Fast eine Weltgeschichte

Autorenwertung
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Fast eine Weltgeschichte

Lutz Kliche (Übersetzer). Hammer, P 2009, Gebundene Ausgabe, 400 Seiten, € 9,89

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Fast eine Weltgeschichte. Spiegelungen

Inhalt

428 Seiten, ein dickes Buch, voller kurzer und kürzester Geschichten über Geschichte, kleiner Hinweise darauf, dass Weltgeschichte keineswegs immer so ist, wie wir sie in der Schule lernen. Meist sind es die Medaillen-Rückseiten, der ach so großen Geschichte, der Erfolge,  des Fortschritts. Geschichten, die einen kleinen Stachel hinterlassen, in ihrer Konsequenz Schmerzen verursachen.

Der Affe, der als erstes menschenähnliches Wesen in das Weltall flog, uns Menschen zeigte, dass dies möglich war, verbrachte sein restliches Leben nach der erfolgreichen Landung auf seinem Heimatplaneten in diversen Zoos.

Noch 2007 hielt es James Watson, US-Amerikaner und Nobelpreisträger für Medizin, es für wissenschaftlich erwiesen, dass Schwarze weniger intelligent seien als Weiße. Watson war selbstverständlich weiß.

Sukeina, die Urenkelin des Propheten Mohammed. trug nie einen Schleier und verurteilte sein Tragen lauthals. Sie heiratete fünfmal und in allen fünf Eheverträgen weigerte sie sich, ihrem jeweiligen Gemahl gehorsam zu sein.

Der heilige Pedro Damian verfluchte die Gabel: „Gott hätte uns keine Finger gegeben, wenn er gewollt hätte, dass wir dieses Instrument des Satans benutzen.“

George Washington schlug zur Vernichtung der Indianer die völlige Zerstörung ihrer Siedlungen vor, Thomas Jefferson fand, Rum könne ein adäquates Mittel sein, die Wilden auszurotten.

Der größte Kassenschlager der Stummfilmära und der erste Film, der im Weißen Haus Premiere hatte, hieß “ Die Geburt einer Nation“ und stellt eine Hymne an den Ku-Klux-Klan und die Vorherrschaft der Weißen dar. Präsident Woodrow Wilson applaudierte stehend.

Galeano betrachtet die Texte von Nationalhymnen, die blutrünstiger kaum sein können, weist darauf hin, dass die Pluderhosen der Gauchos Lateinamerikas eigentlich in England für die türkische Armee angefertigt worden waren und die Engländer nach dem Krimkrieg neue Abnehmer für die  „türkische“ Kleidung suchten, die sie am Rio de la Plata fanden. Galeano erzählt von dem Bankett Lord Lyttons für Queen Victoria und stellt dem gegenüber, ungefähr wie viele Inder in der gleichen Zeit, inmitten einer Dürre, verhungerten.

Es ist keine Frage, auf wessen Seite Galeano steht und sein Blick richtet sich mehr auf den Süden dieser Welt als auf den Norden, dessen Geschichte für die Europäer offensichtlich so ungleich wichtiger ist. Nicht für Galeano. Er ist Uruguayer, 1940 in Montevideo geboren. Von 1976 bis 1985 lebte er ihm spanischen Exil, nach Beendigung der Militätdiktatur in Uruguay kehrte er in seinem Heimatland zurück. Er ist unter anderem auch der Autor von «Die offenen Adern Lateinamerikas», dem Grundlagenwerk über die Geschichte des Kolonialismus in Lateinamerika.

Fazit

Sein Buch, ein Konglomerat, kann man unmöglich lesen, man kann immer wieder darin blättern, sich hier und da festlesen, oft „oh, das wusste ich nicht“ sagen und weiterblättern. Ein dickes Buch voller Miniaturen, die Ungeheuerliches, Unglaubbares freilegen. Galeano ist geradezu besessen davon, Geschichte zu erinnern, besonders die Geschichte von „Oben“ und „Unten“ , Geknechteten und Ausbeutern. Ein gutes Buch für den Nachttisch, für die Kurzlektüre vor dem Einschlafen, auch wenn man Galeanos Weltverstehen das eine oder andere Mal für zu einfach, zu Schwarz-Weiß hält, vielleicht manchmal ein wenig zu klassenkämpferisch – die Fakten kann man ruhig wissen. Und Galeano rundet unser Geschichtsbild unzweifelhaft ab – schade nur, dass er konsequent auf Quellenangaben verzichtet. man möchte doch mehr wissen.

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