Back To The 80´s: Odyssee
Kurzfazit: Swing, Rock und bissige Texte: Lindenbergs stärkstes 80er-Album.
Auch bei Thalia ansehen →Worum geht es auf „Odyssee” von Udo Lindenberg?
„Odyssee” ist das vierzehnte Studioalbum von Udo Lindenberg und dem Panikorchester. Es erschien am 24. Januar 1983 bei Polydor und versammelt elf Songs auf rund vierzig Minuten. Musikalisch spannt die Platte einen weiten Bogen: Vom Rocksong über breit ausgespielte Swing-Nummern bis zur bitteren Ballade ist alles vertreten. Textlich ist es eine der schärfsten Lindenberg-Platten überhaupt. Er nimmt Bundeswehr, Kirche, Politik, Sextourismus und den Körperkult der frühen 80er aufs Korn, ohne dabei den für ihn typischen schrägen Humor zu verlieren.
Der bekannteste Titel des Albums ist der „Sonderzug nach Pankow”, der als Single bereits vor der Platte erschien und Lindenbergs bis dahin größter Hit wurde. Wer das Album nur wegen dieses einen Songs auflegt, verpasst allerdings den größeren Teil dessen, was „Odyssee” ausmacht.
Über den Sänger
Udo Lindenberg wurde am 17. Mai 1946 in Gronau geboren und arbeitete zunächst mit dem Jazzmusiker Klaus Domdinger zusammen, bevor er sich entschloss, Rockmusik mit deutschen Texten zu machen. 1972 erschien sein Album „Daumen im Wind”. Der kommerzielle Durchbruch gelang ein Jahr später mit „Alles klar auf der Andrea Doria”. Zu dieser Zeit lebt er in Hamburg mit Otto Waalkes und Marius Müller-Westernhagen in einer WG. In den 80ern hatte er mit dem „Sonderzug nach Pankow” seinen größten Single-Hit, der ihm im Oktober 1983 die langersehnten Auftritte in der DDR ermöglichte. In den 90ern war Lindenberg zwar immer präsent, aber die ganz großen Erfolge blieben aus. Erst 2008 gelang ihm mit dem Album „Stark wie zwei” ein fulminantes Comeback. Erstmals platzierte sich ein Lindenberg-Album auf dem ersten Platz der deutschen Albumcharts. Drei Jahre später ein weiterer Adelsschlag, als er im Rahmen der MTV-unplugged-Reihe ein Album aufnahm.
Diese Vita ist wichtig, um „Odyssee” einzuordnen. Die Platte entstand nicht in einer Phase des Rückzugs, sondern mitten in Lindenbergs erster großer Hochzeit als Deutschrocker, der sich politisch einmischt.
Das Album im Überblick
Für sein vierzehntes Studioalbum wechselte Udo Lindenberg 1983 die Plattenfirma und war fortan bei Polydor unter Vertrag. Anfang des Jahres machte er seinem Ärger über ein Auftrittsverbot in der DDR Luft, in dem er zur Melodie des Glenn-Miller-Klassikers „Chattanooga Choo Choo” einen Text schrieb, in dem er sich direkt an den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker wandte. „Sonderzug nach Pankow” wurde sein bis dato größter Singlehit.
Im Fahrwasser dieser Single kam dann auch die neue Platte „Odyssee” heraus. Für mich war es seinerzeit der erste Berührungspunkt mit der Musik von Udo Lindenberg. Deshalb hat das Album bis heute einen besonderen Stellenwert für mich. Musikalisch wird von Swing bis Rock viel geboten und textlich war Udo bissig und humorvoll.
Aufgenommen wurde die Platte mit dem Panikorchester, das Lindenberg auch hier um zahlreiche Studiomusiker an Gitarren, Keyboards und Bläsern ergänzte. Genau diese Bläsersektion ist es, die den Sound von „Odyssee” von vielen anderen Deutschrock-Platten der Zeit abhebt.
Der Titelsong und die Rocknummern
Der eröffnende Rocksong „Odyssee” gehört noch heute zum Liveprogramm des Panikrockers und ist für mich einer der besten Lindenbergsongs überhaupt. Er setzt den Ton für die Platte: getrieben, mit klarer Kante, aber nie verbissen. „Du knallst in mein Leben” schließt daran an und zeigt die leichtfüßigere Seite des Albums.
Die Swing-Nummern
Neben dem Sonderzug sind es „Dr. Kimbel auf der Flucht” und „Mein Onkel Joe”, die im Swing-Sound sehr schöne Kontrastpunkte geben. Hier merkt man Lindenberg den Schlagzeuger an, der aus dem Jazz kommt. Die Arrangements sind lockerer als bei den Rocktiteln, die Pointen sitzen in den Texten und nicht in der Lautstärke.
Die politischen Songs
In „Killer-Kino”, „Ich bin beim Bund” und vor allem in „Kleiner Junge” bezieht Udo Lindenberg klar Stellung zu den Problemen der damaligen Zeit und rechnet im letztgenannten Song schonungslos mit Kirche und Politikern ab. Auch der aufkommende Sextourismus nach Thailand wird von ihm thematisiert („Kralle”). Eben bekommt der skurrile Lindenberg-Humor seinen Einsatz, wenn er zum Beispiel die süße „Body Building Braut” besingt. Diese Mischung aus Anklage und Albernheit ist das eigentliche Markenzeichen der Platte.
Trackliste
01 - Odyssee
02 - Dr. Kimbel auf der Flucht
03 - Du knallst in mein Leben
04 - Sonderzug nach Pankow
05 - Killer-Kino
06 - Body Building Braut
07 - Ich bin beim Bund
08 - Kleiner Junge
09 - Kralle
10 - Heyooh Guru
11 - Mein Onkel Joe
Charts und Erfolg
Mit Platz 3 erreichte das Album seine beste Chartplatzierung und musste sich seinerzeit nur den Platzhirschen von Nena und Chris de Burgh geschlagen geben. Eingestiegen war „Odyssee” Anfang Februar 1983 auf Platz 4, eine Woche später stand es auf der Drei. Insgesamt hielt sich die Platte 29 Wochen in den deutschen Charts, davon 17 Wochen in den Top 10, und landete auf Platz 10 der Jahrescharts 1983. Noch im selben Jahr gab es Gold für mehr als 250.000 verkaufte Exemplare. In Österreich reichte es für Platz 8, es war dort das erste Lindenberg-Album überhaupt, das sich in den Charts platzieren konnte.
Für wen lohnt sich das Album?
„Odyssee” ist die richtige Platte für alle, die Udo Lindenberg bislang nur über die Comeback-Alben ab 2008 kennen und wissen wollen, woher der Ruf des politischen Panikrockers eigentlich kommt. Wer Deutschrock mit Bläsern und Swing-Anleihen mag, bekommt hier eine der abwechslungsreichsten Platten der 80er. Und wer den „Sonderzug nach Pankow” im Radio hundertmal gehört hat, findet auf dem Album zehn weitere Titel, die diesen Hit erst in seinen Zusammenhang stellen.
Weniger geeignet ist die Platte für Hörer, die reinen, harten Rock erwarten. Die Swing-Nummern sind kein Beiwerk, sondern machen einen guten Teil des Albums aus.
Fazit: Lohnt sich Back To The 80´s: Odyssee?
Auch nach vierzig Jahren begeistert mich „Odyssee” restlos. Für diese Rezension habe ich das Album mal wieder komplett durchgehört und mich auf eine Zeitreise in meine Jugend begeben. Bis heute begeistern die Abwechslung und die Texte. Jeder Song kommt auf den Punkt und obgleich viele im Schatten des Überhits „Sonderzug nach Pankow” stehen, lohnt es sich, in die anderen kleinen Geschichten von Udo Lindenberg einzutauchen.
Für ein Album, das in wenigen Wochen rund um eine politische Single herum veröffentlicht wurde, ist die Qualität bemerkenswert konstant. Ausfälle gibt es keine, dafür mehrere Titel, die es bis heute in Lindenbergs Liveprogramm geschafft haben.
Unsere Bewertung
Musik: 5
Instrumentalisierung: 5
Stimme: 5
Texte: 5
Abwechslung: 5
Häufig gestellte Fragen
Wann ist das Album Odyssee von Udo Lindenberg erschienen?
Odyssee kam am 24. Januar 1983 bei Polydor heraus und ist das vierzehnte Studioalbum von Udo Lindenberg und dem Panikorchester. Die elf Songs kommen zusammen auf rund vierzig Minuten Spielzeit.
Welche Lieder sind auf Odyssee?
Das Album eröffnet mit dem Titelsong Odyssee und enthält unter anderem Dr. Kimbel auf der Flucht, Du knallst in mein Leben, Sonderzug nach Pankow, Killer-Kino, Body Building Braut, Ich bin beim Bund, Kleiner Junge, Kralle, Heyooh Guru und Mein Onkel Joe. Elf Titel, viele davon deutlich vom Swing geprägt.
Wie erfolgreich war Odyssee in den Charts?
Das Album stieg im Februar 1983 auf Platz 4 in die deutschen Charts ein und erreichte in der Woche darauf Platz 3, seine beste Platzierung. Insgesamt hielt es sich 29 Wochen in den Charts, davon 17 Wochen in den Top 10, und wurde 1983 mit Gold ausgezeichnet.
Worum geht es im Sonderzug nach Pankow?
Udo Lindenberg schrieb den Text auf die Melodie des Glenn-Miller-Klassikers Chattanooga Choo Choo und wandte sich darin direkt an den DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, weil ihm Auftritte in der DDR verwehrt blieben. Das Lied wurde sein bis dahin größter Singlehit und ging dem Album Odyssee voraus.
Für wen lohnt sich Odyssee heute noch?
Für alle, die Lindenberg bislang nur über die Hits der 2000er kennen, ist Odyssee der beste Einstieg in seine 80er-Jahre. Wer Deutschrock mit Swing-Einschlag und zeitkritischen Texten mag, findet hier neben dem Überhit zehn weitere kleine Geschichten.
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