Von Wien nach Shanghai

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Von Wien nach Shanghai

Sibylle Hunzinger (Übersetzer). Deutscher Taschenbuch Verlag 2006, Taschenbuch, 300 Seiten, € 0,55

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Von Wien nach Shanghai. Die Flucht einer jüdischen Familie

Fast ist es eine Obsession, dass ich immer wieder Geschichten über die Verfolgung, das Sterben oder das Überleben von Juden zur Zeit des Nationalsozialismus lesen muss.

Fast so, als müsste ich in meiner Erinnerung alle diese Geschichten bewahren, fast so, als könnte ich auf diese Art endlich erfahren, warum weitestgehend durchschnittliche Menschen zu kaltherzigen Mördern wurden.

Auf einem Wühltisch vor einer Buchhandlung lag dieses Buch: Von Wien nach Shanghai – ich musste es wieder mal sofort kaufen und lesen!

Inhalt

Vivian Kaplan erzählt die Fluchtgeschichte ihrer Familie aus der Sicht ihrer Mutter Gerda, die von allen immer Nini genannt wurde. Geschrieben hat sie ihre Geschichte in Englisch, auch das ist typisch, ich lese die deutsche Übersetzung.

Nini wird 1916 in eine großbürgerliche Wiener Familie assimilierter Juden geboren. Sie hat zwei ältere Schwestern und als sie fünf Jahre alt ist, wird endlich auch der ersehnte Sohn geboren.

Die Kinder haben ein Kindermädchen, nehmen Musikunterricht und laufen Ski. Man geht ins Theater, ist kultiviert und gebildet. 1922 stirbt der Vater und das Leben wird schwieriger für die Familie, die Mutter führt jedoch das Familiengeschäft erfolgreich weiter.

Schleichend ändert sich jedoch alles und erst in letzter Minute gelingt es der Familie, mittlerweile um Ehepartner und eine kleine Tochter erweitert, 1939 nach Shanghai zu entkommen.

Shanghai ist die einzige Stadt, die noch Flüchtlinge ohne Visum aufnimmt. Gänzlich verarmt muss die Familie in dem ihr sehr fremden Land, das selber unter japanischer Besatzung leidet, ihr Überleben organisieren. der Kulturschock ist immens.

Die Schwierigkeiten, bis hin zu Internierung, nacktem Hunger, Krankheit und Verzweiflung sind unglaublich. Dass Nini ihren geliebten Poldi, einen polnischen Juden, der lange in Italien lebte, hier wiedertreffen und heiraten kann, ist einer der wenigen Lichtblicke.

Poldis Eltern, wie auch der Rechtsanwalt in Wien, der für sie alle die Flucht organisiert hatte, überleben den Terror nicht. Der lange Arm der Nazis erreicht zuletzt auch China, die Deutschen legen ihren Verbündeten Japan nahe, die Juden auch in China auszurotten.

Die Besatzungsmacht errichtet ein Ghetto. Wieder verliert die Familie alles, wieder muss sie neu anfangen.

Obwohl China eigentlich nie eine Heimat wurde, will die junge Familie, Nini, Poldi und die 1946 geborene Tochter, nach dem Kriegsende eigentlich bleiben.

Die Auswanderer haben sich eine kleine Parallelgesellschaft europäischer Kultur in Sghanghai aufgebaut, aber die Weltereignisse, Mao Tse Tungs Revolution, erfordern eine erneute Flucht.

Eine endgültige Heimat findet die Familie erst in Kanada.

Fazit

Vivian Kaplans Familiengeschichte ist keine „große Literatur“, es ist nur die Geschichte einer Familie, die Unglaubliches erleiden musste, um einfach nur zu überleben. Eine kleine Familie erhält ein Gesicht, es sind Menschen, die man kennenlernt und um deren Weiterleben man zittert.

Zehn Menschen von mehr als sechs Millionen. Und ein Ausschnitt der Geschichte, über die man viel zu wenig weiß. Juden flüchteten, um dem 1000jährigen Reich zu entgehen, in die Türkei, nach China oder nach Kolumbien. Exil ist immer bitter, dieses in Shanghai aber ganz besonders.

Es ist schade, dass so ein wichtiges, hochinformatives Buch so unbekannt geblieben ist. Sollte man lesen.

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