Berte Bratt: Ein Mädchen von 17 Jahren
Kurzfazit: Ungewöhnlich konfliktreicher Bratt-Roman mit zwiespältigen Eltern.
Jubiläumsausgabe: Meine Tochter Liz. Ein Mädchen von 17 Jahren
5,23 € Stand: 17.08.2026
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Lisbeth ist 17 Jahre alt und ein energiegeladenes und fröhliches Mädchen, dass mit seinen Adoptiveltern und ihrem kleinen Bruder zusammenlebt. Sie hat ein ausgezeichnetes Verhältnis zu ihren jungen Eltern, vor allem zu ihrer Mutter Steffie.
Beim Reiten lernt Lisbeth eines Tages den attraktiven Erling kennen, der aus reichem Hause stammt. Allerdings werden ihm unschöne Liebesgeschichten nachgesagt und man merkt auch bald, dass er ein egoistischer und unsympathischer Mensch ist. Doch Lisbeth ist blind vor Verliebtheit und lässt sich auf zu lange Abende unter der Woche ein und benimmt sich bald affektiert und unnatürlich.
Ihre Eltern versuchen sie von Erling fernzuhalten, indem sie ihr spätes Ausgehen verbieten (unter dem Vorwand, dass sie für die Schule lernen muss) und laden zu Treffen mit Erling alte Freunde ein, damit Lisbeth sieht, wie sich gutherzige und ordentliche Menschen wirklich verhalten sollen.
Dennoch bleibt Lisbeth unbeeindruckt und bald gibt es Ärger und Eklat in dem sonst so warmherzigen Familienhaus. Dabei taucht auch eine Schulfreundin von Lisbeth auf. Marianne ist ein liebenswertes aber verschlossenes Mädchen, dass mit der Zeit unter dem Einfluss der Familie auftaut. Derweil spitzt sich die Lage zwischen Eltern und Kind immer weiter zu und gipfelt damit, dass die Eltern Lisbeth auf eine Reise zu Verwandten schicken, wobei ihr Erling heimlich folgt.
Die Figuren
Lisbeth
Die Titelheldin ist keine brave Musterschülerin, sondern lebhaft, direkt und ziemlich stur. Genau das macht sie über weite Strecken glaubwürdig: Sie merkt selbst, dass sie sich verändert, dass sie geziert redet und ihre alten Freundinnen vernachlässigt, und kann trotzdem nicht anders. Wer je verliebt und dabei schlecht beraten war, erkennt dieses Muster wieder.
Erling
Erling ist der Gegenspieler des Romans, auch wenn er nie als Schurke auftritt. Er ist reich, charmant und nimmt sich, was er will. Bratt zeichnet ihn ohne Übertreibung: kein Bösewicht, sondern ein junger Mann, dem nie jemand Grenzen gesetzt hat. Dass Lisbeth das lange nicht sieht, die Leserinnen aber schon, erzeugt einen guten Teil der Spannung.
Steffie und Hemming
Die Adoptiveltern sind die interessanteste und zugleich problematischste Instanz des Buchs. Sie sind jung, herzlich und modern im Ton, aber in der Sache erstaunlich hart und vor allem nicht ehrlich. Ihre Erziehungsmethode besteht aus Vorwänden, inszenierten Begegnungen und Reisen, die eher Verbannung sind.
Marianne
Marianne ist die stille Nebenfigur, die aus schwierigen Verhältnissen kommt und im Haus der Familie auftaut. Sie erfüllt eine Funktion, die man aus vielen Bratt-Romanen kennt, und bleibt deshalb blasser als sie müsste. Für sich genommen ist ihr Handlungsfaden aber warmherzig erzählt.
Berte Bratt: Wer steckt hinter dem Pseudonym?
Hinter dem Namen steht die norwegische Autorin Annik Saxegaard, geboren am 21. Mai 1905 in Stavanger, gestorben am 16. August 1990. Das Pseudonym Berte Bratt entstand nicht in Norwegen, sondern wurde vom Schneider-Verlag für den deutschen Markt geschaffen. Der Erfolg war beachtlich: Saxegaard schrieb rund 80 Bücher, von denen etwa 30 auf Deutsch erschienen, und verkaufte unter dem Namen Berte Bratt über fünf Millionen Exemplare.
Sie schrieb auch unter weiteren Namen. Ein Teil ihrer Romane erschien zunächst als Lore-Romane unter dem Pseudonym Nina Nord, für die Gina-Reihe nutzte sie den Namen Ulla Scherenhof. Wer heute nach ihren Büchern sucht, stößt deshalb regelmäßig auf denselben Text unter unterschiedlichen Titeln und Autorennamen, was die Suche nach der richtigen Reihenfolge erschwert.
Der Zusammenhang mit Meine Tochter Liz
Ein Mädchen von 17 Jahren steht nicht allein. Der Band knüpft an Meine Tochter Liz an, in dem Lisbeth als Kind eingeführt wird und in dem sich das Verhältnis zwischen ihr und ihren Adoptiveltern aufbaut. Beide Romane sind auch in einer gemeinsamen Jubiläumsausgabe erschienen, was der übliche Weg ist, sie heute noch zu bekommen.
Lesen lässt sich der zweite Band problemlos für sich. Wer den ersten kennt, spürt allerdings deutlicher, wie viel in diesem Buch auf dem Spiel steht: Das enge Verhältnis, das im Vorgängerband aufgebaut wurde, wird hier systematisch beschädigt.
Unsere Meinung
Was mich an diesem Berte Bratt Roman am meisten gereizt hat, ist die Tatsache, dass hier der Familienfrieden der Hauptperson gewaltig gestört wird. Das ist höchst ungewöhnlich für die Autorin, bei der sonst immer nur strahlender Sonnenschein im Familienleben der Protagonisten herrscht, während sich Probleme bei Freunden oder Bekannten abspielen. Die Nebengeschichte mit Marianne ist ganz nett, allerdings schon beinahe Standard in diesen Romanen. Immer taucht ein Mädchen auf, dass aus schlechten Verhältnissen oder gestörtem Elternhaus kommt und dann durch Hilfe der Hauptfiguren zu sich selbst findet.
Was mich an der Geschichte gestört hat, ist die Tatsache, dass die Eltern Steffie und Hemming zwar ständig davon reden, wie gut sie sich mit ihrer Tochter verstehen, die ja schon so erwachsen ist, zugleich aber nie ehrlich zu ihr sind. Immer wird eine List oder ein Vorwand benutzt, um Lisbeth von Erling fernzuhalten. Sie wird auf Reisen geschickt, bekommt Hausarrest, Steffie lädt heimlich noch andere Freunde ein, als Erling zu Besuch kommt. Da muss die Tochter ja spüren, dass man sich gegen sie verschworen hat, kein Wunder also, dass sie mit der Zeit immer ausfallender wird.
Berte Bratt Kritik: Wie liest sich das heute?
Das Familien- und Rollenbild
Die Romane stammen aus einer Zeit, in der das gute Familienleben ein festes Ideal hatte, und dieses Ideal wird nicht hinterfragt, sondern vorgeführt. Wer damit rechnet, findet darin einen Reiz. Wer erwartet, dass die Bücher Rollenbilder aufbrechen, wird enttäuscht. Bemerkenswert ist immerhin, dass gerade dieser Band das Ideal zum Wackeln bringt, wenn auch ungewollt: Die Eltern kommen bei der Lektüre schlechter weg, als es vermutlich beabsichtigt war.
Wiederkehrende Muster
Der zweite häufige Kritikpunkt betrifft die Wiederholung. Das unglückliche Mädchen aus schwierigem Elternhaus, das durch die Hauptfamilie gerettet wird, taucht in vielen Bänden auf. Wer drei oder vier Romane hintereinander liest, kennt die Bauteile. Einzeln gelesen fällt das kaum ins Gewicht.
Die häufig gestellte Frage nach queeren Lesarten
Rund um Berte Bratt wird immer wieder gesucht, ob in ihren Büchern gleichgeschlechtliche Liebe vorkommt. Der ehrliche Befund: In den auf Deutsch erschienenen Mädchenbüchern erzählt sie durchweg heterosexuelle Liebesgeschichten, auch hier. Die engen Mädchenfreundschaften nehmen allerdings viel Raum ein und werden mit einer Intensität geschildert, die heutigen Leserinnen auffällt. Literaturwissenschaftliche Arbeiten, die daraus eine queere Lesart entwickeln, sind uns nicht bekannt, und wir behaupten sie deshalb auch nicht.
Für wen lohnt sich das Buch?
Für Leserinnen ab etwa zwölf Jahren, die klassische Mädchenbücher mögen, und für Erwachsene, die Berte Bratt aus ihrer eigenen Jugend kennen. Innerhalb des Werks ist dieser Band einer der lohnenderen Einstiege, weil er mehr Konflikt zulässt als die meisten anderen.
Wer moderne Jugendliteratur mit differenzierten Erwachsenenfiguren und offenen Enden sucht, liegt hier falsch. Das Buch ist ein Zeitdokument, und genau als solches funktioniert es gut.
Fazit: Lohnt sich Berte Bratt: Ein Mädchen von 17 Jahren?
Die Story ist im Vergleich zu anderen Berte Bratt Romanen ziemlich abwechslungsreich, auch wenn sich Muster (Marianne) wiederholen. Die Geschichte ist lehrreich, trotzdem finde ich einige Aktionen wie die Tatsache, dass die Eltern nicht ehrlich zu ihrer Tochter sind, nicht gut.
Empfehlenswert!
Häufig gestellte Fragen
Wer war Berte Bratt?
Berte Bratt ist das Pseudonym der norwegischen Autorin Annik Saxegaard, geboren am 21. Mai 1905 in Stavanger, gestorben am 16. August 1990. Den Namen erfand der Schneider-Verlag für den deutschen Markt. Unter diesem Pseudonym wurde sie zu einer der meistgelesenen Mädchenbuchautorinnen Deutschlands mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren.
Ist Ein Mädchen von 17 Jahren eine Fortsetzung?
Ja. Der Band schließt an Meine Tochter Liz an und erzählt weiter von Lisbeth, die dort als Kind eingeführt wird. Beide Bücher sind in einer Jubiläumsausgabe auch gemeinsam erschienen. Wer die Vorgeschichte kennt, versteht das enge Verhältnis zu den Adoptiveltern besser, zwingend nötig ist es für das Verständnis aber nicht.
Kommen in Berte Bratts Büchern lesbische Figuren vor?
In den auf Deutsch erschienenen Mädchenbüchern erzählt Berte Bratt durchweg heterosexuelle Liebesgeschichten, auch in diesem Band. Enge Mädchenfreundschaften nehmen darin viel Raum ein und werden emotional intensiv geschildert, sie sind aber als Freundschaften angelegt. Wissenschaftliche Arbeiten zu queeren Lesarten ihres Werks sind uns nicht bekannt.
Was wird an Berte Bratt kritisiert?
Vor allem das Familien- und Rollenbild der 1950er und 1960er Jahre und die Wiederholung derselben Muster über viele Bände hinweg. In diesem Roman kommt ein hausgemachter Kritikpunkt dazu: Die Eltern reden ständig davon, wie erwachsen ihre Tochter sei, arbeiten aber durchgehend mit Vorwänden und Listen statt mit offenen Worten.
Für welches Alter ist das Buch geeignet?
Als klassisches Mädchenbuch richtet es sich an Leserinnen ab etwa zwölf Jahren. Die Sprache ist einfach, die Konflikte sind überschaubar. Einen großen Teil der heutigen Leserschaft machen Erwachsene aus, die die Bände aus ihrer eigenen Jugend kennen und sie erneut lesen.
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