Warum ich fühle, was du fühlst

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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

: Warum ich fühle, was du fühlst (4 CDs): Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone

Gemessene Gefühle

Joachim Bauer ist nicht nur ein sehr bekannter Neurobiologe und Molekularmediziner, sondern auch ein gewiefter Autor, der mit seinen Büchern – zu Recht! – ein Millionenpublikum erreicht.

Aufgrund seiner zum Teil revolutionären Überlegungen ist er Teil wissenschaftlicher Diskussionen, in seinem Wohn- und Lehrort Freiburg lieferte er sich in der biederen Badischen Zeitung einen intellektuellen Schlagabtausch mit seinem Kollegen Karl-Friedrich Fischbach.

Streitpunkt sind – wie auch bei den Kernpunkten seiner Bücher  – besonders biologische Themen, die von der Gehirnforschung anders interpretiert werden; man denke nur an die Schrift „Das kooperative Gen“, das sich bewusst auch vom Titel her vom egoistischen Gen eines Dawkins und den Soziobiologen abhebt.

Das neuste Werk, das hier in der Rezension als vorliegt, beschreibt das Phänomen der Resonanz und der intuitiven Interaktion.

Warum also gähnen Menschen, wenn sie andere Menschen gähnen sehen? Warum öffnen Eltern den Mund, um Kinder dazu zu animieren, selber den Brei zu sich zu nehmen?

Um es vorweg zu nehmen: Bauer argumentiert primär mit neurobiologischen Erkenntnissen, im Speziellen mit den seit den 1990er Jahren initiierten Forschungen betreffend der sogenannten Spiegelneurone, also spezifischer Zellen, die just jene Phänomene kontrollieren und organisieren.

Er hätte allerdings auch anthropologisch argumentieren und seine Schrift mit verhaltensbiologischen Prämissen und evolutionsbiologischen Entdeckungen der 1970er und 1980er Jahre einleiten können.

Einen Namen wie Irenäus Eibl-Eibesfeldt hätte man zum Mindesten mal erwähnen müssen, haben er und seine Kollegen doch schon vor so vielen Jahrzehnten den Nachweis dieser Verhaltensweisen erbracht.

Bauer hingegen ist nun derjenige, der ihn körperlich zu verifizieren versteht – und das auf eine eindrucksvolle, besonnene und intelligente Art und Weise.

Der Schauspieler Armin Hauser, dessen Stimme jeder, der sie hört, sofort wiederkennt, ist der ideale Begleiter für die vier CDs, in denen es um die wissenschaftliche Verortung des Bauchgefühls, der Intuition und der Resonanz geht.

Bauer kann man diesbezüglich nicht widersprechen, den ein oder anderen Tick Pionierarbeit hätte er aber – wie gesagt – so manchem Anthropologen zusprechen dürfen.

Ein ähnliches Phänomen war ja auch bei seinem Klassiker von 2005, Das Gedächtnis des Körpers, zu beobachten: es hört sich nach einer Weltsensation an (in dem Fall psychosomatische Kongruenzen), stattdessen ist dies, man musste es sich nur trauen, lange bekannt und – unter uns – auch nur logisch.

Nichtsdestotrotz darf man sich auf dieses Werk freuen, darf man Joachim Bauer für seine mutigen und unermüdlichen Arbeiten danken. Den Autismus wissenschaftlich und sinnvoll zu erklären, gelingt in diesem Buch tatsächlich zum ersten Mal plausibel, die Theory of mind, eine besonders bedeutende anthropologische Fähigkeit, die Menschen von niederen Tieren unterscheidet, erhält hier eine zelluläre Grundlage und manch andere darwinistische Grundprinzipien dürfen zumindest erweitert werden.

Genetische Fitness also hat auch etwas mit Intuition und Resonanz zu tun – das ist wissenschaftliche gute Arbeit.

Fazit:

Ein leicht verständliches, dennoch hochinteressantes Hörbuch, das ganz wunderbar von Armin Hauser vorgetragen wird. Abgesehen von dem Wissenschaftsphänomen (das habe ich ganz alleine herausgefunden!) der mangelnden Interdisziplinarität zudem ein Meilenstein für alle psychologischen, biologischen und medizinischen Berufsfelder.

Nur diejenigen, die tatsächlich ganz aus der Intuition leben, brauchen mikroskopische Nachweise dafür natürlich nicht.

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