Back To The 80´s: Chess
Kurzfazit: Ein Meisterwerk zwischen Liebe, Macht und Kaltem Krieg!
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Worum geht es in Chess?
Die Geschichte von „Chess“ dreht sich um ein Schachturnier während des Kalten Krieges, das die Spannungen zwischen Ost und West widerspiegelt. Gleichzeitig entfalten sich persönliche Dramen, darunter eine Dreiecksbeziehung zwischen dem russischen Schachspieler Anatoly, dem amerikanischen Schachmeister Freddie und der gemeinsamen Liebe Florence. Dieses politische und emotionale Wechselspiel macht „Chess“ zu einem Musical, das weit über reine Unterhaltung hinausgeht.
Das Schachbrett ist dabei nie nur Schachbrett. Jeder Zug am Tisch hat ein Gegenstück in der Politik: Betreuer, Funktionäre und Botschaftsmitarbeiter verhandeln im Hintergrund über Überläufer, Prestige und Propaganda. Wer die Handlung zum ersten Mal hört, sollte sich darauf einstellen, dass die Erzählung nicht linear von Nummer zu Nummer läuft, sondern in Szenen springt.
Die Figuren
Freddie ist der amerikanische Titelträger, laut, egozentrisch, ein Medienprofi, dem der Auftritt oft wichtiger ist als die Partie. Anatoly, sein sowjetischer Gegenspieler, ist das Gegenteil: zurückhaltend, zerrissen zwischen Pflicht und eigenem Willen. Florence steht zwischen beiden, zuerst als Freddies Sekundantin, dann als Anatolys Partnerin, und ist damit die eigentliche Hauptfigur des Werks. Svetlana, Anatolys Frau, tritt erst später hinzu und macht den Konflikt vollends unlösbar.
Der Kalte Krieg als Bühne
Dass ein Schachduell als Sinnbild für den Systemkonflikt taugt, war Anfang der 80er-Jahre unmittelbar verständlich. „Chess“ nutzt diese Ausgangslage, ohne sich auf eine Seite zu schlagen. Beide Lager instrumentalisieren ihre Spieler, beide Delegationen reden von Freiheit und meinen Kontrolle. Genau diese Doppelbödigkeit gibt dem Album seine bis heute tragfähige Substanz.
Wer steckt hinter Chess?
Benny Andersson und Björn Ulvaeus
Benny Andersson und Björn Ulvaeus sind zwei schwedische Musiker, Komponisten und Produzenten, die als Mitglieder von ABBA weltberühmt wurden. Mit der Band feierten sie internationale Erfolge und schrieben unvergessliche Hits wie „Dancing Queen“, „Mamma Mia“ und „The Winner Takes It All“. Nach der Auflösung wandten sie sich verstärkt der Musicalwelt zu und komponierten Werke wie „Chess“, „Kristina från Duvemåla“ und „Mamma Mia!“.
Für Hörer, die die beiden nur als Popkomponisten kennen, ist „Chess“ die interessantere Baustelle: Hier arbeiten sie mit durchkomponierten Szenen, wiederkehrenden Motiven und Orchesterapparat statt mit dem Dreiminutenformat der Single.
Sir Tim Rice
Sir Tim Rice ist ein britischer Texter und Librettist, der vor allem für seine Zusammenarbeit mit Andrew Lloyd Webber bekannt wurde. Gemeinsam schrieben sie unter anderem die Musicals „Jesus Christ Superstar“ und „Evita“, die weltweite Erfolge wurden. Nach der Zusammenarbeit mit Webber arbeitete Rice an Projekten mit Elton John (The Lion King), Alan Menken (Aladdin) und den ABBA-Mitgliedern Benny Andersson und Björn Ulvaeus (Chess). Seine Texte sind für ihre emotionale Tiefe und erzählerische Klarheit bekannt. Tim Rice wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet, darunter mit Oscars, Grammys und einem Tony Award. 1994 wurde er von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen.
Das Album im Überblick
„Chess“ erschien 1984 zunächst als Doppelalbum und damit vor der Bühnenfassung, die 1986 im Londoner West End Premiere hatte. Diese Reihenfolge erklärt den Charakter der Aufnahme: Sie ist als Studioproduktion gedacht und nicht als Mitschnitt einer Inszenierung. Prominent besetzt sind vor allem Elaine Paige, Murray Head und Tommy Körberg.
Die orchestralen Arrangements von Benny Andersson und Björn Ulvaeus kombinieren klassische Motive mit zeitgenössischer Popmusik, was dem Album eine einzigartige Klanglandschaft verleiht. Das Konzeptalbum wurde mit einem Fokus auf Studioqualität produziert, was den Songs eine cineastische Dimension gibt. Die Stimmen der Solisten harmonieren perfekt mit den vielschichtigen Instrumentierungen, die von pompösen Orchesterpassagen bis hin zu minimalistischen Klaviertönen reichen.
Die wichtigsten Songs
Das Album enthält einige der ikonischsten Nummern des Musicalgenres.
One Night in Bangkok
„One Night in Bangkok“ ist ohne Übertreibung bis heute eine Hymne der 80er-Jahre geblieben. Murray Head liefert eine Performance voller Energie und Ironie. Der Sprechgesang über dem stampfenden Beat war 1984 ungewöhnlich für ein Musicalstück und ist bis heute der Türöffner, über den die meisten Hörer zum Album finden.
I Know Him So Well
„I Know Him So Well“ ist ein ergreifendes Duett zwischen Elaine Paige (Florence) und Barbara Dickson (Svetlana), das die innere Zerrissenheit der beiden Frauen meisterhaft ausdrückt. Dieser Song wurde später zu einem der erfolgreichsten Duette der britischen Chartgeschichte: 1985 stand er vier Wochen lang auf Platz eins der UK-Singlecharts und gilt als meistverkaufte britische Chartsingle eines weiblichen Duos.
Anthem
„Anthem“, gesungen von Tommy Körberg (Anatoly), ist eine der emotionalsten Balladen des Albums. Die Mischung aus patriotischem Pathos und persönlicher Reflexion zeigt Körbergs außergewöhnliche stimmliche Bandbreite. Der Song funktioniert als Schlusspunkt des ersten Teils genau deshalb so gut, weil er die Zerrissenheit der Figur nicht auflöst.
Nobody’s Side
Und schließlich noch „Nobody’s Side“. Florences Solo thematisiert die Einsamkeit und den Kampf, sich in einer Welt voller Machtspiele zu behaupten. Elaine Paige brilliert hier mit ihrer intensiven Interpretation.
Wo das Album an Grenzen stößt
Ein möglicher Kritikpunkt des Albums ist seine Dichte: Ohne die visuelle Unterstützung einer Bühneninszenierung könnten Ersthörer Schwierigkeiten haben, der Handlung in vollem Umfang zu folgen. Die schiere Menge an musikalischen und thematischen Elementen kann überwältigend wirken, doch für Kenner ist dies gerade die Stärke des Werks. Wer sich das Booklet oder eine Handlungsübersicht danebenlegt, kommt deutlich schneller hinein.
Hinzu kommt, dass sich Songfolge und Umfang je nach Fassung unterscheiden. Spätere Bühnenversionen haben Nummern umgestellt, gestrichen oder ergänzt. Wer das Album mit einer Aufführung vergleicht, sollte deshalb nicht mit einer Eins-zu-eins-Entsprechung rechnen.
Trackliste CD 01
01 - Merano
02 - The Russian and Molokov / Where I Want to Be
03 - Opening Ceremony
04 - Quartet (A Model of Decorum and Tranquility)
05 - The American and Florence / Nobody’s Side
06 - Chess
07 - Mountain Duet
08 - Florence Quits
09 - Embassy Lament
10 - Anthem
Trackliste CD 02
01 - Bangkok / One Night in Bangkok
02 - Haven Help My Heart
03 - Argument
04 - I Know Him So well
05 - The Deal (No Deal)
06 - Pity the Child
07 - Endgame
08 - Epilogue: You and I / The Story of Chess
Für wen lohnt sich das Album?
Musicalfans bekommen ein Werk, das sich mit den großen Titeln des Genres messen kann und ihnen in der musikalischen Bandbreite sogar voraus ist. ABBA-Hörer erleben Andersson und Ulvaeus in einer Form, die weit über die Popsingles hinausgeht. Und wer generell Konzeptalben mit durchgehender Erzählung mag, findet hier eines der besten Beispiele der 80er-Jahre.
Weniger geeignet ist die Doppel-CD für Hörer, die nur nebenbei etwas Eingängiges suchen. Für „One Night in Bangkok“ und „I Know Him So Well“ allein braucht es dieses Album nicht, die beiden Titel stehen auf zahllosen Sammlungen. Der Reiz liegt im Ganzen.
Fazit: Lohnt sich Back To The 80´s: Chess?
„Chess“ ist ein Meilenstein des Musicalgenres, der seine Hörer mit anspruchsvollen Texten, mitreißenden Melodien und einer vielschichtigen Handlung begeistert. Es ist sowohl ein Zeugnis der Kreativität seiner Schöpfer als auch ein Kommentar zur politischen und emotionalen Komplexität der Menschheit. Für Musical-Fans, Liebhaber von ABBA oder Freunde klanglicher Opulenz ist dieses Album ein absolutes Muss.
Unsere Bewertung
Musik: 5
Instrumentalisierung: 5
Stimmen: 5
Abwechslung: 5
Hörspaß: 5
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es im Musical Chess?
Im Zentrum steht ein Schachturnier zwischen einem amerikanischen und einem sowjetischen Großmeister zur Zeit des Kalten Krieges. Parallel dazu entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung zwischen dem Russen Anatoly, dem Amerikaner Freddie und Florence, die als Sekundantin an Freddies Seite steht. Politik und Privatleben greifen dabei ständig ineinander.
Wer hat die Musik zu Chess geschrieben?
Die Musik stammt von Benny Andersson und Björn Ulvaeus, den beiden Komponisten von ABBA. Die Texte schrieb der britische Librettist Sir Tim Rice, der zuvor mit Andrew Lloyd Webber „Jesus Christ Superstar“ und „Evita“ verfasst hatte. Chess erschien 1984 zuerst als Doppelalbum, bevor 1986 die Bühnenfassung im Londoner West End folgte.
Welche Songs von Chess sind am bekanntesten?
Am bekanntesten sind „One Night in Bangkok“ mit Murray Head und das Duett „I Know Him So Well“ von Elaine Paige und Barbara Dickson, das 1985 vier Wochen lang die britischen Singlecharts anführte. Dazu kommen die Ballade „Anthem“ in der Interpretation von Tommy Körberg und Florences Solo „Nobody's Side“.
Ist das Konzeptalbum dasselbe wie die Bühnenfassung?
Nein. Das Album von 1984 ist eine reine Studioproduktion, die der Bühnenpremiere vorausging. Die späteren Inszenierungen haben Songs umgestellt, gestrichen und ergänzt, weshalb sich Reihenfolge und Umfang je nach Fassung unterscheiden.
Für wen lohnt sich das Album?
Vor allem für Musicalfans, für ABBA-Hörer, die die Komponisten jenseits der Popsingles erleben wollen, und für alle, die aufwendig arrangierte Konzeptalben mögen. Wer nur die beiden Hits sucht, ist mit einer Compilation besser bedient.
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