Welcom to our Hillbrow

Autorenwertung
  • Dramatik
    ein Buchein Buchhalbes Buchkein Buchkein Buch
  • Faszination
    ein Buchein Buchhalbes Buchkein Buchkein Buch
  • Unterhaltung
    ein Buchein Buchein Buchkein Buchkein Buch
  • Authentizität
    ein Buchein Buchein Buchein Buchkein Buch
  • Satire
    ein Buchein Buchkein Buchkein Buchkein Buch
  • Gesamt
    3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne

Welcome to Our Hillbrow

Phaswane Mpe. University of KwaZulu-Natal Press 2002, Taschenbuch, 124 Seiten, € 3,43

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Welcome to our Hillbrow

Phaswane Mpe, der junge südafrikanische Autor, schrieb 2001 eine bissige Anklage auf die Fremdenfeindlichkeit und den Zustand der jungen südafrikanischen Gesellschaft. Die Ausschreitungen der Zukunft, abgebrannte Hütten der Zugewanderten aus Zimbabwe und Mosambik, Erschlagene und – wieder mal – Vertriebene konnte er nicht voraussehen. Seine warnende Stimme wurde jedoch, wen wundert es – wie gewöhnlich nicht gehört.

Inhalt

Mpe beschreibt das laute, bunte, pulsierende Viertel Hillbrow, ein ärmliches innerstädtisches Viertel von Johannesburg, Südafrika. Sein Parforceritt durch diese Wohngegendverschlägt einem den Atem, Mpe schreibt von den zerbrochenen Träumen der Jungen und ihrer Perspektivlosigkeit, von der Suche nach einem Zipfelchen Glück, von Geldmangel, von der Jagd nach Sex, nach Eroberungen und den tödlichen Kosten, die der lockere Umgang mit dem anderen Geschlecht mitbringt: AIDS. Mpe schreibt auch von dem Hass auf alle Fremden, die so wunderbar als Sündenböcke dienen können. Ein – weißer – Kollege des Protagonisten Refentse sagt einmal: Hillbrow war schon in Ordnung früher, bis die ganzen Nigerianer kamen und mit Drogen handelten. Aber Hillbrow ist auch voll Gewalt, Brutalitäten und voll Traditionen, die wie der Glaube, jede Krankheit und jeder unzeitliche Tod sei auf Hexen zurückzuführen, nur wieder Leid und Tod produzieren. Dieses Konglomerat aus Übeln und Leid, fast fröhlich und  zynisch serviert, ist gegliedert durch immer wieder den gleichen Satz: Wellcome to our Hillbrow. Als Leser möchte man darauf verzichten.

Mpe adressiert den Anfang seines Buches an Refentse, Kind von Tiragalong. Auch Refentse ist ein Zuwanderer, allerdings nur aus dem nahegelegenen Dorf Tiragalong, aus dem viele nach Hillbrow und nach Johannesburg gekommen sind auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Refentse hat jedoch, anders als so viele andere, nicht vergessen, dass er ein Zugewanderter ist und somit eigentlich überhaupt nicht anders als die Menschen, die aus anderen Staaten des afrikanischen Kontinents stammen und die abwertend nur Makwerewere (unverständlich brabbelnde) genannt werden. Refentse wies immer wieder auf ihre Gleichwertigkeit hin, niemand jedoch wollte das hören. Auch Refilwe nicht, die Frau, die Refentse liebt. Das beruht jedoch nicht auf Gegenseitigkeit. Refentse liebt Lerato, zumindest solange, bis er sie und seinen besten Freund Sammy im Bett erwischt. Das war zu viel an Verrat. Refentse springt aus dem 20sten Stock. Der Autor spricht Refentse zu Beginn seines Romans an als den Gestorbenen. Hättest du nicht Selbstmord begangen, vielleicht hätte es dich gefreut, dass Südafrika den Fußball-Weltcup verloren hat. Sicher hätte es dich gefreut. Aber Refentse ist tot.

Refilwe, die ihn immer geliebt hatte, trauert. Aus der Liebe der beiden ist nie etwas geworden, weil auch Refilwe weitere Beziehungen hatte, in ihrem Fall mit vier anderen Männern. Refentse war auch Schriftssteller, er schrieb über eine Frau, die ihr libertäres Sexualleben mit dem AIDS-Tod bezahlt. Eine Vorwegnahme von Refilwes Schicksal? Refilwe fliegt nach Oxford, beginnt dort ein Studium und verliebt sich neu – in einen Mann aus Nigeria, der ihrem Refentse unglaublich ähnlich sieht. Beide müssen jedoch erfahren, dass sie schon lange mit dem HIV-Virus infiziert sind, unabhängig voneinander und bereits, bevor sie sich kennen lernten. Refilwe fliegt, mit dem nun nutzlosen Zeugnis in der Tasche, zum Sterben zurück nach Tiragalong. Sie will ihr Leben zu Hause beenden, obwohl sie die Kommentare ihrer Mitmenschen sehr wohl voraussieht. Und sie hat noch ein bisschen Zeit, über vieles, was Refentse gesagt hatte, nachzudenken. Vieles sieht auch sie jetzt anders.

Fazit

Ein teilweise zynisch-bösartiger, teilweise witziger und immer leicht zu lesender Kommentar zu den Übeln der südafrikanischen Gesellschaft. Mpe zeigt, dass er betroffen ist, dass er auf Besserung hofft, auch wenn er nicht daran glauben kann. Er selbst war nach Hillbrow gekommen, um in Johannesburg zu studieren und hatte mit Geldmangel zu kämpfen. Seine schnelle, harte Geschichte zeigt ein großes schriftstellerisches Tatent, es blieb jedoch sein einziger Roman. Mpe starb 2004 an einer ungenannten Krankheit, womöglich AIDS.

Wie bewerten Sie dieses Produkt?

Ihre Bewertung
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar