Zosamme alt

Autorenwertung
  • Musik
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  • Instrumentalisierung
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  • Stimme
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  • Texte
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  • Hörspaß
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  • Gesamt
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Rezension von: michaelkrause2 | Rezensionsdatum:

DE SAFT RUUS!

Der Musiker:

Wolfgang Niedecken ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Musiker. 1976 gründete er die Gruppe. BAP, deren Sänger, Texter und Komponist er heute noch ist. Den Kölner Dialekt machte er über die regionalen Grenzen hinaus bekannt und füllte gerade in den 1980er und 1990er Jahren die größten Konzerthallen des Landes. Wolfgang Niedecken ist auch politisch sehr aktiv. So organisierte er ein Konzert gegen Rassismus und Fremdenhass und ist Sonderbotschafter der Hilfsaktion „Gemeinsam für Afrika“. Am 02. November 2011 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich vollständig erholt hat. 2013 wurde er mit dem Bundesverdienstorden 1. Klasse für sein soziales Engagement ausgezeichnet.

Das Album:

Schon lange wünschen sich BAP-Fans ein Unplugged-Album. Und erste Versuche gab es ja schon: Das Album „Tonfilm“ ging in diese Richtung, ohne wirklich Unplugged zu sein und das Album „Radio Pandorra“ gab es als komplette Unplugged-Version, allerdings enthielt dieses Album seinerzeit nur neues Songmaterial.

Jetzt hat sich Wolfgang Niedecken einen Traum erfüllt und in Woodstock ein Akustikalbum aufgenommen. Allerdings nicht als Bandprojekt, sondern mit ein paar ausgesuchten Musiker, als Soloalbum. Bei der Songauswahl hat Niedecken nicht, wie man vermuten könnte, auf die bekannten BAP-Klassiker zurückgegriffen, sondern thematisch die Songs ausgewählt, die er seiner Frau widmet.

Und so ging es mit Musikgrößen wie Larry Campbell und Stuart Smith, die für und die Eagles gearbeitet haben und Niedeckens Freunden Anne de Wolf und Julian Dawson nach Amerika, um das Album einzuspielen.

Ein Album, das recht gewöhnungsbedürftig ist und mich leider nicht wirklich überzeugen konnte. Ich verfolge das musikalische Wirken von BAP seit Anfang der 1980er Jahre, habe die Band mehrfach live gesehen und mich wirklich auf dieses Album gefreut. Doch ich kann mich auch nach mehreren Durchläufen nicht damit anfreunden. Die Instrumentalisierung ist sehr spärlich. Das gesamte Album ist im Folk-Stil gehalten und bietet wenig Abwechslung. Leider gewinnen die Songs durch die akustische Umsetzung nichts dazu. Im Gegenteil. Ein tougher Rocker wie „Rääts un links vum Bahndamm“ wirkt in die Länge gezogen und auch Titel wie „Griefbar noh“ oder „Lena“ können nicht wirklich überzeugen. Gänzlich misslungen ist in meinen Augen „Paar Daach früher“. Im Original schon eine akustische Ballade, die zu den schönsten BAP-Titeln zählt, vernuschelt Wolfgang Niedecken den Song vollständig. Überhaupt ist es gerade die stimmliche Leistung, die den Genuss des Albums trübt, da der Kölner Barde such durch alle Titel dieses Albums nuschelt. Nichts gegen sein Idol Bob Dylan, doch Niedecken kann besser singen, als er es hier macht.

Leider zeigt sich auf diesem Album auch wieder, das neuere Songs nicht an die Klasse früherer Werke heranreichen. Wolfgang Niedecken hat es in meinen Augen leider nie geschafft, den Ausstieg von Gitarrist und Co-Autor Klaus „Major“ Heuser zu kompensieren.

Die Deluxe Edition kommt mit fünf zusätzlichen Titeln daher, von denen „When I Paint My Masterpiece“ zeigt, wie man ein Akustikalbum hätte gestalten können. Gerade der Anfang dieses Songs beweist, dass man auch hier sehr viel mit Stimme und Instrumentalisierung machen kann.

Trackliste:

01 – Zosamme Alt

02 – Rääts un links vum Bahndamm

03 – Griefbar noh

04 – Nöher zo mir

05 – Paar Daach früher

06 – Do jeht ming Frau

07 – Lena

08 – Ich wünsch mir, du wöhrs he

09 – Jedanke em Treibsand

10 – Nie zo spät

11 – Für Maria

12 – Magdalena (weil Maria hatt ich schon)

13 -Waat ens jrad

14 – Alles, wat ich zo jähn wöhr ( The Official Hidden Track)

15 – Love At First Sight ( Auszug aus der Biografie „Für ne Moment“, live aus dem Münchener Lustspielhaus)

16 – Maat et joot

17 – Souvenirs

18 – When I Paint My Masterpiece

19 – All I Really Wanna Do

 

Fazit:

Als akustische Retrospektive ist „Zosamme Alt“ leider nur ein bedingt gutes Spätwerk. Die Interpretation der Songs ist zu ähnlich. Echte Ausreißer wie „Alles, wat ich zo jähn wöhr“ sind leider die absolute Ausnahme. Für diese Produktion hätte man nicht nach Woodstock reisen müssen, es hätte auch eine Lagerhalle in der Kölner Südstadt gereicht. Ich habe langsam den Eindruck, das bei Wolfgang Niedecken de Saft ruus ist. Im Vergleich zu akustischen Werken anderer deutscher Musiker (Heinz Rudolf Kunze „“ oder „Akustisch – Live die Dritte“) zieht Wolfgang Niedecken eindeutig den Kürzeren.

 

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