Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

Autorenwertung
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  • Aufmachung
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  • Anspruch
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  • Hörspaß
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  • Gesamt
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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Robert : Die Verwirrungen des Zöglings Törleß: Hörspiel

Meisterwerk der modernen Verdrängung

Die literarische Moderne, zu deren Klassikern nicht nur James Joyce oder Marcel Proust, sondern auch Robert Musil zählen darf, ist für den gemeinen Prosa-Rezipienten immer noch und immer wieder gewöhnungsbedürftig. Das liegt wohl in erster Linie daran, dass sich eben jene Moderne seit gut hundert Jahren was Niveau, Kreativität und Empfindungsmöglichkeiten stark, respektive extrem stark (siehe Jetzt-Zeit), zurückentwickelt hat. Ein gleichgeschalteter, fader Mix menschlicher Einfallslosigkeit. Nur gut, könnte man da meinen, dass Musils Erstling, der Zögling Törleß, so einfach und prosa-gerecht ist, wie man sich das nur wünschen mag.

Doch mit dieser Vorstellung sparen wir am falschen Ende, denn erstens steckt in dem Werk eben doch jener vielschichtige Expressionismus der vorletzten Jahrhundertwende und zum zweiten liegt die bessere Verdaulichkeit jenes Werkes in dem Fall an der ausgezeichneten und immer nachvollziehbaren Hörspiel-Bearbeitung, die brandaktuell von -Chefdramaturg (dieses Wort stammt aber irgendwie auch aus der expressionistischen Moderne, oder nicht?) Manfred Hess in Szene gesetzt worden ist.

Die Handlung wurde gestrafft, die Erzählperspektiven und Tempi angeglichen und das Ganze mit der nicht immer wünschenswerten Prise klassischer Musik gewürzt. Herausgekommen ist eine saubere, spannende und jederzeit gut zu verdauende Erzählform, die zusammen mit dem feinen Artwork und Booklet des Audio-Verlages stilistisch ganz weit vorne zu verorten ist.

Die Story selbst ist entweder altbekannt oder aber verdrängt. Kennen tut sie dennoch jeder, denn die Internatsintrige dreier Schüler, die einen vierten, weil sie ihn beim Stehlen erwischen, aber nicht verraten und hernach psychisch wie physisch misshandeln und foltern, ist die ganz große Nummer der Trieb- und Seelenverdrängung der Moderne und wird auch heute tausendfach tagtäglich von jedermann praktiziert. Sei es der Terrorismus, unfähige Politiker, die Massenmedien oder gerne und immer wieder der Nachbar: sie alle personifizieren das Übertragungsobjekt der eigenen Unfähigkeit – weitere Informationen hierzu entnehmen Sie bitte den Klassikern (Freud, Jung, Reich) oder aber in wertvoller Erzählform diesem Hörbuch.

Fazit:

Im gleichen Jahr wie die Erstauflage dieses Romans erschien, promovierte Musil auch in Philosophie. Aufgrund des Erfolges ließ er die Studierstuben fortan sausen und widmete sich ausschließlich dem Schreiben. Erzählungen, Novellen, Romane – alles verpackt in kreative, verrückte und tiefgründige Sprach- und Gestaltungsformen. Mit den Verwirrungen des Zöglings Törleß hat er ein Buch hinterlassen, das bleibt, wie Alfred Kerr meint. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass diese feine Hörspielbearbeitung auch dem breiten Publikum einen optimalen Zugang gewährt.

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