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Kaltblütig

4,5 von 5 von Rezension.org · 2010-01-12 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Schonungslose Verfilmung von Capotes Tatsachenroman, bis heute unerreicht.

Capote / Kaltblütig, Collector's Edition, 2 Blu-rays: Ausgezeichnet mit Oscar und Golden Globe 2006 für den Besten Hauptdarsteller (Philip Seymour Hoffman)
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„Kaltblütig” von 1967 ist ein amerikanischer Kriminalfilm in Schwarzweiß, den Richard Brooks schrieb, produzierte und inszenierte. Vorlage ist Truman Capotes Tatsachenroman „In Cold Blood” von 1966. Robert Blake spielt Perry Smith, Scott Wilson spielt Richard „Dick” Hickock, die beiden Männer, die 1959 in Kansas eine vierköpfige Familie töteten. Die Kamera führte Conrad L. Hall, die Musik stammt von Quincy Jones.

Worum geht es in Kaltblütig?

Ende der 50er Jahre wird in einer kleinen Stadt in Kansas die wohlhabende und angesehene Farmerfamilie Clutter auf brutalste Art und Weise ermordet. Für die Tat sind die zwei ehemaligen Sträflinge Richard Hickock und Perry Smith verantwortlich. Nachdem die beiden aus dem Zuchthaus entlassen wurden, sehnten sie sich nach dem „ganz großen Ding”.

Der angebliche Safe

Von einem Mithäftling hat Richard einen angeblich todsicheren Tipp bekommen: Im Safe der Familie Clutter sollen mindestens 10.000 Dollar lagern. Für Richard und Perry ist das eine Menge Geld, mit dem die beiden all ihre Sorgen, so glauben sie zumindest, mit einem Schlag loswerden würden. Doch nachdem die beiden ins Haus der arglosen Familie Clutter eingedrungen sind, müssen sie erkennen, dass der „todsichere Tipp” von Richards Mithäftling nicht mehr war als ein völlig haltloses Gerücht, denn die Clutters besitzen gar keinen Safe, und auch Schmuck und Juwelen suchen Perry und Richard vergeblich.

Das einzige, was sie finden, sind lausige vierzig Dollar. Die beiden geben sich mit der mageren Ausbeute ihres Raubzugs nicht zufrieden und ermorden alle vier Mitglieder der Familie Clutter auf bestialische Art und Weise.

Flucht, Verhaftung, Urteil

Ihnen gelingt es, nach Mexiko zu entkommen. Dort faselt der verwirrte Perry immer wieder etwas von einem Goldschatz, doch Richard überzeugt Perry schließlich, gemeinsam mit ihm noch ein letztes Mal zurück in die Vereinigten Staaten zu fahren.

Bereits an dieser Stelle wird der naive Charakter von Richard deutlich, dem Zuschauer zeigt sich, dass Richard am Rande des Wahnsinns steht. Aber Richard will noch ein letztes Mal nach Kansas zurückkehren, diesmal plant er einen, seiner Meinung nach, „richtigen Knüller”. In Las Vegas werden Perry und Richard dann jedoch von der Polizei aufgegriffen und verhaftet. Die beiden werden zum Tode verurteilt und schließlich, fünfeinhalb Jahre nach dem Mord an der Familie Clutter, im Staatsgefängnis von Kansas gehängt.

Eine intensive und schonungslose Studie über die Abgründe der menschlichen Psyche, ein Literaturklassiker, brillant verfilmt von Richard Brooks

Der wahre Fall: die Ermordung der Familie Clutter

Der Film erfindet nichts. Am 15. November 1959 wurden auf einer Farm nahe Holcomb in Kansas vier Menschen getötet: Herbert Clutter, 48 Jahre alt, seine Frau Bonnie, 45, sowie die Kinder Nancy, 16, und Kenyon, 15. Herbert Clutter galt als einer der angesehensten Männer im Finney County, als erfolgreicher Weizenfarmer, der zeitweise bis zu 18 Landarbeiter beschäftigte und für faire Löhne bekannt war. Nancy war Schülerin an der Holcomb High School und spielte Klarinette in der Schulband, Kenyon war ihr jüngerer Bruder und der einzige Sohn der Familie.

Die Täter wurden etwa sechs Wochen später gefasst. Die Verurteilung stützte sich vor allem auf ihre eigenen Geständnisse. Hingerichtet wurden Richard Hickock und Perry Smith kurz nach Mitternacht am 14. April 1965. Wer heute nach dem Fall sucht, stößt fast unweigerlich zuerst auf Capotes Buch und diesen Film, weil beide das Bild dieses Verbrechens bis in die Gegenwart geprägt haben.

Truman Capotes Roman als Vorlage

Truman Capotes Roman „Kaltblütig”, im englischen Original unter dem Titel „In Cold Blood” erschienen, wurde, nachdem er 1966 in den USA erschien, wochenlang kontrovers diskutiert. Sowohl bei einfachen Lesern als auch bei Kritikern war der Roman über Monate hinweg Tagesgespräch. Der Roman basiert auf einer wahren Geschichte, somit war „Kaltblütig” der erste nicht-fiktive Roman von Truman Capote.

Recherche und Kritik

Um seinen Roman schreiben zu können, sprach Capote sowohl mit Bürgern, Polizisten und Regierungsvertretern aus Kansas als auch mit den beiden Mördern. Kritiker warfen Capote später immer wieder vor, sich nicht in ausreichendem Maße dafür eingesetzt zu haben, die beiden Mörder Smith und Hickock vor der Todesstrafe zu bewahren. Capote wies diese Vorwürfe jedoch immer mit dem Hinweis auf das harte Strafrecht in Kansas zurück.

Diese Ambivalenz ist bis heute der eigentliche Streitpunkt. Capote brauchte für sein Buch ein Ende, und dieses Ende war die Hinrichtung. Wie sehr ihn das zerrissen hat, ist Gegenstand des Films „Capote” von 2005, für dessen Hauptrolle Philip Seymour Hoffman ausgezeichnet wurde. Nicht zufällig gibt es Blu-ray-Editionen, die beide Filme zusammen anbieten.

Die Verfilmung von Richard Brooks

Richard Brooks’ Verfilmung von Capotes Tatsachenroman kam 1967 in die Kinos und avancierte, wie auch schon zuvor der Roman, binnen kürzester Zeit zu einem Klassiker. Brooks gelingt es dabei, die Ereignisse genauso wertungsfrei zu schildern, wie Capote dies in seinem Roman tut. Dem Zuschauer bleibt es selbst überlassen, sich ein Urteil über die Ereignisse und über die beiden Mörder Hickock und Smith zu bilden. Der Regisseur fungiert dabei im Grunde nur als Beobachter, er schildert die Ereignisse emotionslos, präzise und ohne zu beschönigen. So ist „Kaltblütig” letztlich eine Studie über den menschlichen Charakter. Der Film zeigt auf brillante Art und Weise, zu welch grauenhaften Auswirkungen Vernachlässigung und das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit führen kann.

Besetzung

Robert Blake als Perry Smith und Scott Wilson als Dick Hickock waren zum Zeitpunkt der Dreharbeiten weitgehend unbekannt, und genau das nutzt der Film. Weil keine Starpersönlichkeit die Figuren überlagert, wirken sie wie zufällig gefundene Menschen. John Forsythe gehört ebenfalls zur Besetzung.

Kamera und Musik

Conrad L. Halls Schwarzweißkamera arbeitet mit harten Hell-Dunkel-Kontrasten und ist einer der Hauptgründe, warum der Film bis heute so nüchtern und zugleich bedrohlich wirkt. Dazu kommt der Jazz-Score von Quincy Jones, der die Handlung nicht kommentiert, sondern unter Spannung hält.

Auszeichnungen

Bei der Oscar-Verleihung erhielt der Film vier Nominierungen: zweimal für Richard Brooks als bester Regisseur und für das beste adaptierte Drehbuch, dazu für Conrad L. Halls Kamera und für die Musik von Quincy Jones. Gewonnen hat er keine davon, was seinen Ruf als Klassiker nie beeinträchtigt hat.

Für wen lohnt sich der Film?

Für Zuschauer, die True Crime nicht als Unterhaltung, sondern als Fallstudie sehen wollen. Der Film verzichtet auf Spannungseffekte, auf Musik an den erwartbaren Stellen und auf jede Form von moralischem Schlusswort. Wer einen Thriller erwartet, wird enttäuscht sein. Wer wissen will, wie Kino ein Verbrechen erzählen kann, ohne es auszubeuten, findet hier ein Referenzwerk.

Fazit: Lohnt sich Kaltblütig?

Im Jahr 1997 versuchte sich Jonathan Kaplan an einer Neuverfilmung von „Kaltblütig”, die im Fernsehen ausgestrahlt wurde. An die Kongenialität von Richard Brooks’ Werk kommt dieses Remake jedoch nicht heran. „Kaltblütig” liefert eine ungemein genaue und in der Form beispiellose Analyse eines sinnlosen und brutalen Verbrechens, welches die Menschen in den Vereinigten Staaten erschütterte. Der Film sollte in gewisser Weise mit Vorsicht genossen werden, dennoch ist er in jedem Fall sehenswert.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in Kaltblütig?

Zwei ehemalige Sträflinge dringen wegen eines angeblichen Safes voller Geld in das Haus der Farmerfamilie Clutter in Kansas ein. Sie finden nur rund vierzig Dollar und ermorden alle vier Familienmitglieder. Der Film verfolgt anschließend ihre Flucht, die Verhaftung und die Hinrichtung.

Was geschah wirklich mit der Familie Clutter?

Am 15. November 1959 wurden Herbert Clutter, seine Frau Bonnie und die beiden Kinder Nancy und Kenyon auf ihrer Farm bei Holcomb in Kansas getötet. Herbert Clutter galt als einer der angesehensten Männer im Finney County. Die Täter Perry Smith und Richard Hickock wurden rund sechs Wochen später gefasst und am 14. April 1965 gehängt.

Wer spielt in Kaltblütig die Hauptrollen?

Robert Blake spielt Perry Smith, Scott Wilson spielt Richard „Dick“ Hickock. Für beide war der Film der Durchbruch. Zur weiteren Besetzung gehört unter anderem John Forsythe.

Auf welchem Buch basiert der Film?

Der Film beruht auf Truman Capotes Tatsachenroman „Kaltblütig“, im Original „In Cold Blood“, der 1966 in den USA erschien. Es war Capotes erster nicht-fiktiver Roman und gilt als Gründungswerk des dokumentarischen Erzählens. Richard Brooks schrieb daraus das Drehbuch, produzierte den Film und führte Regie.

Hat Kaltblütig Oscars gewonnen?

Der Film erhielt vier Oscar-Nominierungen: für Richard Brooks als Regisseur und für das adaptierte Drehbuch, für die Schwarzweißkamera von Conrad L. Hall und für die Musik von Quincy Jones. Gewonnen hat er keinen davon.

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