Lassen sie es mich so sagen…

Autorenwertung
  • Humor
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  • Lesbarkeit
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  • Charaktere
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  • Unterhaltung
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  • Anspruch
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  • Gesamt
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Rezension von: Rico Keller | Rezensionsdatum:

: Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit“
Georg Schramm gehört zu dem Allerbesten was deutsches im 21 Jahrhundert zu bieten hat. Er ist ein aufgeklärter Kritiker, ein bösartiger Spötter und ein gnadenloser Beobachter. Mit „Lassen sie es mich so sagen…“ bringt er eine Sammlung einiger seiner Reden, Polemiken, Wutausbrüchen und historischen Abhandlungen heraus.

Kabarett und Schauspiel treffen sich

Schramm ist ein Meister der Verkleidung. Er schlüpft so mühelos in seine verschiedenen Rollen und spielt diese so ehrlich und authentisch, das es einen, neben aller politischen Bösartigkeit, tief berühren kann. Wenn der alternde Sozialdemokrat zugibt, das es ein Fehler war den Notarzt zu holen als seine Frau einen Schlaganfall hatte, weil sie nun im Heim vegetiert, dann ist das eben nicht nur eine Kritik am deutschen Gesundheitssystem, sondern auch ein liebevolles Portrait der deutschen Seele. All die Wut, all der Frust und all die gebrochenen Versprechungen der Politiker, all das nimmt Schramm und antizipiert es derart gekonnt das sein Potenzial kein rein kabarettistisches bleibt.

Ein Stück Zeitgeschichte

In der Verschmelzung von ehrlichem Zorn und tiefgründiger Auseinandersetzung liegt der Reiz dieser Sammlung. Sie gibt einen Querschnitt durch das Schaffen eines großen Künstlers. Von seinen Anfängen über die Zeit des „Scheibenwischers“ bis hin zu seiner Arbeit in „Neues aus der Anstalt“. Dieses Buch ist damit auch ein Stück Zeitgeschichte des deutschen Kabarett. Schramm ist neben Hildebrandt die letzte und einzige große Instanz dieser leider viel zu wenig beachteten Kunstform. Dabei wird aber auch klar das Schramm immer unbequem sein wollte, und dies auch immer gewesen ist. Er war nie parteiisch und hat auch mit Spott und Hohn nie vor sich selbst oder Seinesgleichen halt gemacht. Er ist ein Meister der Ironie und treibt diese bis an die Spitze ihrer Belastbarkeit, bis an die Schmerzgrenze.

Der letzte Aufklärer

Seine Themen reichen vom deutschen Gesundheitssystem, über die Kluft zwischen Arm und Reich bis hin zur Revolution von 1848. Eine breite Fülle von Gedanken, die karikiert und erbarmungslos aufdeckt. Georg Schramm ist keiner jener „Kabarettisten“, die sich an Angela Merkels Frisur aufhängen, oder über Guido Westerwelles Englisch schwadronieren, das ist Georg Schramm zu trivial. Er braucht etwas Größeres. Den großen Zusammenhang. Seine Aufrufe sind ernst gemeint. Erhebt Euch! Fordert euer Recht! Lasst euch nicht verdummen! Das sind bei Georg Schramm keine leeren Phrasen sondern ehrliche aufklärerische Imperative.

Leider nichts Neues

Der wohl einzige Wermutstropfen des Buches ist, dass wenn man die Auftritte Schramms verfolgt hat und die Programme kennt relativ wenig Neues dabei ist, sondern Vieles was man eben schon kennt. Ist man aber ein Neuling im schramm’schen Universum, oder kennt eben noch nicht alles, dann bietet dieses Buch einen perfekten Einstieg.

Fazit

„Lassen sie es mich so sagen…“ von Georg Schramm ist neben Wilfried Schmicklers aktuellem Programm „Weiter“ das ,was deutsches Kabarett momentan leisten kann. Ein Pflichtkauf für jeden Kabarettfreund und für Leute, die all der Clowns der Privatsendercomedy überdrüssig sind und auch bei Unterhaltung wert auf Intellektualität legen. Unterhalten werden sie mit dem Buch, aber eben auch vor den Kopf gestoßen und zum Nachdenken animiert. Ein vorläufiges Vermächtnis von einem der ganz großen Kabarettisten.

Rico Keller

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