Vaterland

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Vaterland

Hanswilhelm Haefs (Übersetzer). Heyne 1994, Taschenbuch, 378 Seiten, € 0,54

Rezension von: dgrahnert | Rezensionsdatum:

Vaterland von

Inhalt

Der Roman „Vaterland“ von Robert Harris erzählt die Geschichte eines Mordes. An sich also nichts Spektakuläres. Denken Sie!

Das Buch unterscheidet sich von seinen Kollegen im Genre des kriminalistischen Romans in einer ganz zentralen Annahme. Der Autor stellt eine zentrale Frage voran, „Was wäre, wenn der zweite Weltkrieg anders verlaufen wäre?“

Harris geht von der Idee aus, dass Hitler 1945 den zweiten Weltkrieg nicht verloren hätte und nach wie vor lebt. Nazi-Deutschland kontrolliert ganz Europa, Großbritannien und einen Teil Russlands. Es befindet sich aber nach wie vor im Krieg mit den USA und dem Rest Russlands. Deutschland hat es 1945 geschafft, den Holocaust, zumindest offiziell, zu verschleiern

Das Bucht spielt rund um „Führers Geburtstag“ im Jahre 1964. Das gesamte deutsche Reich ist im Aufruhr, da sich zu dieser Feier erstmals auch der amerikanische Präsident Kennedy zum Staatsbesuch angekündigt hat.
In dieser bereits angespannte Situation wird die Leiche eines hohen Parteifunktionärs am Ufer eines Sees gefunden.

Der Kriminalbeamte Kripo-Sturmbannführer Xaver März wird mit den Ermittlungen betraut nachdem er an diesem Morgen für seinen Kollegen eingesprungen ist. Xaver März ist der NS-Regierung durchaus kritisch gegenüber eingestellt, erledigt aber seinen Job. Harris greift hier das Motiv des wissenden, aber uninteressierten Deutschen auf.

Nachdem März der Fall wieder entzogen wird, ermittelt er auf eigene Faust zusammen mit der Journalistin Charlie Maguire, mit der er eine Liebesbeziehung beginnt, weiter und stößt auf erschütternde Einzelheiten über das 1000-jährige Reich.

Harris Pro- und Antagonisten

Xaver März ist ein fiktiver Kripobeamter. Seine Person wirkt zu Anfang gut ins System integriert. Schon nach kurzer Zeit wird dem Leser auffallen, dass März keineswegs Teil des Nazisystems sein möchte.
Er lebt von seiner Frau und seinem Sohn getrennt. Seine Ex-Frau möchte ihm den Umgang mit seinem Sohn verbieten und auch sein Sohn möchte, gedrillt durch das  Training der Hitlerjugend, nichts mit März zu tun haben. Er sieht seinen eigenen Vater als  „Asozialen“.
März macht in seinem Job gute Miene zum bösen Spiel, weitet hier zwar manchmal Befugnisse aus, bleibt aber insgesamt unauffällig. Hier klingt durch Harris Kritik an „den Deutschen“ unterm Hakenkreuz an.

Harris Gegenspieler innerhalb des Nazisystems sind fast durchweg reale Personen. Unter anderen finden sich die Teilnehmer der Wannseekonferenz.

Fazit

Harris Buch ist ein Dystopie-Roman im Stile George Orwells (1984) und Ray Bradburys (Fahrenheit 451), welcher sich rund um einen klassischen Kriminalromanplot dreht.

Diese Kombination macht „Vaterland“ zu einem besonders spannenden Lesevergnügen. Die unterschwellige Kritik an der Akzeptanz ihrer Situation der Deutschen im „echten“ Dritten Reich ist zu Anfang subtil, wird aber immer klarer erkennbar. Der erhobene Zeigefinger wirkt allerdings nie aufdringlich oder penetrant.

Harris Roman hat bei seiner Erscheinung viel Wirbel ausgelöst, was anhand der „Verlängerung“ des Dritten Reichs durchaus verständlich ist. Harris hat diesen Spagat meiner Meinung nach allerdings gut gelöst und das ganze wirkt nie befremdlich. Das einzige Gefühl, welches durchaus häufig auftaucht, ist Beklemmung aufgrund des Berlins nach Albert Speers Vorbild und dem schieren Wahnsinn des Naziregimes.

Absolut empfehlenswert!

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