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Gary Numan - Sacrifice

5 von 5 Alle Rezensionen zu Gary Numan Redaktion · 2011-07-13 · aktualisiert 2026-10-01

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Gary Numans Sacrifice ist sein zwölftes Soloalbum, erschienen im Oktober 1994, und markiert sein Comeback mit düsteren Drumloops; die Rezension vom 13. Juli 2011 bewertet es mit 5 von 5. Das Album legte den Grundstein für Numans dunkle Spätphase und eignet sich für Hörer, die düstere elektronische Musik und langsame Stücke mögen.

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  1. Pray
  2. Deadliner
  3. A Question Of Faith
  4. Desire
  5. Scar
  6. Love And Napalm
  7. You Walk In My Soul
  8. Magic
  9. Bleed
  10. The Seed Of A Lie
  11. Play Like God
  12. Whisper Of Truth
  13. Metal Beat
  14. Absolution

Sacrifice, das Album

Nach dem Totalausfall Machine And Soul, startete 1994 mit Sacrifice sein künstlerisches Comeback, und was soll ich sagen, ich war sofort begeistert von dem Album, weg vom halbgaren Funksound der Vorgängeralben, zelebrierte Gary Numan auf Sacrifice erstmals wieder seine dunkle Seite. Die Stücke auf dem Album sind allesamt sehr düster und von coolen, experimentellen Drumloops unterlegt, die eine gewisse Nähe zum in den Mittneunzigern sehr populären Trip Hop besitzen. Jedenfalls bauen diese Drumsounds eine derart dichte Atmosphäre auf, dass es einem fast schon Angst und Bange wird. Auch die ausgereizten weiblichen Backgroundsängerinnen sucht man hier bis auf eine Ausnahme vergebens. Auf „Scar„ befindet sich noch eine Frauenstimme, die aber sehr dezent im Hintergrund verweilt und dem Stück eher noch etwas geheimnisvolles verleiht.

Gerade der Opener „Pray„ öffnet dem Zuhörer mit dieser gespenstisch verfremdeten Stimme Gary Numans ein Tor in eine Anderswelt, so verwundert es nicht, dass Gary als Inspirationsquelle diverse Horrorgeschichten in den Entstehungsprozess aufnahm. Man kann schon so weit gehen, diese Musik als Gothic zu bezeichnen, denn mit normaler Popmusik hat das hier nicht mehr viel zu tun - ein Glück!

Zu den stärksten Songs auf dem Album gehören vor allem die langsam getragenen Stücke wie „Desire„, „Scar„ und „Magic„, die allesamt eine immense Sogwirkung besitzen. Eigentlich gibt es auf Sacrifice nur einen Titel, der mir nicht gefällt, das mir unverständlicherweise als Single veröffentlichte „A Question Of Faith„, das einfach zu eintönig klingt und auch qualitativ nicht an die anderen Stücke heranreicht. Größte Überraschung ist wohl das rockige „Love And Napalm„, dass mich sogar an alte Tubway Army Zeiten denken lässt. Mein absoluter Lieblingssong ist aber als Bonustrack auf der Platte enthalten: „Whispers Of Truth„, sein vielleicht melancholischstes Stück überhaupt, das in mir sehr starke Gefühle der Schwermut auslöst.

Wann und wie ist Sacrifice entstanden?

Sacrifice erschien im Oktober 1994 bei Numa Records, Numans eigenem Label, und ist sein zwölftes Soloalbum. Aufgenommen wurde es im selben Jahr im Londoner Outland Studio, die Originalfassung kommt auf gut 45 Minuten Spielzeit. Entscheidend für den Charakter der Platte ist eine Produktionsentscheidung: Ursprünglich sollte der Produzent Kipper die Arbeit begleiten, am Ende nahm Numan die Produktion selbst in die Hand. Mehrere Stücke wurden dabei aus Material entwickelt, das er im selben Jahr für den Soundtrack The Radial Pair geschrieben hatte.

Dass ein Künstler ohne äußere Instanz arbeitet, ist nicht automatisch ein Qualitätsgewinn. In diesem Fall war es einer. Die Funk- und Popalben der Jahre zuvor klangen, als hätte jemand versucht, Numan in ein Format zu pressen, das nicht zu ihm passte. Sacrifice klingt zum ersten Mal seit langem wieder so, als hätte er niemanden zufriedenstellen müssen. Zu den Funkalben dieser Jahre zählt Metal Rhythm von 1988, das offen auf den US-Markt zielte.

Warum gilt Sacrifice als Wendepunkt?

Anfang der Neunziger war Gary Numan in einer Lage, in der andere Karrieren enden. Die Charts hatten ihn abgeschrieben, die Kritik ohnehin, und Machine And Soul hatte selbst treue Hörer verprellt. Sacrifice wird in der Rückschau regelmäßig als Ausgangspunkt seiner künstlerischen Wiederauferstehung genannt, und zwar aus einem einfachen Grund: Hier findet er die Klangsprache, die sein gesamtes weiteres Werk prägen sollte. Der Tiefpunkt von 1992 ist in der Rezension über Machine And Soul nachzulesen.

Die Linie ist deutlich nachzuzeichnen. Exile treibt die Düsternis weiter, Pure ergänzt sie im Jahr 2000 um Metalgitarren, und alles, was danach kam, steht erkennbar in dieser Tradition. Ohne Sacrifice gäbe es diese zweite Karrierephase nicht. Wie sich diese Linie mit Metalgitarren fortsetzt, beschreibt die Rezension zu Pure zum Album von 2000.

Wie klingt Sacrifice?

Die Drumloops

Das auffälligste Merkmal sind die Rhythmusspuren. Sie sind langsam, verhallt, oft leicht schleppend und wirken eher wie Klangobjekte als wie Schlagzeugspuren. Diese Machart erklärt die Nähe zum Trip Hop, der Mitte der Neunziger populär wurde, obwohl Numan nie in dieses Umfeld gehörte. Für die Atmosphäre der Platte sind diese Loops entscheidend, sie erzeugen den Sog, der die langsamen Stücke trägt.

Die Stimme

Numan singt hier deutlich zurückgenommener als in seinen Popjahren, oft verfremdet und in den Klangraum eingebettet statt darüber gelegt. Bereits „Pray„ zeigt das Prinzip: Die Stimme ist kein Solistenapparat mehr, sondern eine weitere Textur. Wer das erste Mal hineinhört, braucht dafür vielleicht zwei Durchläufe, danach will man es nicht mehr anders haben.

Die Texte

Thematisch geht es um Glauben, Verlust und Schuld. Titel wie „A Question Of Faith„, „Play Like God„ und „Absolution„ deuten schon an, in welche Richtung das geht. Numan hat dieses Thema später auf Pure noch schärfer formuliert, angelegt ist es hier bereits vollständig.

Sacrifice und Dawn: der Unterschied

Für Verwirrung sorgt bis heute, dass dasselbe Album in den USA 1997 unter dem Titel Dawn erschien, benannt nach einer Comicfigur. Diese Ausgabe hat ein anderes Cover und eine abweichende Auswahl an Zusatzstücken, ist musikalisch aber identisch. Wer beim Gebrauchtkauf über Dawn stolpert, bekommt also kein eigenständiges Werk, sondern eine Variante von Sacrifice.

Für wen lohnt sich Sacrifice?

Wer düstere elektronische Musik mag und Geduld für langsame Stücke mitbringt, ist hier genau richtig. Sacrifice ist kein Album für nebenbei, es entfaltet seine Wirkung erst, wenn man es am Stück und nicht zu leise hört. Fans der harten Numan-Phase ab Pure sollten hier zurückgehen, um zu verstehen, wo dieser Sound herkommt. Wer dagegen die Hits der Jahre 1979 und 1980 sucht, wird auf Sacrifice nichts davon finden.

Fazit: Lohnt sich Sacrifice?

Sacrifice ist Gary Numans fulminante Rückkehr ins Pantheon düsterer Musikgötter, das ganze Album wirkt sehr homogen und eignet sich hervorragend als Soundrack für jede Gothic Nacht. Es hat lange gedauert, aber mit diesem Werk ist Gary endlich angekommen. Für mich klar das beste Gary Numan Album der Post-80er.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist Gary Numans Album Sacrifice erschienen?

Gary Numans Sacrifice erschien im Oktober 1994 bei Numa Records und ist sein zwölftes Soloalbum. Aufgenommen wurde es im selben Jahr im Londoner Outland Studio, die Originalfassung hat gut 45 Minuten Spielzeit.

Warum gilt Sacrifice als Gary Numans Comeback?

Gary Numans Sacrifice gilt als sein Comeback, weil er nach den Funk- und Popalben der Jahre zuvor zu seiner dunklen Seite zurückkehrte und die Produktion selbst übernahm. Die Rückschau nennt das Album als Ausgangspunkt seiner künstlerischen Wiederauferstehung.

Wer hat Sacrifice produziert?

Gary Numans Sacrifice produzierte Numan selbst. Ursprünglich sollte der Produzent Kipper die Arbeit begleiten, am Ende übernahm Numan die Produktion. Mehrere Stücke entstanden aus Material für den Soundtrack The Radial Pair aus demselben Jahr.

Was hat es mit dem Album Dawn auf sich?

Dawn ist die US-Ausgabe von Gary Numans Sacrifice aus dem Jahr 1997, benannt nach einer Comicfigur. Die Ausgabe hat ein anderes Cover und eine abweichende Auswahl an Zusatzstücken, ist musikalisch aber identisch.

Wie klingt Sacrifice?

Gary Numans Sacrifice klingt düster und ist von langsamen, verhallten Drumloops geprägt, die eine Nähe zum Trip Hop der Mittneunziger haben. Die Stimme ist zurückgenommen und oft verfremdet, die Musik lässt sich als Gothic bezeichnen.

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