Gary Numan - Sacrifice
Kurzfazit: Numans Comeback von 1994 und der Startpunkt seiner dunklen Spätphase.
Sacrifice [Import]
139,98 € Stand: 10.08.2026
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Zum Angebot bei Amazon →- Pray
- Deadliner
- A Question Of Faith
- Desire
- Scar
- Love And Napalm
- You Walk In My Soul
- Magic
- Bleed
- The Seed Of A Lie
- Play Like God
- Whisper Of Truth
- Metal Beat
- Absolution
Sacrifice, das Album
Nach dem Totalausfall Machine And Soul, startete 1994 mit Sacrifice sein künstlerisches Comeback, und was soll ich sagen, ich war sofort begeistert von dem Album, weg vom halbgaren Funksound der Vorgängeralben, zelebrierte Gary Numan auf Sacrifice erstmals wieder seine dunkle Seite. Die Stücke auf dem Album sind allesamt sehr düster und von coolen, experimentellen Drumloops unterlegt, die eine gewisse Nähe zum in den Mittneunzigern sehr populären Trip Hop besitzen. Jedenfalls bauen diese Drumsounds eine derart dichte Atmosphäre auf, dass es einem fast schon Angst und Bange wird. Auch die ausgereizten weiblichen Backgroundsängerinnen sucht man hier bis auf eine Ausnahme vergebens. Auf „Scar„ befindet sich noch eine Frauenstimme, die aber sehr dezent im Hintergrund verweilt und dem Stück eher noch etwas geheimnisvolles verleiht.
Gerade der Opener „Pray„ öffnet dem Zuhörer mit dieser gespenstisch verfremdeten Stimme Gary Numans ein Tor in eine Anderswelt, so verwundert es nicht, dass Gary als Inspirationsquelle diverse Horrorgeschichten in den Entstehungsprozess aufnahm. Man kann schon so weit gehen, diese Musik als Gothic zu bezeichnen, denn mit normaler Popmusik hat das hier nicht mehr viel zu tun - ein Glück!
Zu den stärksten Songs auf dem Album gehören vor allem die langsam getragenen Stücke wie „Desire„, „Scar„ und „Magic„, die allesamt eine immense Sogwirkung besitzen. Eigentlich gibt es auf Sacrifice nur einen Titel, der mir nicht gefällt, das mir unverständlicherweise als Single veröffentlichte „A Question Of Faith„, das einfach zu eintönig klingt und auch qualitativ nicht an die anderen Stücke heranreicht. Größte Überraschung ist wohl das rockige „Love And Napalm„, dass mich sogar an alte Tubway Army Zeiten denken lässt. Mein absoluter Lieblingssong ist aber als Bonustrack auf der Platte enthalten: „Whispers Of Truth„, sein vielleicht melancholischstes Stück überhaupt, das in mir sehr starke Gefühle der Schwermut auslöst.
Wann und wie ist Sacrifice entstanden?
Sacrifice erschien im Oktober 1994 bei Numa Records, Numans eigenem Label, und ist sein zwölftes Soloalbum. Aufgenommen wurde es im selben Jahr im Londoner Outland Studio, die Originalfassung kommt auf gut 45 Minuten Spielzeit. Entscheidend für den Charakter der Platte ist eine Produktionsentscheidung: Ursprünglich sollte der Produzent Kipper die Arbeit begleiten, am Ende nahm Numan die Produktion selbst in die Hand. Mehrere Stücke wurden dabei aus Material entwickelt, das er im selben Jahr für den Soundtrack The Radial Pair geschrieben hatte.
Dass ein Künstler ohne äußere Instanz arbeitet, ist nicht automatisch ein Qualitätsgewinn. In diesem Fall war es einer. Die Funk- und Popalben der Jahre zuvor klangen, als hätte jemand versucht, Numan in ein Format zu pressen, das nicht zu ihm passte. Sacrifice klingt zum ersten Mal seit langem wieder so, als hätte er niemanden zufriedenstellen müssen.
Warum gilt Sacrifice als Wendepunkt?
Anfang der Neunziger war Gary Numan in einer Lage, in der andere Karrieren enden. Die Charts hatten ihn abgeschrieben, die Kritik ohnehin, und Machine And Soul hatte selbst treue Hörer verprellt. Sacrifice wird in der Rückschau regelmäßig als Ausgangspunkt seiner künstlerischen Wiederauferstehung genannt, und zwar aus einem einfachen Grund: Hier findet er die Klangsprache, die sein gesamtes weiteres Werk prägen sollte.
Die Linie ist deutlich nachzuzeichnen. Exile treibt die Düsternis weiter, Pure ergänzt sie im Jahr 2000 um Metalgitarren, und alles, was danach kam, steht erkennbar in dieser Tradition. Ohne Sacrifice gäbe es diese zweite Karrierephase nicht.
Wie klingt Sacrifice?
Die Drumloops
Das auffälligste Merkmal sind die Rhythmusspuren. Sie sind langsam, verhallt, oft leicht schleppend und wirken eher wie Klangobjekte als wie Schlagzeugspuren. Diese Machart erklärt die Nähe zum Trip Hop, der Mitte der Neunziger populär wurde, obwohl Numan nie in dieses Umfeld gehörte. Für die Atmosphäre der Platte sind diese Loops entscheidend, sie erzeugen den Sog, der die langsamen Stücke trägt.
Die Stimme
Numan singt hier deutlich zurückgenommener als in seinen Popjahren, oft verfremdet und in den Klangraum eingebettet statt darüber gelegt. Bereits „Pray„ zeigt das Prinzip: Die Stimme ist kein Solistenapparat mehr, sondern eine weitere Textur. Wer das erste Mal hineinhört, braucht dafür vielleicht zwei Durchläufe, danach will man es nicht mehr anders haben.
Die Texte
Thematisch geht es um Glauben, Verlust und Schuld. Titel wie „A Question Of Faith„, „Play Like God„ und „Absolution„ deuten schon an, in welche Richtung das geht. Numan hat dieses Thema später auf Pure noch schärfer formuliert, angelegt ist es hier bereits vollständig.
Sacrifice und Dawn: der Unterschied
Für Verwirrung sorgt bis heute, dass dasselbe Album in den USA 1997 unter dem Titel Dawn erschien, benannt nach einer Comicfigur. Diese Ausgabe hat ein anderes Cover und eine abweichende Auswahl an Zusatzstücken, ist musikalisch aber identisch. Wer beim Gebrauchtkauf über Dawn stolpert, bekommt also kein eigenständiges Werk, sondern eine Variante von Sacrifice.
Für wen lohnt sich Sacrifice?
Wer düstere elektronische Musik mag und Geduld für langsame Stücke mitbringt, ist hier genau richtig. Sacrifice ist kein Album für nebenbei, es entfaltet seine Wirkung erst, wenn man es am Stück und nicht zu leise hört. Fans der harten Numan-Phase ab Pure sollten hier zurückgehen, um zu verstehen, wo dieser Sound herkommt. Wer dagegen die Hits der Jahre 1979 und 1980 sucht, wird auf Sacrifice nichts davon finden.
Fazit: Lohnt sich Sacrifice?
Sacrifice ist Gary Numans fulminante Rückkehr ins Pantheon düsterer Musikgötter, das ganze Album wirkt sehr homogen und eignet sich hervorragend als Soundrack für jede Gothic Nacht. Es hat lange gedauert, aber mit diesem Werk ist Gary endlich angekommen. Für mich klar das beste Gary Numan Album der Post-80er.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist Gary Numans Album Sacrifice erschienen?
Sacrifice kam im Oktober 1994 bei Numa Records heraus und ist Numans zwölftes Soloalbum. Aufgenommen wurde es im selben Jahr im Londoner Outland Studio. Die Spielzeit der Originalfassung liegt bei rund 45 Minuten.
Warum gilt Sacrifice als Gary Numans Comeback?
Nach den Funk- und Pop-Alben der späten Achtziger und frühen Neunziger galt Numan kommerziell wie künstlerisch als erledigt. Mit Sacrifice kehrte er zu düsteren, elektronisch getriebenen Klangbildern zurück und übernahm die Produktion selbst. Die Platte gilt seither als Beginn seiner künstlerischen Erneuerung.
Wer hat Sacrifice produziert?
Gary Numan hat das Album selbst produziert. Ursprünglich war eine Zusammenarbeit mit dem Produzenten Kipper geplant, die aber nicht zustande kam. Mehrere Stücke gehen auf Material aus Numans Soundtrack The Radial Pair aus demselben Jahr zurück.
Was hat es mit dem Album Dawn auf sich?
Dawn ist die US-Veröffentlichung von Sacrifice aus dem Jahr 1997. Sie trägt einen anderen Titel, der sich auf eine Comicfigur bezieht, hat neue Artwork und eine abweichende Auswahl an Zusatzstücken. Musikalisch handelt es sich um dasselbe Album.
Wie klingt Sacrifice?
Prägend sind langsame, verhallte Drumloops, tiefe Flächen und eine oft verfremdete Gesangsstimme. Der Sound steht zwischen Darkwave, Gothic und frühem Industrial und hat stellenweise eine Nähe zum Trip Hop der Mittneunziger. Gitarren spielen anders als auf dem späteren Pure fast keine Rolle.
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