Brotherhood
Kurzfazit: Southern Rock statt Deutschrock: ein überraschend stimmiges Album.
Brotherhood
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„Brotherhood“ ist kein reguläres Frei.Wild-Album, sondern das Ergebnis einer Freundschaft zwischen einer Südtiroler Rockband und einer amerikanischen Motorradschmiede. Unter dem Projektnamen Brüder4Brothers haben Frei.Wild und die Orange County Choppers 2020 zehn Songs aufgenommen, die von Freiheit, Handarbeit, Loyalität und dem Fernweh handeln, das entsteht, wenn man auf ein Motorrad steigt. Musikalisch bewegt sich die Platte weit weg vom Deutschrock und näher am amerikanischen Southern Rock.
Die Musiker
Frei.Wild aus Südtirol
2001 gründen Philipp Burger (Gitarre, Gesang) und Jonas Notdurfter (Gitarre) in Brixen, Südtirol eine Band. Schon bald stoßen Jochen Gargitter (Bass) und Christian Fohrer (Schlagzeug) dazu und Frei.Wild waren geboren. Geprägt durch Bands wie Rammstein, Subway To Sally und vor allem die Böhsen Onkelz wenden sich Frei.Wild dem Deutschrock zu. 2002 erscheint ihr Debütalbum „Eines Tages“. Zu Kontroversen führt die angeblich politische Einordnung der Gruppe. Immer wieder besingen sie ihre Heimatliebe zu Südtirol und die damit verbundenen deutschsprachigen Wurzeln und werden dadurch von manchen Medien in Richtung Neo-Nazi-Szene geschoben. In Interviews und anderen Statements macht die Band aber mehr als einmal deutlich, dass sie keine politisch gesinnte Musikgruppe ist und dass sie sich klar vom Links- und Rechtsextremismus distanziert. Ihre letzten Alben wie „Opposition“ oder „Rivalen und Rebellen“ erreichten allesamt Platz 1 der deutschen Charts.
Die Orange County Choppers
Die Orange County Choppers sind ein amerikanischer Motorradhersteller, der von Paul John Teutul 1999 gegründet wurde. Sehr schnell spezialisierte man sich auf das Bauen von Chopper-Sonderanfertigungen. Bereits im Gründungsjahr präsentierten sie auf der Daytona Beach Bike Week einen klassischen Chopper. Internationale Bekanntheit erhielt der OCC durch die Serie „American Chopper“, die vom Discovery Channel produziert wurde und die in Deutschland auf DMAX zu sehen ist.
Auf dem Album vertreten sind neben Paul Teutul Sr. auch sein Sohn Mikey Teutul und Alex Franco. Musiker im klassischen Sinne sind die drei nicht, was man hört, aber im Kontext dieses Projekts eher als Charme denn als Makel wirkt.
Wie das Projekt Brüder4Brothers entstand
Bisher unter dem Radar gab es eine südtiroler-amerikanische Freundschaft, die immer wieder dafür sorgte, dass die Musiker von Frei.Wild in den Staaten waren. Bei einem dieser Besuche kam der Gedanke auf, die langjährige Freundschaft durch ein ganz besonderes Projekt zu krönen. Das war die Geburtsstunde der Brüder4Brothers.
Kennengelernt hatten sich beide Seiten 2018 beim Event Harley In The Snow im Südtiroler Ridnaun. Veröffentlicht wurde das Album 2020 auf Rookies & Kings, einem Label, das Philipp Burger mitgegründet hat. Neben der regulären Fassung gab es eine umfangreichere Deluxe-Edition, wie man sie von Frei.Wild-Veröffentlichungen kennt.
Auf den ersten Blick fragt man sich, wo hier Gemeinsamkeiten liegen sollen, doch Werte wie Freundschaft, Fernweh, Tradition und die Liebe zur ehrlichen Handarbeit stehen sowohl bei Frei.Wild als auch beim OCC hoch im Kurs, sodass hier ein übereinstimmender Nenner gefunden wurde, der als Aufhänger für ihre Musik dienen sollte.
Das Album im Überblick
Durch den im Frühjahr bereits ausgekoppelten Titelsong „Freundschaft Brotherhood“ wurde deutlich, dass hier erneut ein ungewöhnliches, aber überaus interessantes Album auf die Frei.Wild-Fans zukommen würde. Statt hartem Rock gibt es eher melodischen Southern Rock mit einem satten Countryeinschlag. Eine starke Mischung, zumal Frei.Wild mit ihrem genialen „Still 2“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, dass sie eine enorme musikalische Bandbreite besitzen.
Dies untermauert jetzt auch „Brotherhood“. Die Songs sind sich vom Aufbau her recht ähnlich. Die sanfte Stimme von Paul John Teutul harmoniert perfekt mit den eher rauen Vocals von Philipp Burger. Im Wechsel gibt es englische und deutschsprachige Passagen. Mit zehn Titeln und einer Spielzeit von rund 37 Minuten ist die Platte angenehm kompakt geraten und verliert sich nicht in Füllmaterial.
Die Songs im Einzelnen
Burn Fire, Burn For Me
Bereits der rasante Opener schreit förmlich danach, sich auf einen Chopper zu setzen und lässig durch die Gegend zu cruisen. Er gibt die Richtung vor: Gitarrenriff, Mitsing-Refrain, kein Umweg.
Freundschaft Brotherhood
Der Titelsong ist das Herzstück und macht das Konzept am deutlichsten hörbar. Deutsche und englische Zeilen wechseln sich ab, ohne dass es bemüht wirkt, und die Botschaft von Zusammenhalt über Sprachgrenzen hinweg trägt das ganze Album.
Pussy Or A Man und A Man And His Honor
Hin und wieder blitzt die typische Frei.Wild-Attitüde durch, besonders in diesen beiden Stücken. Wer die Band kennt, erkennt hier den vertrauten Tonfall wieder, nur eben in ein amerikanisches Klanggewand verpackt.
Smell The Gasoline
Spätestens bei diesem Titel verspürt man den dringenden Wunsch, seinerseits das Motorrad zu satteln und sich auf die Route 66 zu begeben. Zumindest für dreieinhalb Minuten kann man aber davon träumen.
Trackliste
01 - Burn Fire, Burn For Me
02 - Pussy Or A Man
03 - Freundschaft Brotherhood
04 - Do You See My Devil
05 - A Man And His Honor
06 - Smell The Gasoline
07 - You, Me And The Night
08 - Steel Horse
09 - The True Feeling Of Freedom
10 - Don‘t Get Better Than This
Für wen lohnt sich „Brotherhood“?
Das Album richtet sich an Hörer, die Southern Rock und Biker-Romantik mögen und keine Berührungsängste mit zweisprachigen Refrains haben. Auch Fans der Serie „American Chopper“ dürften Freude daran haben, die Teutuls einmal am Mikrofon statt an der Werkbank zu erleben. Wer dagegen die harten Gitarren und die pathetischen Hymnen der regulären Frei.Wild-Alben sucht, wird hier bewusst enttäuscht, denn das Projekt geht klar in eine andere Richtung.
Wer zehn Songs erwartet, die musikalisch stark variieren, sollte die Erwartung ebenfalls anpassen. Die Stücke folgen einem ähnlichen Bauplan, was den geschlossenen Eindruck der Platte stärkt, aber wenig Überraschungen bietet.
Fazit: Lohnt sich Brotherhood?
Jenseits des in Deutschland typischen Mainstreams legen Frei.Wild und die Orange County Choppers mit „Brotherhood“ ein überaus hörenswertes Album vor, das Begriffe wie Handmade, Treue und Freundschaft besonders in den Vordergrund stellt. Ein Longplayer, der zeitlos ist und auch in einigen Jahren noch Spaß machen wird.
Unsere Bewertung
Musik: 5 Sterne
Instrumentalisierung: 5 Sterne
Stimmen: 5 Sterne
Texte: 5 Sterne
Hörspaß: 5 Sterne
Häufig gestellte Fragen
Wer steckt hinter dem Album Brotherhood?
Hinter dem Projekt steht der Name Brüder4Brothers, ein Zusammenschluss der Südtiroler Band Frei.Wild mit den amerikanischen Motorradbauern der Orange County Choppers. Auf amerikanischer Seite sind Paul Teutul Sr., sein Sohn Mikey Teutul und Alex Franco beteiligt. Das Album erschien 2020 auf Rookies & Kings, einem Label, das Frei.Wild-Sänger Philipp Burger mitgegründet hat.
Wie klingt Brotherhood im Vergleich zu normalen Frei.Wild-Alben?
Deutlich weniger hart. Statt des typischen Deutschrock gibt es melodischen Southern Rock mit spürbarem Country-Einschlag. Die rauen Vocals von Philipp Burger treffen dabei auf die sanftere Stimme von Paul Teutul Sr., und die Songs wechseln zwischen englischen und deutschen Passagen.
Wie viele Songs sind auf dem Album?
Das Album enthält zehn Titel und läuft rund 37 Minuten. Der Titelsong „Freundschaft Brotherhood“ wurde vorab ausgekoppelt. Von der Veröffentlichung gab es außerdem eine erweiterte Deluxe-Edition.
Wie kam die Zusammenarbeit zustande?
Frei.Wild und die Orange County Choppers lernten sich 2018 beim Event Harley In The Snow im Südtiroler Ridnaun kennen. Aus den Besuchen der Musiker in den USA entstand die Idee, die Freundschaft mit einem gemeinsamen Album zu besiegeln.
Für wen lohnt sich Brotherhood?
Für Hörer, die Southern Rock, Biker-Romantik und zweisprachige Refrains mögen und offen dafür sind, Frei.Wild außerhalb des gewohnten Deutschrock-Rahmens zu hören. Wer die harten Gitarren der regulären Alben sucht, wird hier dagegen kaum fündig.
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