Und was machen Sie beruflich?

Autorenwertung
  • Humor
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  • Story
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  • Anspruch
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  • Satire
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  • Nutzen
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  • Gesamt
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Rezension von: lilo05 | Rezensionsdatum:

Und was machen Sie beruflich? von , erschienen im Diogenes-Verlag

Gehrer ist Marketingchef eines bedeutenden Schweizer Konzerns, er kennt die Welt, ist in den Luxus-Suites namhafter Hotels zu Hause, schlürft Champagner, hetzt von Meeting zu Meeting, überall gefragt und überall erreichbar – kurzum, Gehrer ist das, was man einen Karrierehengst der Managementwelt nennt. Aber was tut ein leidenschaftlicher Wirtschaftsboss, wenn man ihm sprichwörtlich den Boden unter den Füßen wegzieht und er plötzlich frei schwebt?

Handlung

Der vierzigjährige Gehrer spürt, dass etwas in der Luft liegt, er kann nur noch nicht sagen was es ist…eine Art Erdbeben kündigt sich an…aber das Wasser in seinem Glas bleibt unbeweglich. Seltsam… und doch…er hätte schwören können, dass da etwas war. Und ob sich da etwas anbahnte! Es geschieht das Unfassbare. Gehrer, dem erfolgsverwöhnten Arbeitstier wird in seiner Spitzenposition gekündigt. Und so wird Gehrer zum Opfer der knallharten Geschäftswelt, mit der er sich selbst ein Leben lang identifiziert hat. Er wird zu einem „Arbeitsfreien“, der ziellos durch die Stadt zieht, sich in Cafés setzt und fürchtet, man werde ihn nach seinem Beruf fragen. Ein Arzt bleibt Arzt, auch wenn er arbeitslos ist, aber ein Marketing-Leiter?

Seiner Frau, einer aufstrebenden und erfolgreichen Anwältin in einer bekannten Kanzlei Zürichs, verschweigt er seinen „Niedergang“. Er geht auf „Geschäftsreise“, um zu sich zu finden, was ihm nicht gelingt. Nach seiner Rückkehr kommt seine Frau auf den Schwindel und will ihm fortan den Weg für eine neue Karriere ebnen. Aber Gehrer rutscht immer mehr ins Abseits. Er verharrt wie ein Reptil in seiner Schreckstarre und einem Desinteresse, das alles Bestehende und Dagewesene in Frage stellt. Sein Versuch, sich als Fahrlehrer selbständig zu machen, misslingt. Er schaut in ein tiefes, schwarzes Loch und macht keine Anstalten sich wegzubewegen. Im Gegenteil, in seiner absoluten Gleichgültigkeit lässt er angebotene Jobs, die sich aufgrund der Bemühungen seiner Frau für ihn ergeben, unangetastet an ihm vorbeiziehen. Er wird zu einem Mann, mit dem man sich als Rechtsanwältin mit Reputation nicht mehr sehen lassen kann. Und genau dies bestätigt Gehrer, als er sich bei einem Empfang gründlich daneben benimmt und seine Frau irreparabel demütigt.

Fazit

Als Leser ist man hin- und hergerissen. Einerseits erscheint dieses apathische Verhalten des Protagonisten völlig irreal und man möchte ihm eine gehörige Tracht Prügel verabreichen, damit er sich endlich besinnt und aus dem Moloch herausfindet. Hungrig verschlingt man Seite um Seite und hofft auf die entscheidende Wende. Andererseits ist das Verhalten der Hauptfigur verständlich, wenn man bedenkt, dass Gehrer sich als Person einzig und allein über seine Stellung definiert hat.

Der Roman von Rolf Dobelle ist sehr nah an unserer Zeit. Er kennt und beschreibt die Welt der Wirtschaft schnörkellos und realitätsnah wie kein anderer. Besonders hervorzuheben ist das Kapitel, in dem der Autor ein fiktives Bewerbungsgespräch führt. Auf vernichtende Art prasseln die Fragen des Personalchefs auf den Bewerber nieder wie ein Kugelhagel. Jeder, der den Bewerbungszirkus schon einmal mitgemacht hat und die peinlichen Fragen kennt, weiß, wovon Dobelli spricht. Diese sonderbare Welt führt er hier vortrefflich ad absurdum. Sprachlich ist das Werk von Dobelli ein Hochgenuss. Sehr präzise Formulierungen, ein guter Schuss Sarkasmus gepaart mit viel Humor und wirkliche Poesie in einem Buch vereint. Keine seichte Unterhaltung sondern echte Literatur!

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