Vergeltungsschlag

Autorenwertung
  • Spannung
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  • Charaktere
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  • Story
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  • Cover
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  • Lesbarkeit
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  • Gesamt
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Rezension von: Marcel Riepegerste | Rezensionsdatum:

Vergeltungsschlag von

Inhalt:

„Warum hast du dich nicht gewehrt?“

Sein ganzes Leben wurde Tobias Bohrmann mit dieser Frage konfrontiert. Und heute soll es so kommen. Heute wird der 17-Jährige Gymnasiast sich wehren, endlich an allen Rache üben, die sein Leben jahrelang zur Hölle gemacht haben. Nicht umsonst stehen all diese Namen auf seiner Liste.

Mord im Elternhaus

Erst tötet Tobias seinen Vater, dann dessen Lebensgefährtin und schließlich seine ein Jahr ältere Schwester. Dann geht sein Amoklauf in der Schule weiter und fordert insgesamt zehn weitere Opfer. Diese grausame Hinrichtung und seinen eigenen Selbstmord hat er lange Zeit geplant. Doch was bringt einen Menschen zu solch einer Tat?

Eine Kindheit in der Hölle

Mit sieben Jahren war alles noch so sorgenlos und einfach, das Leben von Tobias Bohrmann noch pure Glückseligkeit. Doch diese Unbeschwertheit ändert sich, als die Eltern sich selbstständig machen. Der Vater lässt seinen Arbeitsdruck von jetzt auf gleich an Tobias aus und behandelt ihn – wie auch der Rest der Familie – plötzlich wie Luft. Tobias bekommt immer wieder die eigene Unerwünschtheit zu spüren, denn für alles wird er zum Sündenbock erkoren. Angetrunken überschreitet sein Vater dann die Grenze und verprügelt den acht Jahre alten Sohn, bis dessen Körper grün und blau geschunden ist. Tobias Schwester fühlt sich in der Rolle der verwöhnten Prinzessin sichtlich wohl und nutzt – wie auch die meisten seiner Mitschüler – jede Chance, Tobias in die Pfanne zu hauen. Als dann auch noch die Mutter stirbt, beginnt der Schrecken seinen Lauf zu nehmen.

Kritik:

Dirk Radtke schildert in Vergeltungsschlag keinen grausamen Amoklauf , wie es vielleicht der Klappentext vermuten lässt.  Der Autor erzählt vielmehr in einer Art Tagebuch des Täters, wie sich im Kopf dieses Menschen ein solches Vorhaben entwickelt. Wie sich die Ursachen dafür über die ganze Kindheit eines Täters hinweg sammeln und sich irgendwann entladen. Der Amoklauf an sich spielt sich nach dem Buchende ab. Ein Autor, der versucht über die Geschichte und natürlich hauptsächlich über die Gefühle eines Amokläufers zu schreiben, hat sich mit dem Gelingen dieses Vorhabens natürlich ohne Zweifel sehr hohe Ziele gesetzt. Schließlich ist nichts komplexer als die menschliche Psyche. Und vorneweg schon mal: Dirk Radtke ist dieses Vorhaben mehr als gelungen.

Lediglich ein paar Fehler im Lektorat und ein paar Stellen, die durch detaillierte Schilderung von Folter und Qual etwas eckelig wirken, lassen sich  als Schwachpunkte des Buches ausmachen und fordern schon starke Nerven beim Leser. Die restlichen Auffälligkeiten sind durchweg positiv.

Schon in den ersten beiden Kapiteln gelingt es Radtke den Leser, durch einen perfekten Kontrast zwischen der kindlichen Unbeschwertheit des 7-Jährigen Tobias und dem Leben des 17-Jährigen Tobias, zu fesseln. Dadurch, dass der Autor im Verlauf der Erzählung immer wieder zwischen Kindheit und Gegenwart hin und herspringt, erzeugt er eine fantastische Abwechslung beim Lesen.

glaubhaft und realitätsnah

Zudem wird schnell deutlich, dass Radtke sehr glaubhaft, realitätsnah und wortgewandt schreibt. Es fällt als Leser leicht, sich mit dem Hauptcharakter Tobias zu identifizieren und es entsteht sogar oft Mitleid mit ihm. Die anderen Charaktere sind ebenfalls interessant und haben alle ihre eigenen Macken und Vorzüge. Auch das Cover finde ich echt stark, denn es erzeugt beim Betrachten direkt die tragische Atmosphäre der Handlung. In dieser folgt  auf jeden Hoffnungsschimmer von Tobias – und somit auch des Lesers – ein weiterer Rückschlag und durch diese Spirale schafft der Autor immense Spannung. Da sind die Lehrer, das Jugendamt und seine einzige wirkliche Freundin und große Liebe Vivien. Sie alle lassen in ihm die Hoffnung auf einen Ausweg aus dem Martyrium aufkommen,  doch am Ende lassen sie ihn alle im Stich.

Selten findet man in einem Buch zudem so viel Handlung, denn glücklicherweise verzichtet Radtke auf übertrieben lange und unwichtige Beschreibungen und konzentriert sich auf das Wesentliche. Das ist gut, denn „Vergeltungsschlag“ strotzt nur so vor guten Ideen. Wenn man ein Buch schließt und es nicht mit dem letzten Satz endet, sondern noch lange in den eigenen Gedanken nachhallt, ist das immer ein Zeichen, dass das ausgegebene Geld gut investiert wurde.

Fazit

Insgesamt ist „Vergeltungsschlag“  also ein unglaublich gut geschriebener Roman und wahnsinnig bewegend. Kaum vorstellbar, dass Dirk Radtke der Durchbruch als Autor bisher nicht gelungen ist, denn er schreibt, als hätte er nie etwas anderes gemacht.  Einigen Autoren, die man Jahr für Jahr auf den Bestellerlisten findet, steht er objektiv betrachtet in nichts nach. Ein Thema, das uns alle immer wieder in den Nachrichten schockiert, in einen bewegenden Roman verpackt. Absolut empfehlenswert!

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Ein Kommentar to “Vergeltungsschlag”

  1. Chris schreibt:

    Ich finde es schade, dass der Soundtrack zum Buch nicht erwähnt wird, denn der ist auch sehr gut gelungen!

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