Extrem laut und unglaublich nah

Autorenwertung
  • Humor
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Extrem laut und unglaublich nah

Henning Ahrens (Übersetzer). FISCHER Taschenbuch 2007, Taschenbuch, 480 Seiten, € 8,95

Rezension von: Wolfi | Rezensionsdatum:

Extrem laut und unglaublich nah von

Inhalt
Oskar ist ein außergewöhnlich intelligenter Neunjähriger. Er trägt ausschließlich weiß, beschäftigt sich mit Shakespeare, ernährt sich vegetarisch, ist frankophil und schreibt Briefe an sein Vorbild Stephen Hawking. Seine Interessen und seine ganz eigene Sichtweise auf die Welt unterscheiden sich deutlich von der Gleichaltriger und so verwundert es nicht, dass er seine Freizeit lieber mit seiner Großmutter oder seinem Kater Buckminster verbringt.

Er ist Erfinder, er ist Tambourinspieler, er ist Schmuckdesigner (was man seiner persönlichen Visitenkarte entnehmen kann) und er ist zutiefst traurig. Traurig, weil sein Vater eines der Opfer des 11. Septembers war. Was hatte er an diesem Tag dort zu tun, warum war er dort? Warum hat er den Hörer nicht abgenommen, als sein Vater am „schlimmsten Tag“ versucht hatte mit ihm zu sprechen und immer wieder nur der Anrufbeantworter ansprang? Warum hat die Familie einen leeren Sarg zu Grabe getragen?

All diese Fragen muss er sich immer wieder stellen, behält sie aber für sich. Das einzige was ihm bleibt ist die Erinnerung an die gemeinsamen, inszenierten Schatzsuchen im Central Park, die Tage, an denen er dabei zusah wie sein Vater mit einem roten Stift die Fehler in der New York Times anstrich und natürlich ein geheimnisvoller Schlüssel und der Zettel, auf dem das Wort „BLACK“ geschrieben steht. In der Hoffnung etwas über seinen toten Vater herauszufinden, macht sich Oskar auf den Weg. Mit seinem Tambourin und ohne das Wissen seiner Mutter beginnt er in der ganzen Stadt nach der Antwort zu fahnden. So trifft er auf die unterschiedlichsten Menschen, beispielsweise auf eine Frau, die auf dem Empire State Building wohnt, auf den Mann mit der größten Karteikartensammlung der Welt, einen Einsamen, der seine Wohnung seit Jahren nicht verlassen hat oder auf den geheimen Untermieter seiner Großmutter. Dabei lernt er auch das andere Gesicht der Millionenmetropole mit ihren langen Schatten kennen.

Das Dresden von gestern – das New York von heute
Raffiniert, einfühlsam und auf ungewöhnliche Art zugleich erzählt Foer von dem Trauma einer Familie, das sich über Kontinente und Jahrzehnte hinweg unverarbeitet von gestern auf heute überträgt. Es beginnt mit dem Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945, bei dem ein junger Mann alles verlor, was er hatte – ein Kind, eine Liebe, seine Sprache und dann sich selbst. Es folgt die Flucht nach Amerika und das Wiedersehen mit dem, was er hinter sich gelassen hat. Jahre vergehen, betäubt von Regeln. Als dann die wichtigste Regel gebrochen wird, bleibt wieder nur noch die Flucht und ein Kind ohne Vater. 56 Jahre später wiederholt sich die Geschichte und erneut wächst ein Kind ohne Vater auf.

Fazit
Auf brillante Weise erzählt der Autor eine Geschichte von Verlust, Liebe, Vergebung und Trauer im Verlauf von drei Generationen ohne dabei den Humor zu kurz kommen zu lassen. Besonders beeindruckend sind die schlichten Schwarz-Weiß-Fotografien, die dem Leser bei der explosionsartig verlaufenden Handlung als Untermalung des Textes von Zeit zu Zeit Platz zum Atmen lassen. Wer sich bei diesem Buch eine schwarz-weiße-Geschichte unter dem Motto Gut gegen Böse oder eine persönliche Abrechnung mit den mutmaßlichen Schuldigen erhofft ,der wird stark enttäuscht sein, denn der Roman lebt vor allem von Nuancen und so bleibt manchmal nur ein schmaler Grat zwischen Lachen und Weinen.

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