Was mit dem weißen Wilden geschah

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Was mit dem weißen Wilden geschah

Sylvia Spatz (Übersetzer). C.H.Beck 2014, Gebundene Ausgabe, 318 Seiten, € 19,95

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Francois Garde: Was mit dem weißen Wilden geschah

Es riecht so schön nach Abenteuer

Das ist ja endlich mal wieder ein Buch, in das man sich bedingungslos fallen lassen kann; dass auf alle Extras verzichtet und einen mir nichts dir nichts in die gute alte Zeit transportiert. Ja, die gute alte Zeit gab es wirklich. Als Abenteuer noch spannend und neu waren; als man auf unzählige Extras und Staffage verzichten konnte; als alleine die Begriffe Bounty, Moby Dick oder Gregory Pack einem Vorfreude schenkte: auf heroische Kämpfe, zu rettende Völker oder die Einsamkeit in der wilden Natur. Und der wilde Weiße, den der Franzose Francois Garde, historisch gewissenhaft wieder auferstehen lässt, ist ein beredtes Beispiel dafür, dass es auch in der technisierten und langweiligen Moderne noch gute, klassische und höchst unterhaltsame Literatur gibt.

Aus zwei Perspektiven berichtet dieses Buch. Zum Einen aus Erzählersicht, der den Matrosen Narcisse Pelletier dabei begleitet, wie er auf einer Halbinsel der australischen Ostküste von seiner Besatzung zurückgelassen wird und sich nun wie Robinson Crusoe im damals – 1843 – noch unerforschten neuen Kontinent durchschlagen muss. Kurz bevor er ermattet und entkräftet vor Hunger und Durst stirbt, rettet ihn eine Eingeborene, in dem sie ihn versorgt. Aber nicht mit einer dem Europäer gewohnten caritativen Freundlichkeit, sondern mit einer lasziven Despektierlichkeit. Von da an folgt der Ausgesetzte seiner Retterin und es beginnt die brutale und schwere Gewöhnung an das Leben des Weißen in einem wilden Stamm.

Auf der anderen Seite erzählt das Buch vom geographischen Gelehrten Octave de Vallombrun, der gut zwanzig Jahre später davon erfährt, wie eben jener Landsmann auf einer Expedition zufällig aufgefunden und mit nach Sydney gebracht wird. In Briefform, gerichtet an den Präsidenten seiner Organisation, beschreibt Vallobrum nun, wie er versucht den völlig Verwilderten, die Sprache und den Habitus aufgegeben Landsmann zu resozialisieren. Die Ich-Perspektive und eine wissenschaftliche abgehobene Sprache schaffen also den zweiten Blickwinkel des Romans – ein umfassendes Betrachten.

Das Wichtigste aber – neben der spannenden Rekonstruktion einer wissenschaftlichen und kulturellen Sensation – ist Gardes fesselnde Erzählung. Es liest sich flüssig wie der Pazifik vor Australiens Ostküste, es rutscht und flutscht, man fliegt förmlich durch das Buch – ein packendes, faszinierendes Abenteuer, grandios vermittelt und herrlich aufgeschrieben. Apropos: Der Autor lernte als Diplomatenkind von früh auf, was es heißt auf fremden Kontinenten zu leben und mit Exotischem konfrontiert zu werden. Das merkt man vor allem an der sehr trefflichen Beschreibung des wilden Stammes, dem der Ausgesetzte ausgeliefert wird.

Fazit:

So stellt man sich gute Literatur vor. In einem fesselnden Erzählstil, mit einem ausgeklügelten Plot und mit dem Transport elementarer Botschaften. Nicht nur historisch biographisch korrekt, sondern auch lohnenswert: wer ist denn eigentlich hier der Wilde und wer der Zivilisierte? Ein Buch, das sicher vielen gefallen wird, weil es keine Schwächen hat.

 

 

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