rezension.org

Gary Numan - Exile

3,5 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan von Rezension.org · 2011-07-13 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Düsteres Konzeptalbum mit starkem Dark, aber zu wenig Abwechslung

Exile (Extended) (Limited CD Edition)
Anzeige · Musik bei Amazon

Exile (Extended) (Limited CD Edition)

12,28 € Stand: 10.08.2026

Preise können sich jederzeit ändern. Es gilt der Preis auf der Amazon-Produktseite.

Zum Angebot bei Amazon →
Auch bei Thalia ansehen →
  1. Dominion Day
  2. Prophecy
  3. Dead Heaven
  4. Dark
  5. Innocence Bleeding
  6. The Angel Wars
  7. Absolution
  8. An Alien Cure
  9. Exile

Worum geht es in Gary Numans Exile?

Exile ist das zweite Album der so genannten Gothic-Phase Gary Numans. Im Gegensatz zu Sacrifice sind die Songtexte sehr bibelbetont und als Kritik am christlichen Glauben zu verstehen. Dies lässt sich schon anhand der Trackliste ableiten: Titel wie „Prophecy“, „Dead Heaven“ und „The Angel Wars“ besitzen ganz klar religiöse Bezüge, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist, aber doch recht gut zum düsteren Sound des Albums passt.

Hinter den einzelnen Stücken steht ein lose gehaltenes Konzept: Gott und Teufel sind auf Exile keine Gegenpole, sondern zwei Seiten derselben Münze. Numan selbst hat seine Haltung als häretisch statt atheistisch beschrieben. Er bestreitet nicht die Existenz eines Gottes, sondern dessen behauptete Güte angesichts der Welt, in der wir leben. Die Eröffnung „Dominion Day“ malt entsprechend eine alptraumhafte Wiederkunft Christi aus, statt sie als Erlösung zu feiern.

Die Eckdaten des Albums

Exile erschien am 20. Oktober 1997 bei Eagle Records und ist Numans dreizehntes Solo-Studioalbum. Die Aufnahmen entstanden 1996 und 1997 im Outland Studio in London, also an derselben Adresse, an der schon der Vorgänger Sacrifice entstanden war. Stilistisch wird die Platte dem Industrial Rock und dem Gothic Rock zugerechnet: Synthesizer, Drumloops und verzerrte Gitarren ergeben eine durchgehend finstere Klanglandschaft. 1998 folgte eine erweiterte Fassung unter dem Titel Exile Extended.

Wie klingt Exile?

Musikalisch setzt Exile den Weg nahtlos fort, den Gary bereits mit Sacrifice begann, doch unterscheiden sich die beiden Alben in der Art und Weise, wie mit Sounds experimentiert wird. Gab es auf Sacrifice noch diverse Fremdeinflüsse wie Frauenstimme und Gitarre zu verzeichnen, fehlen diese Elemente hier völlig. Vielmehr besteht das musikalische Grundgerüst aus programmierten Percussionloops, die vom Synthesizer generiert werden.

Das mag bei zwei, drei Liedern sehr gut funktionieren, doch auf gesamter Albumlänge betrachtet wirkt das Ganze dann doch zu eintönig und wenig abwechslungsreich. Stellenweise bekam ich gar nicht mit, dass ein neuer Song anfing, da die Stücke allesamt sehr ähnlich klingen.

Das Highlight: Dark

Besonders möchte ich das Stück „Dark“ hervorheben. Hier ist einfach alles stimmig, die düstere Atmosphäre baut sich langsam auf und der Refrain lässt einem einen eiskalten Schauer den Rücken runterlaufen. Dass ausgerechnet dieser Titel über das Album hinaus Karriere gemacht hat, in Filmtrailern und auf dem Soundtrack zu Dark City, überrascht deshalb nicht. Er ist der Moment, in dem Konzept, Produktion und Melodie zusammenfinden.

Der Schwachpunkt: die Produktion

Die Produktion des Albums ist leider ziemlich schlecht. Bei Sacrifice passte diese Art der Produktion perfekt, da man in eine andere Welt entführt wurde, die man wie durch einen Traum wahrnahm. Hier hat es Gary aber für mein Dafürhalten etwas übertrieben, der Sound ist recht dumpf und wenig kraftvoll. Dennoch gewöhnt man sich nach einer gewissen Zeit daran, sodass es nicht mehr allzu schwer ins Gewicht fällt. Wer die Platte über Kopfhörer hört, kommt dem Detailreichtum der Loops deutlich näher als über kleine Lautsprecher.

Exile im Vergleich zu Sacrifice

Sacrifice erschien am 24. Oktober 1994 auf Numans eigenem Label Numa und gilt als der Wendepunkt seiner Laufbahn. Die Platte brachte ihm die besten Kritiken seit Jahren ein und stieß eine Neubewertung seines Einflusses an, unter anderem mit Blick auf Nine Inch Nails, Marilyn Manson und die Foo Fighters. Numan produzierte sie selbst und beschrieb den Prozess als Rückkehr zu der Begeisterung, mit der er als Teenager seine ersten Songs geschrieben hatte.

Exile knüpft daran an, kann diesen Effekt aber nicht wiederholen. Was dort nach Aufbruch klang, wirkt hier bereits nach Methode. Interessanterweise sah die Fachpresse das milder: Exile erhielt fast durchweg gute Kritiken, während ein Teil der Fangemeinde die religionskritische Ausrichtung deutlich ablehnte. Kommerziell blieb das Album bescheiden, die anschließenden Konzerte in Großbritannien und den USA liefen dagegen weitgehend ausverkauft.

Die einzelnen Stücke im Überblick

Neun Titel stehen auf der regulären Ausgabe, und sie folgen dem Konzept erkennbar von vorn bis hinten. „Dominion Day“ eröffnet mit dem Bild einer Wiederkunft, die keine Erlösung bringt. „Prophecy“ und „Dead Heaven“ greifen die religiöse Bildsprache direkt in den Titeln auf, „The Angel Wars“ verlegt den Konflikt zwischen Gut und Böse in eine Auseinandersetzung, in der beide Seiten dieselbe Herkunft haben.

„Absolution“ nimmt sich den blinden Glauben und dessen Folgen vor. Der Titel existierte bereits 1995 als Single und wurde für das Album neu aufgenommen, was ihm im Vergleich zu den anderen Stücken eine etwas geschlossenere Form gibt. Das abschließende Titelstück „Exile“ zieht die Linie zu Ende, ohne die Fragen aufzulösen, die vorher gestellt wurden. Wer den roten Faden mitverfolgt, hört ein Album, das inhaltlich sehr geschlossen ist. Wer nur die Musik hört, bekommt genau das Problem, das ich oben beschrieben habe: zu viel Ähnlichkeit auf zu langer Strecke.

Für wen lohnt sich Exile?

Für Hörer, die den finsteren Numan der neunziger Jahre bereits schätzen, ist Exile eine konsequente Fortsetzung und dank „Dark“, „Dominion Day“ und „Absolution“ auch eine lohnende. Wer dagegen zum ersten Mal in diese Phase hineinhört, greift besser zu Sacrifice, weil dort mehr Abwechslung und mehr Überraschung stecken. Und wer an religiös aufgeladenen Texten grundsätzlich Anstoß nimmt, wird mit dieser Platte nicht glücklich, denn das Thema durchzieht sie von der ersten bis zur letzten Nummer.

Fazit: Lohnt sich Exile?

Exile kann im direkten Vergleich nicht mit dem Meisterwerk Sacrifice mithalten. Vielmehr gewinnt man als Hörer den Eindruck, als hätte Gary Numan für Exile Ideen, die er bereits für Sacrifice verwendete, einfach noch einmal recycelt. Es fehlt irgendwo das innovative Element an dem Album, das, was seine Musik immer so ausgezeichnet hat. Trotz alledem ist Exile nicht schlecht, nach einer gewissen Eingewöhnungszeit weiß auch dieses Album zu gefallen. Jedenfalls konnte man als Numan-Fan wieder stolz darauf sein, seine Musik gut zu finden.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Gary Numans Exile erschienen?

Exile kam am 20. Oktober 1997 bei Eagle Records heraus und ist Numans dreizehntes Solo-Studioalbum. Aufgenommen wurde es 1996 und 1997 im Outland Studio in London. 1998 folgte eine erweiterte Fassung unter dem Titel Exile Extended.

Worum geht es inhaltlich auf Exile?

Das Album folgt einem lose gehaltenen Konzept, nach dem Gott und Teufel zwei Seiten derselben Münze sind. Numan beschrieb den Ansatz als häretisch und nicht als atheistisch: Es geht ihm weniger darum, die Existenz Gottes zu bestreiten, als dessen behauptete Güte infrage zu stellen.

Welche Singles wurden aus Exile ausgekoppelt?

Dominion Day war die erste Auskopplung. Absolution folgte als Neuaufnahme eines bereits 1995 erschienenen Titels. Das Stück Dark tauchte später in Filmtrailern und auf dem Soundtrack zu Dark City auf.

Wie unterscheidet sich Exile von Sacrifice?

Sacrifice von 1994 arbeitet noch mit Gitarren und weiblichen Stimmen und wirkt traumhaft entrückt. Exile verzichtet weitgehend auf diese Elemente und baut fast durchgehend auf programmierten Percussionloops auf, was das Album homogener, aber auch eintöniger macht.

Ist Exile ein guter Einstieg in Gary Numans Werk?

Eher nicht. Wer die düstere Spätphase kennenlernen möchte, fährt mit Sacrifice besser, weil dort die Ideen frischer wirken. Exile lohnt sich vor allem für Hörer, die diesen Sound bereits mögen und tiefer einsteigen wollen.

Deine Bewertung

Teile deine Erfahrung zu „Gary Numan - Exile". Bewertungen werden vor Veröffentlichung geprüft.