These Strange German Ways

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These Strange German Ways

Hans Traxler (Illustrator). Atlantik-Brücke 1997, Taschenbuch, 136 Seiten, € 73,52

Rezension von: Kokoro | Rezensionsdatum:

These Strange German Ways – The New Book von

Hintergrund
Vor fast 40 Jahren veröffentlichte der noch heute existierende gemeinnützige Verein „Atlantik-Brücke“, der sich um die deutsch-amerikanische Freundschaft kümmert, ein kleines Heftchen namens „These Strange German Ways“, in dem er Nicht-Deutschen (vorzugsweise Amerikanern) eben die Besonderheiten und Eigenschaften der Deutschen aus Sicht eines Ausländers schildert. Diese kleine Broschüre wurde schnell der Topseller des Vereins, und 1999 wurde aus dem kleinen Heftchen in überarbeiteter Form ein Buch mit dem gleichen Thema und Karikaturen zu den einzelnen Themen. Das Buch enthält 128 Seiten, zahlreiche Karikaturen und einen zweiseitigen Index. Der leichteren Verständlichkeit werden die Inhalte im Folgenden ins Deutsche übertragen, die Sprache des Buches ist jedoch Englisch, allerdings ist das Buch auch in Deutschland erschienen und noch erhältlich.

Inhalt
Die Autorin, eine in Großbritannien geborene, aber in den USA aufgewachsene Frau, die heute in Frankfurt lebt, schildert die aus Ihrer Sicht schrulligen Eigenschaften der Deutschen in den folgenden Kapiteln:

01. Die Kunst, Deutscher zu sein
02. Kinder, Frauen…und Männer
03. Zuhause in Deutschland
04. Im Büro
05. Eine ordentliche Welt
06. In Kontakt kommen
07. Unterwegs
08. Hotels
09. Restaurants
10. Shopping
11. Freizeit
12. In der Fremde zu Hause
13. Ein Land der Regionen
14. Traditionen
15. Sonstige Seltsamkeiten

Die Autorin beginnt ihr Buch mit einer Einführung über Deutsche allgemein, und das wichtigste Kennzeichen sei – nicht verwunderlich – die absolute Fixierung auf Zeit (Pünktlichkeit) und Ordnung. Deutsche würden, sobald etwas Unvorhergesehenes eintrete (was sie überhaupt nicht leiden können) sofort daran gehen, und die Ordnung wiederherstellen. Die damit einhergehende Karikatur zeigt eine Putzfrau mit Staubsauger in den Trümmern nach dem 2. Weltkrieg. Auch die deutsche „Gemütlichkeit“ und das Bedürfnis danach, wenn alles sauber abgewaschen und an seinem Platz sei, wird beschrieben und von einem niedlichen Cartoon von in Reih und Glied gepflanzten Tulpen am Gartenweg, wenn der Mann nach der Arbeit nach Hause kommt, begleitet.

Spezifisch für Deutsche sei auch der Respekt vor Eigentum und dass dieses von Deutschen sehr gehegt und gepflegt werde – sogar Paperback-Taschenbücher würden mit Respekt behandelt (hier kann die – deutsche – Rezensentin nur staunend anmerken: Selbstverständlich werden Bücher gut behandelt, warum sollte man sie bewusst nachlässig behandeln und kaputtmachen?). Ein Punkt, den die Autoren ebenfalls wirklich gut beobachtet hat, ist die Tatsache, dass Tiere, insbesondere Hunde, in Deutschland fast wichtiger genommen werden als Kinder. Man solle aufpassen, dass unter dem Tisch vielleicht gerade der Dackel des Nachbarn sitzen könnte oder man sich am Schäferhund am Eingang vorbeiquetschen müsse, während Kinder zu gehorchen hätten und nicht laut sein dürften.

Neben den schrulligen Charaktereigenschaften gibt die Autorin auch praktische Tipps, wie man etwa eine Wohnung mietet, wie ein Mietvertrag abgeschlossen wird, beschreibt die Du- und Sie-Form der deutschen Sprache etc. (leider ist bei der überarbeiteten Ausgabe von 1999 noch die alte Form „Fräulein“ mit beschrieben, die es in Deutschland ja schon seit Jahren gesetzlich nicht mehr gibt). Interessant ist auch die in der Tat wahre Unsitte der Deutschen, ein Kompliment immer abzuwerten, beispielsweise wenn man gesagt bekommt, man habe ein schönes Heim, dann laute die Antwort meist „Vielen Dank, aber…“ (in dem Fall etwa „Vielen Dank, aber wir müssen noch so viel renovieren“). Wenn man als deutscher Leser einmal genau über sich nachdenkt, dann wird man auch in diesen kleinen Beobachtungen viel Wahres entdecken.

Deutsche Service-Unfreundlichkeit (Öffnungszeiten, Servicementalität), deutsches Essen und viele andere Dinge werden ebenfalls mit viel Detail-Beobachtungsgabe beschrieben und mit den entsprechenden deutschen Begriffen (korrekt) ergänzt. Im Business-Kapitel beschreibt sie den deutschen Formalitätenwahn, dass alles „gestempelt und unterzeichnet“ sein müsse. Hier zeigt sich jedoch meines Erachtens auch – wie auch im letzten Kapitel – dass die anglo-amerikanische Autorin offenbar nicht viele andere Länder so genau kennt wie Deutschland, da es nach Erfahrung des Rezensenten zahlreiche andere Länder (wie Japan oder Paraguay) gibt, die sogar noch bürokratischer sind als Deutschland.

Im letzten Kapitel über „sonstige Seltsamkeiten“ hingegen zeigt sich sehr stark der anglo-amerikanische Hintergrund, wenn geschrieben wird, dass das metrische System sehr stur beibehalten werde oder die deutschen Zahlen seltsam seien (eine Milliarde sei eine Billion im Amerikanischen, während eine amerikanische Trillion der deutschen Billion entspreche) oder dass die Deutschen das Datum seltsamerweise in der Form Tag-Monat-Jahr und nicht Monat-Tag-Jahr schrieben, wie es doch die Amerikaner täten.

Fazit
Das Buch ist super lustig geschrieben und man bekommt als Deutscher auf nette Weise einen Spiegel vorgehalten. Man kann eigentlich nur lesen und dabei nicken, weil man sich selbst ertappt fühlt oder zumindest Leute kennt, die genauso sind, wie die Autorin es beschreibt. Schön ist, dass die Autorin kleine grau unterlegte Kästchen mit „Ergänzungen“ in den Text eingefügt hat. So stellt sie im Kapitel über die Zeit und Pünktlichkeit klar, dass sich viele Eigenschaften der Deutschen im Laufe der Zeit natürlich auch gewandelt haben und die Deutschen nicht mehr so pünktlich seien, auch wenn sie umgekehrt auf Pünktlichkeit nach wie vor viel Wert legen.

Die Karikaturen sind liebevoll gestaltet und bringen das Geschriebene auf den Punkt. Sie sind dabei nicht ehrverletzend, sondern wirklich lustig dargestellt! Dabei ist das Buch nicht nur für Nicht-Deutsche interessant, sondern auch umgekehrt für Deutsche, um zu wissen, was Ausländer über uns denken und was sie seltsam finden. Darüber hinaus sagt es aber gleichzeitig auch sehr viel gerade über Angelsachsen aus, wenn die Autorin bestimmte Dinge in Deutschland als merkwürdig einstuft, die fast überall auf der Welt so sind, nur eben nicht in den USA und in Großbritannien und einigen wenigen anderen Ländern – beispielsweise das von ihr als „stur“ bezeichnete metrische System.

Auch dies jedoch ist nicht nur sehr lustig dargestellt, sondern kann wirklich auch sehr gut helfen, umgekehrt die aus deutscher Sicht „komischen Amerikaner“ zu verstehen! Solche kulturellen Ratgeber sind daher, wenn sie wie hier, auf solider und fachlich korrekter Basis entstanden sind, immer empfehlenswert, nicht nur für Deutsche, die privat oder beruflich viel mit Ausländern zu tun haben, sondern auch für solche, die durch einen Urlaub, ein Studium oder eine Arbeitsstelle kurz oder länger im Ausland sind. Auch wenn einige Daten sehr einseitig aus amerikanischer Perspektive beschrieben werden (das ist aber ja auch der Sinn des Buches), kann es nicht schaden, zu wissen, was die Amerikaner oder Engländer seltsam an uns finden.

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