Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart

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Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart (Reclams Universal-Bibliothek)

Dorothee Kimmich (Herausgeber). Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag 2008, Broschiert, 575 Seiten, € 12,00

Rezension von: AndreasRuedig | Rezensionsdatum:

Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart

Die Hermeneutik, Strukturalismus, Dekonstruktion, Intertextualität, Gender Studies, Psychoanalyse, Systemtheorie und Konstruktivismus – dies sind einige der Themen, die in diesem Buch angesprochen werden. Das Buch, das Band 9414 von Reclams „Universal-Bibliothek“ ist, enthält laut Inhaltsangabe zentrale Texte zu allen relevanten Themen der gegenwärtigen literaturtheoretischen Diskussion“.

Die jeweiligen Kapitel sind demzufolge mit einer Einführung versehen, die die Texte in einen größeren Zusammenhang stellen sollen. Außerdem sollen ihre Leitworte herausgearbeitet, Lesehilfen gegeben und auf weiterführende Literatur hingewiesen werden.

Eine Besprechung

Schon beim Durchblättern, beim flüchtigen Querlesen wird deutlich, daß dies ein wissenschaftstheoretisches Werk von Fachleuten für Fachleute ist. Autoren wie Michel Foucault, Sigmund Freud, Jacques Derrida, Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas und Siegfried J. Schmidt arbeiten sich an Begriffen, Ideen und anderen Literaturtheoretikern ab.

Leute wie Adorno, Habermas und Freud sind so prominent wie (teilweise) umstritten. Werden sie hier stellvertretend für die jeweilige Denkrichtung erwähnt? Gibt es vielleicht auch andere, eher literaturwissenschaftlich, weniger philosophisch angehauchte Autoren, die ihre Gedanken weniger theoretisch, dafür mehr praxisrelevant, eher in Deutsch (oder welcher Nationalsprache auch immer) als in Fachchinesisch orientiert zu Papier bringen können? Hat die hier aufgezeigte Diskussion auch im Jahre 2012 noch Bestand? Oder ist ein Sigmund Freud nicht längst wieder überholt?

Ein paar eigene Gedanken

Bei aller fachlich-theoretischen Güte des Buches vermisse ich sowohl die Übersicht über den aktuellen Stand der Diskussion wie auch den Praxisbezug. Aber vielleicht habe ich auch den Begriff der „Gegenwart“ falsch verstanden. Gegenwart hat – zumindest für mich persönlich – was mit dem „Hier und Jetzt“ zu tun.

Insbesondere die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts könnte auch eine andere Heransgehensweise an das Thema als diejenige, die der Verlag gewählt hat, anbieten. Wie unterscheiden sich Literaturen in freiheitlichen und dikatorischen Systemen? Welche Lehre zieht die Literaturtheorie aus den historischen politisch-gesellschaftlichen Gegebenheiten ganz konkret? Literatur hat schließlich ihre Wurzeln nicht nur in der Philosophie und Linguistik. Die Geschichte hat oft genug Beispiele hervorgebracht, daß Literaten nicht in einem Elfenbein sitzen, der es ihnen erlaubt, unbehelligt von allen äußeren Einflüssen ihre Literatur zu produzieren. Allein schon der Rahmen, den die Politik setzt, beeinflußt ganz praktisch die Literatur. Darf diese Erkenntnis völlig vergessen werden? Oder ist das für den Literaturtheoretiker zu banal, weil alltäglich?

Auch Wissenschaften wie die Theologie, Kunst (Theater, Musik, Ballett), der Journalismus und und die Entwicklung der Technik (Buchdruckerhandwerk, Telekommunikation, elektronische Möglichkeiten der Veröffentlichung) spielen hier eine Rolle. Es erscheint doch merkwürdig, daß weder auf die Erfindung des Hörbuches, des E-Books oder gar die Herausforderung des „Books-on-demand“ eingegangen wird. Sind diese elektronischen Herausforderungen wirklich unter der Würde eines Literaturtheoretikers. Es bleibt zumindest für mich schon die Frage, wie relevant die Ausführungen in dem Buch heute, im Jahre 2012, noch ist.

Fazit

Wünschenswert wäre eine Fortsetzung des Buches, die den Literaturdiskurs zu Beginn des 21. Jahrhunderts beschreibt und dabei auf die wirklichen Herausforderungen der Gegenwart eingeht.

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