Vom Autopiloten zur Selbststeuerung: Alexander-Technik in Theorie und Praxis

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Vom Autopiloten zur Selbststeuerung

Adrian Mühlebach. Hogrefe, vorm. Verlag Hans Huber 2011, Taschenbuch, 206 Seiten, € 19,95

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Adrian Mühlebach: Vom Autopiloten zur Selbststeuerung: in Theorie und Praxis

Wo Freiheit zu spüren ist

Er war, wenn man so will, der Erste. Ein Visionär, ein Pionier, vor allem aber ein Praktiker, der verstand, dass der Körper mehr ist als eine Maschine und eine anatomische Funktionseinheit. Der Australier Frederic Matthew Alexander, der 1869 geboren wurde, hatte am eigenen Leibe erfahren, wie man körperliche Beschwerden und Gebrechen mit einem anderen Ansatz als der stur physikalisch-chemischen Betrachtung der Schulmedizin angehen kann. Mit Beobachtung und Hingabe, mit Einfühlung und Neuorganisation.

Diese Selbstorganisation ist es auch, die Adrian Mühlebach in seinem im erschienenen Buch über die Alexandertechnik zu Beginn vorstellt. Die neurophysiologische und physiognomische Ausrichtung, die den Körper formt und die wir im Laufe unseres Lebens erlernt haben. Wie Alexander richtig erkannte, wird dieser Lernprozess ab einem gewissen Alter unnatürlich und ineffizient.

Darum ging er seine eignen Stimmprobleme mit einer Ausrichtung an, die er, wie auch wir heute, bei Tieren und kleinen Kindern beständig beobachten können. Mühelose Bewegungen, innere Wachsamkeit, äußere Präsenz und ein weiter, durchlässiger und aufmerksam entspannter Körper. Alexander schrieb großartige Bücher und verhalf vielen anderen Experten zum Einstieg in die damals neue Welt des Bewegungslernens. Moshe Feldenkrais, Nikolas Tinbergen, George Bernard Shaw oder Aldous Huxley zählten zu den prominentesten Schülern des Meisters, der seine Kenntnisse im Lauf des Lebens vor allen Dingen in Europa und den USA an den Mann und die Frau brachte.

Das Buch von Mühlebach bietet einen souveränen Einstieg in Körpertheorie, Wahrnehmungsprozesse und Sozialstressabläufe. Ebenso viel Raum, nämlich gut 100 Seiten, sind der Praxis verpflichtet, die der Autor anatomisch oder funktionell einteilt. Ob Gehen, Stehen, Sitzen oder Liegen oder ob Knie, Becken, Wirbelsäule oder Kopf: sehr gut illustrierte Erklärungen, Praxisanregungen und vertiefende Fragen lassen keine Wünsche offen.

Natürlich ist die Autodidaktik in Form eine Buches immer schwieriger als die lebendige Unterstützung des Mitmenschen, aber die vielen unterschiedlichen Kanäle, die Fragen, die Bilder, die Aufgaben, die Mentalinstruktionen oder die kognitiven Erklärungen, bieten eine gut gefütterte Palette. So ist für jeden Anwendungstyp etwas dabei.

Dass Mühlebach die wichtigsten Begebenheiten menschlicher Bewegungsverformung anspricht, verwundert nicht. Denn genau die Bewusstheit, die Alexander als Zentrum seiner Lehren in die Welt setzte, darf sich heute genüsslich ausbreiten und von seinen Schülern vermittelt werden. Weite und Länge im Hals, im Rücken, ja im gesamten Körper und ein zentriertes, geschmeidiges, völlig authentisches Tun sind die Folge dieses Wunders, was ganz einfach natürliche Bewegung heißt.

Fazit:

Das Buch ist so hilfreich, dass es fast schon weh tut, wenn man bedenkt, wie viel Mühe sich der Autor gibt, Dinge zu erklären, die alle Menschen zumindest für die ersten vier, fünf Jahre ihres Lebens mühelos beherrschten. Umso wichtiger und dankbarer sollte man sein, dass es derartige Pioniere wie Alexander gegeben hat und Informanten wie Mühlbach, der sich anschickt wirklich wesentliches Wissen weiterhin zu vermitteln. Es ist das Erste, was jeder Mensch braucht, denn Bewegung ist Leben.

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