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David Bowie - All Saints - Collected Instrumentals 1977-1999

4,5 von 5 Alle Rezensionen zu David Bowie von Rezension.org · 2011-08-09 · aktualisiert 2026-07-28

Kurzfazit: Bowies Instrumentalseite gebündelt: die beste Tür zur Berliner Phase.

All Saints: Collected Instrumentals 1977-1999 by DAVID BOWIE (2001-08-02)
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David Bowie - All Saints - Collected Instrumentals 1977-1999

Worum geht es auf All Saints?

All Saints beleuchtet einmal die andere Seite des wandelbaren Popchamäleons David Bowie. Als pures Instrumentalalbum enthält es Stücke, die Bowie in der Zeit von 1977 bis 1999 aufgenommen hat, und konzentriert sich schwerpunktmäßig auf seine Zusammenarbeit mit Brian Eno Ende der 70er Jahre in Berlin. So verwundert es auch nicht, dass ein Großteil der Stücke eben aus den sogenannten Berlin-Alben (Low und „Heroes“) stammt.

Es gibt hier keine Refrains, keine Kunstfiguren, keine Hits. Wer Bowie über „Let’s Dance“ oder „Starman“ kennt, betritt mit dieser Zusammenstellung ein anderes Werk desselben Künstlers.

Die Ausgabe im Überblick

Die hier besprochene Fassung erschien 2001 als Einzel-CD bei Virgin/EMI und versammelt sechzehn Instrumentalstücke. Interessant ist die Vorgeschichte: Eine erste Version von All Saints war ein Doppelalbum, das Bowie 1993 als Weihnachtsgeschenk für Freunde und Familie zusammenstellen ließ. Nur etwa 150 Exemplare wurden hergestellt, entsprechend begehrt ist diese Ausgabe bei Sammlern. Die reguläre Veröffentlichung von 2001 ist die gestraffte, allgemein erhältliche Variante.

Brian Eno ist bei mehreren Stücken als Mitautor beteiligt, was die Bedeutung seiner Rolle für diesen Teil des Bowie-Werks unterstreicht.

Die Tracklist

1. A New Career In Town
2. V-2 Schneider
3. Abdulmajid
4. Weeping Wall
5. All Saints
6. Art Decade
7. Crystal Japan
8. Brilliant Adventure
9. Sense Of Doubt
10. Moss Garden
11. Neukölln
12. The Mysteries
13. Ian Fish U.K. Heir
14. Subterraneans
15. Warszawa
16. Some Are (Low Symphony)

Der deutsche Einfluss: Kraftwerk, CAN und Berlin

Zu dieser Zeit hatten vor allem deutsche Bands Einfluss auf Bowies Schaffen. Es finden sich Namen wie die obligatorischen Kraftwerk, aber auch andere Krautrock-Heroen wie CAN prägten den Sound. Bowie nahm diese Impulse nicht als Zitat auf, sondern übersetzte sie in eine eigene, deutlich düsterere Sprache.

Überhaupt ist die Stimmung der meisten Instrumentalstücke hier sehr bedrückend, und sie geben ein wunderbares Bild von der damaligen desolaten Stimmung im geteilten Berlin wieder. Songtitel wie „Weeping Wall“ oder „Neukölln“ nehmen direkt Bezug zur Stadt.

Die Stücke im Einzelnen

V-2 Schneider

Der Song „V-2 Schneider“ ist direkt Florian Schneider, Mitglied bei Kraftwerk, gewidmet. Er überrascht mit futuristischen Sounds, die an einen Raketenstart erinnern, und bekommt durch Bowies Saxofoneinlagen einen sehr dynamischen Charakter. Es ist eines der wenigen Stücke der Sammlung, das nach vorn drängt statt zu schweben.

Warszawa

Mein persönliches Highlight ist natürlich „Warszawa“. Dieser Track baut eine unheimlich intensive Atmosphäre auf, die sehr melancholisch und beklemmend ist. Zum Ende des Songs hin singt Bowie sogar etwas in einer obskuren Sprache, die dem Stück einen ganz eigenen Charakter verleiht. Wer nur ein einziges Stück dieser Platte hören will, sollte dieses nehmen.

Abdulmajid

Bei „Abdulmajid“ handelt es sich um einen zuvor unveröffentlichten Track, den Bowie aus seinem Archiv ausgrub und nachträglich nach dem Nachnamen seiner Frau Iman benannte. Für Sammler ist das Stück einer der wichtigsten Gründe, zu dieser Zusammenstellung zu greifen.

The Mysteries und Ian Fish U.K. Heir

Die Stücke „The Mysteries“ und „Ian Fish U.K. Heir“ stammen aus dem Buddha-Soundtrack und sind damit stilistisch etwas anders gelagert als das 70er-Material, können aber durchaus qualitativ mit den anderen Tracks mithalten. Sie zeigen, dass Bowies instrumentale Ader keine kurze Berliner Episode war, sondern über zwei Jahrzehnte hinweg immer wieder aufbrach.

Weeping Wall, Art Decade und Subterraneans

Diese drei Stücke stammen aus der zweiten Hälfte von Low und gehören zum Kern dessen, was mit „Berliner Ambient“ gemeint ist. Sie arbeiten mit langen Flächen, wenigen Motiven und viel Raum. Im Kontext von All Saints wirken sie erstaunlich kompakt, weil sie hier nicht mehr als Anhang zu Popsongs auftreten.

Crystal Japan und Brilliant Adventure

„Crystal Japan“ und „Brilliant Adventure“ stammen aus ganz unterschiedlichen Phasen und stehen doch nebeneinander, ohne dass es bricht. Das ist die eigentliche Leistung dieser Zusammenstellung: Sie behandelt zwanzig Jahre Bowie nicht als Zeitstrahl, sondern als einen einzigen, durchgehenden Klangraum.

Wie man All Saints hört

Diese Platte funktioniert nicht als Hintergrundmusik zum Nebenbeihören und auch nicht im Shuffle-Modus. Sie entfaltet ihre Wirkung erst, wenn man sie am Stück und möglichst ohne Ablenkung durchlaufen lässt. Dann entsteht aus den einzelnen Stücken tatsächlich so etwas wie eine Erzählung ohne Worte, mit Berlin als stillem Hauptmotiv.

Wer sich an das Material herantasten möchte, beginnt am besten mit „Warszawa“ und „Subterraneans“ und arbeitet sich von dort in beide Richtungen vor. Die Sammlung verlangt Geduld, belohnt sie aber mit Musik, die auch nach vielen Jahrzehnten nicht ausgehört ist.

Für wen lohnt sich All Saints?

Diese Zusammenstellung ist der beste Einstieg für alle, die den experimentellen Bowie kennenlernen wollen, ohne sich gleich vier Alben zu kaufen. Ambient-Hörer finden hier Musik, die deutlich älter ist als das Genre-Etikett, das man ihr heute anheftet. Wer dagegen die Alben Low und „Heroes“ ohnehin komplett besitzt und sie als geschlossene Werke schätzt, bekommt vor allem eine neue Anordnung des Bekannten, ergänzt um ein paar echte Raritäten.

Fazit: Lohnt sich All Saints?

All Saints ist ein hervorragendes Instrumentalalbum, bekommt man doch hier die meisten seiner instrumentalen Stücke auf einen Schlag serviert. Auf den entsprechenden Alben konnte man manchmal den Eindruck haben, dass diese Art der Musik nicht so ganz zu den Vocaltracks Bowies passt. So bestand zum Beispiel bei Low die erste Albumhälfte aus klassischen Bowie-Tracks und die zweite fast ausschließlich aus Instrumentalstücken, die manchmal wie Fremdkörper wirkten.

Hier hat man nun die ideale Gelegenheit, diese einmal isoliert betrachten zu können. Meiner Meinung nach entfalten die Stücke erst jetzt ihre ganze Wirkung und fügen sich zu einem gelungenen Gesamtkunstwerk. Für alle, die einmal den etwas anderen David Bowie kennenlernen möchten, unbedingt zu empfehlen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist All Saints - Collected Instrumentals 1977-1999?

All Saints ist eine Zusammenstellung von sechzehn Instrumentalstücken David Bowies aus den Jahren 1977 bis 1999. Die hier besprochene Ausgabe erschien 2001 als Einzel-CD bei Virgin/EMI. Der Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit Brian Eno Ende der 70er Jahre in Berlin.

Von welchen Alben stammen die Stücke?

Der Großteil kommt von den Berlin-Alben Low und „Heroes“ aus dem Jahr 1977. Dazu treten spätere Aufnahmen, darunter Stücke aus dem Buddha-of-Suburbia-Soundtrack sowie „Brilliant Adventure“. Auch die Single-B-Seite „Crystal Japan“ ist enthalten.

Gab es All Saints schon einmal vor 2001?

Ja. Eine erste Fassung war ein Doppelalbum, das Bowie 1993 als Weihnachtsgeschenk für Freunde und Familie zusammenstellte. Davon wurden nur rund 150 Exemplare hergestellt, weshalb diese Version zum gesuchten Sammlerstück wurde. Die kommerziell erhältliche Ausgabe von 2001 ist die kürzere Einzel-CD.

Ist „Abdulmajid“ ein neues Stück?

„Abdulmajid“ war zuvor unveröffentlicht und stammt aus Bowies Archiv. Den Titel bekam es nachträglich nach dem Nachnamen seiner Frau Iman. Auf regulären Studioalben der 70er Jahre taucht es nicht auf.

Für wen lohnt sich All Saints?

Für alle, die Bowie jenseits der Hits kennenlernen wollen, und für Hörer von Ambient und elektronischer Musik. Wer Low und „Heroes“ schon besitzt, bekommt zwar viel Bekanntes, aber in einer Reihenfolge, die die Instrumentalstücke erstmals als eigenständigen Zusammenhang erfahrbar macht.

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