Zwei Leben

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Zwei Leben

Anette Grube (Übersetzer). FISCHER Taschenbuch 2007, Taschenbuch, 544 Seiten, € 8,50

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Zwei Leben. Porträt einer Liebe

Zwei Leben ist ein dokumentarischen Doppelportrait des Großonkels des Autors, Shanti, und dessen deutscher Frau Henny. Vikram Seth lebte selbst einige Zeit bei dem kinderlosen Paar, aber erst der Fund eines vergessenen Koffers voller Erinnerungsstücke und der Korrespondenz seiner Großtante brachten ihn dazu, der besonderen Beziehung des Paares nachzuspüren.

Inhalt

Shanti Seth und Henny Caro, beide 1908 geboren, lernten sich in Berlin kennen. Der indische Student, der seit 1931 in Deutschland Zahnmedizin studierte, wohnte ab 1933 bei der großbürgerlich-jüdischen Familie und gehörte schnell zu deren Freundeskreis. Die elegante Henny eroberte sein Herz, aber er offenbarte sich ihr nicht, denn Henny war mit dem nicht minder eleganten Hans Mahnert liiert. Eine Hochzeit schien nur noch eine Frage der Zeit.

Shanti musste Deutschland bereits 1937 verlassen, als Ausländer war ihm eine Arbeitsaufnahme im nationalsozialistischen Deutschland nicht erlaubt. Der junge Zahnarzt wanderte nach London aus. Zwei Jahre später kam auch Henny nach London, nicht ahnend, dass sie eine der letzten ihrer Familie und ihres Freundeskreises war, der die Flucht vor dem nationalsozialistischen Terror noch gelang. Die zwei sehr unterschiedlichen Menschen, die plötzlich allein zurückgeblieben waren, fanden aneinander und an ihren gemeinsamen Erinnerungen Halt. Shanti sei, so sagt Henny, der einzige, der ihre Lieben noch gekannt habe. Nach dem Krieg bestätigt sich, was Henny schon ahnte. Mutter und Schwester waren verschleppt worden und hatten in Theresienstadt bzw. Birkenau den Tod gefunden. Aber auch Shanti übersteht den Krieg nicht unbeschadet, er hatte sich 1940 freiwillig gemeldet. Am Monte Cassino wird er verwundet und verliert seine rechte Hand. Durch eine verpatzte Behandlung ist auch der Stumpf kaum belastbar und bereitet ihm sein Leben lang Schmerzen.

Ein Zahnarzt ohne rechte Hand? In einer Firma für Zahnheilbedarf findet Shanti doch noch eine sehr gute Stellung und nach dem Kauf eines Hauses fühlt er sich gesichert genug, so dass er es wagt, um die Hand seiner langjährigen Freundin anzuhalten. Doch erst 1951 wird eine Ehe geschlossen. Shanti schafft es seinen Traum zu verwirklichen, mit zähem Ehrgeiz gelingt es ihm, eine eigene Praxis aufzubauen.

Seth spürt anhand einer Vielzahl von Dokumenten, auch Shantis erster linkshändig geschriebener Brief gehört dazu, Zitaten aus Interviews und ausführlicher Recherche dem Besonderen dieser langjährigen Ehe nach. Auch wenn die Liebe in der Beziehung wahrscheinlich ungleich verteilt war und Henny wie getrieben in einer Fülle von Briefen versuchte herauszufinden, wer von ihren Freunden in Deutschland zu Mutter und Schwester gehalten hatte und wer, wie etwa ihr Verlobter Hans, sich abgewandt hatte, blieb die Beziehung bis zum Krebstod Hennys von Respekt und tiefer Zuneigung geprägt.

Fazit

Obwohl von einem Inder geschrieben, ist die Geschichte um Henny und Shanti eine sehr europäische Geschichte, eine Geschichte auch von den Wunden, die Überlebende des Holocaust davontrugen. Henny spricht nie über ihr Jüdischsein, reist aber auch nie nach Indien zur Familie ihres Mannes. Was den deutschen Leser seltsam erscheint, sind die Erläuterungen Seths zu Nationalsozialismus und Judenverfolgung, die für ihn nichts Neues bringen und wohl eher für den indischen Leser bestimmt sind. Auch die penible Auflistung jeder Begebenheit ermüdet manches Mal, welcher der indischen Verwandten wann was tat, ist für den Fortgang der Geschichte eigentlich unerheblich. Aber Seths Liebe zur allumfassenden Darstellung sind seit seinem Mammutwerk „Eine gute Partie“ mit 1400 Seiten Umfang hinreichend bekannt.

Trotzdem lohnt sich die Lektüre dieses Porträts einer Liebe, reichert unser Wissen über die dunklen Jahre deutscher Geschichte mit noch einer weiteren Facette an.

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