Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa

Autorenwertung
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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Hansjörg Küster: Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. Sonderausgabe: Von der Eiszeit bis zur Gegenwart

Vorbild für jede Form lebendiger Geschichte

Hansjörg Küster ist Professor für Pflanzenökologie in Hannover und sieht – zumindest auf dem Foto im Einband des neu aufgelegten Buches – ein wenig aus wie der Esoterik-Hans-Dampf Rüdiger Dahlke. Glücklicherweise wird weder das schlimm akademische klingende Wort Pflanzenökologie noch die autoritäre Selbstberedsamkeit Dahlkes dann zum Programm, sondern ein lebendiges, authentisches und unheimlich wichtiges Werk, das nur ganz wenige Schwächen, dafür aber riesengroße Mengen von unterhaltsamem und spannendem Wissen in sich trägt. Vorhang auf zur Wirklichkeit!

Schwer wie ein Rinderbraten und fast 450 Seiten stark: die Geschichte der Landschaft Mitteleuropas nimmt einen auch äußerlich in Beschlag; und muss das auch, denn diese Geschichte ist alt, vielschichtig, interdisziplinär (das Tolle ist: Küster arbeitet ganz fantastisch interdisziplinär, reduziert die Verwendung derart greulicher Worte aber auf ein Minimum!) und niemals wirklich zu begreifen. Ja, sowas?! Dass man das aus einem Professorenmunde hören darf; das erste Kapitel ist eine mehrschichtige Torte, die man an alle naturwissenschaftlichen Autoren unsere Zeit verfüttern sollte, damit sie sich ein Beispiel nehmen an lebendiger Wissenschaft, die zugleich in Demut dem Universum huldigt.

Selbst die Allegorie des biblischen Schöpfungsberichtes in der Einleitung – die auf gewisse Art und Weise die Darwinschen Biologismen dramatisch deutlich zementiert – wirkt nicht rückfällig, sondern sinnvoll und – das ist das Schöne an Küsters Schreibe – auch immer sinnlich. Nachvollziehbar das ganze Werk: mit den vielen Fotos und den immer lebendigen, bezugsnahen Beschreibungspunkten. Denn es sind auch heute noch Menschen, die denjenigen während und nach der Eiszeit in gewisser Hinsicht gleichen, so dass Aussichtspunkte, Rohstoffstätten oder Transportwege damals wie heute genutzt werden.

Die zahlreiche Erweiterungen, Veränderungen, Verschiebungen, Innovationen und Aufs und Abs der (die Küster – auch das smart und gekonnt – als Begrifflichkeit als solche aushöhlt), kombiniert mit den gleichen Errungenschaften der natürlichen Umwelt ergeben ein faszinierendes Repräsentanz, in der sich Küster als Geologe, Biologe Zoologe, Forstwissenschaftler und Botaniker austobt – weil er immer Mensch bleibt, macht es viel Freude, ihm zuzuhören.

Vor fast zwanzig Jahren erschien die Erstausgabe, zahlreiche weitere Auflagen, unter anderem broschierte Sonderausgaben folgten. Schlichtweg passend zum  Duktus des Inhalts und seines Autors wird selbstredend in der 2013er Neuauflage auch auf die Verwandlung in den letzten zwanzig Jahren Rücksicht genommen. Wie selbstverständlich referiert  (blödes Wort, denn Küster schnurrt, wie ein lebendiger Erzähler des 19. Jahrhunderts) der Autor über Lärmschutzwände und und Windkrafträder, die uns blökenden Schafen als Landschaftsveränderung von oben daherkommen. Nur wer versteht was passiert, kann auch was ändern.

Fazit:

Ein packendes, fesselndes, informatives, schlicht großartiges Wunderwerk von Sachbuch, das viele belletristische Angebote mit seiner Unterhaltung aus dem Rennen wirft. Warum ausgerechnet ein Redakteur der FAZ Küsters Buch als Paradebeispiel für die Überwindung der geistes- und naturwissenschaftlichen Gräben bezeichnet, ist schleierhaft (eben weil die FAZ diese Gräben beständig aushebt und sich in ihnen suhlt wie das Schwein im Matsch), aber – man muss auch mal den Satan zitieren dürfen – er hat einfach nur Recht. Wer mehr über sein Zuhause, im tiefsten Sinne des Seins, erfahren und dabei perfekt unterhalten werden will: hier ist der Beweis.

 

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