Unternehmen Brandenburg

Autorenwertung
  • Authentizität
    ein Buchein Buchein Buchhalbes Buchkein Buch
  • Recherche
    ein Buchein Buchein Buchkein Buchkein Buch
  • Charaktere
    ein Buchein Buchein Buchkein Buchkein Buch
  • Story
    ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
  • Gesamt
    3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne3.5 Sterne

Unternehmen Brandenburg

Wolfgang Thon (Übersetzer). Bastei Lübbe 1999, Taschenbuch, 702 Seiten, € 113,40

Rezension von: Kokoro | Rezensionsdatum:

Unternehmen Brandenburg von

Inhalt
Um 1994: Kurz nachdem Erika ihren ihr sehr nahestehenden Cousin, den Reporter Rudi Hernandez, in Paraguays Hauptstadt Asuncion besucht hat und wieder zurück in Deutschland ist, erreicht sie die Nachricht vom Tod Rudis. Da dieser schon sehr geheimnisvoll während ihres Aufenthaltes tat und offenbar einer wichtigen Sache auf der Spur war, will sie seinen Mord aufklären. Sie fliegt, gemeinsam mit einem Mitarbeiter der – fiktiven – DSE (eine Art Interpol, d.h. eine internationale europäische Polizei, jedoch mit speziellen Themengebieten), Herrn Volkmann, nach Asuncion, wo sie von Villarez Sanchez, dem für den Mord an Rudi zuständigen Polizisten, empfangen werden.

Der Leser erfährt, dass Rudi, der ursprünglich den mysteriösen Selbstmord eines reichen Paraguayers (Tscharkin) untersuchte und bei der Besichtigung des Hauses von Tscharkin auf eine Spur gekommen war, dass in einem Asuncioner Hotel ein konspiratives Treffen angesetzt war, dass Tscharkin nun nicht mehr besuchen konnte. Rudi hatte sich zu dem Treffen begeben und von einem Nebenzimmer aus das Gespräch der Verbrecher belauscht und aufgezeichnet, konnte sich jedoch deren suspekte Äußerungen jedoch nicht erklären. Durch einen dummen Zufall entdecken die Verbrecher (Meyer, Krüger, Schmidt und ein Unbekannter) hinterher, dass sie belauscht wurden und machen Jagd auf den Reporter. Rudi ist sich der Gefahr bewusst und versteckt die Kassette im Asuncioner Bahnhof, kann aber vor seinem Mord niemandem Bescheid geben, wo sie liegt.

Nach dem Treffen im Hotel fahren die Verbrecher – im Prinzip plangemäß – in ihr Versteck im Chaco (eine riesige fast unbewohnte Steppengegend im Westen Paraguays), wo sie ein großes Anwesen haben, das sie kurz vor Eintreffen der Polizei räumen und komplett herunterbrennen, um danach das Land zu verlassen. Parallel wird der Leser an viele weitere Schauplätzen entführt, an denen die Verbrecher Komplizen haben bzw. an denen Erika und Volkmann Spuren verfolgen (Frankfurt, Straßburg, Stockholm, Italien usw.) Mehr und mehr stellt sich heraus, dass die Verbrecher Altnazis, von denen viele in Paraguay leben, sind und einen Plan haben, der die politische Entwicklung in Europa umstürzen soll…

Ärgerliche Fehler
So interessant die vielen Schauplätze und Kulturen sind, an die der Autor seine Leser innerhalb eines Romanes bringt, so ärgerlich sind doch die auffallend vielen Fehler, die sich dabei eingeschlichen haben, und von denen nur ein Teil hier in einem extra Abschnitt dargestellt werden soll.
Zunächst einmal fallen diverse sprachliche Mängel auf, beispielsweise lässt der Übersetzer Redewendungen wie „Verschwinden Sie endlich, Volkmann“, die im – anders als im Amerikanischen – Deutschen absolut unüblich sind, stehen, anstatt diese in Vornamen oder Nachname plus Anrede zu verbessern. Gleiches gilt für die fehlerhafte Bezeichnung des Frankfurter Flughafens als „Main-Flughafen“ (S. 130).

Auch einige Grammatikfehler wurden – in diesem Fall vom Lektor – leider nicht korrigiert, bspw. auf S. 235 „Es ist ein(en) Versuch wert“. Der Autor schließlich benutzt sehr altmodische Vornamen für Menschen, die um 1965 geboren sind, wie z.B. Erika, Wolfgang oder Hermann, die einem sehr alten Deutschlandbild entstammen. Der Autor hingegen hat zwar viele Dinge in Paraguay sehr anschaulich und interessant beschrieben, oft leider aber auch falsch. So gibt es nach seiner Aussage einen Zeitunterschied von 7 Stunden zwischen Paraguay und Deutschland (korrekt sind – je nach Sommer-/Winterzeit – jedoch 4-6 Stunden), der Chaco liegt angeblich im Norden Paraguays statt im Westen (S. 183).

Auch seine zeitlichen Einordnungen sind nicht sehr gut durchdacht. So ist Erika, Jahrgang 1970, angeblich die Tochter eines Sturmbannführers. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass der Vater sicherlich zwischen 30 und 50 Jahre alt bei ihrer Geburt war, dann wäre er zwischen 1920 und 1940 geboren – viel zu spät, um es bis 1940/45 zum Sturmbannführer geschafft zu haben…

Fazit
Die Geschichte, die sich Meade ausgedacht hat, ist sehr interessant, auch wenn es – wieder einmal – auch im neuen Jahrtausend das Bild der bösen Nazideutschen zeichnet, und es liest sich recht flüssig. Die Schauplätze, vor allem in Paraguay, sind sehr interessant und ungewöhnlich, aber das Lesevergnügen wird leider sehr stark durch die zahlreichen Fehler (siehe Abschnitt oben) getrübt. Für alle Fans ungewöhnlicher Schauplätze ist das Buch sicherlich sehr interessant, nur kann man sich auf die getroffenen Aussagen nicht verlassen und sollte es nur als allgemeines Szenario wahrnehmen. Ansonsten ist das Buch leider nicht sehr empfehlenswert.

Wie bewerten Sie dieses Produkt?

Ihre Bewertung
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar