Zufällig in San Francisco: Unbeabsichtigte Gedichte

Autorenwertung
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Zufällig in San Francisco

Georg Kreisler. Verbrecher 2010, Gebundene Ausgabe, 128 Seiten, € 15,95

Rezension von: rakoushan | Rezensionsdatum:

Zufällig in San Francisco: Unbeabsichtigte Gedichte von

Inhalt
„Hüte dich vor Kompromissen! / Das sind keine Leckerbissen. / Meide jede Konzilianz, / denn die nagt an der Substanz“, heißt es in einem der Gedichte des hier vorliegenden neuen Werkes des inzwischen bald 88-jährigen Georg Kreisler, der schon sehr früh in seinem Leben zu einer wahren Legende wurde. Das erfährt man nicht nur dank der ausgezeichneten Pressearbeit des Verlages, von dem man auch gleich ein paar Informationen mehr gleich gratis mitgeliefert bekommt – nämlich eigens für Rezensenten zusammengestellte Zeitungsartikel, die sich mit Georg Kreisler beschäftigen.

Georg Kreisler ist dem Kenner des humoristischen Hausschatzes deutscher Zunge seit jeher ein Begriff und auch wenn man ihn in Österreich leider viel zu wenig schätzt – er lebt übrigens mit seiner Frau Barbara Peters in Salzburg – so haben doch zumindest die Deutschen ihm unlängst (2010) den Friedrich Hölderlin Preis der Stadt Homburg verliehen, den er sich schon sehr viel früher verdient hätte, wie übrigens viele andere Auszeichnungen auch schon. Aber der Prophet gilt halt nichts im eigenen Lande, schließlich wurde seine Familie und er 1938 sogar aus Österreich vertrieben und das schlechte Gewissen ihm gegenüber dürfte wohl auch der Grund dafür sein, dass man ihn in Österreich nicht längst mit Orden überhäuft hat. Denn die hätte er verdient.

Wien ohne Wiener
Der wohl charmanteste Wiener mit dem makaberen Humor („Wien ohne Wiener“) und amerikanischer Staatsbürgerschaft bemängelt in einem Interview vor allem den mangelnden Respekt des Regietheaters, das nur provozieren wolle um des Provozierens Willen. Er habe nie absichtlich Tabus gebrochen, es seien die Radiostationen gewesen, die seine Texte dem Publikum nicht zumuten wollten, nicht aber das Publikum, das liebt bis heute seine Texte. Provokation allein sei noch keine Kunst, es kommt vor allem auch auf den Kontext an. Kreisler prangert mit seinen Liedern an, es ist ja nicht so, dass er die Dinge vergnüglich findet, die er besingt. Der „genialste und der radikalste Kabarettist des deutschen Sprachraums“ hat 2001 leider aufgehört selbst zu singen und schreibt seither auch keine Lieder mehr, sondern Opern und Gedichte.

Einige davon finden sich in dem beim erschienenen Hardcover-Band „Zufällig in San Francisco“. Der Titel rührt übrigens daher, dass seine Gedichte wie die Bay Area der berühmten Stadt von einer Brücke zusammengehalten werden. Diese Brücke nennt sich Humor und lässt sogar den müdesten Matrosen mühelos die gefährlichsten Klippen umschiffen, um sicher in den heimischen Hafen einzulaufen. Kreisler nimmt sich an Karl Kraus, der im Vorwort genannt wird, zwar nicht unbedingt ein Vorbild – dieser hat ja auch ein paar Gedichte geschrieben – doch zitiert er ihn gerne, nämlich das, was dieser über den Reim weiß, was Kreisler wiederum kritisiert. „Wer arbeitet lacht selten, das gilt vor allem für professionelle Humoristen.“, schreibt Kreisler im Vorwort weiter, und: „Das ist der Jammer mit Dichtern, sie resignieren nicht, sie dichten weiter, und eine Revolution ist nirgends in Sicht“.

Fazit
Revolutionen muss man von Gedichten ja nun nicht unbedingt erwarten. Dennoch gibt Kreisler ein paar Aufschlüsse über das Leben und das Paradies darin: „Paradiese gibt’s für Käfer / für die Katze, für den Hund / doch für Adam und für Eva / war’s bekanntlich nicht gesund“. Georg Kreisler schreibt auch über das „Essigfach“, „Ich, ganz Privat“ oder „Bismarcks Geheimnis“ und kommt am Ende auch auf „Das Ende“: „Er schüttelte sich wie ein zotteliger Bär / wie ein alter germanischer Drache / und reckte sich hoch, als wäre er wer / und schmetterte: Deutschland erwache!“

Einem Kreisler mag man alles verzeihen, dafür sorgen nicht nur seine vielen anderen Gedanken, sondern auch das von ihm selbst verfasste Vor- und Nachwort. Der Chansonier, der vor allem durch seine makaberen Texte bekannt wurde, kam nach dem Krieg aus Amerika zurück und arbeitete als Autor, Komponist und Sänger, seine unlängst verfasste Oper wurde aber zu wenig geehrt, wie er selbst beklagt, wenn er auch 2004 den Richard Schönfeld Preis für literarische Satire bekam. 2009 erschien übrigens seine Autobiographie „Letzte Lieder“ im Arche Verlag. Man darf hoffen, dass dies noch lange nicht seine letzten Werke waren und Kreislers Humor uns noch lange Zeit erhalten bleibt.

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