedanke ist davon meist unbewusst determiniert. Die Erziehung sorgt also dafür, dass unser Denken in bestimmten Bahnen verläuft, ob wir das nun wollen oder nicht.

Nachdem diese unbewussten Mechanismen klargemacht worden sind, werden Methoden und Tricks vorgestellt, wie man sich von den festgefahrenen Gedanken befreien kann und wie man sich dieses Hintergrundwissen zu Nutze machen kann. Das Ganze wird veranschaulicht durch viele überraschende und eindrückliche Experimente und Übungen. Die persönlichen Berichte, Erfahrungen und Theorien Haveners werden durch den Arzt Dr. Michael Spitzbart wissenschaftlich belegt. Er stellt den aktuellen Stand der Wissenschaft vor, zeigt die medizinischen Voraussetzungen für unser Denken, wie die inneren Prozesse ablaufen und wie uns das als ganzen Mensch beeinflusst.

Fazit
Wer sich bisher voll und ganz auf seinen Verstand verlassen hat und dem die Ratio alles bedeutet, wird in dem Buch eines ganz anderen belehrt und muss womöglich einen harten Tiefschlag hinnehmen. Thorsten Havener und Michael Spitzbart erklären, dass wir als Menschen in unserem Handeln sehr stark von unseren unbewussten Gedanken und Gefühlen beeinflusst oder sogar gesteuert werden. Das Buch vermittelt einfach, verständlich und spannend, wie sehr unser Unterbewusstsein Auswirkungen hat auf unser Leben, unsere Zufriedenheit und Gesundheit.

Aber es ist ja möglich die Gedanken zu manipulieren und dadurch seine Lebensqualität zu verbessern. Das macht das Buch für den Leser interessant, auch wenn einige Experimente, Beweise und Methoden zur Gedankenkontrolle recht esoterisch anmuten. Das Buch ist ein kurzweiliges Plädoyer für mehr Gedankenfreiheit und Unvoreingenommenheit seiner Umwelt gegenüber, informativ und unterhaltend.

Spanisch für Büffelmuffel

Spanisch für Büffelmuffel von Christof Kehr

Hintergrund
Eine Fremdsprache im hektischen Alltag ggf. allein weiterzulernen gelingt meist nur sehr disziplinierten Menschen. Um die Hürde des Aufraffens ein wenig zu erleichtern, bietet die „Büffelmuffel“-Serie des Verlags Bücher mit einfachen Geschichten an.Jeder Textabschnitt wird mit grammatischen Hinweisen, kleinen Tests und Vokabelhilfen unterfüttert, damit das Lernen Spaß macht und nicht überfordert. Dieses Lernkonzept wird in dieser Rezension anhand der spanischen Ausgabe bewertet. Das Konzept unterscheidet sich daher von „Lernkrimis“, bei denen normalerweise nur die jeweiligen neuen Vokabeln erläutert werden. Es handelt sich um ein kleines Taschenbuch in DIN-A-5-Größe und 190 Seiten, so dass man das Buch auch gut unterwegs mitnehmen kann. Aus der Serie gibt es außerdem noch „Englisch für Büffelmuffel“ und „Französisch für Büffelmuffel“.

Aufbau des Buches
Das Buch enthält eine Geschichte (eine Romanze zwischen einer Deutschen und einem etwas seltsamen Spanier), unterteilt in einzelne Kapitel. Auf dem unteren Seitenteil befinden sich jeweils grammatische Erläuterungen (vor allem Verben und Zeiten, aber auch Redewendungen) sowie einige kleine „Tests“ genannte Übungen, etwa für Personalpronomen, Adjektive und Verneinungen. Die Kapitel sind kurz gehalten, so dass ein Kapitel in recht kurzer Zeit auch zwischendurch gut „bearbeitbar“ ist. Texte, Übungen und Grammatikerklärungen werden farblich und durch kleine Boxen voneinander getrennt. Die Übungen sind einfach gehalten und jede Aufgabe wird mit fünf bis acht verschiedenen Beispielen wiederholt, um die Lerninhalte gut einzuprägen. Alle „Tests“ werden am Ende des Buches aufgelöst, so dass man kontrollieren kann, ob man die Übungen richtig gemacht hat. Darüber hinaus gibt es ein Glossar mit rund 850 Vokabeln am Buchende.

Fazit
Dieses Buch bietet eine sehr schöne Abwechslung zum Erlernen bzw. Üben einer Sprache, wobei die Geschichte natürlich einfach gehalten, aber doch zumindest so inhaltsreich ist, dass auch Erwachsene nicht das Gefühl bekommen, wirklich nur in einer Übung zu sein, wie das häufig in Lehrbüchern der Fall ist. Die Übungen sind didaktisch wirklich sehr sinnvoll aufgebaut, nicht zu schwer und selten viel zu leicht, so dass bei den meisten Lesern wahrscheinlich auch keine Frustration aufkommt. Es ist zwar immer schwierig, ohne Korrekturpartner (Lehrer, Muttersprachler oder ähnliche Personen) zu lernen, aber mit Hilfe dieses Büchleins ist es nicht ganz so schwierig.

Verbesserungswürdig ist jedoch zum einen, dass man bei der Grammatik neben Verben und Zeiten durchaus häufiger auch andere Aspekte hätte lehren können (wie etwa das spanische Komparativ), zum anderen ist die optische Aufbereitung trotz des Versuchs, eine Trennung zwischen Text, Grammatik und Übungen erkennbar zu machen, nicht gut gelungen. Die blassorangene Farbe verschlimmert diesen Mangel noch zusätzlich. Insgesamt ist das Buch jedoch überaus empfehlenswert, selbst bei seltener Nutzung bleibt immer ein wenig hängen und ein etwas erfahrenerer Leser kann auch nur die Geschichte lesen und die Übungen machen, die ihm gefallen.

Ruhm

Ruhm von Daniel Kehlmann

Inhalt
Ein bekannter Schauspieler wird von einem auf den anderen Tag nicht mehr angerufen – er bekommt keine Angebote mehr, und immer mehr nagen Selbstzweifel an ihm. Er begreift nicht, was er falsch gemacht haben könnte, und muss erkennen, dass das Schicksal manchmal grotesk sein kann. Ein verwirrter und völlig orientierungsloser Angestellter eines Mobilfunkkonzerns wünscht sich nichts sehnlicher, als einmal als Figur in einem Roman vorzukommen – in der Zwischenzeit vertreibt er sich seine Zeit damit, andere User von dubiosen Internetforen wüst zu beschimpfen.

Ein Schriftsteller, der weltweit als Esoterik-Guru gefeiert wird, verzweifelt an sich selbst und steht kurz vor dem Suizid. Währenddessen begibt sich eine Schriftstellerin auf eine Reise nach Zentralasien und bleibt dort unfreiwillig „hängen“. Eine alte Dame hadert mit ihrem Schicksal und beklagt sich bei dem Schriftsteller, der sie erfunden hat, über ihren unwürdigen Tod. All diese Figuren treffen in „Ruhm“ mehr oder weniger direkt aufeinander. Daniel Kehlmann verbindet die Einzelschicksale seiner Protagonisten zu einem großen Ganzen, bei dem der Leser selbst erkennen muss, wie alle Schicksale unweigerlich miteinander verbunden sind – ohne dass die Charaktere in „Ruhm“ dies selbst bemerken.

Ein meisterhafter „literarischer Episodenfilm“
„Ruhm“ ist kein klassischer Roman, vielmehr knüpft das nunmehr zehnte Werk von Daniel Kehlmann, der unter anderem mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Literaturpreis der Tageszeitung „Die Welt“ ausgezeichnet wurde, an die Tradition von Episodenfilmen an. Kehlmann hält sich in „Ruhm“ nicht lange mit der Einführung der Figuren auf, sondern der Roman steigt direkt ins Geschehen ein. Nur langsam wird dem Leser klar, wie die Geschichten der einzelnen Figuren miteinander verbunden sind.

Kehlmann kokettiert dabei gekonnt mit dem Einfluss des Schicksals auf das Leben der Protagonisten – oft ist nur zwischen den Zeilen erkennbar, wie hilflos die einzelnen Charaktere dem über alles erhabenen Schicksal ausgeliefert sind, und wie sie häufig gar nicht bemerken, dass sie ihr Leben schon seit geraumer Zeit nicht mehr selbst in der Hand haben.

Der Schreibstil von Kehlmann bewegt sich dabei zwischen tiefer Melancholie und schwebender Leichtigkeit, wobei stets deutlich erkennbar ist, wie schnell sich die Situation ändern kann, und wie zerbrechlich die einzelnen Charaktere sind – der Roman zeigt auf beeindruckend präzise Weise, wie bedeutungslos der Einzelne ist und wie selbst bekannte und „gefeierte“ Persönlichkeiten binnen kürzester Zeit in Vergessenheit geraten können.

„Ruhm“ kann mit außergewöhnlichen Perspektivwechseln aufwarten, die sich auch im Wechsel der Erzählstile vollziehen. Während in der einen Geschichte ein auktorialer Erzähler noch über das Geschehen wacht und die Ereignisse sogar kommentiert, wird die nächste Geschichte aus der Sicht eines einzelnen Protagonisten erzählt, der der Situation völlig hilflos ausgeliefert ist. Kehlmanns ganzes Können zeigt sich dabei insbesondere in der Geschichte „Ein Beitrag zur Debatte“, in der ein völlig verwirrter, übergewichtiger und absolut unsympathisch wirkender Büroangestellte völlig zusammenhanglos seine Lebenswirklichkeit wiedergibt und kommentiert. Auf den ersten Blick erscheint dies skurril, doch schon bald wird dem Leser klar, wie sich gerade diese Geschichte auf den gesamten Verlauf des Romans auswirkt.

Fazit
Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt über den Autor von „Ruhm“: „Bei Daniel Kehlmann scheint sich der Genieverdacht zu erhärten“. Und  mit „Ruhm“ tritt Kehlmann den Beweis für diese These an. Der Roman überzeugt durch eine präzise Schilderung der Ereignisse, einen absolut mitreißenden Erzählstil und einen Handlungsverlauf, der alles andere als alltäglich ist. Kurzum: „Ruhm“ ist ein weiteres exzellentes Werk von einem der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit.

Zonenkinder

Zonenkinder von Jana Hensel

Inhalt
Die Autorin Jana Hensel, Jahrgang 1976, hat ihre Kindheit bis zum 13. Lebensjahr in der DDR verbracht. Dann, 1989, fiel die Mauer und plötzlich änderte sich alles – der Alltag, die Begrifflichkeiten, die Abläufe und nicht zuletzt auch die Politik. Hensel schildert diese Veränderungen aus der Sicht eines Kindes – „Heute sind diese letzten Tage unserer Kindheit, von denen ich damals natürlich noch nicht wusste, dass sie die letzten sein würden, für uns wie Türen in eine andere Zeit, die den Geruch eines Märchens hat und für die wir die richtigen Worte nicht mehr finden“.

Jana Hensel schildert in den einzelnen Kapiteln im Rückblick wie sich das Leben plötzlich, fast „über Nacht“ änderte – anhand neuer Begrifflichkeiten (statt „Pop-Gymnastik“ hieß es jetzt „Aerobic“, aus der Kaufhalle wurde ein Supermarkt, die „Bravo“ ersetzte die bis dato gelesene „Trommel“), aber auch anhand zahlreicher Beispiele aus dem täglichen Leben in der Schule und in der Freizeit. Anhand unterschiedlicher Schwerpunkte beschreibt Hensel ihre Kindheit, die Heimat, den DDR-Zeitgeist, die Eltern, Erziehungsmethoden, Liebe, Freundschaft und Sport.

Fazit
„Zonenkinder“ liest sich sehr leicht und angenehm, obwohl es kein Roman ist, sondern vielmehr eine Gegenüberstellung von Dingen, Erlebnissen und Worten aus der bisher erlebten Kindheit in der DDR auf der einen Seite und den neuen Begrifflichkeiten, neuen Regeln und dem neuen Leben eines Jugendlichen im wiedervereinten Deutschland auf der anderen Seite. Hensel verfällt dabei nicht in Ostalgiepolemik, sondern sie bringt dem Leser auf Basis der Schreibvirtuosität einer jungen erwachsenen Frau die Gedanken eines ostdeutschen Kindes nahe.

Dies gelingt ihr auf eine so sympathische Art und Weise, dass der Leser verstehen und nachvollziehen kann, warum es auch heute noch Menschen gibt, die eben nicht die gesamte „Ära DDR“ verdammen, sondern sich manchmal noch wehmütig in ihr altes Leben zurücksehnen. Dennoch ist das Buch sehr positiv geschrieben, und man begegnet einem Menschen, der sein neues Leben in der Bundesrepublik mit Elan angegangen ist, aber jetzt zu Papier bringt, dass der Wechsel eben doch ein sehr schneller war, dem kein richtiges “Abschiednehmen” vergönnt war.

Das Buch ist deshalb besonders interessant für Menschen, die die DDR noch miterlebt haben, die vielleicht auch das eine oder andere Mal dort zu Besuch waren und anhand der zahlreichen Beispiele sicherlich auf vielen Seiten ein Aha-Erlebnis haben werden. „Zonenkinder“ ist aber auf alle Fälle auch interessant für Leser, die die DDR nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen – sie bekommen statt einer trockenen Dokumentation einen guten und realitätsnahen Eindruck vom Alltag in der DDR. Und für diejenigen, die einen etwas wissenschaftlicheren Zugang benötigen, ist das Buch als Ergänzung oder erster Einstieg sicherlich ebenfalls interessant – denn neben vielen Erläuterungen findet sich am Ende des Buches sogar noch ein kleines Glossar.

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