Sebastian Willing

Bea geht

Sebastian Willing. Books on Demand 2013, Taschenbuch, 160 Seiten, € 9,95

Rezension von: Rezension.org | Rezensionsdatum:

Zum heutigen Interview begrüßen wir und sein Buch „Bea geht“

Wie sind Sie dazu gekommen, Autor zu werden?
Aus verschiedenen Themenblogs ist vor etwas mehr als zwei Jahren mein Sammelblog entstanden. Mich hat einfach gestört, dass viele Themen, über die ich gerne schreiben wollte, zu keinem meiner Spezialblogs passten und so entstand mein persönlicher Blog, in dem es keine „unpassenden“ Themen gibt. Damals habe ich angefangen, persönliche Blogposts zu schreiben, unter anderem auch über Bea. Nach und nach habe ich ihre Geschichte dokumentiert und wurde am Ende von verschiedenen Lesern darauf angesprochen, ob ich nicht ein Buch über Bea schreiben wollte. Für „Bea geht“ habe ich die alten Blogposts als Basis genommen, vollkommen überarbeitet und durch viele weitere Erinnerungen ergänzt.

War es ein schwerer oder einfacher Weg?
Es war erst einfach und dann schwer: „Bea geht“ habe ich in rund zweieinhalb Wochen geschrieben. Das ging so schnell, weil ich mir keine Story ausdenken oder Spannungsfäden spinnen musste. Danach begann der schwere Teil: Fast ein Jahr lang habe ich Betaleser gesucht, ihre Kommentare in den Text einfließen lassen, Stellen überarbeitet, viele fehlende Kommas gesetzt und schließlich einen Lektor beauftragt.

Wie sieht ihre Familie Ihre Lust zum Schreiben?
Bea‘s kleine Schwester hat sich beschwert: Als die ersten Exemplare und die Leseproben-Flyer eintrafen, hat sie nur gefragt: „Und wann schreibst Du ein Buch über mich?“ Meine Frau hat mit ihren Erinnerungen sehr viel zum Buch beigetragen und ihr persönliches Fazit in einem eigenen Kapitel gezogen, das Buch aber noch immer nicht zu Ende gelesen. Sie ist Teil der Geschichte und so einige Kapitel würden unerwünschte Erinnerungen und Gefühle wieder zu Tage bringen und alte Wunden aufreißen.

Was sind Ihre sonstigen Hobbies?
Meine Familie, mein Blog und unsere gemeinsame Liebe für das Fliegen. Wenn es sich einrichten lässt, schwingen wir uns ein oder zwei Mal im Monat in die Luft und genießen die Welt von oben, abseits von Hektik und Stress.

Was machen Sie beruflich?
Ich entwickle Software für Webseiten, derzeit hauptsächlich die Komponenten im Hintergrund: Infrastruktur, Datenbanken, Performanceoptimierung.

Was war ihre interessanteste Erfahrung als Autor?
Mit Sicherheit die Reaktionen von Freunden und Bekannten auf „Bea geht“. Sie fielen vollkommen anders aus, als ich es erwartet habe.

Wie waren die ersten Bewertungen durch Freunde und Bekannte?
Bis zum Tag der Veröffentlichung wussten nur meine Frau und die Betaleser davon. Als es dann bekannt wurde, haben einige das Buch gelesen – mehr als ich gedacht hätte – und die Reaktionen sind durchgehend sehr positiv. Allerdings bin ich jetzt schuld an einigen schlaflosen Nächten, weil „Bea geht“ anscheinend so fesselnd geworden ist, dass man sich schwer von trennen kann.

Worum geht es in Ihrem neuesten Buch?
Bea ist ein besonderes Kind. Sie lebt in ihrer ganz eigene Welt geprägt von vielen Mini-Ohnmachten, hat Probleme, die andere Kinder nicht haben, aber erspart sich auch viele Probleme, die andere Kinder in ihrem Alter haben. „Bea geht“ beschäftigt sich mit ihr, uns und ihrem Auszug von zu Hause. Das Buch dokumentiert eine wahre Geschichte, möchte aber kein Mitleid wecken. Es erlaubt einen tiefen Einblick in unsere Familie und unsere Gefühlswelt. Es geht viel weiter, als meine Blogposts jemals gegangen sind.

Warum sollte man das Buch unbedingt lesen? Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an diesem Buch?
Nachdem ich mich ein Jahr lang intensiv mit dem Buch beschäftigt habe, finde ich nichts Besonderes mehr daran. Es hat viele Stellen, die mir nicht gefallen, allerdings fehlen mir auch die Ideen, wie ich sie verbessern könnte. Es gibt keinen Mörder und seinen Gegenspieler und auch keine Erotikszenen. Bea wird – natürlich – sehr intensiv beschrieben, aber die anderen Figuren bleiben nebulös, vor allem ihre Schwester taucht immer mal wieder auf, hat im Buch aber noch nicht einmal einen Namen.
Ganz anders waren die Reaktionen von Rezensenten und Lesern, denn sie waren begeistert, mussten Lachen und Weinen und die Meisten haben das Buch regelrecht verschlungen. Einige haben sich beschwert, warum es „nur“ 160 Seiten hat und nach der Fortsetzung gefragt. Das Besondere an diesem Buch scheint seine Eigenschaft zu sein, Menschen mitzureißen und in unsere Welt zu entführen. Ich habe bisher niemanden gefunden, der es bereut hat, „Bea geht“ gelesen zu haben.

Wie sind Sie beim Schreiben vorgegangen? (chronologisch, erst Notizen machen etc.)
Für den ersten Teil, der in Themenkapiteln Beas Hintergrund und die Vorgeschichte zusammenfasst, habe ich Kapitelüberschriften gesammelt. Manche Ideen kamen einfach so nebenbei, andere beim Schreiben der einzelnen Kapitel. Nach und nach haben sich die Kapitel gefüllt, aus Stichwörtern wurden Absätze und daraus schließlich ein zusammenhängender Text. Für den zweiten Teil bin ich meine Blogposts chronologisch durchgegangen und habe sie in Kapitel gegossen.

Kennen Sie Schreibblockaden? Was tun Sie dagegen?
Ja, aber selten. „Bea geht“ ist eine Dokumentation des wahren Lebens und so brauchte ich mir keine Geschichte ausdenken. Wenn mir für ein Kapitel kein passender Anfang einfiel, habe ich einfach ein anderes geschrieben.

Wie sind Sie auf den Titel gekommen?
Der Titel war von Anfang an das größte Problem. Als Arbeitstitel habe ich einfach „Bea‘s Buch“ benutzt und auf der ersten Seite stand lange Zeit „Für immer jung“. Dieser Titel beschreibt Beas Schicksal eigentlich am Besten und er gefällt mir immer noch sehr, aber er passt leider nicht zum Buch, denn das ist keine (Auto)biografie, sondern handelt hauptsächlich von den Gründen und dem langen Weg zu ihrem Auszug von Zuhause. Im Laufe des Jahres haben wir verschiedene Titelideen gesammelt und der Lektor hat daraus „Bea geht“ und „Ein Abschied auf Raten“ als Untertitel vorgeschlagen. Die Kombination hat mit auf Anhieb gefallen und damit stand der Titel fest.

Haben Sie das Cover selbst gestaltet?
Das Cover basiert auf einem Foto, das durch Zufall entstanden ist. Wir standen auf dem Rollfeld vom Flughafen Hannover, Bea saß in der Maschine und eine kräftige Wintersonne schien vom wolkenlosen, blauen Himmel. Von jedem Flug bringen wir hundert oder mehr Fotos mit, einige davon auch am Boden. Das Foto ist eines von vielen von diesem Flugtag, aber ich fand es schon damals toll, als wir die Fotos nach dem Flug sortiert hatten. Schon während des Schreibens war mir klar, dass diese Foto das Cover werden sollte. Der Rest waren ein oder zwei Stunden Bildbearbeitung.

Gab es professionelle Hilfe durch Layouter, Lektoren, Verlage, etc?
Einige Betaleser haben das Buch vorab gelesen, korrigiert und kommentiert. Ihre Anmerkungen waren eine große Hilfe, denn erst durch sie habe ich Rückmeldungen bekommen, welche Stellen zu detailliert waren und wo der Text mehr erklären musste.

Kamen Sie über einen Verlag, Selbstverlag, Book on demand, etc. zu der ersten Ausgabe?
Ich habe mit verschiedenen Verlagen und Literaturagenten gesprochen und einige Verlage angeschrieben, allerdings wurde mir recht schnell klar, dass nur Book on demand für mich in Frage kam. Schuld war meine Ungeduld, denn ich wollte nicht sechs Monate auf eine Antwort und dann weitere ein bis zwei Jahre bis zur Veröffentlichung warten. Einige Verlage haben das Buch einfach abgelehnt, weil es nicht fiktiv war und deswegen zu den Sachbüchern zählt.

Vermarkten Sie Ihr Buch selbst?
Ich bemühe mich, allerdings ist es nicht einfach. Langsam verstehe ich, warum viele Verlage so selektiv arbeiten: Ein Buchlektorat kostet Geld, der Druck – sofern man nicht Print-on-Demand nutzt, was auch für Verlage eine durchaus gangbare Möglichkeit ist – kostet ebenfalls Geld, aber das alles ist nichts im Vergleich zu den Werbekosten. Ich könnte bestimmt recht einfach ein paar tausend Exemplare verkaufen – wenn ich einen mittleren fünfstelligen Betrag in Werbung investieren würde. So bleibt im Wesentlichen nur das Internet und dort ist es auch fast unmöglich, eine halbwegs passable Menge an potentiellen Lesern anzusprechen.Für die Offline-Werbung habe ich Leseproben-Flyer drucken lassen, die ich in Buchhandlungen, Büchereien und Wartezimmern unterzubringen versuche – mit unterschiedlichem Erfolg.

Wie geht es weiter?
Eine Fortsetzung zu Bea ist derzeit ausgeschlossen, ganz einfach mangels Material. Ich begleite sie weiterhin auf meinem Blog, soweit wir überhaupt noch an ihrem Leben teilhaben, aber ob sich daraus jemals wieder genug Material für ein Buch ergeben wird, steht in den Sternen.Ich habe ein paar Gedanken für einen reinen Belletristik-Roman und auch ein (echtes) Sachbuch über meine Arbeitsthemen ist nicht ausgeschlossen, aber konkret ist momentan gar nichts.

Was können Sie anderen, jungen Autoren als Tipp an die Hand geben?
Sucht Euch Betaleser und nehmt ihre Kommentare und Kritik ernst, aber bevor ihr sie auf Euren Text loslasst, nutzt die Rechtschreibprüfung, die mittlerweile jedes Textverarbeitungsprogramm anbietet. Nichts ist schlimmer für einen Betaleser, wenn er in jeder Zeile simple Tippfehler kommentieren muss und dadurch ausgebremst wird. Fallt auf keinen Fall auf Druckkostenzuschussverlage rein. Wenn es mit einem klassischen Verlag nicht klappt (was durchaus der Normalfall ist), nutzt Print-on-Demand.

Betreiben Sie eine eigene Webseite?
Mein Blog, der überhaupt zu diesem Buch geführt hat, ist unter http://www.pal-blog.de zu finden. Dort gibt es auch eine Leseprobe und eine Rezensionssammlung zu „Bea geht“.

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