Viel zu lang gewartet

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Viel zu lang gewartet

Howard Carpendale. Electrola (Universal Music) 2013, Audio CD, € 7,99

Rezension von: michaelkrause2 | Rezensionsdatum:

IST DAS NOCH SCHLAGER?

Der Musiker:

erblickte am 14.Januar 1946 in Durban, Südafrika das Licht der Welt. 1963 veröffentlichte er dort seine erste Single „Endless Sleep“, allerdings ohne großen Erfolg. Über Großbritanien kam er nach Deutschland, wo ihm mit „Das schöne Mädchen von Seite 1“ 1970 der Durchbruch gelang. Seitdem ist er aus der Schlagerbranche nicht mehr wegzudenken. Hits wie „Ti Amo“, „Deine Spuren im Sand“ oder „Hello Again“ festigten seinen Ruf als Schlagersänger. Der Erfolg blieb ihm bis ins neue Jahrtausend treu. 2003 erklärte er dann seinen Rücktritt von der Bühne. Dieser dauerte allerdings nur vier Jahre. 2007 gelang ihm mit dem Album „20 Uhr 10“ ein triumphales Comeback. Bis heute konnte über 25 Millionen Tonträger verkaufen.

Das Album:

Nach seinem letzten Album „Das alles bin ich“ und einer weiteren großen und erfolgreichen Tournee verspürte Howard Carpendale einen musikalischen Stillstand. Er trennte sich von seinem gesamten Produktionsteam und wagte einen Neuanfang. Eine Entscheidung die mutig, aber auch typisch für ihn ist. Im Gegensatz zu Schlagerikonen wie den Flippers oder Rex Gildo, die ihre Karrieren mit ihm begonnen haben, war Howard Carpendale schon immer ein Musiker, der mit der Zeit gegangen ist und sich und seinen Sound immer wieder erneuert hat. Als Paradebeispiel seien hier Titel aus den 80ern wie „Laura Jane“ oder „Piano in der Nacht“ genannt, die deutlich mehr von Lionel Richie oder a-ha inspiriert wurden, als von dem, was damals allgemein als Schlager bekannt war. Gerade dieser Mut, immer wieder neue Wege zu gehen, ist dafür verantwortlich, dass Carpendale bis heute zu den beliebtesten deutschsprachigen Künstlern zählt und auf eine große Fanbasis schauen kann, die ihm über all die Jahre die Treue gehalten hat.

Dies gilt auch für die Zeit, die bis zu diesem Album vergangen ist. Schließlich ist der Abstand zwischen diesem Album und dem Vorgänger die längste Pause, die der gebürtige Südafrikaner zwischen zwei Alben eingelegt hat (sieht man von den Jahren nach seinem Rücktritt ab).

In einem Berliner Hotel ließ Howard Carpendale eine Schar junger, talentierter Songwriter erscheinen, berichtete ausführlich über sein Leben und ließ die ersten Songideen entstehen. Eine Arbeitsweise, die ihn inspiriert und beflügelt hat. Einer der ersten Titel war „Kann mir noch immer in die Augen sehen“, den er im Januar 2013 bei der 50-Jahre-ZDF-Gala präsentierte und der seine Fans aufhorchen ließ. War dies doch nicht der Sound, den man gemeinhin von Howie (einen Spitznamen, den Howard Carpendale hasst) so nicht erwartet hätte.

Allerdings sollten bis zur Veröffentlichung des Albums noch weitere zehn Monate vergehen. „Viel zu lang gewartet“ ist laut Carpendale das Album, das er schon immer aufnehmen wollte. Eine Aussage, die man bei anderen Musikern unter dem Aspekt Werbung abnicken würde, ihm aber vorbehaltlos glaubt. Denn er hat sich tatsächlich neu erfunden. Durch die Zusammenarbeit mit Songwritern wie Johannes Oerding, Robert Redweick oder Diane Weigmann sind dreizehn Titel entstanden, die mit Schlager im klassischen Sinne so viel zu tun haben, wie Eintracht Braunschweig mit dem Gewinn der diesjährigen Fußballmeisterschaft.

Schon die Hörschnipsel auf Facebook weckten Interesse, doch was das Album dann in Gänze bietet, war so nicht zu erwarten. Howard Carpendale kommt mit ganz starken Songs daher, die mal flott („In diesem Moment“, „Du warst da“), oder mal besinnlich („Das Leben ist ein Mosaik“, „Lass uns innehalten“) daherkommen. Auch textlich ist das Album ein echter Genuss. Themen wie Freundschaft („Lang nicht mehr gesehen“), soziale Verantwortung („Teilen“) oder die Liebe zu seinen Söhnen („Bedingungslos“) sind Titel, die eine echte Botschaft transportieren. Meine Highlights des Albums sind die wirklich grandiose Liebeserklärung an seine Mutter („Unterwegs“) und das mehrstimmige „Wie viel sind eine Billion“. Wenn nicht Carpendale auf dem Cover und seine typische Stimme aus den Boxen kommen würde, wüsste man nicht, dass hier der Mann am Werk ist, dem der deutsche Schlager eine prägnante Textzeile wie Schubidamdam („Du fängst den Wind niemals ein“) verdankt.

Trackliste:

01 – In diesem Moment

02 – Lang nicht mehr gemacht

03 – Teilen

04 – Das Leben ist ein Mosaik

05 – Bedingungslos

06 – Die Reise

07 – Es wird alles gut

08 – Lass uns innehalten

09 – Wie viel sind eine Billion

10 – Unterwegs

11 – Du warst da

12 – Kann mir noch immer in die Augen sehn

13 – Die Musik bleibt

 

Fazit:

Aus der deutschen Musikszene ist Howard Carpendale seit den 1970ern nicht mehr wegzudenken. Und es gab auch schon vereinzelte Titel wie „Laura Jane“, „Vielleicht niemals“ oder „Lust auf Mehr“, die mir schon gut gefallen haben. Ein solches Album hätte ich ihm allerdings nicht zugetraut. „Viel zu lang gewartet“ ist ein ganz starkes Album. Wer auf Popmusik mit guten deutschen Texten steht und Alben von , Ina Müller oder im Regal hat, sollte beim Namen Howard Carpendale nicht die Nase rümpfen, sondern ihm eine echte Chance geben. Belohnt wird dies mit wirklich tollen Songs wie „In diesem Moment“, „Unterwegs“ oder „Wie viel sind eine Billion.“

 

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