Berte Bratt: Wir schaffen es gemeinsam!
Kurzfazit: Charmant erzählt und voller Ideen, im Frauenbild aber deutlich gealtert.
Wir schaffen es gemeinsam
8,10 € Stand: 17.08.2026
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Zum Angebot bei Amazon →Wibke ist 22 und lebt bei ihrem Onkel und dessen Frau, bis dieser bei einem Motorradunfall ums Leben kommt. Ihre Tante ist nach dem Schock nicht mehr ganz bei sich und wird in ein Heim für betreutes Wohnen gebracht. Nun steht Wibke allein da, mit etwas Geld auf dem Sparkonto und ihren Händen. Einen Beruf oder eine Ausbildung hat sie nicht. Also muss sie sich eben auf ihre natürlichen Talente verlassen. Sie zieht bei ihrer Freundin Yvonne ein, die Künstlerin ist und selbst weiß, wie es ist, mit wenig Geld leben zu müssen.
Wer war Berte Bratt?
Hinter dem Namen Berte Bratt steht die norwegische Autorin Annik Saxegaard. Sie wurde 1905 in Stavanger geboren und starb 1990 in Kiel. Neben Berte Bratt benutzte sie weitere Pseudonyme, darunter Ulla Scherenhof und Nina Nord. 1958 verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt nach Deutschland und schrieb von da an fast ausschließlich auf Deutsch.
Ihren größten Erfolg hatte sie damit nicht in Norwegen, sondern im deutschsprachigen Raum. Als Berte Bratt wurde sie zu einer der meistgelesenen Mädchenbuchautorinnen Deutschlands, die Gesamtauflage liegt bei über fünf Millionen Exemplaren. Wer heute in einem Antiquariat stöbert, findet ihre Titel fast garantiert. “Wir schaffen es gemeinsam!” erschien im Franz Schneider Verlag und gehört zu den Einzelbänden, also nicht zu einer der fortlaufenden Reihen.
Worum geht es in “Wir schaffen es gemeinsam!”?
Die Ausgangslage ist für ein Mädchenbuch dieser Zeit ungewöhnlich hart. Wibke verliert innerhalb weniger Tage ihre gesamte häusliche Sicherheit, ohne dass sie eine Ausbildung oder ein Einkommen hätte, auf das sie zurückgreifen könnte. Der Roman macht daraus keine Tragödie, sondern eine Erfolgsgeschichte in kleinen Schritten.
Wibkes Geschäftsideen
Wibke zieht bald darauf als „Blumendoktor“ los. Da sie einen grünen Daumen hat, will sie sich um die Topfpflanzen von Nachbarn kümmern, indem sie Tipps gibt und die Pflanzen umtopft. Tatsächlich läuft dieses Geschäft eine Weile ganz gut, bis eben alle Leute im Umkreis versorgt sind. Auch bei Yvonne wird das Geld immer knapper, und die beiden können bald nicht einmal mehr Essen oder Strom bezahlen. Dann holt sich Wibke auch noch eine Blutvergiftung.
Doch dank ihres Erfindungsgeistes findet sie bald neue Tätigkeiten, als Katzenbetreuerin, Strümpfe stopfen, als Kindermädchen mit auf Urlaub fahren, Diätberaterin, private Kindergärtnerin. So schafft sie es, sich aus eigener Kraft über Wasser zu halten.
Die Nebenhandlung
Immer wieder läuft sie auch einem attraktiven Arzt über den Weg, der allerdings das Bild eines anderen Mädchens auf dem Nachttisch stehen hat. Diese Linie läuft lange im Hintergrund mit und liefert die romantische Spannung, die in Büchern dieser Art erwartet wird. Erzählerisch bleibt sie deutlich schwächer als die Berufsepisoden, weil sie sich früh absehen lässt.
Die Figuren
Wibke
Wibke ist der Grund, warum das Buch trotz seines Alters funktioniert. Sie jammert nicht, sie rechnet. Jede neue Notlage beantwortet sie mit einer Idee, und die Ideen sind konkret genug, dass man ihr beim Kalkulieren zusehen kann. Diese Mischung aus Pragmatismus und gutem Humor trägt den ganzen Roman.
Yvonne
Die Freundin Yvonne ist als Künstlerin selbst dauerhaft knapp bei Kasse und damit keine rettende Instanz, sondern eine gleichberechtigte Leidensgenossin. Dass beide gemeinsam im selben Loch sitzen, gibt dem Titel seine Berechtigung und verhindert, dass die Handlung in eine Wohltäterkonstellation abrutscht.
Unsere Meinung
Was mir an diesem Buch am meisten gefallen hat, ist, dass sich die junge Hauptdarstellerin aus eigener Kraft durchs Leben kämpft und ihr Brot verdient. Die Ideen sind wirklich komisch und interessant. Immerhin gab es damals keine Möglichkeiten, wie man sie heute hat, um Geld zu machen (Ebay, Online-Shops oder dergleichen). Ich fand die Sachen zwar nicht immer realistisch, jedoch unterhaltsam.
Traurig aber, dass die Berte-Bratt-Heldin mal wieder keine Bildung und keinen richtigen Beruf hat. Das scheint in den Romanen nie jemand für nötig zu halten, scheinbar in Erwartung eines reichen Mannes, sodass man ja nur noch den Haushalt erledigen muss.
Kritik an Berte Bratt: das Frauenbild
Der Einwand gegen das Rollenbild ist kein Detail, sondern betrifft den Kern der Konstruktion. Der Roman feiert Wibkes Findigkeit über Hunderte von Seiten, entwertet sie am Ende aber wieder, weil die dauerhafte Lösung nicht aus ihrer Arbeit erwächst. Eine Ausbildung nachzuholen kommt als Gedanke nicht vor, obwohl das Buch die ganze Zeit vorführt, wie teuer ihr Fehlen ist.
Man kann das als Kind seiner Entstehungszeit lesen, und das ist es auch. Wer die Bücher heute jüngeren Leserinnen in die Hand gibt, sollte das Thema aber ansprechen, weil der Text selbst keinen Widerspruch anbietet.
Die Sache mit den Kätzchen
Gestört hat mich, dass Wibke einen Wurf junger Kätzchen töten lässt. Angesichts der Tierliebe, die die Romane der Autorin sonst aufweisen, ein ziemlicher Skandal. Mal davon abgesehen, dass hier die richtige Lösung Sterilisation wäre, da sie sonst in ein paar Monaten noch mehr Junge umbringen dürfen. Diese Szene bleibt der unangenehmste Moment des Buches.
Wo wird heute über Berte Bratt diskutiert?
Die Autorin hat eine erstaunlich lebendige Leserschaft behalten. Unter anniksaxegaard.de existiert eine Fanseite zu ihrem Werk, dazu ein eigenes Forum, in dem einzelne Bände besprochen und verschiedene Ausgaben verglichen werden. Auch in allgemeinen Buchforen finden sich lange Threads zu einzelnen Titeln. Wer bestimmte Bände sucht oder wissen will, welche Titel unter welchem Namen erschienen sind, wird dort am ehesten fündig, denn viele Bücher sind nur noch antiquarisch erhältlich.
Für wen lohnt sich das Buch?
Für jugendliche Leserinnen ab etwa zwölf Jahren, die eine warmherzige Geschichte über Selbständigkeit suchen, und für erwachsene Wiederleserinnen, die die Bände aus ihrer Jugend kennen. Wer dagegen eine moderne Emanzipationsgeschichte erwartet, wird enttäuscht. Als Zeitdokument über die Frage, was einer jungen Frau ohne Ausbildung an Erwerbsmöglichkeiten blieb, ist das Buch dagegen aufschlussreich.
Fazit: Lohnt sich Berte Bratt: Wir schaffen es gemeinsam!?
Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und weist sehr interessante Ideen auf, wie ein junges Mädchen damals ohne Ausbildung Geld machen könnte. Schade nur, dass es damit enden muss, dass sie im Grunde auch keinen Beruf braucht, wenn man doch auch einen Mann finden kann. Bleibt ein charmanter, schnell gelesener Roman mit einer starken Hauptfigur und einem Schluss, der sie kleiner macht, als sie ist.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Berte Bratt?
Berte Bratt war das Pseudonym der norwegischen Autorin Annik Saxegaard, die 1905 in Stavanger geboren wurde und 1990 in Kiel starb. Sie veröffentlichte auch unter den Namen Ulla Scherenhof und Nina Nord. 1958 zog sie nach Deutschland und schrieb von da an fast ausschließlich auf Deutsch. Ihre Mädchenbücher erreichten in Deutschland eine Gesamtauflage von mehr als fünf Millionen Exemplaren.
Worum geht es in Wir schaffen es gemeinsam?
Die 22-jährige Wibke verliert durch einen Unfall ihren Onkel, ihre Tante kommt in ein Heim für betreutes Wohnen. Ohne Ausbildung und mit wenig Geld zieht Wibke bei ihrer Freundin Yvonne ein und hält sich mit selbst erfundenen Gelegenheitsjobs über Wasser. Die bekannteste davon ist ihre Tätigkeit als Blumendoktor, bei der sie die Topfpflanzen der Nachbarschaft betreut.
Welche Kritik gibt es an den Büchern von Berte Bratt?
Der häufigste Einwand betrifft das Frauenbild. Die Heldinnen haben in der Regel keine abgeschlossene Ausbildung und keinen erlernten Beruf, und am Ende löst meist die Heirat die materielle Frage. In diesem Band kommt eine Szene hinzu, in der ein Wurf junger Kätzchen getötet wird, was angesichts der sonst ausgeprägten Tierliebe in den Romanen der Autorin besonders unangenehm auffällt.
Gibt es ein Forum zu Berte Bratt?
Ja. Zu Annik Saxegaard beziehungsweise Berte Bratt existiert eine eigene Fanseite unter anniksaxegaard.de sowie ein Diskussionsforum, in dem einzelne Bände besprochen und Ausgaben verglichen werden. Auch in allgemeinen Buchforen wie der Büchereule finden sich längere Threads zu einzelnen Titeln.
Für welches Alter eignet sich das Buch?
Der Roman richtet sich an jugendliche Leserinnen etwa ab zwölf Jahren und ist sprachlich leicht zugänglich. Erwachsene lesen ihn heute vor allem aus nostalgischem Interesse oder als Zeitdokument. Wegen des überholten Rollenbildes empfiehlt sich bei jüngeren Leserinnen ein Gespräch über die Entstehungszeit.
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